Podcaster
Episoden
03.03.2026
11 Minuten
„Deutsche Freunde“ von Ozan Ata Canani ist eines der frühesten
deutschsprachigen Lieder eines Kindes von Arbeitsmigranten – und
ein eindringliches Zeitdokument der späten 1970er-Jahre.
Entstanden vor dem Hintergrund von Ausländerfeindlichkeit,
Rückkehrdebatten und dem berühmten Zitat von Max Frisch („Man hat
Arbeitskräfte gerufen, und es kamen Menschen“), erzählt der Song
vom Fremdsein, von Ausgrenzung und von der Zerrissenheit der
zweiten Generation zwischen zwei Welten.
Ozan Ata Canani, Spitzname Ata, kam mit zwölf Jahren nach
Deutschland, spielte Saz, trat auf Hochzeiten auf und begann
schließlich, deutsche Texte zu schreiben. Der Anblick von Parolen
wie „Ausländer raus!“ und „Türken verboten!“ wurde zum Auslöser
für „Deutsche Freunde“, ein Lied, das sich direkt an die
politischen Entscheidungsträger jener Zeit richtet.
Obwohl der Song zunächst nur auf Kassetten in türkischen Läden
kursierte und die Originalaufnahme verloren ging, wurde er 1982
im Fernsehen gezeigt und Jahrzehnte später neu aufgenommen. Heute
gilt „Deutsche Freunde“ als wichtiger Beitrag zur Musik- und
Migrationsgeschichte in Deutschland – und als späte, aber
kraftvolle Stimme einer Generation, die lange überhört wurde.
Ozan Ata Canani sagt im Podcast: Die Deutschen sprechen
von unseren lieben türkischen Freunden und hintenrum Ende
70er Anfang 80er gab es einfach 10000 Mark in die Tasche, um die
Menschen wieder wegzuschmeißen, als ob eine Maschine ausgetauscht
wird. Ein wahrer Freund macht das nicht. Das ist die
sarkastische Seite an dem Song. Es ist ein Protestlied gewesen,
das ich damals gesungen habe. Die Zeit war damals noch nicht reif
für solche Songs, das Lied lief nicht im Radio – echtes Interesse
hatte nur Alfred Biolek.
Ich freue mich sehr, dass Ozan Ata Canani in dieser Folge dabei
ist und über diesen Song erzählt
Foto Nadine Heller Menzel
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23.02.2026
9 Minuten
Mit seinem neuen Song "Streets of Minneapolis" knüpft Springsteen
direkt an die Themen von "Ghost of Tom Joad" an. Der Song
reflektiert die sozialen und politischen Spannungen, die in
Minneapolis nach dem Tod von George Floyd entstanden sind. Diese
Ereignisse haben nicht nur die Stadt, sondern die gesamte Nation
erschüttert und einen erneuten Aufruf zur Gerechtigkeit und zur
Bekämpfung von Rassismus und Ungleichheit ausgelöst.
"Ghost of Tom Joad" ist stark von der biblischen Tradition
geprägt, insbesondere von der Figur des Tom Joad aus John
Steinbecks Roman "Früchte des Zorns". Tom Joad steht als Symbol
für den kämpferischen Geist der Unterdrückten und der
Entrechteten. Springsteen nutzt diese Figur, um zu zeigen wie
wichtig Widerstand und Hoffnung sind.
Ein besonders prägnantes Beispiel für diese Verbindung findet
sich im Neuen Testament, in Matthäus 25,40: "Was ihr für einen
meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan."
Diese Passage betont die moralische Verantwortung, die wir
gegenüber den Bedürftigen und Unterdrückten haben.
„Look in their eyes, and you'll see me."
Diese Zeilen verdeutlichen, dass der Kampf um grundlegende
Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit eng mit der Stabilität
der Demokratie verbunden ist. Springsteen fordert uns auf, die
Menschen zu sehen, die für ihre Rechte kämpfen, und damit auch
für die Werte, die eine demokratische Gesellschaft stützen.
