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Seit vielen Jahren beten wir hier im Domradio gemeinsam den Morgenimpuls. In dieser ersten Adventswoche muss ich wegen einer Fuß-OP eine Pause machen. Deswegen gibt es in der ersten Adventswoche Wiederholungen aus den vergangenen Jahren. Ich freue mich, wenn wir nächste Woche dann wieder gemeinsam beten können:Vom 12. Dezember 2023:Im thüringischen Eichsfeld, wo ich geboren und aufgewachsen bin, gibt es viele Wallfahrtsorte und die meisten sind Marienwallfahrtsorte. Der bekannteste ist sicher Etzelsbach geworden, weil Papst Benedikt dort 2011 mit 90 000 Eichsfeldern eine Vesper gebetet hat. Eines der Wallfahrtslieder zur Gottesmutter ist das berühmte "Maria, durch ein Dornwald ging“ das aus dem Eichsfeld stammt. Ich kenne es von Kindheit an und mochte es wegen der schönen Melodie aber auch wegen des etwas geheimnisvollen Textes.Es wird die Szene besungen, dass sich Maria aufmacht, um ihre verwandte Elisabeth zu besuchen, die etwa 100 km entfernt im Bergland von Judäa wohnt und ebenso schwanger ist. Für eine 14-jährige Frau ist dieser Weg voller Dornen und Gefahren. Aber ihre gesamte Situation ist mehr als mühsam: seit der Verkündigung durch den Engel hat sie ihr Leben Gott anvertraut, sie trägt den Sohn Gottes und kann es ihren Mitmenschen und ihrem Umfeld kaum vermitteln, Josef, ihr Verlobter weiß noch von nichts, die Eltern sind entsetzt und die Nachbarn tuscheln, die Freundinnen wissen genau, dass das schiefgehen wird, wenn das bekannt wird… und so weiter.Aber etwas ist anders: sie geht den Weg nicht allein. Sie geht ihn mit dem, dem sie Mutter werden wird. Und in diesem Glauben und ziemlich grenzenlosen Vertrauen tragen sogar die Dornen am Ende Rosen. Die Dornen sind nicht weg, sie sind weiterhin lästig und stachelig und gefährlich. Aber sie tragen die Rosen des tiefen Gottvertrauens und den Duft einer großen göttlichen Liebe.Viele Menschen haben im Moment unter sehr vielen Dornen und Stacheln zu leiden. Unter Kriegen und Vertreibungen, unter Krankheiten und Schwächen, unter Existenzängsten und negativen Vorahnungen, unter Geldknappheit und Angst um den Arbeitsplatz. Erbitten wir Gottes Schutz und Geleit durch diese gefahrvollen Zeiten und gib uns eine Ahnung von diesem GOTT MIT UNS SEIN. 
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Seit vielen Jahren beten wir hier im Domradio gemeinsam den Morgenimpuls. In dieser ersten Adventswoche muss ich wegen einer Fuß-OP eine Pause machen. Deswegen gibt es in der ersten Adventswoche Wiederholungen aus den vergangenen Jahren. Ich freue mich, wenn wir nächste Woche dann wieder gemeinsam beten können:Vom 18. Dezember 2024:In vielen Kirchen gibt es noch die Feier der Roratemessen. Sie heißen bei den Gläubigen so, weil der uralte Text aus dem Buch Jesaja genommen wurde, in dem die tiefe Sehnsucht der Menschen nach Heil und Erlösung beschrieben wird. Im Lauf der Jahrhunderte ist dieser Text gerade im Advent vielfach gesungen worden und wird – eingebettet in eine stimmungsvolle Liturgie mit vielen Kerzen in einer dunklen Kirche – zu einem ahnungsvollen, stillen Hören. Der Rorategesang, der dort gesungen wird, packt mich immer neu. Darin heißt es in der vierten Sequenz: "Tröste Dich, tröste Dich, Volk meiner Gnade. Denn nahe ist Deine Rettung. Warum verzehrst Du dich in Trauer, da dich Dein Schmerz erneuert. Heil schenk ich Dir. Fürchte Dich nicht mehr. Denn ich bin der Herr Dein Gott und König. Der heilige Israels und Dein Erlöser."Der Ruf