Morgenimpuls Archiv
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Am Sonntag sind hier in Nordrhein-Westfalen Kommunalwahlen. Das heißt, Bürgermeister und Stadträte, Landräte und Kreistage werden gewählt. Die Wahlkämpfe sind in diesen Bereichen manchmal friedlich, manchmal hitzig und oft komisch. Wenn plötzlich Bundesthemen im Wahlkampf besprochen werden oder Programme nur Sachen enthalten, die auf Landesebene gelöst werden, dann ist das echt ein bisschen wie: Thema verfehlt.Bei Kommunalwahlen geht es um kommunale Themen: Kitagebühren und Parkplätze, Schulneubauten und Erhalt von Schwimmbädern, Sicherheit und Ordnung im kommunalen Bereich und noch vieles mehr. Und da ist es klug, Leute zu wählen, die die Dinge anpacken und Lösungen suchen und Probleme angehen, die in den Dörfern und Städten, in den Land- und Stadtkreisen aktuell vorliegen.Und manchmal ist tatsächlich ein Wechsel gut. Manchmal der Person, die das leitende Amt hat oder haben soll, manchmal der Partei oder Gruppierung, die mitreden will. Aber es ist eigentlich unbestritten, dass es um Politik vor Ort geht und nicht um Hass und Hetze, weil man weder einen Plan noch geeignete Leute hat. Sorry, dass ich so direkt bin. Aber mir ist es zu wichtig, als dass ich da heute einfach drüber hinweggehen und am Montag dann nur konstatieren will, welche Ergebnisse es gibt.Schon im Alten Testament, beim Propheten Jeremia, lese ich einen bedeutsamen Satz. Er fordert die nach Babel verschleppten Juden auf: "Sucht der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s auch euch wohl." (Jeremia 29,7). Und das war an die Verschleppten nach Babel gerichtet.Um wieviel mehr sollten wir, die wir die Wahl haben, gut darüber nachdenken und am Ende die wählen, die der Stadt und des Dorfes Bestes wollen. Und trauen wir uns auch, um eine gute Wahl und der Stadt Bestes zu beten.
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Nine-eleven ist zu einem Synonym geworden. Nine-eleven meint den 11. September 2001. An diesem Tag sind in den USA vier Flugzeuge entführt worden um damit einen beispiellosen Terrorakt zu vollziehen: die Nutzung von Passagierflugzeugen als menschengesteuerte Angriffsmaschinen, um so viele Menschen wie möglich zu töten und quasi den USA den Krieg zu erklären. Und das in der unglaublich verqueren Logik von Osama bin Laden und Al Quaida – im Namen Gottes.Im Namen Gottes töten? Das widerspricht absolut unserem Empfinden von gläubigen Christen, die an einen liebenden und lebensspendenden Gott glauben. Ja, auch Christen haben im Laufe der zwei Jahrtausende im Namen Gottes getötet. Und wir sind bis heute beschämt darüber. In unserer heutigen Lesung steht aber genau das Gegenteil von machtvoller Demonstration von Überlegenheit und kriegerischer Kraft. Im ersten Petrusbrief geht es darum, einander zu dienen als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er oder sie von Gott empfangen hat. Wer redet, rede mit Worten, die Gott ihm gibt, wer dient, der diene aus der Kraft, die Gott verleiht. So wird in allem Gott verherrlicht durch Jesus Christus.Wer aber aus der Kraft Christi wirken will, wird tun, was Christus getan hat: den Armen beistehen, die Kranken pflegen, Kinder segnen, Trauernde trösten, und allen Menschen das Reich Gottes verkünden. Dieser 11.9. kann uns helfen, darüber nachzudenken, was ich, was jede und jeder von uns im Namen Gottes tut und das wichtigste Gebot dabei keinesfalls zu vergessen: Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst.
