Geduld üben: Ich lerne das Warten

Geduld üben: Ich lerne das Warten

vor 4 Jahren
Wie viel Zeit verbringen wir eigentlich mit Warten? Und warum sind wir dabei immer so genervt? - Daniela will das Warten lernen und muss sich in mehreren Geduldsproben beweisen: Wann wird ihr der Geduldsfaden reißen?
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Beschreibung

vor 4 Jahren
Wie viel Zeit verbringen wir eigentlich mit Warten? Und warum sind
wir dabei immer so genervt? - Daniela will das Warten lernen und
muss sich in mehreren Geduldsproben beweisen: Wann wird ihr der
Geduldsfaden reißen?

Wir warten auf den Bus und an der Supermarkt-Kasse, wir warten an
der Ampel, beim Arzt und auf dem Amt. Wir warten auf die große
Liebe, auf bessere Zeiten oder gar ein Spenderorgan. Und wir sind
nicht allzu gut darin: Mehr als die Hälfte der Deutschen nimmt
Wartezeiten als größtes Ärgernis im Alltag wahr. Doch als
Forschungsgegenstand liefern diese alltäglichen Geduldsproben und
Wartesituationen erstaunliche Erkenntnisse über uns Menschen. Was
Warteschlangen alles über uns verraten, könnt ihr hier nachlesen:
https://www.mdr.de/wissen/was-warteschlangen-ueber-uns-verraten-100.html


"Wer die Kunst des Wartens nicht beherrscht, dem geht auch die
Gelassenheit verloren - und die Vorfreude", sagt der Frankfurter
Journalist und Autor Timo Reuter und fordert eine neue Kultur des
Wartens, die sich dem Rausch der Beschleunigung widersetzt. Er
betrachtet das Warten als Sandkorn im Getriebe der pausenlosen
Verwertungsmaschine. Und als Möglichkeit, uns neue Freiräume zu
öffnen. In seinem Buch "Warten. Eine verlernte Kunst" (Westend
Verlag, 2019) untersucht er den politischen Gehalt des Wartens,
dessen subversives Potenzial sowie die beglückende Kraft des
Nichtstuns, der Muße und des Verweilens:
https://www.westendverlag.de/buch/warten/

Am Flughafen in Houston gab es immer wieder Beschwerden über die
langen Wartezeiten an den Gepäckbändern. Daraufhin stellten die
Flughafen-Betreiber mehr Personal ein, die Wartezeiten verkürzten
sich, aber die Unzufriedenheit blieb. Kurzerhand wurden die
Gepäckbänder ans andere Ende der Halle versetzt, sodass die
Fluggäste erst einmal dorthin laufen mussten, statt einfach nur zu
warten. Erstaunlicherweise blieben die Beschwerden nun aus. "Action
Bias" nennt die Verhaltensforschung das: Statt tatenlos und passiv
abzuwarten, wollen wir Menschen oftmals lieber aktiv handeln - auch
wenn wir dafür einmal quer durch einen Flughafen laufen müssen:
https://www.researchgate.net/profile/Richard-Larson-9/publication/304582002_Prescription_for_the_Waiting_in_Line_Blues_Entertain_Enlighten_Engage/links/5774627708aeb9427e2422c4/Prescription-for-the-Waiting-in-Line-Blues-Entertain-Enlighten-Engage.pdf


Ob die Prüfungsergebnisse im Studium, die Entscheidung bei einem
Bewerbungsverfahren oder der ärztliche Untersuchungsbefund im
Krankenhaus - es gibt Situationen, in denen wir nicht wissen, was
genau uns erwartet und wir können auch nichts dagegen tun. Diese
Mischung aus Spannung, Unsicherheit und Kontrollverlust ist
manchmal fast unerträglich für uns und kann sogar zu noch größerem
Stress führen als das Wissen, dass etwas Unangenehme passieren wird
oder wir am Ende sogar scheitern, wie eine Studie um Archy O. de
Berker vom University College London und seinen Kolleg*innen zeigt:
https://doi.org/10.1038/ncomms10996
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