nach Erlösung und einem starken Erlöser, geht durch die Menschheitsgeschichte bis heute. Die Suche nach dem starken Mann mit den einfachen Lösungen und dem simplen Schwarz-Weiß-Denken kommt in allen Generationen bis in unsere Tage wieder hoch. Die Maos, Stalins, Hitlers, Jipings früherer und heutiger Tage wurden mächtig, weil sie den Massen suggeriert haben, dass sie die Lösung aller Probleme und Fragen parat haben und man ihnen nur die Macht in die Hand geben soll. In diesem Lied aber ist von Trost die Rede, nicht von billiger Vertröstung. Wirklicher Trost bietet die Zusicherung, mit mir durch dieses Leid, diese Katastrophe zu gehen. Mich darin nicht zu verlassen und mich stattdessen an die Hand zu nehmen und mir zu helfen, damit wir das das gemeinsam schaffen. In der Ankündigung, dass Rettung nahe ist, werden innere und äußere Kräfte freigesetzt, die mir helfen durchzuhalten und die Hoffnung, dass es gut ausgeht, nicht zu verlieren. "Tröste Dich, tröste Dich, Volk meiner Gnade. Denn nahe ist Deine Rettung" ist ein machtvollerer Trost als ein "das wird schon wieder, du wirst sehen"
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Seit vielen Jahren beten wir hier im Domradio gemeinsam den Morgenimpuls. In dieser ersten Adventswoche muss ich wegen einer Fuß-OP eine Pause machen. Deswegen gibt es in der ersten Adventswoche Wiederholungen aus den vergangenen Jahren. Ich freue mich, wenn wir nächste Woche dann wieder gemeinsam beten können.Vom 12. Dezember 2022:Nein, ich gehe prinzipiell nicht auf Weihnachtsfeiern vor Weihnachten. Ich gehe ja auch nicht auf Neujahrsempfänge im Dezember. Eine Zeit ist Advent, eine Zeit ist die Weihnachtszeit, eine Zeit ist die Sommerzeit und so weiter.Die Tendenz, alles in die Zeit vor Weihnachten zu packen kann ich gut verstehen. Das ging dieses Jahr sogar so weit, dass Mitte November eine Weihnachtsfeier angesetzt war, weil sonst keine Zeit mehr gewesen wäre. Man möchte mit den Kolleg*innen, den Gruppen und Kreisen, in denen man sich bewegt, zusammen dieses tolle Fest feiern. Und nach Weihnachten sind halt Ferien und dann ist die Weihnachtszeit längst vorbei.Bei einer befreundeten Familie war ich dieser Tage und die Wohnung war wunderschön geschmückt und der Weihnachtsbaum aufgestellt und er blinkte und funkelte in aller Pracht. Und sie waren ganz erstaunt zu hören, dass wir den Advent mit gerade mal vier Kerzen immer heller werden lassen und erst am 23.12. den Baum aufstellen und am 24.12. die Krippe. Und dann bemerkte der kleine Sohn: "Aber Weihnachten ist doch ein schönes Haus für alle und immer" Ja, er hat recht. Weihnachten ist ein schönes Haus, dass uns göttliche Geborgenheit schenkt und das Beispiel der Familie von Jesus, die in allen Höhen und Tiefen der nächsten Jahre zusammensteht, Freude und Leid miteinander trägt und im Vertrauen auf den himmlischen Vater und seine Führung durchs Leben geht.Und wenn wir dann die nicht vergessen, die genau wie die Familie von Jesus fliehen müssen, bedrängt und verfolgt werden, im Winter der Gesellschaft und des Miteinanders leben müssen, und ihnen Geborgenheit, Wärme und Heimat zu geben versuchen, dann ist es gut."Kündet allen in der Not: Fasset Mut und habt Vertrauen. Bald wir kommen unser Gott; herrlich werdet ihr ihn schauen. Allen Menschen wird zuteil Gottes Heil." – Gottes Kommen kündet sich an und macht uns stark darin, denen, die in Not sind, vom Kommen des heilbringenden Gottes zu künden. Und das geht wahrscheinlich auch auf Weihnachtsfeiern vorher.