Die Verzweiflung und der Kampf der Menschen, die nach einem Platz
in der Gesellschaft suchen, sind ein direktes Zeichen für die
Gefährdung der Demokratie. Wenn die Stimmen dieser Menschen
ignoriert werden, wird die Demokratie selbst untergraben. Die
Verbindung zu Matthäus 25,40 ist hier besonders stark: Indem wir
den Bedürftigen nicht helfen oder sie ignorieren, versäumen wir
es, den Kern der demokratischen Werte zu leben. Und das sind die
christlichen Wurzeln unserer Verfassung und nicht das Christentum
über andere Religionen zu stellen – es geht um Miteinander und
Solidarität, um die Geringsten und nicht um Überlegenheit.
Und genau das ist das Thema seines neuen Songs. „We´ll take our
stand for this land/ and the Stranger in our Midst“ – schön mit
Orgel damit es jede und jeder merkt „in our midst“ ist biblisch-
Gott oder Jesus ist dann unter dem Menschen, wenn sich 2 oder 3
in seinem Namen versammeln, und zwar nicht wie diese rechten
Christen, sondern eben wie bei Tom Joad im Blick auf die
Geringsten, durch Solidarität.
Ich freue mich sehr dass die Textstellen aus dem Song von Martha
Bardwell einer Pastorin aus Minneapolis gelesen werden.
Hier Links zum Konzert in Minneapolis
https://youtu.be/Tj-yWE9fJpg?si=M2rODGtSnMWE9yVn
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Foto Danny Clinch
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17.02.2026
8 Minuten
Dieser Podcast ist Teil einer Ausstellung am BBZ Grevenbroich zu
dem Attentat in Hanau. Dieses Attentat zeigt, wie wichtig es ist,
sich mit der Frage zu beschäftigen, wie finden wir eigentlich zu
einem „Zusammen“. Und zu diesem „Zusammen“ gehört
Verschiedenartigkeit dazu. Der Song „Dazwischen“ beschreibt das –
Jassin hat Chai und Bier Anteile in seiner Persönlichkeit und das
lässt sich nicht ändern. Das gehört eben zusammen und so wie
Jassin diese beiden Wirklichkeiten in sich lebt, sollten wir als
Gesellschaft diese Herausforderung auch annehmen und nicht
ausgrenzen, sondern nach Wegen des Miteinanders suchen.
Der rechtsterroristische Anschlag von Hanau hat uns schmerzhaft
vor Augen geführt, wie gefährlich es ist, wenn Menschen aufgrund
ihrer Herkunft oder Identität nicht als Teil der Gemeinschaft
angesehen werden. Jassins Zeilen „Ich will von den Schubladen nix
mehr wissen“ zeigen, wie wichtig es ist, diese engen Definitionen
zu hinterfragen. Die Frage, wer zu Deutschland gehört, wird durch
diese Tragödie umso relevanter. Wir müssen diesen Identitäten
einen Platz in unserer Gesellschaft anbieten. Heimat sollte nicht
nur für eine bestimmte Gruppe definiert werden, sondern als ein
Raum verstanden werden, in dem alle Menschen, unabhängig von
ihrer Herkunft, zusammenleben können.
In dieser Folge sind die Journalistin Yasemin Kamisli und
meine Kollegin Marie Klein mit dabei.
Foto Lindi Lerac
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10.02.2026
16 Minuten
Ich freue mich jedes Jahr auf Karneval und für Leute, die nicht
aus Köln und Umgebung kommen. Es gibt in Köln ganz viele Kneipen
da läuft nur kölsche Musik und neben, gemeinsam Feiern ist auch
das gemeinsame Singen ein ganz wesentlicher Moment. Die Monate
vor der heißen Phase hören dann Menschen wie ich die neuen
Songs.
„Nie ohne Hoffnung“ ist da ein ganz tolles Lied: Was hilft in
diesen Zeiten die Hoffnung nicht zu verlieren – nach vorne zu
schauen, nach einem Zusammen zu suchen und nicht nach Spaltung –
und weil mir das Lied so gut gefällt und weil ich gedacht habe:
Das muss ich direkt vor Karneval auch noch mal puschen – habe ich
bei Miljö gefragt und ich freue mich total, dass Nils Schreiber
der Sänger und Komponistdes Songs in dieser Folge mitmacht.
