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So sind wir: zwischen Bognergasse und Ballhausplatz Archiv

31 Episoden
39 Minuten
Liebe Hörerinnen und Hörer,

diesmal bin ich nicht im ersten Bezirk, sondern im Büro von Conda. Dort habe ich mit Michael Maier von iteratec gesprochen. Er beschäftigt sich seit rund fünfzehn Jahren mit Transformation und Innovation und ist bei iteratec für Österreich und für das Thema Human Agent Collaboration verantwortlich.

Ich wollte von ihm wissen, was KI in Unternehmen wirklich verändert. Es geht weniger um die Technik als um die Frage, wie Menschen, Organisationen und Abhängigkeiten damit umgehen.

Drei Punkte sind mir besonders geblieben. Erstens beschreibt Michael, wie sich das Berufsbild von Entwicklern verschiebt: weg vom Code schreiben, hin zu Architektur, Entscheidungen und kritischem Prüfen. Zweitens erzählt er ein Beispiel aus dem eigenen Haus, einen KI-Agenten im Finance-Team, der gemeinsam mit den Kolleginnen gebaut wurde und heute die Ausgangsrechnungen schreibt. Drittens sprechen wir über digitale Souveränität. Ich habe ihn gefragt, was passiert, wenn ein US-Konzern einem europäischen Unternehmen den Zugang abdreht. Seine Antwort ist erfrischend nüchtern: Es geht nicht um Autarkie, sondern darum, Handlungsspielraum zu behalten.

Dazu kommt die unbequeme Frage nach den Jobs. Er erklärt, wie Unternehmen damit umgehen können. Er zeigt sehr gut auf, was Unternehmen in Österreich und Europa morgen konkret anders machen können.

Kapitel

00:00:00 Intro und Begrüßung bei Conda

00:00:37 Vom Grazer Wahlwiener zum Transformationsberater

00:04:08 Warum der klassische Tech-Job gerade bröckelt

00:07:58 Human Agent Collaboration: So arbeiten Mensch und KI zusammen

00:09:51 KI-native Unternehmen und die Wette auf das Ein-Mann-Unicorn

00:11:50 Praxisbeispiel: Der KI-Agent im Finance-Team

00:14:28 Angst um den Job: Wie Unternehmen mit Widerstand umgehen

00:18:36 Welche Branchen bei KI vorne liegen

00:24:34 Digitale Souveränität: Was der US Cloud Act für Europa bedeutet

00:32:38 Rahmenbedingungen und erste Schritte für Unternehmen
37 Minuten
Liebe Hörerinnen und Hörer,

diese Folge beginnt vor Felix’ Haustür. Groß-Enzersdorf kommt normalerweise nur dann in die Zeitung, wenn etwas schiefgeht, und diesmal geht es um das Ardo-Werk, aus dem ein großer Teil des Tiefkühlgemüses im Supermarkt stammt.

Der belgische Eigentümer will schließen, hat ein Rettungspaket von Bund und Land abgelehnt und will das Gelände offenbar auch nicht an einen möglichen Konkurrenten verkaufen. Künftig kommt das Gemüse aus Belgien, und Hunderte Bauern im Marchfeld, die ihre Produktion genau auf dieses Werk ausgerichtet haben, bleiben zurück.

Was dieser Fall über den Wirtschaftsstandort Österreich sagt?

Hier zieht kein Betrieb in ein Billiglohnland, sondern ein Unternehmen verlagert die Produktion in ein hochentwickeltes EU-Land und beliefert uns künftig von dort. Wir spielen durch, was passiert, wenn sich mittelständische Betriebe und Hidden Champions dieselbe Frage stellen.

Danach schwenken wir auf das Gesundheitssystem. Wir schauen auf den Herbst der Ergebnisse, auf Unibudgets und Arztstellen, auf Kassenplätze und den (Fach-)Ärztemangel. Dabei zeigt sich, wie direkt beides zusammenhängt, denn die Betriebe finanzieren mit ihren Steuern und Löhnen das System, das wir am Ende brauchen.

Ich bin gespannt, wie ihr das seht, und freue mich auf eure Kommentare.