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Wenn man junge Leute im Haus hat, werden die Gespräche vielfältiger und die Themen ganz andere. Da geht es um Studium und Mitstudierende, um die Finanzierung des Studiums durch einfache geldbringende Jobs, um Referendariatsplätze an Schulen und Praktika in Werkstätten, um kreative Ideen, zu deren Umsetzung oft die Zeit fehlt, um politische Ansichten und Engagement, um Lärm in den Nachbarwohnungen durch nächtliche Karaokegesänge, um deutlich andere Ansichten vom Leben in Städten, wenn man dort lebt, als wenn man diese Städte nur als Gast besucht, um Sorge um die Hauskatzen und vieles andere mehr. Und man sitzt staunend dazwischen und erinnert sich, welche Themen mich selbst in den jungen Jahren der Ausbildung beschäftigt haben.Es ist natürlich lange her, aber Religion, Glaube und Kirche spielten bei mir und uns im Umfeld immer eine Rolle, aber bei Vielen heute gar nicht mehr. Und das kann man bedauern und beklagen, aber es gibt auch immer die Möglichkeit, es selbst weiterhin anders zu machen; zum Beispiel die Tischgebete selbstverständlich zu beten und die eigenen Themen auch nicht hinterm Berg zu halten, einige Rituale, die mir selbst wichtig sind, auch weiter zu pflegen und die Gäste teilnehmen zu lassen.Und es scheint mir auch wichtig, die eigene ruhige und heitere Gelassenheit zu leben, die aus dem Glauben kommt, damit sich Gäste und Verwandte und Freunde einfach wohlfühlen und irgendwann merken, dass es wohl Gründe gibt, warum es gut ist, eine Weile mit uns zusammen zu verbringen. Beim Heiligen Franziskus heißt es, dass die Brüder und Schwestern hinausgehen sollen und das Evangelium verkünden – und wenn es sein muss, mit Worten.Das bedeutet, dass die Menschen in unserem Sein und Tun spüren sollen, wes Geistes Kind wir sind und warum es gut sein könnte, das eigene Leben nach dem Evangelium auszurichten.
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Kennen Sie Black Stories für Erwachsene oder Green Stories für Kinder und junge Jugendliche? Das sind auf Karten oder in einer App im Smartphone sehr kurze Rätselgeschichten. Oft nur zwei oder drei Sätze beschreiben ein Geschehen. Und die Lösung wird mitgeliefert, die dann nur dem Spielleiter zur Verfügung steht. Alle aus der Gruppe dürfen dem Spielleiter Fragen stellen, die er nur mit Ja oder Nein beantworten darf.Wir haben am Wochenende einen spannenden und höchst vergnüglichen Abend mit diesen Rätselgeschichten verbracht und haben irgendwann gemerkt, dass wir als Gruppe zu siebt sehr gut miteinander raten, kombinieren und Lösungen finden konnten. Und je abstruser und schwieriger die Story war, desto vergnüglicher war es, wenn wir die Lösung trotzdem gefunden haben.Manchmal sind auch biblische Geschichten und Szenen wie Black Stories, die jede Generation und jeder Kultur – und Lebenskreis für sich wieder entschlüsseln und enträtseln muss, um zu spüren, wo der Kern, wo die Botschaft, wo das Verborgene liegt, was uns heute zum Leben als Christen hilft. In den knappen zwei Sätzen der heutigen Lesung aus dem ersten Johannesbrief ist das auch so. Da steht: "Wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als den Retter der Welt. Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott, und er bleibt in Gott." – Zum Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus entstanden, geht es um Konflikte zur Lehre um die Menschwerdung Jesu. Und der Brief will dazu beitragen zu klären, dass Jesus Christus ganz Gott und ganz Mensch war, dass er gesehen und erlebt worden ist und daher bezeugt werden kann.Und wir heute? Unsere Aufgabe bleibt es herauszufinden, wie wir an Jesus Christus glauben können und wie sehr er unser Leben prägen kann. Eine gute Form dazu ist zum Beispiel ein Bibelgespräch. Oftmals kann man zu Mehreren plötzlich Erkenntnisse gewinnen, die mir allein oft verborgen geblieben sind. Also ein bisschen wie die gemeinsame Lösungssuche bei den Black Stories am Wochenende.