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Seit vielen Jahren beten wir hier im Domradio gemeinsam den Morgenimpuls. In dieser ersten Adventswoche muss ich wegen einer Fuß-OP eine Pause machen. Deswegen gibt es in der ersten Adventswoche Wiederholungen aus den vergangenen Jahren. Ich freue mich, wenn wir nächste Woche dann wieder gemeinsam beten können:Vom 2. Dezember 2022:Vom ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt gibt es die Aussage: "Wer Visionen hat, der soll zum Arzt gehen!"Hintergrund war eine Anfrage, welche Vision er für die nächsten Jahre in der Politik habe.Eigentlich war klar, was gemeint war: wo soll es hingehen in unserem Land, was wollen wir erreichen, was soll anders, bestenfalls besser werden, wer braucht mehr Unterstützung und was können wir endlich mal sein lassen.Wie ist das denn mit Ihren Visionen für heute früh? Was erwarten Sie an Ihrem Tag, an Ihrer Arbeit, in Ihrer Familie? Wohin soll sie gehen, Ihre Lebensreise?Ach nein, denken Sie vielleicht, solche Ideen und Pläne hatte ich früher, als ich jung war und meine Sturm- und Drangjahre hatte. Aber heute? Visionen? Hm. Aber, wir sind in der ersten Woche des Advent und diese Zeit ist in den biblischen Texten voller Visionen und tollen Ankündigungen: vom Frieden auf Gottes ganzem heiligen Berg, von den wilden Tieren die miteinander weiden, von den Menschen, die nichts Böses mehr tun, von einem Festmahl für alle Völker mit den feinsten Speisen und edelsten Weinen, von den Tränen die für immer abgewischt werden, vom Tod, der für immer verschlungen ist ins Leben, von der Heilung der Blinden und Lahmen, von der Speisung der tausenden Menschen und von dem Vielen, was übrig bleibt für alle.Und was hat das mit mir zu tun? Eine Antwortidee könnte sein: Jesus kann die vielen Menschen satt machen, nachdem er seine Freunde gefragt hatte: wie viel Brote habt ihr? Und sie geschaut und gegeben hatten, was sie hatten.Visionen können in die Gänge kommen, wenn ich gebe, was ich habe, was ich kann, was meine Talente und Möglichkeiten sind. Also doch nicht mit Visionen zum Arzt, sondern mitten unter die Menschen und in meinen neuen Tag!
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Seit vielen Jahren beten wir hier im domradio gemeinsam den Morgenimpuls. In dieser ersten Adventswoche muss ich wegen einer Fuß-OP eine Pause machen. Deswegen gibt es in der ersten Adventswoche Wiederholungen aus den vergangenen Jahren. Ich freue mich, wenn wir nächste Woche dann wieder gemeinsam beten können:Vom 28. November 2022:Von Norbert Copray habe ich eine Adventsvariation gefunden, die mich beeindruckt. Er schreibt:Da kommt ER und ich übersehe ihnDa geht ER auf mich zu und ich bin verschlossen.Da klopft ER bei mir an und ich verschlafe ihn.Da tritt ER bei mir ein und ich bin außer Haus.Da wohnt ER bei mir und ich werfe ihn raus.Da will ER sich mir mitteilen und ich schneide ihm das Wort ab.Da wartet ER auf mich und ich zeige ihm den Rücken.Da lässt ER Geschenke zurück und ich vergrabe sie.Da hat ER unendlich viel Zeit und ich bin nicht zu sprechen.Da bringt ER Ruhe und ich bin zerstreut.Da kommt ER und ich sehe nur mich.Solange ER immer noch kommt, immer wieder kommt, kann ich was ändern!Besser kann man diese Einladung nicht sagen. Advent ist jedes Jahr aufs Neue eine Einladung an uns, neu mit Gott zu beginnen. Ihn nicht übersehen, mich ihm nicht verschließen, sein Kommen nicht verschlafen sondern da sein, ihn nicht aus meinem Leben hinausdrängen sondern die Tür öffnen, ihm nicht das Wort abschneiden sondern zuhören, ihm nicht den Rücken zukehren sondern das Herz, seine Gaben nicht vergraben sondern annehmen und nutzen, nicht in Hektik zu vergehen sondern mich von seiner Ruhe einladen lassen. Und immer neu Hoffen, dass ER unser Gott immer noch kommt und wir etwas ändern können: im Leben, im Glauben und in der Erwartung auf sein Kommen. 