Euer Niko

Kapitel:

00:00:00 Intro

00:01:29 Groß-Enzersdorf und die Geschichte des Werks

00:05:16 Warum Ardo schließt und was an 500 Betrieben hängt

00:06:28 Petition, Rettungspaket und das Nein von Ardo

00:12:50 Wifo gegen Subventionen

00:14:55 Vom Marchfeld nach Belgien: Warnsignal für den Standort

00:22:03 Deindustrialisierung

00:25:10 Herbst der Ergebnisse: Paketsteuer, Insolvenzfonds, Unibudget

00:30:36 Ärztemangel, Kassenplätze und wer das System finanziert

00:34:45 Zeiler gegen Marterbauer: Kuh füttern oder melken wichtiger?
49 Minuten
Liebe Hörerinnen und Hörer,

nach der Sommerpause hat Bundeskanzler Christian Stocker den Herbst der Ergebnisse ausgerufen. Wenige Wochen später steckt die SPÖ in einer Führungskrise, und von den angekündigten Ergebnissen ist bisher wenig zu sehen. Ich wollte wissen, was davon noch realistisch ist, und habe dafür Michael Hammerl vom Kurier eingeladen. Er beobachtet die Regierung mit Schwerpunkt auf Budget und Finanzen und kennt die Zahlen ebenso wie die Menschen, die sie verhandeln.

Wie viel Spielraum hat diese Koalition überhaupt noch? Michael geht die offenen Baustellen durch, von der Wehrdienstreform über die Bundesstaatsanwaltschaft bis zur Sozialhilfe, und sortiert, was bis Jahresende kommen muss und worauf eigentlich niemand wartet.

Drei Punkte sind mir besonders hängen geblieben. Erstens die Paketabgabe: ÖVP und Neos rücken öffentlich von einer Maßnahme ab, die sie selbst mitbeschlossen haben, und Michael hat eine These, warum das ausgerechnet jetzt passiert.

Zweitens die Machtfrage in der SPÖ: Wer verhandelt nach dem angekündigten Rückzug von Andreas Babler, welche Rolle spielen Wien und die Gewerkschaft, und was ändert sich, wenn Markus Marterbauer Vizekanzler wird?

Drittens die kommenden Landtagswahlen: In Oberösterreich zeichnet sich ein Zweikampf zwischen ÖVP und FPÖ ab, und wir reden darüber, ob die Brandmauer zur FPÖ in der SPÖ überall gleich hoch ist.

Michaels Bilanz fällt nüchtern aus. Mit einer einzelnen Reform kommt diese Regierung nicht aus dem Umfragetief. Helfen würden besseres kommunikatives Handwerk und eine Wirtschaftslage, die sich endlich beruhigt.

Wir haben an diesem Nachmittag ordentlich Kaffeesud gelesen. Genau das mag ich an solchen Gesprächen: offen spekulieren, aber mit jemandem, der weiß, wovon er spricht.

Euer Niko

Kapitel

00:00:00 Intro und der versprochene Herbst der Ergebnisse

00:00:51 Wehrdienst, Bundesstaatsanwaltschaft, Sozialhilfe, die offenen Baustellen

00:04:18 Wer in der SPÖ nach Babler das Sagen hat

00:07:10 Paketabgabe und Spritpreisbremse, warum sich die Koalition selbst widerspricht

00:11:53 Was die Regierung bis Jahresende noch liefern muss

00:17:17 Wien, Gewerkschaft und Länder, wo in der SPÖ die Macht liegt

00:24:06 Welche Regierungsmitglieder der SPÖ wackeln

00:29:09 FPÖ und Grüne im Umfragehoch, warum die Opposition nur abwarten muss

00:33:02 Budget, Krisen, Kommunikation, kann die Regierung die Stimmung noch drehen

00:39:11 Landtagswahlen und Brandmauer, müssen die Landeshauptleute zittern
22 Minuten
Liebe Hörerinnen und Hörer,

eine weitere Folge mit Video, ich teste aktuell ein paar Setups durch. Freue mich über Feedback dazu.

An Stoff hat es uns nicht gemangelt. Die SPÖ hat ihre Führung neu sortiert: Andreas Babler bleibt vorerst Vorsitzender, an seine Seite treten Philip Kucher und Eva-Maria Holzleitner als geschäftsführende Parteichefs, und Markus Marterbauer soll Anfang 2027 Vizekanzler werden. Eine Partei mit drei Köpfen und keinem echtem Chef (oder Chefin).

