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Was für ein Leben - Außergewöhnliche Biografien Archiv

27 Episoden
33 Minuten
Herr Reff gehört zu den bekanntesten Lehrern Deutschlands. Millionen Menschen kennen ihn aus Social Media, wo er mit Humor, Haltung und klaren Botschaften für Bildung, Respekt und Zusammenhalt wirbt. Doch seine eigene Geschichte beginnt weit entfernt von Likes und Reichweite. Er wächst in Armut auf. Seine Familie ist von Krieg, Flucht und schweren Verlusten geprägt. Zu Hause bestimmen Depressionen den Alltag, in der Schule erlebt er Ausgrenzung und Verletzungen. Trotzdem kämpft er sich zum Abitur, studiert und wird Lehrer. Heute unterrichtet er an einer Berliner Sekundarschule in einem sozialen Brennpunkt. Dort erlebt er täglich die Herausforderungen des Bildungssystems: Armut, Gewalt, Mobbing, Perspektivlosigkeit – aber auch Mut, Talent und Hoffnung. Mit Projekten wie dem „Frosch“, einem Notfall-Portemonnaie für hungrige Schülerinnen und Schüler, versucht er ganz konkret zu helfen. Im Gespräch erzählt Herr Reff von seiner Kindheit, seinem Weg ins Lehramt, seiner Leidenschaft für Bodybuilding, dem Leben an einer Berliner Brennpunktschule und davon, warum Zuhören für ihn die wichtigste Form von Stärke ist.
31 Minuten
Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 wird Burkhart Veigel zu einem der erfolgreichsten Fluchthelfer Deutschlands. Als Medizinstudent entwickelt er spektakuläre Fluchtmethoden, gräbt Tunnel, baut Autos zu Fluchtfahrzeugen um und organisiert geheime Grenzübertritte. Mehr als 950 Menschen verhilft er zur Flucht aus der DDR. Im Gespräch mit Matti Geyer erzählt Burkhart Veigel von den dramatischen Jahren des Kalten Krieges, von mutigen Fluchtversuchen, den Methoden der Stasi und den Risiken, die er selbst auf sich nahm. Wie funktionierte die berühmte „Doppelgänger-Tour“? Warum scheiterten die Entführungsversuche der Stasi? Und was treibt einen jungen Studenten dazu, sein eigenes Leben für die Freiheit anderer zu riskieren? Darum geht es in dieser Folge von Was für ein Leben.
35 Minuten
1971 wird in Kreuzberg ein leerstehendes Gebäude besetzt. Aus dem ehemaligen Schwesternwohnheim des Bethanien-Krankenhauses entsteht das Georg-von-Rauch-Haus – eines der bekanntesten Hausprojekte Deutschlands. Marina Müller war damals 16 Jahre alt und von Anfang an dabei. Im Gespräch mit Matti Geyer erzählt sie von Wohnungsnot, Protestkultur, politischen Idealen und dem Alltag im besetzten Haus. Wie kam es zur Besetzung? Wer waren die Menschen dahinter? Und warum wird über das Rauch-Haus bis heute diskutiert? Darum geht es in dieser Folge von Was für ein Leben.