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Am Sonntag beginnt der Advent, die große Zeit der Erwartung auf das kommende Heil für uns Menschen. In einem Lied, das wir schon angeschaut haben heißt es: "Mache Dich auf und werde Licht“ und eigentlich reizt das "Mache Dich auf“ zum Losgehen und Tun. Das ist nicht falsch, aber viele können das nicht, weil sie älter oder alt sind, oder krank und nicht gut zu Fuß und eher daheimbleiben müssen. Ich gehöre tatsächlich kommende Woche auch dazu. Ein Metallgestänge, dass nach einer Fraktur im Mittelfuß vor einigen Jahren eingebaut worden ist, muss nun, weil es Komplikationen macht, wieder raus. Und dafür nehme ich mir eine Woche Pause. Sie verstehen das sicher, denn Heilung braucht Zeit.Und wenn wir dann den Liedruf von vorhin genauer anschauen, heißt es in der zweiten Zeile: "Denn Dein Licht kommt". Er wird kommen, egal ob wir jung, fit und munter und mobil oder eher mit Malessen und anderen Dingen beschäftigt sind, die uns daheim festhalten.Und wenn wir in den Adventswochen viele der schönen Gesänge anschauen, dann geht es eher darum, dass wir darum bitten, dass ER kommt. Da heißt es: "Komm Du Heiland aller Welt – Herr send herab uns Deinen Sohn – O Heiland reiß die Himmel auf – O komm, o komm Immanuel – Tauet Himmel den Gerechten", und so weiter. Es ist also ein Zweites, was diese Zeit ausmacht: das Erwarten und die Hoffnung, dass Sein Licht wirklich kommt. Im berühmten "Gebet eines Klosters am Rande der Stadt“ von Silja Walter heißt es unter anderem: "Jemand muss zuhause sein, Herr, wenn Du kommst.Jemand muss Dich erwarten, unten am Fluss vor der Stadt.Jemand muss nach Dir Ausschau halten, Tag und Nacht.Wer weiß denn, wann Du kommst? Jemand muss es glauben, zuhause sein um Mitternacht,um Dir das Tor zu öffnen und Dich einzulassen, wo Du immer kommst. Und jemand muss singen, Herr, wenn Du kommst! Das ist unser Dienst: Dich kommen sehen und singen.“Vielleicht wird es ja deshalb ein besonderer Advent für Sie und Euch und mich.Hinweis: In der ersten Aventswoche ab dem 1. Dezember gibt es Wiederholungen der Impulse von Sr. Katharina aus den vergangenen Adventszeiten!
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Noch drei Tage altes Kirchenjahr. Viel war in diesem Monat von Tod und Vergehen und Leiden und Sterben die Rede und vom Denken an die Heiligen, die bekannten und unbekannten Toten und die aus der eigenen Familie und dem Bekanntenkreis. Mit Besuchen auf dem Friedhof und dem Aufstellen von Grablichtern und schönen Gestecken und Blumen. Und mir scheint, als sei der heutige Hymnus genau auf dieser Mitte zwischen Totengedenken und Advent. Weil dieser Text sehr stark und sehr eindringlich ist: "Erwartet den Herrn, steht als Knechte bereit an der Tür. Schon jauchzt jeder Stern, seht, er kommt, seht, er kommt, wir sind hier. Komm, Herr Jesus, Maranatha. Entzündet die Lampen, ihr Mägde, erglühet im Geist im Kommen des Ewig-Geliebten, der Kyrios heißt. Komm, Herr Jesus, Maranatha. Du wirfst dein Feuer zur Erde und willst, dass es brennt, und wir sind der Mund, der anbetend dein Kommen bekennt. Komm, Herr Jesus, Maranatha.“Leben wir in der Erwartung des Herrn? Die Christen der ersten Generationen waren in der Naherwartung auf das Kommen Jesu Christi und haben auch so gelebt. Dann wurde irgendwann deutlich, dass es auch länger dauern könnte, weil es so schön heißt: beim Herrn sind tausend Jahre wie ein Tag. Es klingt vielleicht ein bisschen naiv. Aber wenn ich hier abends durchs Städtchen fahre oder gehe und die schöne Straßenbeleuchtung sehe, die hier aus schönen Bögen mit großen Sternen in der Mitte besteht, dann fällt mir genau dieser Hymnus und dieser Vers ein: Schon jauchzt jeder Stern, seht er kommt, seht er kommt, wir sind hier.Lassen wir uns doch von den schönen Weihnachtsbeleuchtungen und Sternen jeder Art anfragen, ob wir in der Erwartung des kommenden Herrn sind, dessen Stern über Bethlehem damals aufgegangen ist und der auch am Ende der Zeit für uns leuchten wird.