Was es für eine Regierung bedeutet, wenn ein Partner im Umbau steckt und niemand genau weiß, wer verhandelt und wer entscheidet? Das haben wir uns im Details angesehen. Drei Dinge sind aufgefallen:

Erstens auf den APA/OGM-Vertrauensindex, in dem Marterbauer seit Monaten zu den Politikern mit den besten Werten zählt, und darauf, was das über das Verhältnis der Österreicherinnen und Österreicher zum Sparen und zum Kapitalmarkt sagt. Da waren Felix und ich nicht ganz einer Meinung.

Zweitens auf die NEOS, deren Parteichefin die gerade erst eingeführte Paketsteuer schon wieder in Frage stellt, und auf unsere These, wer von solchen Rückziehern am Ende profitiert.

Drittens auf eine Umfrage, in der die Grünen vor der SPÖ liegen, und darauf, warum der Parteiapparat dabei eine größere Rolle spielt, als man denkt.

Zum Schluss wagen wir einen Ausblick auf den Herbst: Hilft eine sich erholende Weltwirtschaft der Regierung, oder nimmt sie ihr den letzten Reformdruck?

Euer Niko

Kapitel:

00:00:00 Cold Open und Intro

00:01:19 Bablers Rückzug auf Raten: Das neue SPÖ-Führungstrio

00:04:10 Parteitag im Frühling: Wer übernimmt die SPÖ?

00:05:16 Vertrauensindex: Warum der Finanzminister punktet

00:06:12 Sparen als Volkssport und die Angst vor dem Kapitalmarkt

00:10:59 NEOS in Linz: Kehrtwende bei der Paketsteuer

00:12:51 Koalition ohne Ansprechpartner: ÖVP, NEOS und die SPÖ

00:15:18 Babler, der Koalitionspoker und wem er nützt

00:17:04 Umfragen: Warum die Grünen an der SPÖ vorbeiziehen

00:20:02 Ausblick: Weltwirtschaft, Reformdruck und GTA 6
48 Minuten
Liebe Hörerinnen und Hörer,

mein heutiger Gast ist Nikolaus Hutter. Also Buchstabe für Buchstabe der gleich Name wie ich. Kennengelernt haben wir uns über eine Verwechslung auf LinkedIn, vor ungefähr drei Jahren. Seitdem wollte ich wissen, was dieser andere Nikolaus Hutter eigentlich den ganzen Tag macht.

Die kurze Antwort: Venture-Investor in Wien. Die lange: Er hilft mit Relevant Ventures Unternehmen dort auf, wo Kapital normalerweise nicht hinkommt. Mehr als die Hälfte seines Teams sitzt in Uganda.

Bei dem was in antreibt orientiert er sich an Peter Thiel: Was weißt du, das sonst niemand glaubt? Seine Antwort lautet, dass wirtschaftlicher Wert künftig dort entsteht, wo die dringendsten Probleme gelöst werden. Und dass das ein Geschäft ist, kein Idealismus.

Er macht das an zwei Beispielen fest: Erstens: Solaranlagen auf Schuldächern in Uganda: Ins Netz einspeisen darf man dort nicht, also verkauft man nicht Strom, sondern Brot aus einer Bäckerei, die mit diesem Strom läuft. Nicht die üblichen Fonds, sondern Stiftungen, Unternehmerfamilien und in Uganda ausgerechnet die Banken der Kirchen.

Und zweitens Display Europe, eine Medienkooperative mit über siebzig Mitgliedern in ganz Europa, vom Umweltjournalismus im Baltikum bis zu kleinen Community-Radios. Was sie für die entwickeln, da wusste ich während der Aufnahme selbst nicht, ob ich sie großartig oder bedenklich finden soll: In New York gibt es ein Medienunternehmen namens Hunterbrook, das ein Investigativportal mit einem Hedgefonds verbindet: Man recherchiert, wo ein Konzern etwas zu verbergen hat, setzt vor der Veröffentlichung auf den fallenden Kurs und finanziert mit dem Gewinn auch die Redaktion. Er rechnet vor, dass ein einziger solcher Trade mehr Geld für Medien mobilisieren könnte als die gesamte EU-Medienförderung eines Jahres. Ob das in Europa rechtlich und publizistisch geht, ist offen. Interessant ist es jedenfalls.