42 Minuten
Kaum ein Politiker hat Berlin so lange geprägt wie Eberhard Diepgen. Fast 17 Jahre lang war der CDU-Politiker Regierender Bürgermeister – zunächst im geteilten West-Berlin, später als erster Regierungschef des wiedervereinigten Berlin. Seine Amtszeit umfasste einige der entscheidendsten Jahre der jüngeren Stadtgeschichte. Geboren 1941 in Berlin, wächst Diepgen in den Trümmern des Zweiten Weltkriegs auf. Schon früh engagiert er sich in der CDU, studiert Jura und wird 1984 erstmals Regierender Bürgermeister. Er erlebt die letzten Jahre der Frontstadt im Kalten Krieg, die 750-Jahr-Feier Berlins, den Anschlag auf die Diskothek La Belle und den politischen Alltag einer eingeschlossenen Stadt. Nach Mauerfall und Wiedervereinigung kehrt Diepgen 1991 ins Rote Rathaus zurück. Als erster Regierender Bürgermeister des vereinten Berlin steht er vor der Aufgabe, zwei Städte zusammenzuführen und aus Berlin wieder die Hauptstadt Deutschlands zu machen. Es sind Jahre des Aufbruchs, aber auch der schwierigen Entscheidungen, geprägt von milliardenschweren Bauprojekten, wirtschaftlichem Strukturwandel und politischen Kontroversen. In dieser Folge spricht Matti Geyer mit Eberhard Diepgen über seine Kindheit im Nachkriegs-Berlin, seinen Weg in die Politik, das Leben in der geteilten Stadt, die Herausforderungen der Wiedervereinigung und die Ereignisse, die Berlin bis heute prägen. Ein persönliches Gespräch mit einem Zeitzeugen, der die Geschichte der Hauptstadt über Jahrzehnte an entscheidender Stelle mitgestaltet hat.
39 Minuten
Eine Kindheit zwischen Ghetto, Todeslager und Flucht – und die Geschichte einer Frau, die niemals aufgehört hat zu erinnern Manche Erinnerungen begleiten einen ein Leben lang. Assia Gorban trägt sie seit mehr als acht Jahrzehnten mit sich. 1933 wird sie als Assia Klurfeld in Mohyliw-Podilskyj in der heutigen Ukraine geboren. Als die deutsche Wehrmacht 1941 die Sowjetunion überfällt, ist sie sieben Jahre alt. Wenig später wird ihre Familie in ein Ghetto gezwungen und anschließend in das rumänisch verwaltete Todeslager Petschora deportiert. Hunger, Gewalt und der tägliche Tod bestimmen fortan ihren Alltag. Doch ihre Mutter weigert sich, das Schicksal ihrer Kinder zu akzeptieren. Mehrfach versucht sie, mit Assia aus dem Lager zu fliehen. Erst nach dramatischen Rückschlägen gelingt ihnen die Flucht – eine Entscheidung, die Assia das Leben rettet. Ihr Großvater wird ermordet, viele Angehörige überleben den Holocaust nicht. Nach dem Krieg baut Assia Gorban sich ein neues Leben auf. Heute lebt sie in Berlin und erzählt als Zeitzeugin ihre Geschichte, damit das Erlebte nicht in Vergessenheit gerät. Ihr Bericht gehört zu den eindrucksvollsten persönlichen Zeugnissen über den Holocaust in der Ukraine und das Lager Petschora. In dieser Folge spricht Matti Geyer mit Assia Gorban über ihre Kindheit im Holocaust, den Mut ihrer Mutter, den Verlust ihrer Familie und darüber, warum Erinnern für sie bis heute eine Aufgabe ist.
26 Minuten
Manche Menschen beobachten Geschichte. Andere erzählen sie. Carla Kalkbrenner hat beides getan. Sie wächst in der DDR als Tochter des Malers Fritz Eisel auf und erlebt ihre Kindheit in Potsdam. Später studiert sie Journalistik in Leipzig und arbeitet ab 1979 für das Fernsehen der DDR. Als die Friedliche Revolution das Land verändert, berichtet sie mittendrin über eine Gesellschaft im Umbruch – zunächst für den Deutschen Fernsehfunk, später für den ORB, das ZDF und die Deutsche Welle. Für ihre Arbeit wird sie unter anderem mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. Doch Carla Kalkbrenners Geschichte endet nicht im Journalismus. Heute schreibt sie erfolgreiche Berlin-Krimis, deren Ermittlungen mitten durch die Geschichte und Gegenwart der Hauptstadt führen. Und auch ihre Familie spiegelt deutsche Zeitgeschichte wider: Ihr Großonkel Fritz Selbmann gehörte zu den bekanntesten Politikern und Schriftstellern der DDR, ihr Vater Fritz Eisel war einer ihrer bedeutenden Maler. Ihr Mann Jörn Kalkbrenner schrieb Texte unter anderem für die Band Silly. Und ihre Söhne Paul und Fritz Kalkbrenner gehören heute zu den international bekanntesten deutschen Techno-Musikern. In dieser Folge spricht Matti Geyer mit Carla Kalkbrenner über das Aufwachsen in der DDR, den Journalismus im Wandel zweier politischer Systeme, ihre Leidenschaft für das Schreiben – und darüber, wie sich ein ganzes Stück deutscher Geschichte auch in einer einzigen Familie erzählen lässt.