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Geburtstag feiern ist echt etwas Schönes. Geschenke bekommen, liebe Grüße über alle möglichen Medien und Wege, einen schönen Geburtstagskaffeeklatsch halten und einen guten Wein zum Abend, mit Blumen beschenkt werden und vielleicht etwas zusammen mit dem Geburtstagskind und den Gästen unternehmen. Eine schöne Erfindung. Es geht um einen Menschen, um sein Dasein und alle drumherum, die ihn oder sie kennen und sich mitfreuen. Heute feiern wir den Geburtstag der Gottesmutter Maria. Und wenn ich mir alle Lesungen und das Evangelium anschaue, geht es eigentlich nie um sie, sondern immer um Ihren Sohn Jesus Christus. Da geht es immer um die Ankündigung des kommenden Herrn, der die Menschheit wieder mit Gott versöhnen wird: beim Propheten Jesaja um dem neuen Zweig aus dem Wurzelstock Isais, im Buch Micha um den Trost für das kleine, unbedeutende Nest Bethlehem, im Matthäusevangelium um den langen Stammbaum Jesu, um zu zeigen, dass er in den vielen Generationen der Angekündigte Gottes ist. Und das Geburtstagskind selbst? Was sagt sie dazu? Sie sagt JA, und wenn sie das nicht gemacht hätte, wäre der Weg der Erlösung anders verlaufen. Gott lässt bei ihr anfragen, als sie ungefähr 14 ist, ob sie im langen Weg der Erlösung einen entscheidenden Schritt mitgehen würde. Und sie ist eine starke, glaubende junge Frau, die nicht zur Ja-Sagerin wird, weil sie zu allem Ja und Amen sagen muss. Sondern weil sie will und dem Engel, nach allen Bedenken und Klärungen ihr deutliches und klares Ja als Botschaft in die Hand gibt. Bei Andreas von Kreta finden wir im 8. Jahrhundert einige wunderbare Zeilen dazu: "So singe und tanze also die ganze Schöpfung und trage etwas bei, was des Tages würdig ist. Der heutige Tag werde ein gemeinsames Fest für Himmel und Erde. Alles, was auf Erden ist und über der Erde, soll zusammen feiern. Heute wurde das Heiligtum für den Schöpfer des Alls errichtet. Die Schöpfung bereitete dem Schöpfer ein neues und würdiges Haus."Eine schönere Geburtstagsgratulation habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Feiern wir diesen Tag also den Geburtstag der schönen, starken, jungen Frau die sehr bewusst JA sagt zu den unbeschreiblichen Wegen Gottes zu den Menschen.
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Ein schönes Wochenende mit viel Sonne und Wärme liegt vor uns, es ist Spätsommer oder früher Herbst. Man muss also nicht um die Regenschauer herumplanen, sondern kann machen, wozu Lust und Wetter einladen. Seit Mittwoch haben wir schon eine Gästin im Haus und heute kommen noch drei von meiner Herkunftsfamilie dazu. Wir wollen ein bisschen feiern und zusammen bis Sonntagnachmittag ein schönes Wochenende erleben.Unter anderem wollen wir kreativ sein. Zur Muggelkirmes, diesem besonderen Kirchweihfest hier in Olpe, die in 14 Tagen sein wird, werden wir auch mal wieder einen Stand anbieten. Thema unseres Standes wird sein: 800 Jahre Sonnengesang des Hl. Franziskus. Und wir haben eine, glaube ich, ziemlich gute Idee. Auf runde Plexiglasscheiben malen wir Symbole für die Strophen des Sonnengesanges: Sonne, Mond, Sterne, Luft und Wolken, Regen und jegliches Wetter, Feuer und die Erde mit bunten Blumen. Und am Stand können die Besucher dann die ganze Reihe der Symbolscheiben erwerben oder einzelne, die ihnen besonders gut gefallen. Und meine Gästinnen, die sehr kreativ sind, werden für den Hintergrund des Pavillons zwei Laken bemalen und so gestalten, dass die Besucher der Kirmes Lust bekommen und schauen und staunen und kaufen – zugunsten von Aktionen und Hilfen für Kinder und Jugendliche in der Einen Welt. Und wie ich Ihnen das jetzt so erzähle, merke ich, wie schön das ist und wieviel Vorfreude ich schon habe: miteinander füreinander etwas tun mit unseren Möglichkeiten für Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Und dabei selbst Spaß und Lust haben und ganze lange Abende plaudernd und malend zusammen verbringen und sich vorfreuen auf einen ganz sicher guten Erlös und ein schönes Fest.