Was ich mitgenommen habe: Ich habe selten jemanden getroffen, der so nüchtern über Dinge spricht, die auf den ersten Blick nach Weltverbesserung klingen.

Euer Niko

Kapitel:

00:00:00 Intro und zwei Mal Nikolaus Hutter

00:01:07 Purpose Venture Capital: was Relevant Ventures macht

00:04:50 Vom LSE-Absolventen ohne Job zum Venture-Investor

00:15:16 Dekarbonisierung als Exportschlager nach Osteuropa

00:19:38 Solaranlagen auf Schuldaechern in Uganda

00:26:56 Wer so etwas finanziert: Stiftungen, Familien, Kirchenbanken

00:31:03 Display Europe: was siebzig Medien gemeinsam billiger koennen

00:35:10 Investigativportal plus Hedgefonds: das Modell Hunterbrook

00:38:29 Die vier D: Dekarbonisierung, Devolution, Displacement, Diskriminierung

00:45:33 Die Purpose Revolution als groesste Investmentchance
21 Minuten
Liebe Hörerinnen und Hörer,

diese Folge ist eine Premiere: Zum ersten Mal gibt es dieses Format nicht nur zum Hören, sondern auch als Video. Wer uns sehen möchte, findet die Folge ab jetzt auch dort, wer nur hören will, bekommt sie wie gewohnt.

Aufgenommen habe ich sie mit Felix an einem Wochenende, an dem die SPÖ über ihre Spitze beraten hat. Gerhard Zeiler hat in der Kronen Zeitung und in der ZIB2 erklärt, dass er Parteivorsitzender werden will, Andreas Babler denkt nach eigenen Angaben nicht an Rücktritt. Wie es ausgegangen ist, wisst ihr beim Hören vermutlich besser als wir bei der Aufnahme.

Warum eine Parteispitze schon bei einer einzelnen Kandidatur ins Wanken gerät? Dafür schauen Felix und ich zurück auf den Parteitag 2023, bei dem ein Excel-Fehler zunächst den falschen Sieger hervorbrachte und Babler am Ende doch Vorsitzender wurde. Wir diskutieren unsere These, dass Babler sein politisches Kapital vor allem nach innen eingesetzt hat und zu wenig auf dem Wählermarkt. Und wir gehen die möglichen Nachfolger durch und fragen, wer das Amt überhaupt übernehmen würde und könnte.

Dazu kommt ein Seitenblick auf die Paketsteuer und die Frage, ob sie ihr Ziel erreicht.

Einig sind wir uns dabei nicht immer. Wenn diese Folge erscheint, werdet ihr schon mehr wissen, als wir zum Zeitpunkt der Aufnahme.

Euer Niko

Kapitel

00:00:00 Intro: Wer wird neuer SPÖ-Obmann?

00:00:40 Der Fall Zeiler: Panzerknacker oder Dilettantismus?

00:03:35 Warum Bablers Sessel so wackelt

00:04:20 Parteitag 2023: Der Excel-Fehler und Bablers Start

00:05:40 Politisch bankrott: Wohin Bablers Kapital floss

00:10:05 Regierungsbildung und Durchsetzung gegen Wien

00:13:05 Paketsteuer: Eigentor der SPÖ?

00:15:50 Die Alternativen: Marterbauer, Holzleitner, Bures und Co.

00:17:25 Die nächsten Tage: Szenarien für die SPÖ-Spitze
30 Minuten
Liebe Hörerinnen und Hörer,

Thomas Waldner hat im November 2025 die operative Geschäftsführung der Wiener Stadthalle übernommen. Und damit, ohne Eingewöhnungsphase, auch die Verantwortung für das größte Fernsehereignis, das dieses Haus stemmen kann: den Eurovision Song Contest. Genau darum wollte ich mit ihm reden. Nicht über die Show, sondern über das, was hinter der Show passiert.

Wie kann so ein Gebäude aus dem Jahr 1958 heute noch international mithalten? Waldner nennt die Stadthalle einen kulturellen Leuchtturm und vergleicht sie mit einer alten Dame, die noch immer rockt. Das klingt charmant, ist aber eine handfeste Managementaufgabe: digitale Buchungskalender, transparente Preise, rasche Kalkulation, damit internationale Veranstalter überhaupt erst anfragen.