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Wir sind in den letzten Tagen des alten Kirchenjahres, bevor am Sonntag mit dem 1. Advent wieder ein ganz Neues anfängt.Dieser Kreislauf des Erinnerns an all die Geschehnisse und Taten Gottes mit den Menschen ist schon eine beeindruckende Idee und ein göttliches Spiel. Wir werden wieder ganz neu mitgenommen in ein Jahr, das anders läuft und anders rechnet als das bürgerliche Jahr. Das neue Kirchenjahr beginnt mit großen Vorhersagen und interessanten Träumen, mit einer Geburt im Stall und Anbetung von Königen, aber mit sofortiger Bedrohung und Flucht und Not und Angst.Nein, wir glauben nicht an einen Kuschelgott der lieb und freundlich zu uns ist und unsere Wünsche erfüllt. Wir glauben an einen Gott, der uns die Höhen und Tiefen unseres Lebens nicht abnimmt oder weichspült. Wir glauben an einen Gott, der durch alle unsere Höhen und Tiefen mitgeht und uns nicht verlässt, sogar wenn wir ihn verlassen sollten. Dieses neue Kirchenjahr mit seinem Advent und Weihnachten, seiner Fastenzeit und Ostern, den Pfingstereignissen und den vielen anderen Geschehnissen will uns helfen, den Kontakt nicht zu verlieren zu diesem mitgehenden Gott und zu unserer eigenen, unsterblichen Seele, in der sich Gott verbirgt und immer neu entdeckt werden will.Die vergangene Coronapandemie mit all ihren Bedrohungen und Einschränkungen und die Kriege und Katastrophen der Jetztzeit machen uns ganz neu unsere globale Vernetzung und unsere einsame Zerbrechlichkeit deutlich. Denen die ihren Arbeitsplatz verloren haben, in Kurzarbeit sind und Existenzängste haben, denen die einen lieben Menschen verloren haben und jetzt alles vermissen, was sie sonst mit der wundervollen Weihnachtszeit verbinden, denen, die spüren, dass es doch da mehr geben muss als Geschenkerausch und holde Glückseligkeit, all denen gilt die gleiche Zusage und Aufgabe: "Mache dich auf und werde Licht, denn Dein Licht kommt!"
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"Barbara mit dem Turm, Margareta mit dem Wurm, Katharina mit dem Radl sind unsre drei heiligen Madln!"Diesen Spruch fand ich immer witzig und konnte mir damit merken, wer die drei Frauen unter den Vierzehn Nothelfern waren.Unter diesen Vierzehn Nothelfern, die auf vielen Altären in Kirchen dargestellt und auch verehrt werden, ist die Hl. Katharina von Alexandrien, an die wir mit der Kirche heute denken. Sie galt in ihrer Zeit als so gelehrt und klug, dass sie bis heute Patronin der Philosophen und manch anderer Wissenschaften ist. Ob sie wirklich gelebt hat oder ob sie eine Kultfigur ist, an deren Beispiel die Glaubenstreue und das Martyrium vieler Christen deutlich werden sollte, weiß man nicht so genau. Meine Oma Katharina war eine große Verehrerin dieser Heiligen.Aber auch bei meiner Oma wurde deutlich, was es heißt, in schlimmen Zeiten treu zum Glauben und zu Gott zu stehen. Vor den Nazizeiten hatte sie geheiratet und 6 Kinder bekommen. Im Krieg musste sie zusehen, wie sie ihre Kinder zusammenhielt und nicht an die Nazis verlor, was sie auch sehr energisch als ihre Aufgabe gesehen hat. Ihr Mann war als Lokführer unentwegt unterwegs und in den Kriegsjahren an der Front. In den Jahren des Sozialismus nach dem Krieg, in der Sperrzone zur Westgrenze, in der sie leben musste, mit all den Einschränkungen, die den Katholiken in der DDR auferlegt wurde: sie ist unerschütterlich gläubig und fromm geblieben. Immer den Rosenkranz in der Schürzentasche hat sie nicht viel Aufhebens um ihren Glauben gemacht. Sie hatte beide Beine standfest auf der Erde, tatkräftige Arme bei allen, die ihre Hilfe gebraucht haben und das Herz beim lieben Gott, wie sie ihn genannt hat. Zwei Kinder sind vor ihr gestorben und ihren Mann, der sehr cholerisch war, hat sie bei seiner Krebserkrankung in Geduld bis zum Ende gepflegt. Sie ist für mich eine der modernen Heiligen Katharinas, die es zu allen Zeiten gegeben hat und die uns, die wir in ruhigeren Zeiten leben können, immer noch Vorbild sein können.