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Dieser Tage habe ich eine alte Dame besucht, die jahrelang mit ihrer Schwester, die eine unserer Mitschwestern war, in unserem Altenheim gelebt hat und nun damit klarkommen will, dass ihre Schwester nicht mehr da ist. Sie hat große Schwierigkeiten mit dem Hören und wir müssen immer eine Position des Gegenübersitzens finden, dass ein Gespräch möglich ist. Und sie hat nur noch ein Prozent Sehkraft. Allein der Gedanke daran, nur noch so wenig sehen zu können, macht mich ganz ehrfürchtig vor ihr. Denn ich habe sie noch nie klagen hören und sie fragt immer sehr interessiert nach, was so los ist und was ich ihr Neues erzählen kann. Und so erzähle ich ihr, was so die letzten Tage war. Und dann frage ich sie, was sie denn beschäftigt. Und sie erzählt von ihren Verwandten, die ziemlich weit weg wohnen und einmal im Monat kommen und sie besuchen. Und sie erzählt mir, dass es ein Gespräch gab, dass sie doch dorthin in ein Altenheim ziehen könnte und dann öfter Besuch bekommen könnte. Und dann zählt sie alles auf, was aber hier so schön und für sie gut ist: Die Schwestern, die hier leben und sie quasi in ihrer Ordensfamilie integriert haben, das große Zimmer mit dem Bad, wo sie sich mit ihrem Rollstuhl so gut bewegen und noch ganz vieles allein machen kann, jedes Ding in ihrem Zimmer, wo sie genau weiß, wo es liegt und sich daher gut zurechtfindet und die Gewissheit, dass der gute Gott, der sie durch ein so langes Leben getragen hat, auch weiterhin tragen wird. Ein bisschen verblüfft war ich schon und ein bisschen sprachlos, weil ich öfter Besuch zu bekommen schon für eine gute Idee gehalten hätte. Und dann hat sie mich noch mehr verblüfft. Sie hat mir anvertraut, dass sie jeden Abend, bevor sie einschläft immer den gleichen Vers betet und sagt: "Guter Gott, für die Zeit die mir noch bleibt, gib mir Hoffnung, Mut und Gelassenheit"Gibt es eine bessere Bitte, ein eindringlicheres Gebet, selbst wenn man noch nicht 98 Jahre alt ist? "Guter Gott, für die Zeit die mir noch bleibt, gib mir Hoffnung, Mut und Gelassenheit"
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Am Sonntag war bei uns in Olpe der Tag der Offenen Tür im Mutterhaus. Anlass war das Ende der Umbauarbeiten und der Wunsch, den Leuten aus Olpe und der Umgebung die neuen Räume und Säle zu zeigen und sie teilhaben zu lassen an unserer Freude. Wegen des Regens konnte der Gottesdienst nicht draußen stattfinden, sondern wurde in der Mutterhauskirche gefeiert. Sie ist so groß, dass 350 Leute problemlos sitzen und mitfeiern konnten. Eigentlich wollten wir am Samstag diesen Tag begehen, aber die Bläsergruppe, die den Gottesdienst und den anschließenden Mittagsschoppen begleiten sollte und auch sehr gern wollte, konnte nur am Sonntag. Also alles umplanen und verlegen. Aber dann haben alle gemerkt, wie wunderbar das war. Die musikalische Begleitung war so umwerfend toll, dass es dreimal begeisternden Schlussapplaus gab und der Gesang einfach voller Inbrunst und Freude war. Da merkte man schon, dass es eine Rolle spielt, wie Gesänge und Lieder im Gottesdienst begleitet werden. Und hier im Sauerland, wo ganz viele Dörfer ihre eigenen Musikkapellen haben, spürt man es noch stärker. So ging es also beschwingt und fröhlich zum Suppenbuffet und zu den Führungen durchs Haus. Viele waren sehr beeindruckt von der gelungenen Neugestaltung und was immer wieder kam: Es ist jetzt so schön hell! Genau, die ehemals braunen Wände waren jetzt weiß und die neuen Formen und Arten der Beleuchtung machen es freundlich und aufgeschlossen. Während der Führungen war ein Ort immer die neugestaltete Anbetungskapelle die ich immer als "Herzkammer" des Mutterhauses bezeichne. Und auch sie: doppelt so groß wie vorher, mit einer hellen Fensterfront und sehr verschieden einstellbarer Beleuchtung. Und die Monstranz, die zur eucharistischen Anbetung verwendet wird, ist immer noch dieselbe, die zur Zeit unserer Gründung vor mehr als 160 Jahren verwendet worden ist. Viele Gäste waren zutiefst beeindruckt und gingen nahezu automatisch auf die Knie, um anzubeten. Wir gelangten also, vom Anschauen der vielen baulichen und äußeren Veränderungen zum eigentlichen Kern des Mutterhauses, der Ordensgemeinschaft und aller Christen: zur immerwährenden Anbetung Gottes.