Drei Dinge sind mir besonders geblieben.

Erstens die Logistik. Zwischen der Vergabe im August und der ersten Show im Mai lief in der Halle ganz normaler Vollbetrieb weiter. Neun bereits gebuchte Veranstaltungen mussten weichen, darunter ein Konzert, das nun im Mai 2027 nachgeholt wird.

Zweitens die Sicherheit. Waldner beschreibt Flughafenniveau über Wochen hinweg, für jeden, der das Gebäude betreten hat. Auch für Bühnenbauer, auch nach einer kurzen Pause draußen.

Drittens die Kostenfrage. Die Miete der Stadthalle ist der größte Einzelposten des ESC. Waldner erklärt, was darin eigentlich alles steckt, und warum das kein reiner Mietblock ist.

Was mich an dem Gespräch interessiert hat: Wie sehr das Selbstbild einer Stadt an solchen Veranstaltungen hängt. Waldner sagt sinngemäß, Wien habe bewiesen, dass es Großveranstaltungen kann. Nach den Absagen und Sicherheitsdebatten der letzten Jahre ist das mehr als eine Marketingaussage.

Ich lebe selbst seit zwölf Jahren in dieser Stadt und war nach dieser Aufnahme überrascht, wie viel Planung nötig ist, damit ein Abend einfach nur schön wirkt.

Euer Niko

Kapitel:

00:00:00 Neu im Job, sofort im ESC-Modus

00:08:40 Zehn Jahre Ausnahmezustand im Veranstaltungsgeschäft

00:15:39 Was der Song Contest kostet und was er bringt

00:23:02 Wien als Host City und die nächsten fünf Jahre
26 Minuten
Liebe Hörerinnen und Hörer,

zwei Jahre sind seit der Nationalratswahl vergangen, diese Regierung gibt es aber erst seit eineinhalb Jahren. Das ist für mich ein guter Moment, um mit Felix in Ruhe zurückzuschauen.

Wir gehen die Etappen der Reihe nach durch. Warum der Bundespräsident zuerst frei sondieren ließ und was das für die Verhandlungen bedeutet hat. Warum ab Dezember wenig weiterging, obwohl nach außen alles ruhig wirkte. Und wie aus dem Scheitern Anfang Jänner am Ende doch die Dreierkoalition wurde, mit kräftigem Zutun der Sozialpartner im Hintergrund.

Drei Dinge sind mir beim Aufnehmen hängengeblieben. Erstens kamen die härtesten Rückmeldungen in der ÖVP damals nicht wegen der Gespräche mit der FPÖ, sondern wegen des Defizits, also beim eigenen Kernthema. Zweitens ist das Doppelbudget nicht nur Finanzplanung, es legt den Koalitionspartnern auch gegenseitig Ketten an. Drittens liegt die eigentliche Zäsur für diese Regierung nicht in Wien, sondern in den Ländern.

Wo wir im Jänner stehen, weiß ich ehrlich nicht. Ich bin selbst gespannt.

Euer Niko

Kapitel:

00:00:00 Zwei Jahre Wahl, eineinhalb Jahre Regierung

00:01:27 Sondieren statt Regierungsauftrag: die erste Phase nach der Wahl

00:05:23 Der dritte Jänner: Verhandlungen geplatzt, Kickl übernimmt

00:09:13 Das Defizit, das lange unter Verschluss blieb

00:10:52 Klimabonus und Gießkanne: das Erbe der Ausgabenpolitik

00:12:28 Wie die Sozialpartner die Parteien zurück an den Tisch brachten

00:14:44 Krisenreduktionsgesetz und Doppelbudget: der Preis des Defizitverfahrens

00:15:42 Wer sitzt fest im Sattel? Babler, Stocker und die Personaldebatten

00:19:02 Das Doppelbudget als Fessel, die FPÖ in der Zuschauerrolle

00:21:24 Landtagswahlen als Zäsur: warum Oberösterreich das Risiko ist
41 Minuten
Liebe Hörerinnen und Hörer,

wenn man in Österreich über Reformen diskutiert, zeigt irgendwer irgendwann nach Deutschland. Und in Deutschland zeigt man beim Thema Pensionen ziemlich verlässlich nach Österreich. Grund genug, einmal jemanden zu fragen, der mitten in dieser Debatte sitzt.

