Geschichte(n) hören Archiv
547 Episoden
1 Stunde 53 Minuten
Nach der Vergabe der olympischen Sommerspiele an Peking erklärte das IOC, es werde die Menschenrechtslage in China beobachten und die Beachtung fundamentaler Rechte fordern. Aber die Kritik an Menschenrechtsverstößen in China hält weiter an. Weder sind die Verantwortlichen für das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 zur Verantwortung gezogen worden, noch lässt China sich ernsthaft zur Einhaltung der Bürger- und Menschenrechte bewegen. Mit der Veranstaltung sollte der Frage nachgegangen werden, inwieweit die Olympischen Spiele tatsächlich ein Beitrag für Demokratie und Menschenrechte in China sein können, oder ob eine internationale Aufwertung der chinesischen Führung ohne echte demokratische Zugeständnisse zu befürchten ist. Podiumsgespräch mit: Prof. Ines Geipel, Dr. Harald Maass, Prof. Walther Tröger, Lea Zhou. Moderation: Friedhard Teuffel.
1 Stunde 21 Minuten
Wolfgang Lötzsch, genannt der Lange und der Pistenfresser, war einer der großen Radrennfahrer der DDR. Seit seinem 12. Lebensjahr gewann er Spartakiaden und Meisterschaften. Nach seiner Weigerung in die SED einzutreten und wegen familiärer »West-Kontakte« wurde Lötzsch massiv verfolgt, repressiert und an der Ausübung seines Sports gehindert. Von der Förderung der Clubfahrer in jeglicher Hinsicht ausgeschlossen, trainiert er alleine, tritt der BSG Wismut Karl-Marx-Stadt bei und fährt weiter Rad - begleitet von einem größer werdenden Fanclub, der für den Ausgeschlossenen wirbt. Er gewinnt Rennen und deklassiert die DDR-Spitzenfahrer, wird weiteren Verboten ausgesetzt und resigniert schließlich. Er stellt einen - dann abgelehnten - Ausreiseantrag, verliert seinen Studienplatz und gerät immer tiefer in die Fänge der Staatssicherheit, die zeitweise 50 IMs auf ihn ansetzt. Im Dezember 1976 wandert er ins Stasi-Gefängnis auf dem Kaßberg. Zehn Monate sitzt er dort - und radelt dann als BSG-Fahrer weiter. Begrüßung: Dr. Michael Schneider Einführung: Dr. Anna Kaminsky Im Gespräch: Wolfgang Lötzsch & Rudi Altig, ehemalige Radrennfahrer Moderation: Philipp Köster
1 Stunde 43 Minuten
Politische Gegnerschaft gegen die SED-Diktatur begleitete die SBZ/DDR zu allen Zeiten ihrer Existenz. Die Zahl der politischen Häftlinge, die ihr Engagement für demokratische Rechte und Freiheiten mit langen Haftstrafen büßten, geht in die Hunderttausende. Zahlreiche Todesurteile wurden vor allem in den 40er und 50er Jahren vollstreckt. Im Herbst 1989 konnten die Menschen in der DDR erleben, dass friedlicher Protest eine Diktatur niederringen kann. Am 12. Februar feierte Rainer Eppelmann seinen 65. Geburtstag. Aus diesem Anlass lud die Bundesstiftung Aufarbeitung am Vorabend zu einem Podiumsgespräch ein, das der Frage gewidmet war, welche Motive und Gründe Menschen zu unterschiedlichen Zeiten dazu bewogen, gegen Diktaturen zu opponieren und Widerstand zu leisten. Es diskutierten: Dr. h.c. Karl Wilhelm Fricke, Ulrike Poppe, Ulrich Schwarz. Moderation: Ilko-Sascha Kowalczuk
46 Minuten
Anlässlich des 18. Jahrestages von friedlicher Revolution und Mauerfall, vor dem Hintergrund der öffentlichen Diskussion um ein würdiges und angemessenes Gedenken an Opposition und Widerstand in der DDR wie auch an die Wiedererlangung von Freiheit und Demokratie und schließlich der deutschen Einheit, lobte die Stiftung 2007 einen Entwurfswettbewerb aus. Aufgabe für die Studierenden war es, Entwürfe für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal anzufertigen und es in der Mitte Berlins zu verorten. Mit diesem Denkmal soll an all jene erinnert werden, die sich gegen Diktatur und Unfreiheit für die Freiheit und die Überwindung der SED-Diktatur und der deutschen Teilung eingesetzt haben. Begrüßung: Markus Meckel Grußworte: Dr. Norbert Lammert und Wolfgang Tiefensee Preisverleihung: Rainer Eppelmann