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"No Kings, No Kings – keine Könige" hallte es durch tausende Städte in den USA im Juni und im Oktober dieses Jahres und jeweils mehr als 7 Millionen Menschen haben sich beteiligt. Sie protestieren damit gegen ihren Präsidenten, dem sie vorwerfen, wie ein König zu herrschen und zu regieren. Aber seit den Freiheitskriegen gegen England, hat das Land keine Könige mehr, sondern demokratisch gewählte Präsidenten.Und wir, wir Katholischen weltweit, haben gestern unseren König gefeiert. Christkönig. Paradox – oder? Im Neuen Testament gibt es zwei einprägsame Szenen, die das mit dem König Jesus Christus deutlich beschreiben. Zunächst die großen Worte des Engels bei der Verkündigung an Maria, sie klingen so: "Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben." Also die Ankündigung eines ewigen, machtvollen Königs. Und die zweite Szene ist ganz anders: Da hängt Jesus mit Dornenkrone am Kreuz zwischen zwei Verbrechern. Der Messias, der König der Juden: aus den hohen Titeln sind Spottworte geworden. Die Verbrecher rechts und links sind der verkörperte Hohn auf den Anspruch Jesu. Aber da sagt einer: Herr, denk an mich …! Jesus nimmt das Glaubensbekenntnis des reuigen Verbrechers an und antwortet ihm als König, der wirkliche Macht hat. "Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein."Da ist ein König, der liebt, und so unermesslich liebt, dass er sich dafür seines Lebens berauben lässt. Da ist ein König, der nicht einen Flügel des Weißen Hauses abreißen lässt, um einen riesigen Ballsaal zu bauen, der nicht sein eigenes Volk verspottet und mit Dreck bewirft, da ist ein König, dem es nicht um sich geht – sondern um mich, um uns, um seine Menschen.
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Heute begehen wir mit der Kirche einen interessanten Tag. Er heißt "Unsere Liebe Frau in Jerusalem" und hat eine wechselvolle Geschichte: In einem apokryphen, also nicht anerkannten Jakobusevangelium wird erzählt, dass Joachim und Anna ihre Tochter Maria zum Tempel nach Jerusalem bringen, damit sie dort aufwächst und erzogen wird. Später feiert man an dem Tag die Einweihung der Marienkirche in Jerusalem im Jahr 543. Im 8. Jahrhundert in Konstantinopel gefeiert, dauert es bis ins 15. Jahrhundert, bis dieser Tag für die ganze katholische Kirche vorgeschriebener Feiertag wird.Was mich an diesem Tag fasziniert, ist, dass dieses Gedächtnis in ganz vielen Kirchen begangen wird: in der orthodoxen Kirche und der armenischen, in der koptischen Kirche sogar als Fest, in der syrisch-orthodoxen und der maronitischen Kirche. In einem wundervollen alten Hymnus heißt es:"Du große Herrin, schönste Frau, hoch über Sternen steht dein Thron.Du trugst den Schöpfer, der dich schuf, und nährtest ihn an deiner Brust.Was Eva einst verloren sah, gibst du im Sohne reich zurück.Der Himmel öffnet sich in dir; zur Heimkehr steht der Weg uns frei.Du Pforte für den Königssohn, des neuen Lichtes helles Tor,in dir grüßt jauchzend alle Welt das Leben, das du ihr geschenkt.Herr Jesus, dir sei Ruhm und Preis, Gott, den die Jungfrau uns gebar,Lob auch dem Vater und dem Geist durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen."Und in diesem Lied wird die Liebe der Menschen zur Mutter Maria deutlich, aber eben auch, dass es um ihren Sohn geht, den sie in die Welt gebracht hat und für den sie ihre Lebenspläne aufgegeben und sich Gott zur Verfügung gestellt hat. Als fromme Powerfrau, die sehr wohl um ihren Platz in der Geschichte Gottes mit den Menschen gewusst hat.