37 Minuten
Eine Biografie zwischen Verschleierung, Aufarbeitung und einem Leben im Schatten der NS-Vergangenheit Manche Lebensgeschichten wirken wie aus einem Drehbuch – nur dass sie real sind. Michael Sturm ist so eine Geschichte. 1941 in Bad Polzin (heute Polen) geboren, verbringt er seine ersten Lebensjahre in einem Lebensborn-Heim der SS. Was er selbst davon weiß? Jahrzehntelang praktisch nichts. Denn seine Herkunft wird ihm systematisch verschwiegen – von seiner Familie, von seiner Mutter, von einer Vergangenheit, über die nicht gesprochen wird. Er wächst mit einer anderen Geschichte auf: Sein Vater sei ein Widerstandskämpfer des 20. Juli gewesen, gefallen im Kampf gegen Hitler. Erst viele Jahre später beginnt diese Erzählung zu bröckeln. Als Michael Sturm selbst anfängt zu recherchieren, stößt er auf eine völlig andere Realität – und auf eine Wahrheit, die alles verändert. Er erfährt, dass er ein Kind des Lebensborn-Programms war – jenes SS-Systems, das während des Nationalsozialismus Kinder nach „rassischen“ Kriterien auswählte, Geburten in Heimen organisierte und Identitäten verschleierte. Und er entdeckt, dass auch sein Vater nicht der vermeintliche Held war, sondern Teil der NS-Militär-Elite. Aus der Suche nach der eigenen Herkunft wird eine Auseinandersetzung mit Schuld, Schweigen und Familienlügen – und mit der Frage, wie viel Wahrheit ein Leben aushält, wenn sie Jahrzehnte zu spät kommt. In dieser Folge spricht Matti Geyer mit Michael Sturm über ein Leben zwischen Erinnerungslücken, schmerzhaften Enthüllungen und dem Versuch, die eigene Geschichte neu zusammenzusetzen.
42 Minuten
Ilse Biberti hat in ihrem Leben so viel erlebt, dass man daraus vermutlich mehrere Podcasts machen könnte. Schauspielerin, Regisseurin, Autorin, Produzentin, Sesamstraßen-Star, Pflegende von Angehörigen und heute Aktivistin bei den Omas gegen Rechts. In dieser Folge von „Was für ein Leben“ spricht Matti Geyer mit einer Frau, die sich immer wieder neu erfunden hat. Ilse erzählt von ihrer schwierigen Kindheit, ihrem Auszug von zu Hause, ihrer ungewöhnlichen Verbindung zu Robert Biberti von den legendären Comedian Harmonists, ihren Erfolgen als Schauspielerin und Regisseurin sowie von den Widerständen, gegen die sie sich in einer von Männern dominierten Branche behaupten musste. Außerdem geht es um ihre Zeit in der Sesamstraße, ihre Arbeit für Formate wie Tatort, Gute Zeiten, schlechte Zeiten und Alphateam, den schwierigen Spagat zwischen Karriere und familiärer Verantwortung – und darum, warum Altersdiskriminierung in Deutschland endlich stärker diskutiert werden sollte. Eine Folge über Mut, Durchhaltevermögen und kreative Leidenschaft. Themen dieser Folge: • Kindheit und Aufbruch in die Selbstständigkeit • Robert Biberti und die Comedian Harmonists • Zehn Jahre Sesamstraße • Frauen hinter der Kamera in den 1970er- und 1980er-Jahren • Tatort, GZSZ, Alphateam und eigene Serienproduktionen • Pflege von Angehörigen und ihre Folgen für die Karriere • Altersdiskriminierung in Deutschland • Engagement bei den Omas gegen Rechts
41 Minuten