1 Stunde 44 Minuten
Am 4. November 1992 ist das strafrechtliche Rehabilitierungsgesetz als Artikel 1 des ersten Gesetzes zur Bereinigung von SED-Unrecht in Kraft getreten. Ihm folgte 1994 das zweite Gesetz zur Bereinigung von SED-Unrecht, welches das verwaltungs-rechtliche und das berufliche Rehabilitierungsgesetz beinhaltet. Mit den Rehabilitierungsgesetzen wurden Möglichkeiten geschaffen, die Situation der Opfer der SED-Diktatur zu verbessern und sie für erlittenes Unrecht und Leid zu entschädigen. Auf der Veranstaltung wurde eine Bilanz gezogen sowie nachgefragt, inwieweit die Rehabilitierungsgesetze, die an sie gestellten Erwartungen erfüllen. Begrüßung und Einführung: Rainer Eppelmann. Podiumsgespräch mit Hansgeorg Bräutigam, Roland Jahn, Ulrike Guckes, Jens Planer-Friedrich, Julie Trappe. Moderation: Thomas Rogalla
1 Stunde 57 Minuten
Rudolf Bahro veröffentlichte 1977 sein Buch »Die Alternative. Zur Kritik des real existierenden Sozialismus« vorab im Magazin »Der Spiegel«. Der einst regimetreue Journalist sezierte darin die Anatomie des real existierenden Sozialismus und entwarf seine Strategie einer kommunistischen Alternative. Im August 1977 kam er in Stasi-Haft und wurde zu einem der bedeutendsten Dissidenten der DDR. Vortrag und Podiumsgespräch gingen der Frage nach, welchen Stellenwert »Die Alternative« für die oppositionellen Gruppen in der DDR hatte. Wie sahen andere Reform-vorstellungen aus? Und warum gelang es dem SED-Regime trotz massiver Repression seit Mitte der 1970er Jahre nicht, die Erneuerungshoffnungen der Bevölkerung zu ersticken und der entstehenden Oppositionsbewegung Herr zu werden? Einführungsvortrag: Wolfgang Templin Gespräch: Ulrike Poppe, Guntolf Herzberg, Ulrich Schwarz, Wolfgang Templin, Moderation: Alfred Eichhorn
1 Stunde 21 Minuten
Als 1956 in der Sowjetunion unter Chruschtschow eine Entstalinisierung eingeleitet wird, sehen auch junge Intellektuelle in der DDR die historische Chance, mit dem bisherigen Sozialismus sowjetischer Prägung zu brechen. Aber mit der Niederschlagung der ungarischen Revolution im November 1956 hat sich das kurze »Tauwetter« in der DDR verzogen. Wenige Jahre nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 antwortet Ulbricht seinen Kritikern mit Schauprozessen. Von den Parteidogmen abweichende Meinungen werden zu Staatsverbrechen erklärt. Gustav Just geriet als stellvertretender Chefredakteur der kulturpolitischen Zeitung »Sonntag« 1957 in den Strudel der so genannten »Harich-Janka-Verschwörung« und wurde zu vier Jahren Haft verurteilt. Auch Erich Loest hoffte auf eine Entstalinisierung in der DDR und einen menschlichen Sozialismus. Dafür sollte er teuer bezahlen: Sieben Jahre Zuchthaushaft in Bautzen. In seinem Buch »Prozesskosten« beschreibt Loest nicht nur eindrucksvoll und fesselnd die Ereignisse, die zu seiner Verhaftung führten. Er stellt seine persönliche Geschichte auch in den historischen Kontext und schreibt mit fünfzig Jahren Abstand von der Zurichtung der DDR durch die Aburteilung einiger ihrer besten Köpfe.
