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Beschreibung
vor 5 Monaten
Demon SlayerVon Haruo Sotozaki
Das Echo auf heiß erwartete Medienereignisse wie „Demon
Slayer: Kimetsu no Yaiba Infinity Castle - Teil 1“ hat
eine Besonderheit, ich möchte von einem Nachteil sprechen. Solche
Filme werden von ihrer Blase bedingungslos abgefeiert, während
ringsum Ratlosigkeit oder Desinteresse herrschen. Das bedeutet,
dass einer der angesagtesten Beiträge der beginnenden
Herbstsaison sich jeder kritischen Analyse entzieht. Selbst der
Berliner Werbechef von Sony, der den Film dieser Tage vorab in
der Hauptstadt präsentierte, stand dem Produkt erkennbar hilflos
gegenüber, wie wir gleich erfahren werden.
In diese entsetzliche Lücke will der heutige Podcast
hineinhüpfen. Da ich selbst nicht zu den sattelfesten
Dämonenjägern gehöre, will ich den Blick von außen übernehmen.
Für die Innenansicht habe ich mir zwei Kenner der japanischen
Popkultur dazugeholt. Ich begrüße zum Gespräch meinen Redakteur
für Soziales Ronny Fanta und den Autor, Sprecher
und Humoristen Viktor Hacker.
Im Japan der Taisho-Ära. Der junge Tanjirō muss erleben, dass ein
bösartiger Dämon seine geliebte Familie tötet. Nur er und seine
kleine Schwester Nezuko überleben, doch Nezuko verwandelt sich
durch den Angriff selbst in einen Dämon. Getrieben von dem
Wunsch, diesen Fluch zu bannen, schließt sich Tanjirō einer
Gruppe von Dämonenjägern an, dem Demon Slayer Corps. Er will sich
zu einem Hashira ausbilden lassen, dem ranghöchsten Dämonenjäger,
um Rache zu üben und seine Schwester zu retten. Gefährliche
Missionen erwarten ihn, bis der finale Kampf zwischen
Dämonenjägern und Dämonen entbrennt.
Im Artikel eines Kulturteils wurde kürzlich zusammengefasst, wie
Filme aus der Zeit vor der Jahrtausendwende auf heutige Zuschauer
wirken: „Mein Gott, wie lang das dauert! Und wie alt das ist! Das
Frauenbild, das Männerbild, das ewige Standbild!“
Umgekehrt wirkt auf erfahrenere Filmfans fast alles Heutige
wie das andere Extrem. Insofern ist „Demon Slayer“ ein sehr
typisches Produkt auf der Höhe unserer Zeit. Er ist kein
einzelner Film, er repräsentiert ein Kulturphänomen. Und wie in
gewissen Systemen der Einzelne nichts ist und nur die Masse
zählt, ist heute ein Abend im Kino nichts, wenn er sich nicht in
ein großes multimediales Konzept einfügt, das auf Jahre angelegt
ist.
Man braucht Vorwissen, also die Kenntnis der Manga-Reihe
und der Anime-Fernsehserie „Demon Slayer“. Dies ist der erste von
drei Filmen, die die Fernsehserie abschließen sollen.
Für einen spontanen Betrachter ist die erste Stunde ein
einziges Schlachtgetümmel, dem eine Handlung nicht anzumerken ist
und deren Kombattanten sich ebensowenig auseinanderhalten lassen
wie ihre Motivationen. Freund und Feind rasen durch ein an M. C.
Escher geschultes Labyrinth aus unzähligen identischen
Architekturbausteinen, das titelgebende „Infinity Castle“, das
„unendliche Schloss“.
Der zweite Teil / der zweite Akt erzählt die an sich
abendfüllende Geschichte eines der drei Gegner des Abends: des
Elitekämpfers Akazar. Wie sich das im Kino der Gegenwart gehört,
darf er nicht einfach böse sein, und so wird seine tragische
Biographie aus- und aufgerollt. Akazar ist selbst ein Opfer
barbarischer Vorgänge, die den Heimsuchungen und Motiven Tanjirōs
genau gleichen.
Der Rest des Films erzählt, wie Akazar nach seiner
Enthauptung wieder und wieder die Oberhand gewinnt und ebensooft
von den Kämpfern des Corps‘ niedergerungen wird.
An ein tatsächliches Finale mag man nicht glauben,
angesichts der Zuverlässigkeit, mit der jeder abgeschlagene
Körperteil nachwächst, jeder und jede Tote wieder aufsteht, jeder
Fluch sich wieder auflöst, um einem neuen Platz zu machen. Das
Happy End – einst ein Wesensmerkmal des Kinos an sich – ist
abgeschafft. Denn dann wäre ja auch das jeweilige Franchise am
Ende.
Der Begriff „Infinity Castle“ ist treffend. Wer dort war,
ahnt, was Aussichtslosigkeit bedeutet. Und bei allem Tempo könnte
man auf den Gedanken kommen, auf der Stelle zu treten.
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