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Seit mehr als zwei Jahren wird das Nachbarhaus innen und außen saniert. Entkernen der drei Etagen war zunächst angesagt, und man hat als Nachbarn nicht so viel mitbekommen. Klar, die Container mit den unterschiedlichen Abfallprodukten standen vor dem Haus und manchmal polterte es ganz schön. Aber zunächst sah das alles gar nicht so wild aus, aber dann war klar, dass die Dachbalken verfault waren und der Dachstuhl runter musste und ein ganz neues Dach aufgebaut werden muss. Und das war dann ein echtes Riesenwerk mit Kran und Straßensperrung und Stau und Drama. Und jetzt klopft es den ganzen Tag. Wie es hier in der Gegend üblich ist, werden die Dächer nicht mit roten Ziegeln einfach belegt, sondern mit Schiefer vernagelt. Schindel für Schindel mit mehreren Hammerschlägen. Und abends kann ich dann den Fortgang sehen und die sorgfältige Arbeit und ein eingearbeitetes Muster. Dann bin ich begeistert. Bei vielen Dingen, die wir so über den Tag tun, sehen wir meist so schnell kein Ergebnis. Mit Energie und Ausdauer dranbleiben, ist dann gar nicht so leicht. Wir beten zum Beispiel täglich mehrere Gebetszeiten, lesen und hören das Tagesevangelium, halten stille Zeiten zur Anbetung Gottes, beten die Tischgebete und Fürbitten, den Rosenkranz andere Gebetsformen. Aber wo und wie sehe ich ein Ergebnis, erkenne ich ein Muster, sehe ich Erfolg? Vor vielen Jahren war ich wahrscheinlich schonmal klüger und habe in ein paar kleine Verse gefasst, was beten ist: "Beten ist wie Brücken bauen von mir zu Gott von mir zum anderen - glaube ich.Beten ist wie Samen ausstreuen, wenn er ausgestreut ist braucht es Geduld, aber es wächst die Frucht- hoffe ich. Beten ist wie balancieren auf dem Regenbogen, der ausgespannt ist als Zeichen des Bundes denn ER - liebt mich."Glauben, Hoffen und Lieben ist das tägliche Hämmern und Klopfen und Gott ist es, der alles im Muster zusammenfügt. Denke ich.