Markus Heckhausen: Eine Biografie zwischen Design, Ostalgie und der Rettung eines Berliner Symbols Manche Dinge verschwinden fast – und werden dann doch zu etwas ganz anderem. Der Weg des Ost-Ampelmännchens ist genau so eine Geschichte. Markus Heckhausen kommt Ende der 1980er-Jahre als Produktdesigner nach Berlin – in eine Stadt im Umbruch, zwischen Ende der DDR und neuer Hauptstadt-Identität. Eigentlich interessiert er sich für Gestaltung, Materialien und neue Formen. Doch dann entdeckt er ein scheinbar unscheinbares Objekt, das gerade dabei ist, aus dem Stadtbild zu verschwinden: das Ost-Ampelmännchen. Während nach der Wiedervereinigung viele DDR-Symbole ersetzt und abgebaut werden, sieht Heckhausen in dem kleinen Verkehrssymbol etwas anderes: Charakter, Wiedererkennbarkeit und enormes gestalterisches Potenzial. Aus dem ersten geretteten Ampelglas entsteht eine Lampe – und daraus eine Idee. Gemeinsam mit dem Erfinder Karl Peglau beginnt eine Entwicklung, die aus einem ausrangierten Verkehrszeichen Schritt für Schritt eine Marke macht. Was als experimentelles Designprojekt beginnt, wird zu einem Unternehmen mit hunderten Produkten, eigenen Shops in Berlin und internationaler Bekanntheit. Heute ist das Ampelmännchen längst mehr als ein Verkehrssymbol: Es ist Designikone, Erinnerungsfigur und ein Stück Berliner Stadtkultur. In dieser Folge spricht Matti Geyer mit Markus Heckhausen über Zufälle, Entscheidungen und darüber, wie aus einem kleinen Männchen ein großes Stück Stadtgeschichte wurde.
19 Minuten
Vapula Haukongo wurde als Kind mitten im Kalten Krieg aus einem namibischen Flüchtlingslager in die DDR gebracht. Dort wuchs er in Ostdeutschland auf, sprach Deutsch, ging zur Schule und sollte Teil einer neuen sozialistischen Elite für ein unabhängiges Namibia werden. Doch dann fiel die Berliner Mauer – und plötzlich musste er zurück. In ein Land, das eigentlich seine Heimat war, ihm aber völlig fremd geworden war. In dieser Folge erzählt Vapula Haukongo, wie es war, zwischen zwei Kulturen und Identitäten aufzuwachsen, warum viele der sogenannten „DDR-Kinder aus Namibia“ bis heute mit ihrer Vergangenheit kämpfen – und wie er es geschafft hat, trotz dieses radikalen Bruchs seinen eigenen Weg zu finden. Heute lebt er als Zahnarzt in München. Ein Gespräch über Heimat, Verlust, Anpassung – und die Frage, wo man hingehört, wenn man eigentlich zwei Leben hatte.
28 Minuten
Bettina Göring trägt einen Namen, der bis heute mit den Verbrechen des Nationalsozialismus verbunden ist. Sie ist die Großnichte von Hermann Göring – einem der führenden Männer im NS-Regime. Doch was bedeutet es, mit so einer Familiengeschichte zu leben? In dieser Folge spricht Bettina Göring darüber, wie sie ihre Herkunft lange verdrängt hat, warum sie sich später intensiv damit auseinandergesetzt hat – und wie sehr sie diese Vergangenheit geprägt hat. Sie erzählt von ihrem Leben als Aussteigerin, von ihrer bewussten Abgrenzung zur Ideologie ihrer Familie und davon, wie sie ihren eigenen Weg gefunden hat. Ein Gespräch über Verantwortung, Identität und die Frage: Was hat die Vergangenheit mit uns zu tun – und was nicht?