In der Folge erzählt Nils von Miljö, wie er die Welt nicht mehr
kapiert hat Angesichts der ganzen Katastrophen. Ihm und der Band
war es wichtig, dass eben zurück nicht der Weg nach vorne sein
kann, dass wir etwas brauchen, was uns Hoffnung schenkt und wir
nicht durch geschürte Ängste auseinander getrieben werden.
Herzliche Einladung den Song zu hören – und auch gerne Miljö
zurückmelden, was euch an dem Song gefällt.
Foto @Henning Becker
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03.02.2026
12 Minuten
Heute am 3.2.hat Simone Weil ihren 117 Geburtstag – den 117
Geburtstag besonders hervorzuheben hätte Simone Weil sicher
gefallen, denn die Runden Jubiläen zu feiern ist ja eine Setzung,
als ob eine Zahl mit einer 0 hinten etwas Besonderes wäre.
Simone Weil, eine moderne Mystikerin, hat uns gerade heute viel
zu sagen. Sie erfährt derzeit eine Renaissance. Thomas Sojer,
Theologe und Schriftsteller, er hat vor kurzem beim RefLab in der
Schweiz über Simone Weil und das Sehen gesprochen – im Podcast
nimmt er uns mit in ihre Schule des Sehens, das geschieht mit
Hilfe eines Songs, den viele sicher schon mal im Radio gehört
haben. Und wahrscheinlich wird der Song auch in Zukunft immer
wieder im Radio laufen – Thomas und ich würden uns freuen, wenn
ihr dann an Simone Weil denkt und über Eure Art die Welt zu
sehen.
Simone Weil schreibt ihre Ideen vom Sehen an Joseph Marie Perrin,
einen blinden, linken Dominikaner. Das, was auf den ersten Blick
vielleicht eher wie ein schlechter Witz aussieht, zeigt was
Simone Weil wirklich wichtig ist. Und hier kann uns das Lied
einen guten Impuls geben, denn dort heißt es: „Resist, Resist it
from yourself you have to hide“ – also: einsehen lernen, es geht
nicht darum in höhere Sphären einzutauchen, sondern das zu sehen,
was da ist, das, was ohnehin passiert.
Nicht nur das sehen, was sowieso da ist, sondern tiefer hinsehen,
es an sich ranlassen, das ist mehr als nur ein zweiter und
dritter Blick – es ist eine Tiefe, eine verborgene Schönheit und
gleichzeitig auch immer etwas Überraschendes und Unbekanntes.
Dieses Hinsehen bedeutet die Art und Weise wie ich durch diese
geistliche Übung des Sehens entdecke, dass so viel mehr da ist -
immer schon da war. Ich schaue nicht nah mehr, ich schaue nicht
nach übermorgen, sondern ich entdecke was da ist – und verblüfft
stelle ich fest, es reicht, vielleicht muss es nur anders
verteilt werden – das kann mich verwandeln, das kann mich
zufriedener machen.
Hier einige Links im Zusammenhang mit unserem Thema:
www.simoneweil-denkkollektiv.de
https://www.reflab.ch/simone-weil-es-ist-der-blick-der-rettet/
https://www.reflab.ch/lesefrucht-haben-wir-zu-beten-verlernt-und-wenn-ja-warum/
https://www.uni-erfurt.de/katholisch-theologische-fakultaet/professuren-lektorate/kirchengeschichte/kirchengeschichte-des-mittelalters-und-der-neuzeit/forschung/forschungsstelle-sprachkunst-und-religion
Foto Rick Rock EMI
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Über diesen Podcast
Schenk einem Song mehrere Verabredungen mit Dir in einer Woche. Es
gibt so viele Songs die Kraft schenken, die Hoffnung wachsen lassen
oder die etwas Kaputtes reparieren. Dafür muss ich den Songs Zeit
und Aufmerksamkeit schenken. Hier gibt es jede Woche einen Song und
drei Gedanken dazu. ___ 7 Tage 1 Song auf Facebook:
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