Mein Gast in dieser Folge ist David Dekorsi, Geschäftsführer des Bundes Katholischer Unternehmer. Ein Verband, den es in Österreich in dieser Form gar nicht gibt, gegründet 1949 von Leuten wie Konrad Adenauer, mit der katholischen Soziallehre als Kompass. Wir reden darüber, wie das politische Berlin über Verbände funktioniert, warum kleine Verbände oft wirksamer sind als große, und was es praktisch heißt, Wirtschaftspolitik von einem Wertefundament her zu denken.

Zur aktuellen Lage im direkten Vergleich bei Pensionen: Die deutsche Alterssicherungskommission hat 33 Empfehlungen vorgelegt, und David sagt sehr deutlich, dass er am tatsächlich umgesetzten Ergebnis zweifelt. Wir vergleichen Kapitalrente und Staatsfonds, gesetzliches und tatsächliches Antrittsalter, Beamtenpensionen und die Frage, warum in beiden Ländern jede Reform genau dort endet, wo jemand seinen eigenen Ast absägen müsste.

Am Ende geht es um das, was mich an dem Gespräch am meisten beschäftigt hat: Ein Fünftel der jungen Deutschen sucht aktiv einen Weg ins Ausland. Das sind nicht die Unqualifizierten. Und die Frage, die David stellt, gilt für Österreich genauso: Was hält mich hier?

Sein Schluss ist trotzdem kein pessimistischer. Nicht resignieren, engagieren.

Hört rein.

Euer Niko

Kapitel:

00:00:00 "Ich bin ein Homo politicus"

00:06:44 "Wirtschaftspolitik ein Herz geben"

00:14:00 "Wir reden über ein System, das gescheitert ist"

00:28:02 "Keiner sägt den Ast ab, auf dem er sitzt"

00:30:52 "Was hält mich hier?"
26 Minuten
Liebe Hörerinnen und Hörer,

jeder politische Sommer produziert seine Aufreger. Was davon übrig bleibt, wenn die Empörung abgeräumt ist? Das habe ich mir mit Felix angesehen.

Der Satz des Bundeskanzlers über Kinderbetreuung: Die Aussage selbst ist von allen Seiten durchdiskutiert worden, uns interessiert, warum daraus überhaupt eine Wochengeschichte wurde. Widerspruch aus den eigenen Reihen, eine Entschuldigung, die die alte Argumentation gleich noch einmal mitliefert, und eine Nachrichtenlage, die sonst nichts Größeres anzubieten hat. Unser Befund: Inhaltlich bleibt wenig, am Kanzler bleibt trotzdem etwas hängen.

Das gleiche Muster sehen wir beim Burger-Video von Karl Nehammer, beim Elch, der vor einem Jahr durch Niederösterreich gelaufen ist, und bei der heimlichen Tonaufnahme rund um Walter Ruck.

Und dann gibt es die Themen, die tatsächlich bleiben, weil sie nicht von der Nachrichtenlage abhängen. Die Dürre trifft die Landwirtschaft hart, das Hilfspaket stand im Sommer noch in Verhandlung, im Gegenzug lag das Klimaziel auf dem Tisch. Felix rechnet vor, was das für ein Land bedeutet, dessen Lohnstückkosten ohnehin über dem EU-Schnitt liegen.

Mich beschäftigt am meisten, wie ungleich die Aufmerksamkeit verteilt ist. Ein Halbsatz bewegt das Land vier Wochen lang, ein verschlepptes Standortthema bewegt es gar nicht.

Euer Niko

Kapitel:

00:00:00 Warum der Sommer politisch eine eigene Logik hat

00:00:51 Der Sager über Kinderbetreuung und die Entschuldigung danach

00:05:22 Burger-Video, Elch und Causa Ruck, das Muster dahinter

00:12:35 Dürre, Hilfspaket und das Klimaziel als Gegengeschäft

00:16:56 Was wirklich bleibt, Kompromisspolitik und Budgetdefizit
37 Minuten
Liebe Hörerinnen und Hörer,

53 Euro. So viel gibt Österreich pro Jahr und pro Wahlberechtigtem für Parteienförderung aus. Das nächstgroßzügigste Land in Europa liegt bei 13 Euro, der europäische Schnitt unter 10. Über diese Zahl bin ich in der Vorbereitung gestolpert, und sie ist der Kern dieser Folge geworden.

