Beschreibung

vor 4 Jahren
Buch auf der Website: https://www.gr-verlag.de/sacres-band1




Buch auf amazon.de: https://www.amazon.de/dp/B098BV4DV2



5. Kapitel

Als ich am nächsten Morgen aufwache, ist das Rauschen immer noch
nicht wieder da. Nur mein Smartphone klingelt unaufhörlich. Es
ist Bonnie. Ausgerechnet sie.


„Oh Mann – wo bist du? Wir warten alle...der Auftritt...“ Kein
Wort zu gestern, aber sie hat recht. An den Auftritt habe ich in
der ganzen Aufregung nicht mehr gedacht.


„Es geht mir besser, aber meine Mutter wird mich nicht
rauslassen…“


„Dann komm trotzdem…“ Sie hat Recht. Die Ablenkung kann ich
gebrauchen.


Ich mache mich fertig und bis ich runtergehe, bin ich mir sicher,
dass Mama das alles verhindern wird, aber winkt sie schon mit den
Autoschlüsseln.


„Du wirst es nicht glauben, sie haben gerade angerufen. Du darfst
wieder raus und sie wünschen dir viel Erfolg für den Auftritt.“
Ich sollte mich freuen, nur irgendwie traue ich dem Ganzen nicht.


In der Aula haben sich die Sitzreihen schon mit den üblichen
Gästen gefüllt. Bonnie steht im Backstagebereich vor einem
Spiegel und tuscht sich die Wimpern.


Als sie mich sieht, umarmt sie mich, „gut, dass du da bist…ich
bin ja so aufgeregt.“


„Aber wegen gestern…die Party… und…“


„Ja, war ganz lustig, aber du warst doch so früh weg…“ Das ist
alles, das ihr aufgefallen ist?


„Jetzt komm schon, es geht gleich los…und wie deine Haare wieder
aussehen…“ Ich weiß, ich habe sie nicht gebürstet. Sie setzt mich
vor einen Spiegel und beginnt meine Haare zu machen und ich
verstehe die Welt nicht mehr. Kein Wort über die Kümmerer, dabei
muss es gerade ihr doch sofort aufgefallen sein. Habe ich mir das
alles wieder nur eingebildet? Selbst wenn. Es bringt jetzt
nichts, darüber nachzudenken. Ich werde den Auftritt jetzt
trotzdem durchziehen und danach ist hoffentlich wieder alles
normal.


Wir gehen auf die Bühne. Als ich singe, bin ich sofort in meinem
Element und endlich nerven mich die Symptome nicht mehr.


Wir sind beim letzten Stück, als weitere Gäste durch die
Seitentür reinkommen. Ich begreife sofort, wer das ist. Sie haben
eine Statur und Ausstrahlung, die man überall erkennen würde. Auf
einmal starren alle nur die Kümmerer an, während sie sich in die
letzte Reihe setzen, also kann ich mir das nicht nur einbilden.


Trotzdem begreife ich das nicht. Ich dachte, es wäre vorbei und
sie hätten mich geheilt und wenn keiner davon wissen darf, was
mir passiert ist, warum erregen sie jetzt so eine Aufmerksamkeit?
Wer weiß? Vielleicht wollen sie als Entschädigung für meine
Strapazen die Band fördern. Zumindest muss Bonnie das denken. Sie
geht besonders weit nach vorne und lässt sie alle wissen, wer die
Frontsängerin ist, aber die neuen Gäste starren nur mich an. Was
ist noch so spannend an mir, ich bin doch wieder gesund?


Als es vorbei ist, klatschen sie, genau wie alle anderen. Mama
beglückwünscht mich, „oh Emilie, du warst so gut und sie scheinen
es auch gesehen zu haben.“ Mittlerweile ist mir das egal. Ich bin
die Aufmerksamkeit leid.

Kommentare (0)

Lade Inhalte...

Abonnenten

15
15