29 Minuten
Eine Biografie zwischen Fürsorge, Grenzerfahrungen und kreativer Selbstverwirklichung Manche Lebenswege verlaufen nicht geradlinig – sondern zwischen Berufung und Neuanfang. Der von Antje Hartmann ist ein solcher. In Ost-Berlin geboren und in einer medizinisch geprägten Familie aufgewachsen, entwickelt sie früh ein Gespür für Menschen – und für Geschichten. Mit 18 beginnt sie ihre Ausbildung zur Krankenschwester und taucht in den intensiven Krankenhausalltag der 1990er-Jahre ein. Sie arbeitet auf Aids-Stationen, erlebt Nachtschichten, Ausnahmesituationen und begegnet Menschen aus unterschiedlichsten Lebenswelten. Später ist sie in der ambulanten Pflege in Kreuzberg tätig, wo sie Armut, Einsamkeit und oft übersehene Realitäten hautnah erlebt. Mit der Zeit übernimmt sie Verantwortung in der Einsatzleitung – bleibt dabei aber immer nah an den Menschen, die sie begleitet. Doch parallel wächst eine andere Leidenschaft: die für Sprache, Ausdruck und Bühne. Antje arbeitet in Redaktionen, absolviert eine Sprecher- und Schauspielausbildung und beginnt, ihrer kreativen Seite Raum zu geben. Heute verbindet sie beide Welten. Als schulische Inklusionsassistentin unterstützt sie Kinder medizinisch und psychosozial im Alltag. Gleichzeitig ist sie als Sprecherin und Schauspielerin tätig. In dieser Folge spricht Matti Geyer mit Antje Hartmann über ein Leben zwischen Pflege und Kunst – und über die Geschichten, die hinter den Menschen stehen.
20 Minuten
Ein Leben gegen den Strom: Harald Geyer Manche Gespräche sind mehr als Interviews. Dieses ist eines davon. In dieser Folge spricht Matti Geyer mit seinem eigenen Vater – Harald Geyer. Ein Gespräch unter besonderen Umständen: Harald befindet sich in Palliativpflege. Viel Zeit bleibt nicht mehr. Das Sprechen fällt ihm bereits schwer. Geboren 1939, wächst er in den letzten Kriegsjahren und der unmittelbaren Nachkriegszeit auf. Früh verliert er seinen Vater. Kurz nach Kriegsende wird die Familie von sowjetischen Soldaten aus ihrem Zuhause vertrieben. Hunger prägt den Alltag – bis eine Beziehung seiner Mutter zu einem sowjetischen Offizier das Überleben sichert. Harald träumt davon, Regisseur zu werden. Doch in der DDR bleibt dieser Weg verschlossen. Er entscheidet sich für ein Lehramtsstudium – ein Kompromiss. Als seine Mutter in den Westen geht, plant er, ihr zu folgen. Doch dann wird die Mauer gebaut. Die Grenze schließt sich, und Mutter und Sohn werden getrennt. In der DDR wird von ihm erwartet, der Partei beizutreten. Harald weigert sich. Eine Entscheidung mit Konsequenzen: Überwachung durch die Stasi, eingeschränkte berufliche Perspektiven. Schließlich gibt er den Lehrerberuf auf. Sein weiterer Weg ist geprägt von Brüchen und Neuanfängen. Er arbeitet in verschiedenen Jobs, fährt illegal Taxi, schlägt sich durch – und bleibt dabei unabhängig. Nach der Wende beginnt ein neues Kapitel: Er unterrichtet vietnamesische Vertragsarbeiter in Deutsch und engagiert sich später in der jüdischen Gemeinde, wo er russischen Einwanderern beim Ankommen hilft. Sprache wird für ihn zum Mittel der Verbindung. Bis ins hohe Alter bleibt er aktiv, kritisch und eigenständig. Erst eine Krebsdiagnose verändert alles. In dieser Folge spricht Matti Geyer mit seinem Vater über ein Leben gegen den Strom – und hält einen Moment fest, der zugleich Abschied und Erinnerung ist.