Mein Gast ist Veit Dengler. Er hat 2013 die Neos mitbegründet, war danach CEO der NZZ und Vorstand bei der Bauer Media Group, und sitzt seit dem Sommer als unabhängiger Abgeordneter im Nationalrat. Seine Kritik an der Parteienfinanzierung hat direkt zum Bruch mit seiner eigenen Partei geführt.

Wir sprechen darüber, was ein solches System mit einem Land macht. Über Medien, die zu einem Gutteil von staatlichem Geld abhängen, und darüber, warum in Norwegen und Dänemark ausgerechnet der Markterfolg gefördert wird. Über eine Staatsquote von 55 Prozent und die Frage, warum ein Friseur in Wien zehnmal so viel verdient wie einer in Neu-Delhi. Über Kammern, Bünde und Verbände, die Geld bekommen und Geld verteilen, ohne dass jemand die Gesamtsumme kennt. Und über die These, die Veit am Ende zuspitzt: Wer in Österreich etwas verändern will, muss beim Geld der Parteien anfangen, weil ein System, das sich selbst finanziert, keine Signale mehr von außen aufnimmt.

Es ist ein unbequemes Gespräch. Ich habe an einigen Stellen dagegengehalten, vor allem bei der Frage, ob Menschen eine Reform auch dann mittragen, wenn sie selbst etwas abgeben müssen.

Kapitel:

00:00:00 Ich sehe meine Aufgabe mehr darin, Themen publik zu machen

00:02:41 Fast alle Medien sind irgendwie abhängig von staatlichem Geld00:09:32 Wir zahlen für einen Porsche und wir kriegen einen VW Käfer00:17:21 Ein reiner Selbstbedienungsladen00:24:23 Die tun so, als ob das Geld aus der Steckdose kommt
26 Minuten
Liebe Hörerinnen und Hörer,

Österreich hat einen ganz eigenen Kosmos an Konferenzformaten – vom Europäischen Forum Alpbach über den Salzburg Summit und viele mehr. Für die Politikszene ist Alpbach und Co. Pflichttermine: hochkarätige Gäste, dichte Taktung, und ein kleiner Ort in den Bergen, an dem plötzlich alle sind, die man kennen sollte.

In dieser Folge nehme ich Felix mit hinter die Kulissen meiner jüngsten Alpbach-Woche. Wir sprechen darüber, wie das Forum entstanden ist, warum die letzte Konferenzwoche die spannendste ist – und warum man ohne Einladung vor mancher Tür stehen bleibt. Ich erzähle von Treffen mit EU-Kommissaren, von Ikea-Events ohne Köttbullar und von den Gesprächen, die nach Mitternacht im „Jakober" passieren.

Wie kommt man als Studierende oder Studierender über ein Stipendium überhaupt hinein? Was bringt so eine Woche wirklich, und wie holt man das Maximum heraus? Und zum Schluss wagen wir ein persönliches Ranking der zehn wichtigsten Formate Österreichs.

00:00:00 Intro: Warum Formate wie Alpbach für die Polit-Bubble zählen

00:01:09 Der Format-Kosmos: Von Alpbach bis zum Salzburg Summit

00:02:50 Für Studierende: Stipendien, Zugang und was sich wirklich lohnt

00:06:37 Closed Sessions & warum sich Alpbach über die Jahre verändert hat

00:15:35 Insider-Tipps für Erstteilnehmer und die große Rangliste der Formate
38 Minuten
Fast alle notariellen Dienstleistungen sind in Österreich digital möglich. Trotzdem finden achtzig Prozent der Notariatsakte weiterhin in Präsenz statt. Das ist kein Digitalisierungsproblem, sondern eine Aussage darüber, wann Menschen ein Verfahren wollen und wann einen Moment.

Martin Humer ist Generalsekretär der Österreichischen Notariatskammer. Vor der Kammer waren es zwölf Jahre in Kabinetten auf Bundesebene und sechs Jahre an der Ständigen Vertretung in Brüssel. Angefangen hat der Weg dorthin mit einer Nachricht auf LinkedIn.