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In meiner Kinder- und Jugendzeit in Thüringen begann die Schule immer am 1. September. Im Juli und August waren Ferien und dann ging es wieder los. Aber ehrlicherweise verbinden ich und viele Menschen hierzulande dieses Datum eher mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939. Das Datum ist eingebrannt in unsere Geschichte und in unser einzelnes und kollektives Gedächtnis. Seit den 50er Jahren ist er Antikriegstag und in den 2000ern hatte man das Gefühl, eine breite Friedenspolitik in Europa wird den Frieden auf lange Zeit sichern.Leider wissen wir seit den russischen Überfällen auf die Krim und die Ukraine, dass der Krieg wieder da ist und die Bedrohung wieder näher rückt. Eine wirkliche Friedenspolitik scheint nicht mehr möglich, wenn ein Aggressor nur durch militärische Gegenmacht aufzuhalten ist. Das ist echt entmutigend. Die Botschaft des Papstes zum kommenden Weltfriedenstag am 21.9. lädt die Menschheit dazu ein, die Logik von Gewalt und Krieg abzulehnen und sich für einen echten Frieden einzusetzen, der auf Liebe und Gerechtigkeit basiert. "Dieser Frieden muss unbewaffnet sein, das heißt, er darf nicht auf Angst, Drohungen oder Waffen beruhen. Und er muss entwaffnend sein, in der Lage, Konflikte zu lösen, Herzen zu öffnen und gegenseitiges Vertrauen, Empathie und Hoffnung zu schaffen. Es reicht nicht aus, zum Frieden aufzurufen; wir müssen ihn in einer Lebensweise verkörpern, die jede Form von Gewalt ablehnt, sei sie sichtbar oder systemisch."Unbewaffnet und entwaffnend – welche Forderung in einer waffenstarrenden Welt. Aber wir sollten uns trotzdem nicht entmutigen lassen, uns um Frieden und Versöhnung zu mühen und auch immer wieder um Frieden zu beten und zu bitten. "Der Friede sei mit euch allen", war der Gruß des Auferstandenen Christus an seine verängstigten Jünger. Dieser Zuruf des Friedens gilt auch für uns heute.
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Bei meinem Familienwochenende zuhause in Thüringen haben wir davon erzählt, dass wir in unseren Kindertagen immer die Haustür offengelassen haben. Die wurden nur abgeschlossen, wenn mal tatsächlich die ganze Familie bei Verwandten zu Besuch und niemand zuhause war. Und das war natürlich auch bei all den anderen Leuten im Dorf so. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich das geändert. Das Gefühl, dass man ja nicht mehr alle kennt und deshalb lieber die Türen zumindest nachts abschließt, wurde normal.Wir hier in Olpe im Konvent haben jeden Tag ab 8.30 bis 18.00 Uhr die Haustür offen. Und ein Schild weist darauf hin: "Kapelle geöffnet". Aber die Türen zum Treppenhaus und zu den anschließenden Räumen sind geschlossen. So können Besucher, die in die Kapelle gehen möchten, unkompliziert reinkommen und beten und müssen nicht erst klingeln und ihr Anliegen darlegen. Niederschwelliges Angebot nennt man das wohl. Und dann sind manche Leute ganz erstaunt, dass man in unserer Kapelle die gewandelte Hostie hinter Glas direkt sehen kann. Normalerweise ist doch da ein Tabernakel, der zugeschlossen ist. Und an diesem Erstaunen mancher Leute kann ich immer gut festmachen, dass Gott ja da ist und schon wartet und ich nur kommen muss. Er bietet dem Gast quasi eine offene Tür und erwartet uns schon.Und wie ist das mit uns selbst? Wie offen ist meine Herzenstür für meine Mitmenschen? Habe ich Sprechstunden, innere Bereitschaftsdienste, wo ich bereit bin und Herz und Hirn offen habe? Die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Ich kann nicht 24/7 immer für alle da sein. Aber für die, die mit mir leben, die mein offenes Ohr und Herz oft zu verschiedenen Zeiten brauchen?"Ich bin die Tür", sagt Jesus und weist auf seine Mittlerrolle zum himmlischen Vater hin. Kann ich auch eine Tür für Menschen sein, die nach Gott suchen? Interessanter Gedanke, oder?