25 Minuten
Eine Biografie zwischen Punk, Provokation und spiritueller Suche Manche Leben sprengen jede Schublade. Das von Nina Hagen gehört dazu. Aufgewachsen in Ostberlin in einer politisch unbequemen Familie, wird sie früh zur Außenseiterin. Staatliche Institutionen setzen ihr Grenzen – doch sie findet ihren eigenen Weg in der Musik. Zunächst wird sie in der DDR bekannt, später im Westen zur Ikone und schließlich international berühmt. Ihr Weg führt sie durch die Punk-Szene Londons, das wilde Westberlin und bis nach Los Angeles. Ein Leben zwischen künstlerischen Höhenflügen und persönlichen Abstürzen, geprägt von Exzessen, radikaler Selbstinszenierung und immer neuen Neuanfängen. Doch Nina Hagen sucht nicht nur die Bühne, sondern auch Sinn. Spirituelle Erfahrungen und die Hinwendung zum Glauben werden zu einem wichtigen Teil ihres Lebens. Im Gespräch mit Matti Geyer erzählt sie offen wie selten von ihrer Kindheit im Prenzlauer Berg, vom Einfluss Wolf Biermanns, von ihrer Ausreise aus der DDR, ihrer Zeit im Punk – und von ihrer Suche nach Gott. In dieser Folge geht es um ein Leben zwischen Rebellion und Reflexion – und um eine Künstlerin, die sich immer wieder neu erfindet.
25 Minuten
Eine Biografie zwischen Kriegserfahrung, Erinnerung und zivilem Engagement Manche Erinnerungen lassen einen ein Leben lang nicht los. Die von Arnold Mosshammer gehören dazu. Ende April 1945 wird das kleine brandenburgische Dorf Halbe zum Schauplatz einer der letzten großen Schlachten des Zweiten Weltkriegs. In der sogenannten Kesselschlacht geraten Zehntausende Soldaten, Flüchtlinge und Zivilisten zwischen die Fronten von Wehrmacht und Roter Armee. Innerhalb weniger Tage sterben vermutlich bis zu 60.000 Menschen. Arnold Mosshammer ist zu diesem Zeitpunkt zwölf Jahre alt. Gemeinsam mit seiner Mutter und Großmutter verbringt er vier Tage in einem Keller, während über ihnen Granaten einschlagen und Maschinengewehre rattern. Als sie schließlich ins Freie treten, sehen sie eine zerstörte Landschaft – und unzählige Tote. In den Wochen danach helfen die Überlebenden, die Opfer zu begraben. Entlang von Straßen, in Gärten und auf Feldern entstehen Massengräber. Für den jungen Mosshammer wird diese Erfahrung prägend. Heute liegen auf dem Soldatenfriedhof Halbe mehr als 26.000 Kriegstote. Viele von ihnen sind bis heute namenlos. Arnold Mosshammer lebt inzwischen wieder in Halbe. Die Erlebnisse seiner Kindheit haben ihn zu einem entschiedenen Gegner von Rechtsextremismus gemacht. Seit Jahren engagiert er sich in einem lokalen Aktionsbündnis und stellt sich gegen Neonazi-Aufmärsche – ausgerechnet an dem Ort, der so eng mit seiner eigenen Geschichte verbunden ist. In dieser Folge spricht Matti Geyer mit Arnold Mosshammer über das Erlebte, über Erinnerung und Verantwortung – und darüber, warum es wichtig ist, Haltung zu zeigen.