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Neulich habe ich mit einer guten Freundin telefoniert. Manchmal reden wir über "Gott und die Welt", manchmal nur über den Alltag. Dieses Mal aber hörte ich schon an ihrer Stimme, dass etwas schwer auf ihr lag. Und dann erzählte sie mir: Ihre Tochter hatte zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit eine Fehlgeburt erlitten. Ein großer Schmerz, eine stille Trauer, die kaum jemand sieht. Und als wäre das nicht genug, musste ihr Schwiegersohn – schon zum zweiten Mal in zwei Wochen – wieder ins Krankenhaus. Ein Bandscheibenvorfall, erneut operiert, wieder Hoffnungen, die sich zerschlagen haben. Und dann sagte sie so passend: Der November gibt sich gerade richtig Mühe bei mir.Ja, dachte ich, das sind diese kleinen Tode, die wir im Leben immer wieder sterben. Es sind nicht nur die großen Abschiede, die uns an den Rand bringen. Auch die enttäuschten Erwartungen, die zerplatzten Wünsche, das Scheitern, die Krankheit – all das fühlt sich manchmal an wie ein "Sterben im Kleinen".Der November eignet sich seltsamerweise, uns auch daran zu erinnern. Er ist der Monat der Verstorbenen, aber er ist auch der Monat, in dem uns bewusst wird, dass wir im Alltag immer wieder loslassen müssen. Wir trauern um Möglichkeiten, die es nicht geben wird. Wir verabschieden uns von Plänen, die nicht aufgehen. Wir tragen Wunden, die nicht sichtbar sind.Und doch bleibt es in diesem Monat nicht beim Tod stehen. Denn mitten hinein in all diese Erfahrungen ruft Jesus uns zu: "Ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt." Und: "Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er gestorben ist."Diese Worte tragen nicht nur am Grab. Sie tragen auch an Tagen, an denen wir innerlich müde sind. Sie erinnern uns daran, dass jedes kleine Sterben im Alltag nicht das Ende ist. Dass Gott aus dem, was zerbricht, behutsam wieder Leben wachsen lassen kann. Und dass wir – trotz allem – weitergehen können.Und vielleicht erinnert auch uns dieser November daran, dass Gott uns durch diese kleinen und großen Tode hindurch begleitet – liebevoll, geduldig und verlässlich.

4, 14 und 24

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Das Leben der Frau, an die ich heute denke, ist in drei knappen Zahlen einzugrenzen: 4, 14 und 24. Wie das? Mit vier Jahren wird Elisabeth, die ungarische Königstochter, mit vielen Geschenken und Amme und Gespielinnen nach Eisenach auf die Wartburg gebracht; nicht zu ihrem Vergnügen, sondern aus staatspolitischen Gründen. Sie soll den Sohn des damals sehr mächtigen thüringischen Landesfürsten der Ludowinger heiraten und so die Macht beider Seiten stärken und ausweiten. Der ihr zugedachte Herrmann stirbt aber und so heiratet sie mit gerade einmal 14 Jahren den jüngeren Sohn Ludwig. Es ist eine Verbindung, die damals sehr ungewöhnlich war, denn beide waren zusammen aufgewachsen und liebten sich aus ganzem Herzen.Die Verhältnisse auf der Burg, das ausschweifende Leben der Burggrafen und Ihres Gefolges und die Armut der Leibeigenen unterhalb der Burg in Eisenach und den umliegenden Weilern hat die junge Elisabeth schon immer zum Nachdenken gebracht und ihren Zorn erregt und ihre Hilfsbereitschaft. So bringt sie Brot und andere Lebensmittel nach unten zu den Bedürftigen und ihr Ludwig versteht sie und billigt ihr Handeln. Sie bekommt drei Kinder und könnte glücklich sein. Aber ihr geliebter Gatte stirbt auf der Reise zum Kreuzzug und ihr ist sehr schnell bewusst, was das bedeutet. Die restliche Verwandtschaft, denen Elisabeths Handeln und ihre Großzügigkeit schon immer ein Dorn im Auge war, lässt ihr keinen Raum zum Leben.So gibt sie ihre Kinder in Pflege und Obhut, geht nach Marburg auf ihr Witwengut und gründet ein Hospital für die Armen und Kranken. All ihr verbliebenes Geld geht dabei drauf und ihre Lebenskraft. Und so stirbt sie mit gerade einmal 24 Jahren. Zwischen diesen Zahlen 4, 14 und 24 liegen gerade einmal 20 Jahre mit einer Fülle an Leben, Liebe, Temperament, Glaube, Mutterglück, Tragik, Trauer und Engagement für die Mitmenschen. Normalerweise würden wir jetzt reagieren und denken: Oh Gott, wie furchtbar. Aber sie sieht es anders. Sie wird knapp am Ende ihres Lebens zu ihren treuen Gefährtinnen sagen: "Seht, ich habe es euch immer gesagt: Wir müssen die Menschen froh machen."