1 Stunde 51 Minuten
Am 13. März 1947 wird der damals 22jährige Christdemokrat Manfred Klein in Ost-Berlin vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet. Sein Schicksal teilten damals noch weitere junge Parteigänger der CDU, die sich dem Vormachtanspruch der SED verweigerten. Manfred Klein zählte indes nicht nur zu den Mitbegründern der FDJ, sondern vertrat seine Partei bis zu seiner Verhaftung auch in der Führung der Jugendorganisation. 1948 von einem Militärtribunal verurteilt, kam Klein nach Bautzen, von wo er 1956 entlassen wurde. Der 60. Jahrestag seiner Verhaftung war Anlass, an Manfred Klein und seine Mitstreiter zu erinnern. Mit einem Vortrag von Dr. Michael Richter und einem Zeitzeugengespräch wurde nachgezeichnet, wie der politische Neuanfang in der SBZ früh Kurs auf eine Diktatur nahm. Als Zeitzeugen waren geladen: Prof. Dr. Ernst Benda, Klaus Schmidt, Horst Engelbrecht und Dr. Ansgar Klein (Sohn von Manfred Klein).
1 Stunde 31 Minuten
Sportliche Duelle zwischen Mannschaften der Bundesrepublik Deutschland und der DDR standen immer im Focus der Medien, der politischen Eliten wie auch der Öffentlichkeit. Neben Fußball nahm vor allem der Handball bei diesen sportlichen Begegnungen eine herausragende Rolle ein. Hier traf nicht der "große Bruder" auf den "kleinen Bruder", sondern zwei Mannschaften auf gleicher Augenhöhe, zwei Teams der Weltspitze standen sich auf dem Platz gegenüber. Deutschland gegen Deutschland war immer eine spannende Partie. Anlässlich der Handball-Weltmeisterschaft 2007 widmete sich diese Veranstaltung den deutsch-deutschen Begegnungen der Vergangenheit und den sich darum rankenden Ereignissen. Wie begegneten sich die Spieler der Teams bei den Begegnungen? Welche Vorgaben erteilten die Funktionäre? Wie verhielten sich die Zuschauer? Wie berichteten die Medien? Wie nahmen Spieler anderer Mannschaften das deutsch-deutsche Duell bei Welt- und Europameisterschaften wahr? Podiumsgespräch mit: Wolfgang Böhme, Kurt Klühspies, Ingolf Wiegert und Lorenz Völker. Moderation: Erik Eggerts
1 Stunde 32 Minuten
Nach der Verabschiedung des Stasi-Unterlagen-Gesetzes durch den Deutschen Bundestag im Dezember 1991 öffneten sich zum Jahresanfang 1992 die Türen zum neu eingerichteten Lesesaal der bald so genannten Gauck-Behörde: Endlich konnte Einsicht in die Stasi-Unterlagen genommen werden. Im Rahmen eines Podiumsgesprächs berichteten Dr. h. c. Joachim Gauck, Rainer Eppelmann, Roland Jahn und Eva-Maria Hagen über ihre damaligen Erwartungen, aber auch Befürchtungen bei der Lektüre der Akten.
1 Stunde 24 Minuten
Vor 15 Jahren trat in Deutschland das Stasiunterlagengesetz in Kraft. Seit 1991 können betroffene Bürger, Wissenschaftler und Journalisten Anträge auf Akteneinsicht stellen. Welche Rolle hat die Öffnung der Akten für die Aufarbeitung der SED-Diktatur gespielt? Gab es Erfolge, Versäumnisse, Fehler? Haben die Medien ausgewogen berichtet oder ging es einfach nur um spektakuläre Stasi-Enthüllungen? Wie geht man in unseren Nachbarländern im Ostseeraum mit dem Erbe der kommunistischen Diktatur um, in Polen beispielsweise, wo zunächst eine Politik des "dicken Strichs" unter die Vergangenheit die Aussöhnung befördern und Denunziationen vermeiden sollte? Was treibt dänische Wissenschaftler an, ein Institut zur Erforschung des Kalten Krieges gründen zu wollen? Podiumsdiskussion mit Dr. h. c. Joachim Gauck, Dr. Thomas Wegener Friis, Basil Kerski, Hermann Vinke. Moderation: Siv Stippekohl und Ulrich Mählert.