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Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, wenn Sie Lebensbeschreibungen von bedeutenden Menschen lesen oder Podcasts darüber hören. Ich bin oft völlig erschlagen von all dem Vielen, was Menschen in ihrem Leben geleistet, geschrieben, erkannt und gelehrt haben und frage mich immer, wie das in ein einzelnes Leben passt. So geht mir das auch mit dem großen heiligen Augustinus, an den wir heute denken. Überliefert sind von ihm fast 1000 seiner Predigten, 113 Bücher und 218 Briefe. Aber es gibt einen Ausschnitt aus einem Vortrag und eine Geschichte über ihn, die Ihnen und mir vielleicht helfen, einen guten Start in diesen Tag zu schaffen.Und was bei mir manchmal hängenbleibt von einer Predigt, einem Vortrag, einem Artikel oder einem Buch, sind oftmals eher kurze, bedeutende Geschichten oder Begebenheiten. Und die vielleicht bekannteste kleine Story über den großen Augustinus geht so: Eine der zahlreichen Legenden erzählt, wie Augustinus am Ufer des Meeres wandelnd und in tiefes Nachdenken versunken einen kleinen Knaben sah, der mit einer Muschel Wasser schöpfte und in eine Sandgrube goss. Befragt, was er tue, antwortete das Kind: "Dasselbe, was du tust! Du willst die Unergründlichkeit Gottes mit deinen Gedanken ausschöpfen – ich versuche das Meer auszuschöpfen!" Da wurde ihm klar, dass das unmöglich ist.Und dann spricht Augustinus von sich und seinen alltäglichen Aufgaben im Sermon 340, 3:"Unruhestifter zurechtweisen, Kleinmütige trösten, sich der Schwachen annehmen, Gegner widerlegen, sich vor Nachstellungen hüten, Träge wachrütteln, Händelsuchende zurückhalten, Eingebildeten den rechten Platz anweisen, Streitende besänftigen, Unwissende belehren, Armen helfen, Unterdrückte befreien, Gute ermutigen, Böse ertragen, und – ach – alle lieben!" – Das ist Programm für mehr als einen Tag, eine Woche, ein Jahr, für jeden Christen.
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Es kommt nicht sehr häufig vor, dass im Heiligenkalender an Frauen gedacht, sie geehrt und gefeiert werden. Und wenn, dann sind es meistens es Kaiserinnen und Königinnen, Ordensgründerinnen oder ähnliches. Heute aber wird an eine Frau gedacht, die bekannt geworden ist als Mutter des heiligen Augustinus. Und genau durch ihn und sein Buch der "Confessiones – der Bekenntnisse" wissen wir viel von ihr. Sie stammt aus einer christlichen Familie, heiratet und hat drei Kinder. Aber sie leidet sehr an ihrem Mann, der als jähzornig, unbeherrscht und regelmäßig Ehebruch begehend geschildert wird. Aber sie gibt ihn nicht auf und davon ist er so beeindruckt, dass er sich kurz vor seinem Tod bekehrt.Bei ihrem Sohn Augustinus war es so ähnlich. Ihm war in seinen wilden Jahren, als er sich vom katholischen Glauben abgewandt hatte, eine Konkubine und mit ihr ein Kind hatte und nichts mehr von seiner Mutter wissen wollte, schon klar, dass sie ihn nicht verloren geben würde. Er wird später schreiben: "Sie weinte um mich mehr als andere Mütter um ihre toten Kinder weinen." Er spürt, dass es ihr um seine unsterbliche Seele ging und sie mit Gott um ihn rang mit Glauben, Vertrauen und vielen Gebeten. Er sagt später, dass seine Mutter das geistige Rückgrat seiner Entwicklung war. Sie wusste, dass nicht Zwang und Belehrung, sondern Liebe, Gebet, Ausdauer und Geduld die wirksameren Mittel waren.Inständig und ausdauernd bestürmte Monika Gott in Gebeten, ihr Sohn möge zum Glauben finden. Und sie erlebt es noch. Ein halbes Jahr vor ihrem Tod wird Augustinus in der Osternacht 387 im Dom von Mailand von Bischof Ambrosius getauft, jener Ambrosius der ihr einmal gesagt hatte: "Ein Kind so vieler Tränen kann nicht verloren gehen." Und so wurde es. Aus diesem Sohn, um dessen Leben und Glauben sie so beharrlich gerungen hatte, wurde einer der größten Theologen der Kirchengeschichte.
