Inga Pylypchuk und Wanja Kilber über LGBTI in Putins Krieg und wie wir helfen können

Inga Pylypchuk und Wanja Kilber über LGBTI in Putins Krieg und wie wir helfen können

1 Stunde 12 Minuten
Podcast
Podcaster
Queer.de präsentiert den queeren Podcast mit Nollendorfblogger Johannes Kram

Beschreibung

vor 2 Jahren
Inga Pylypchuk und Wanja Kilber erklären, wie es zum russischen
Überfall auf die Ukraine kommen konnte, wie sich die Lage queerer
Menschen in beiden Ländern entwickelt hat, wie man helfen kann und
warum in Kiew auch unsere Freiheit verteidigt wird. Der russische
Angriff auf die Ukraine hat die Welt und auch die Stimmung in
unserer Redaktion verändert. Ich selbst habe mich kurz gefragt, wie
wir – business as usual – jetzt über queere Streaming-Serien,
fröhliche Eurovision-Liedchen oder homofeindliche Schmierereien in
der Provinz berichten können, wo doch mitten in Europa Bomben
fallen. Wir machen weiter unseren Job, aus gutem Grund, und
informieren zusätzlich u.a. ausführlich über die Hilfsangebote für
die queeren Opfer der Invasion. Auch Johannes Kram hat einen neuen
QUEERKRAM-Podcast aufgenommen. Seine 32. Folge fällt aus der Reihe,
denn sie stellt keine Person, sondern den russischen Überfall auf
die Ukraine, dessen Vorgeschichte und die Folgen in den
Mittelpunkt. Mit der ukrainischen Journalistin und Filmemacherin
Inga Pylypchuk und dem aus Russland stammenden Aktivisten und
Co-Gründer von Quarteera Wanja Kilber hat er dafür zwei
hochkompetente Gäste gefunden. Sie sind sehr nah dran am Geschehen
und können es doch mit dem Abstand in Deutschland lebender
Migrant*innen reflektieren. Seit Kriegsbeginn hat sich das Leben
von Inga und Wanja komplett verändert, seit drei Wochen fanden sie
nur wenig Schlaf. „Emotional ist es eine Hölle“, erzählt die
Journalistin, die viele Freund*innen in der Ukraine hat und ihrer
eigenen Mutter zur Flucht verhalf. „Ich empfange jeden Tag jemanden
in Berlin, und jeden Tag sprechen wir über die Kriegserlebnisse.“
Wanja engagiert sich bei der Geflüchteten-Hilfe von Quarteera, vor
dem Podcast-Gespräch war er am Berliner Hauptbahnhof. „Helfen
hilft“, sagt er gleich mehrfach im Podcast. „Die Hilfsbereitschaft
ist enorm, das hilft mir einzuschlafen.“ Allein durch das
Engagement von Quarteera haben laut Wanja bereits 175 Menschen und
18 Haustiere ein temporäres Zuhause gefunden, parallel schickt das
Queere Bündnis Nothilfe HIV-Medikamente und Hormonpräparate für
trans Menschen, beides mittlerweile Mangelware, in die Ukraine.
„Schlimmer als alle Alpträume“, nennt Inga die Situation in ihrer
früheren Heimat. „Wir hatten das Gefühl, dass sich das Land in die
richtige Richtung entwickelt.“ Die Akzeptanz queerer Menschen sei
seit Jahren gestiegen, der Staat habe sich schützend vor
LGBTI-Paraden gestellt – ganz anders als in Russland, wo es
schlimmer geworden sei. Putin habe Queerfeindlichkeit gezielt
genutzt, um das Land hinter sich zu vereinen, analysiert Wanja, der
schon vor Jahren gegen die „Homo-Propaganda“-Gesetze protestierte.
Für beide ist Putins Russland heute ein „faschistischer Staat“, dem
nicht zu trauen sei, der von nichts zurückschrecke, der mit
friedlichen Mitteln nicht gestoppt werden könne. Unterdrückung von
LGBTI und der Überfall auf ein Nachbarland sind für Inga und Wanja
zwei Seiten einer Medaille. Von EU und Nato fordern sie deshalb
mehr Engagement, etwa eine Flugverbotszone. „Die Ukrainer*innen
verteidigen auch unsere Freiheit und unsere Werte“, mahnt Inga.
„Die Deutschen haben den Ernst der Lage nicht verstanden.“ Er freue
sich schon auf Rote-Beete-Partys nach Putins Tod, gibt Wanja einen
Hinweis, wie er sich eine Ende des Kriegs vorstellt. Im Podcast
geht es ausführlich um die Situation in Mariupol, das für Inga
einst „zweite Heimatstadt“ war, um angebliche Todeslisten mit den
Namen von LGBTI-Aktivist*innen, um queere Kämpfer*innen mit
Regenbogenaufkleber auf dem Maschinengewehr und den „doppelten
Krieg“ queerer Ukrainer*innen, die sich auf der Flucht outen müssen
oder als trans Frau das Land nicht verlassen dürfen, weil im Pass
ein Männername steht. Um eine der wichtigsten Fragen geht es am
Schluss im Podcast : Wie kann man helfen? (...) Micha Schulze,
queer.de

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