„Wir brauchen Führung von oben“ – Julian Real über Verbandsstrukturen & die Zukunft des Wasserballs

„Wir brauchen Führung von oben“ – Julian Real über Verbandsstrukturen & die Zukunft des Wasserballs

„Ohne klare Vorgaben geht es nicht“ – Julian Real über DSV, Bundesliga & Leistungssport
31 Minuten
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Beschreibung

vor 3 Jahren
In dieser Episode des Waterpolo Expert Talk spricht Julian Real
sehr offen über seine neue Rolle abseits des aktiven
Leistungssports und über die strukturellen Herausforderungen, mit
denen der deutsche Wasserball aktuell konfrontiert ist. Im Zentrum
des Gesprächs steht eine klare Forderung: Der DSV muss deutlich
stärker von oben steuern und verbindliche Vorgaben machen, um
Leistungssport langfristig zu sichern. Julian beschreibt den
Perspektivwechsel vom aktiven Spieler hin zur operativ-gestaltenden
Rolle beim ASC Duisburg. Nach dem olympischen Qualifikationsturnier
entschied er sich bewusst, ein weiteres Jahr aktiv zu spielen und
parallel Verantwortung im Verein zu übernehmen. Der Auslöser war
ein Gespräch mit dem Vereinsvorsitzenden, der angesichts vieler
junger Spieler und fehlender klarer Strukturen Unterstützung
benötigte. Für Julian war schnell klar: Duisburg steht an einem
Wendepunkt – und dieser verlangt aktives Gestalten statt Abwarten.
Ein zentrales Thema ist die Motivation junger Spieler. Julian
schildert sehr realistisch, wie schwierig es geworden ist,
Jugendliche langfristig für den hohen zeitlichen Aufwand des
Wasserballs zu begeistern. Vier Trainingseinheiten am Morgen,
zusätzliche Einheiten am Abend – all das erfordert klare Ziele.
Doch genau diese Ziele seien für viele junge Spieler nicht mehr
greifbar. Nationale Titel, Nationalmannschaft, internationale
Turniere: Was früher realistische Perspektiven waren, erscheint
heute oft weit entfernt. Besonders deutlich wird Julian bei der
fehlenden Zieldefinition durch den Verband. Er greift Aussagen des
ehemaligen Bundestrainers Petar Porobić auf, der bereits betonte,
dass klare Zielvorgaben „von oben“ notwendig sind. Ohne diese
Orientierung fehle es an Energie, Richtung und
Durchsetzungsfähigkeit. Strukturen würden zwar diskutiert, aber
nicht konsequent umgesetzt. Entscheidungen würden verwässert, um
möglichst niemanden zu verärgern – was letztlich Stillstand
bedeute. Auch die Förderstrukturen stehen im Fokus. Julian spricht
über ungenutzte Potenziale bei Bundeswehr, Studium und dualen
Modellen. Diese Instrumente existieren zwar, werden aber kaum
strategisch eingesetzt oder miteinander verknüpft. Gerade für
Vereine wie Duisburg, Hannover oder Berlin als Bundesstützpunkte
müsse klar definiert sein, welchen Auftrag sie erfüllen: Förderung
deutscher Spieler – nicht nur kurzfristiger sportlicher Erfolg.
Kritisch analysiert Julian zudem die Bundesliga-Strukturen,
insbesondere Themen wie Zweitspielrechte, A- und B-Gruppen sowie
die zunehmende Komplexität des Systems. Was intern vielleicht
erklärbar sei, werde von außen kaum noch verstanden – weder von
Eltern noch von potenziellen Neueinsteigern. Diese fehlende
Transparenz schade dem Sport erheblich. Ein wiederkehrendes Motiv
ist die Konzentration auf wenige sogenannte „usual suspects“.
Nationalmannschaften rekrutierten sich zunehmend aus einem sehr
kleinen Kreis an Vereinen, während andere Clubs trotz guter
Jugendarbeit kaum Durchlässigkeit hätten. Ohne gezielte Steuerung
verstärke sich dieser Effekt – mit negativen Folgen für Breite und
Basis. Julian denkt auch alternative Modelle an, etwa eine stärkere
Trennung zwischen Leistungs- und Hobbybereich oder Ansätze nach
niederländischem Vorbild. Gleichzeitig macht er klar, dass es keine
perfekte Lösung gebe. Entscheidend sei nicht das Modell, sondern
der Mut zur Entscheidung und die Bereitschaft, Verantwortung zu
übernehmen. Trotz aller Kritik endet das Gespräch mit einer klaren
Liebeserklärung an den Sport. Wasserball sei zeitintensiv, fordernd
und wenig lukrativ – aber für Julian nach wie vor der beste Sport
der Welt. Genau deshalb lohne es sich, für bessere Strukturen zu
kämpfen. Diese Episode ist ein analytischer, ehrlicher und sehr
klarer Appell an Verband, Vereine und Entscheidungsträger, den
Leistungssport im Wasserball aktiv zu gestalten – statt ihn dem
Zufall zu überlassen. Mehr zum Podcast: https://www.schulzekopp.de
Eine zentrale Folge für alle,

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