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Ich denke, mir geht es wie vielen von Ihnen, die ein Wochenende oder einen Urlaub irgendwo anders als zuhause verbracht haben. Wir haben Fotos und vielleicht noch ein Ticket, ein Reiseandenken oder eine besondere Geschichte im Hinterkopf. Und dann ist es ganz einfach: Man braucht nur einen Augenblick Zeit und Ruhe und denkt an diese Tage und schon steigen die Bilder und Szenen im Inneren auf und wir können sie genau verfolgen und erinnern, als wenn es gerade gewesen ist.In meinem Urlaub gab es viele wunderbare Geschichten. Eine war es, als ich mit dem Schiff über den Bodensee zur Insel Mainau gefahren bin. Drei Ehepaare waren unter vielen anderen auch mit und haben mich an ihren Tisch gebeten. Und so haben wir uns drei Stunden wunderbar unterhalten über das berühmte "Gott und die Welt", die Familien, Kinder, Arbeitsstellen, Pfarrgemeinden und die Fahrt verging buchstäblich wie im Flug. Da werden Fremde zu Freunden, wenn man sich öffnet und geschenkte Zeit miteinander verbringt.Auf der Insel dann die nächste schöne Überraschung. Ich wollte mir ein Ticket kaufen und bekam die Antwort, dass Ordensleute immer kostenlos die schöne Blumeninsel besuchen dürfen, weil das in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von den Besitzern so festgelegt worden ist. Und wieder hatte ich mit der Kassiererin ein kurzes herrliches Gespräch über die verschiedenen Formen des Ordenslebens und dass es hoffentlich auch in Zukunft Ordensleute gibt. Die Leute, die hinter mir in der Reihe standen, haben interessiert zugehört und beim Weitergehen weitergefragt.Manchmal braucht es nur einen kurzen Anstoß und schon kommt das schönste Gespräch in Gang, das gut tut und den eigenen Horizont erweitert und einen fröhlichen Klang in der Seele hinterlässt. Versuchen Sie es doch heute selbst einmal.
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Was steht heute auf Ihrem Plan? Gibt es besondere Verpflichtungen, Konferenzen, Planungen oder Ähnliches? Bei mir ist das heute so. Ich komme aus meinem Heimatdorf, wo wir den runden Geburtstag meines jüngsten Bruders gefeiert haben. Ich fahre aber nicht direkt zurück nach Olpe, sondern mache Station in Dortmund.Dort ist ein Treffen von vielen franziskanischen Ordensleuten. Sich treffen ist ja ohnehin, bei den so geringer werdenden Mitgliederzahlen immer schön. Aber es ist ein Vorbereitungstreffen. In mehr als einem Jahr, Mitte September 2026 soll es in Dortmund ein großes Franziskusfest in unserem Bistum Paderborn geben.Franziskanerinnen und Franziskaner weltweit denken seit drei Jahren an die verschiedenen Aspekte im Leben des Heiligen Franziskus von Assisi. 2023 war es die 800 Jahrfeier der ersten Krippenfeier in Greccio, 2024 war geprägt vom Nachdenken über seine Wundmale, die ihn Christus ähnlich machten, in diesem Jahr geht es um den Sonnengesang, den er todkrank geschrieben hat und der als eine der schönsten Loblieder auf die Schöpfung und den Schöpfer gilt. Und 2026 denken wir an den 800. Todestag des Heiligen, der über die Jahrhunderte nichts an seiner Faszination verloren hat und den viele Menschen sehr mögen, als Vorbild nehmen oder auch verehren. Also werden wir schauen, was wir an dem Tag anbieten und machen möchten, damit Menschen, die vielleicht nichts mit Kirche am Hut haben, oder auch Glaubende, die aber Franziskus nicht kennen, von ihm hören, sehen, lesen und über ihn erfahren können. Ich bin selbst gespannt und meine Idee wäre es zum Beispiel, ein Franziskusmusical, von denen es auch im deutschsprachigen Raum einige gibt, zur Aufführung zu bringen. Es wird also Vorschläge und Ideen und vielleicht sogar schon Konkretes geben. Im Gewirr vieler Ideen und Stimmen wird es wichtig sein, Aufeinander zu hören, das Für und Wider in Ruhe abzuwägen und vieles mehr.Also eigentlich etwas, was jede und jeder von uns auch im normalen Alltag gut braucht und immer wieder üben muss, wenn die Lauten scheinbar wichtiger sind und man die Stillen und scheinbar Kleinen überhört.