Behandlung von Frauen mit Gestationsdiabetes in einem spezialisierten Diabeteszentrum

Behandlung von Frauen mit Gestationsdiabetes in einem spezialisierten Diabeteszentrum

Beschreibung

vor 11 Jahren
Der Gestationsdiabetes (GDM) ist definiert, als eine erstmals in
der Schwangerschaft aufgetretene mittels Nüchternblutzucker oder
mit einem standardisierten 75g oralen Glukosetoleranztest (oGTT)
diagnostizierte Glukosetoleranzstörung. Der GDM gehört zu den
häufigsten Schwangerschaftskomplikationen in Deutschland.
Mitbedingt durch bessere Screeninguntersuchungen und strengere
Diagnosekriterien, hat seine Inzidenz in den letzten Jahren stetig
zugenommen. Da aktuelle Studien zeigen, dass bereits gering erhöhte
Blutzuckerwerte in der Schwangerschaft mit einer Zunahme sowohl an
maternalen als auch an kindlichen Komplikationen einhergehen,
wurden die Diagnosekriterien modifiziert und im Jahr 2011 in einer
neuen Leitlinie publiziert. Erstmals existiert nun eine gute
Evidenzbasis zur Diagnose und Therapie des GDM. Ziel dieser Arbeit
war es, in einer retrospektiven Analyse die Effektivität der
aktuellen Therapie des Gestationsdiabetes anhand der
Behandlungsergebnisse am Diabeteszentrum der LMU München, zu
erfassen. Die Ergebnisse wurden mit den Daten aktueller
internationaler Studien (ACHOIS, MFMU, HAPO) verglichen. Die Studie
umfasste 297 Gestationsdiabetikerinnen (GDM-Kollektiv), die im
Zeitraum vom 01.01.2008 bis 30.06.2011 im Diabeteszentrum der
Medizinischen Klinik Innenstadt der LMU München betreut wurden.
Davon entbanden 167 Patientinnen (LMU-Kollektiv) ihre Kinder in der
Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der LMU München. Von diesen
konnten zusätzliche perinatale Daten erhoben werden. Als
Vergleichskollektiv (n = 8773) wurden alle Frauen erfasst, die im
selben Zeitraum ebenfalls an der Klinik für Gynäkologie und
Geburtshilfe der LMU München entbanden. Der Vergleich der
Baseline-Charakteristika der Frauen mit GDM und des
Vergleichskollektivs bestätigte vor allem den präkonzeptionellen
BMI als Risikofaktor für GDM. Diagnostik und Therapiebeginn
erfolgte bei den Patientinnen mit Insulintherapie signifikant
früher, als bei den Frauen mit rein diätetischer Therapie. Die
Patientinnen im Insulin-Kollektiv wiesen signifikant höhere
Nüchtern- und 1-h Werte im 75-g oGTT auf. Nach den alten
Diagnosekriterien wären 55,5 % der Patientinnen im LMU-Kollektiv
nicht als GDM diagnostiziert worden. Mitbedingt durch die neuen
Kriterien kam es zu einem Anstieg der Inzidenz um 50%. Die Rate an
mütterlichen und kindlichen Komplikationen war insgesamt gering. Im
GDM-Kollektiv fand sich trotz Therapie ein höherer LGA-Anteil
(Geburtsgewicht > 90. Perzentile) als im Vergleichskollektiv
(14,5% vs. 5,3%), welcher höher lag, als in aktuell publizierten
Interventionsstudien. Die Raten von SGA (Geburtsgewicht < 10.
Perzentile), primärer und sekundärer Sectio caesarea waren im
GDM-Kollektiv nicht erhöht. Um zu klären, weshalb es trotz strenger
Therapievorgaben zu einer erhöhten LGA-Rate nach GDM kommen konnte,
erfolgte eine Unterteilung des GDM-Kollektivs nach dem
Geburtsgewicht (≤ 90. vs. > 90. Perzentile). Als einziger
signifikanter Unterschied zeigte sich der Zeitpunkt der
Diagnosestellung des GDM. Entsprechend lag der LGA-Anteil bei
Diagnosestellung ≤ 28. SSW mit 5,6% auf dem Niveau des
Vergleichskollektivs. Die an unserem Zentrum praktizierte, nach den
Leitlinien der DDG orientierte GDM-Therapie, bewirkte eine sehr
niedrige mütterliche und kindliche Komplikationsrate. Bei
rechtzeitiger Diagnosestellung lag die LGA-Rate auf dem Niveau des
Vergleichskollektivs und ist mit den Ergebnissen aktueller
Interventionsstudien durchaus vergleichbar. Unsere Daten
unterstreichen noch einmal die Bedeutung eines generellen
GDM-Screenings bei allen Frauen. Parallel zur Therapie des GDM
sollte in enger Zusammenarbeit mit den betreuenden Gynäkologen eine
sonografische Kontrolle des fetalen Wachstums erfolgen um
Therapieanpassungen entsprechend der Entwicklung des Kindes
durchführen zu können.

Kommentare (0)

Lade Inhalte...

Abonnenten

15
15