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"Die Oma ist gestorben, die ist jetzt im Himmel!" – Neulich habe ich mitbekommen, wie ein Kindergartenkind von seiner Großmutter erzählt hat. Das Mädchen ist noch zu klein, um wirklich zu verstehen, was passiert ist. Aber sie hat zumindest begriffen: Die Oma ist nicht mehr da. Aber irgendwie schon noch, nämlich im Himmel. Ich fand vor allem die Überzeugung anrührend, mit der das kleine Mädchen gesagt hat: "Die ist jetzt im Himmel!"Aber wie kann man sich den überhaupt vorstellen? Jetzt im November gedenken wir ja besonders der Toten. Und wir hoffen, dass sie nicht völlig weg sind, dass sie noch auf irgendeine Weise fortexistieren. Als gläubige Menschen hoffen wir, dass sie bei Gott sind, in der Vollendung, wie es so schön heißt. An einen Himmel mit Wölkchen, auf denen die Toten wie Engel Harfe spielen, glaubt ja keiner. Aber was ist dann gemeint?In der Offenbarung des Johannes lesen wir: "Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal." Ich finde, so kann man sich den Himmel, das Paradies oder was auch immer nach dem Tod kommen mag, gut vorstellen: Den Tod gibt es nicht mehr, aber auch nicht mehr die Mühsal des Lebens auf Erden. Das, was an Leid geschehen ist, wird in Gott hineingenommen und vollendet.Und noch einen Gedanken finde ich tröstlich: Im Himmel gibt es keine Zeit mehr. Ich hoffe, wir müssen nicht warten, bis alle, die uns lieb und teuer waren, gestorben sind, sondern dass alle da sind, dass wir alle in verwandelter Form bei Gott sind; immer noch als die Personen, die wir waren mit all unseren Schwächen und Fehlern, die wir zu Lebzeiten hatten. Aber Gott heilt uns durch seine Liebe und all das Böse, das wir getan oder erlitten haben, wird so überwunden.Und so hoffe ich, dass das Kind auf jeden Fall Recht hat. Ihre Oma ist im Himmel – und wir, wenn wir gestorben sind, hoffentlich auch! Das sind doch mal Aussichten!
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Ende der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war ich mal in Helfta. Und ich war entsetzt. Ich wusste ja, dass das Kloster im 13. Jahrhundert seine große Blütezeit hatte und das Zuhause der drei großen Mystikerinnen Mechthild von Magdeburg, Mechthild von Hackeborn und Gertrud der Großen war. Dann wurden sie vertrieben und über Jahrhunderte war das Klostergelände landwirtschaftlich genutzt. Aber jetzt, zum Ende der DDR, war es völlig heruntergekommen und sah erbarmungswürdig aus. Aber dann schon 1999 wurde das Kloster Helfta neu besiedelt von Zisterzienserinnen.Die Patronin dieses Klosters ist die Frau, an die wir heute besonders denken: die Heilige Gertrud von Helfta. Ein wunderbares Wort von ihr gefällt mir besonders gut. Sie sagt: Gott ist höher und tiefer als alle Erkenntnis; nur die Liebe erreicht ihn. Das Kloster Helfta wurde 1229 gegründet und bestand gut 300 Jahre. Darin gab es eine hohe Blütezeit, weil die Äbtissin Gertrud von Hackeborn ihren Schwestern ein hohes Maß an Bildung und Ausbildung zukommen ließ. Sie hat großen Wert daraufgelegt, dass Theologie, Naturwissenschaften und Musik gelehrt wurden. Ihr war sehr klar, dass ohne Vernunft auch der Glaube verloren gehen würde und so brachte ihre Klosterschule viele sehr wissenschaftlich und geistlich hochgebildete Frauen hervor, die in ihrer Zeit die Seelsorge im Umfeld und die Bildung und Erziehung geprägt haben.Die jetzigen 8 Zisterzienserinnen leben, beten, schweigen und arbeiten dort und geben Zeugnis für die Größe Gottes. Sie sagen von sich: wir sind katholisch, weiblich, jung und leben dort, wo große Mystikerinnen gewirkt und weibliche Spiritualität ins Wort gefasst haben. Mich beeindruckt immer wieder, dass einzelne Menschen durch ihr Leben, ihren Glauben ihre Art der Gottesbeziehung über Jahrhunderte bekannt waren und es immer neu Nachfolgerinnen und Nachfolger gibt, die sich trauen, wieder neu anzufangen.Wenn wir im Moment so viele Probleme in unserer Kirche haben, tut es schon mal gut, auf die großen Frauen zu schauen, die in ihrer Zeit Vernunft und Glauben verbunden und sehr selbständig ihre großen Klöster geleitet und ganze Glaubensepochen mit ihren Schriften geprägt haben.
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