#728 Wer schützt die Verteidigung? – Über Justiz, Kosten und Rechtsstaat

#728 Wer schützt die Verteidigung? – Über Justiz, Kosten und Rechtsstaat

Wie Haftung, Vorurteile und strukturelle Ungleichgewichte die wirksame Verteidigung bedrohen
21 Minuten

Beschreibung

vor 6 Monaten
In dieser Solo-Folge von 'Auf dem Weg als Anwältin' reflektiere der
Strafverteidiger Duri Bonin über ein aussergewöhnliches Verfahren:
Das Verwaltungsgericht Zug belegte zwei Anwältinnen persönlich mit
Gerichtskosten in Höhe von CHF 2’000. Das Bundesgericht hat diese
Kostenauflage später aufgehoben und den Entscheid als willkürlich
bezeichnet. Doch die Geschichte ist mehr als ein Einzelfall: Sie
wirft grundlegende Fragen auf über die Unabhängigkeit der Justiz,
die Rolle der Anwaltschaft und die Gefahren einer abschreckenden
Wirkung, wenn Verteidiger:innen mit persönlicher Haftung rechnen
müssen. Die zentralen Überlegungen in dieser Episode: - Warum die
Kostenauflage an Anwält:innen einer „Brandmarkung“ gleichkommt und
das Grundrecht auf wirksame Rechtsvertretung schwächt. - Weshalb
Richter:innen nicht über die Qualität oder Gesinnung der
anwaltlichen Arbeit urteilen sollten – und wie Vorurteile
richterliche Unabhängigkeit gefährden. - Wie parteipolitische
Richterwahlen Einfluss auf richterliche Entscheidungsfreiheit
nehmen können. - Ein Vergleich zur römischen Lex Remnia de
calumnia: damals wie heute geht es um den Umgang mit angeblich
missbräuchlichen Anträgen. - Das strukturelle Ungleichgewicht im
Strafverfahren: Während Honorarnoten der Verteidigung öffentlich
seziert und pauschal gekürzt werden, bleiben Kosten von Gutachten,
Staatsanwaltschaft, Polizei und Gericht sowie die Löhne der
Staatsangestellten kein Thema. - Warum Pauschalhonorare für
amtliche Verteidigungen in die falsche Richtung weisen und den
Rechtsstaat langfristig schwächen. - Persönliche Einblicke in den
Belastungsdruck der Anwaltschaft: hohe Verantwortung, prekäre
Honorierung, psychische Belastungen – und warum viele junge
Jurist:innen den Weg ins Straf- oder Migrationsrecht meiden. Am
Ende geht es um mehr als einen einzelnen Entscheid: Es geht um das
Vertrauen in die Justiz, um Waffengleichheit im Strafverfahren und
um den Respekt gegenüber der Verteidigung als tragender Säule des
Rechtsstaats. Links zu diesem Podcast: - [#726 Lea Hungerbühler
über administrative Haft, Chilling-Effekte im Asylrecht und den
Glauben an den
Rechtsstaat](https://www.duribonin.ch/726-lea-hungerbuehler-ueber-administrative-haft-chilling-effekte-im-asylrecht-und-den-glauben-an-den-rechtsstaat/)
- [Verfügung des Verwaltungsgerichts Zug vom 22. Januar 2025 in
Sachen V 2025 2
2](https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7363197942947627011/)
- [Urteil des Bundesgerichts vom 20. März 2025 in Sachen
2C_109/2025](http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2F20-03-2025-2C_109-2025&lang=de&type=show_document)
- Anwaltskanzlei von [Duri Bonin](https://www.duribonin.ch) - Das
Buch zum Podcast: [In schwierigem Gelände — Gespräche über
Strafverfolgung, Strafverteidigung &
Urteilsfindung](https://www.duribonin.ch/shop/) Die Podcasts "Auf
dem Weg als Anwält:in" sind unter https://www.duribonin.ch/podcast/
oder auf allen üblichen Plattformen zu hören . Dort einfach nach
'Duri Bonin' suchen und abonnieren.

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