56 Minuten
Die DDR gehörte zu jenen Staaten, in denen überdurchschnittlich viele Menschen durch eigene Hand starben. Im weltweiten Vergleich der Selbsttötungsraten nahm der "erste sozialistische Staat auf deutschem Boden" einen Spitzenplatz ein. Der Leipziger Historiker und Biochemiker Udo Grashoff stellte Ergebnisse seiner Auswertung mehrerer tausend Suizidfälle vor. Deutlich werden Konfliktfelder und Existenz bedrohende Situationen in der SED-Diktatur, die Einzelfällen zu Selbsttötungen führten. Gleichzeitig wird der Zusammenhang zwischen Repression und Suiziden anhand von bisher unveröffentlichtem statistischen Material hinterfragt. Diskussion: Prof. Dr. Werner Felber, Prof. Dr. Günther Heydemann, Dr. Udo Grashoff. Moderation: Christoph Links
1 Stunde 49 Minuten
Zwei Diktaturen auf deutschem Boden haben in der Geschichte des 20. Jahrhunderts entscheidende Folgen gehabt. Die Auseinandersetzung mit den Ursachen und Folgen beider Diktaturen in der west- und ostdeutschen Nachkriegsgesellschaft nach 1945 und in der gesamtdeutschen Vereinigungsgesellschaft nach 1989/90 ist ein bedeutender Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur. Auf der IV. Zeitgeschichtlichen Sommernacht der Bundesstiftung Aufarbeitung zog der deutsch-französische Politikwissenschaftler und Publizist Prof. Alfred Grosser eine Bilanz über die vergangenen und gegenwärtigen Formen der Erinnerung an die beiden deutschen Diktaturen. Anschließend diskutierte Prof. Grosser mit Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert über die Erinnerungskultur in Deutschland.
1 Stunde 35 Minuten
Sport und Politik - ein immer wieder gern zitiertes Wortpaar, dem zahlreiche Verbindungen und Wechselwirkungen zugeschrieben werden. Für die Zeit der deutschen Teilung wird man dies ohne Zweifel in verschiedener Weise konstatieren können. Sportliche Duelle zwischen Teams beider Staaten wurden andererseits gerne zu symbolträchtigen Kämpfen zwischen den politischen und gesellschaftlichen Systemen stilisiert. Dies betraf in besonderem Maße der Deutschen liebstes Kind in Ost und West - den Fußball. Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 luden die Landeszentrale für politische Bildung und die Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt, Deutschlandradio Kultur und die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur dazu ein, sich der Fußballgeschichte im geteilten Deutschland zu widmen und zu diskutieren, wie Fußball über die Systemgrenzen hinweg stattfand, wie Sportler und Fans mit der Teilung umgingen und wie trotz gefährlicher Begleitumstände Fußballanhänger aus Ost und West Kontakt hielten. Podiumsgespräch mit Jörg Berger, Fußballtrainer; Christoph Dieckmann, Journalist; Bernd Heynemann MdB, ehem. FIFA-Schiedsrichter und René Wiese, Sporthistoriker.
2 Stunden 1 Minute
Nach der Wiedervereinigung wurde der westdeutschen DDR-Forschung nicht nur Versagen vorgeworfen, weil sie den Zusammenbruch der SED-Diktatur nicht vorhergesehen habe. Polemisch war auch von Schönfärberei die Rede. Die DDR-Forschung habe sich zumindest partiell zum Helfershelfer der Diktatur gemacht. Andere konstatierten nüchtern, dass die Grundlinien der DDR-Entwicklung vor 1989 auch ohne Archivzugang bereits recht präzise beschrieben worden seien. Die Gründung des Mannheimer Arbeitsbereiches DDR-Geschichte vor 25 Jahren, am 1. April 1981, ist Anlass, die Leistungen und Defizite der westdeutschen DDR-Forschung bis 1989 mit größerer Distanz zu erörtern, als dies Anfang der neunziger Jahre möglich war. Eine Veranstaltung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, des rbb inforadio gemeinsam mit und in der Vertretung der Freien Hansestadt Bremen beim Bund und und für Europa. Es diskutierten: Prof. Dr. Sigrid Meuschel, Jens Hüttmann, Prof. Dr. Eckhard Jesse, Prof. Dr. Dr. h.c. Hermann Weber. Moderation: Alfred Eichhorn, rbb Inforadio