Wir reden über das, was die Notariatskammer eigentlich alles umfasst: Kammer, Servicegesellschaft, IT-Tochter, eigene Pensionsversicherung, Treuhandbank mit eingeschränkter Banklizenz. Über den Gerichtskommissär im Verlassenschaftsverfahren und darüber, warum es Wochen dauert, bis feststeht, wo das Vermögen eines Verstorbenen liegt. Über den Unterschied zwischen kontinentaleuropäischer präventiver Rechtspflege und dem angloamerikanischen System, in dem die Fragen nach hinten geschoben werden, dorthin, wo sie teuer sind. Und über die zwei bis drei hundert Menschen, die in Wien Meinung machen und die man in einer Standesvertretung erreichen muss, bevor irgendetwas legistisch wird.

Eine Kammer, über die kaum jemand streitet, in einem Jahr, in dem über Kammern viel gestritten wird. Genau deshalb sieht man an ihr besser, wie Selbstverwaltung in Österreich tatsächlich arbeitet.

00:00:00 Intro

00:01:06 Vom ÖVP-Kabinett zur Notariatskammer: Werdegang

00:05:43 Kammer, Servicegesellschaft, Treuhandbank, Pensionsversicherung

00:08:09 Standesvertretung: wen man in Wien erreichen muss

00:10:32 Der Notar als Gerichtskommissär im Verlassenschaftsverfahren

00:14:57 Digital möglich, 80 Prozent trotzdem in Präsenz

00:19:45 Präventive Rechtspflege gegen Common Law

00:28:51 Legal-Tech-Start-ups wie Notarity

00:33:19 Was ein Notar für Kunden leistet
27 Minuten
Liebe Hörerinnen und Hörer,

die Sommerpause ist vorbei. In Sachsen-Anhalt hat die AfD ein Ergebnis geholt, das nur knapp an einer absoluten Mehrheit vorbeigeht. Felix und ich reden in dieser Folge über die Brandmauer. Also über die Vereinbarung, mit der die etablierten Parteien in Deutschland jede Zusammenarbeit ausschließen.

Felix' Punkt: Man kann einem Machtpopulisten schwer ein größeres Geschenk machen, als ihm öffentlich zu sagen, dass er dauerhaft ausgeschlossen bleibt. Ich halte dagegen, dass die Sorgen in Deutschland ihren Grund haben, wenn man sich anschaut, wer im Umfeld des Spitzenkandidaten sitzt.

Wir schauen uns Ulrich Siegmund an, den man als Österreicher schwer betrachten kann, ohne an Jörg Haider zu denken. Wir gehen durch, wie eine Landesregierung dort überhaupt zustande kommen soll. Und wir landen am Ende bei uns selbst: bei der Frage, warum eine Regierung, die einen eigenen Staatssekretär für Deregulierung hat, den Leuten nicht einfach weniger Staat gibt.

Und Felix' Frage an alle, die sich angesprochen fühlen: Fühlt ihr euch vom Dürrepaket abgeholt? Oder vom Klimaziel 2040?

00:00:00 „Sachsen-Anhalt: Diese Wahl war ein Krimi"

00:03:40 „Ein Geschenk für Machtpopulisten"

00:09:53 „Es wird wohl an einer Regierung der AfD nichts vorbeiführen"

00:16:31 „Genau das ist das, wovor man Angst haben sollte"

00:21:01 „Warum nicht weniger Staat?"
35 Minuten
Liebe Freundinnen und Freunde,

wenn die Interessenvertretung der Banken sagt, sie sei vom digitalen Euro nicht überzeugt, lohnt es sich, genau hinzuhören.

In dieser Folge spreche ich mit Eva Landrichtinger, Geschäftsführerin der Bundessparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer. Sie war davor sieben Jahre in der Politik, zuletzt Kabinettschefin und Generalsekretärin bei Martin Kocher, dem heutigen Gouverneur der Nationalbank. Heute sitzt sie auf der anderen Seite des Tisches und nennt sich selbst Übersetzerin zwischen beiden Welten.

Wir reden über den digitalen Euro, der gerade in Brüssel im Trilog verhandelt wird: was er erreichen soll, wer ihn eigentlich will und warum die Banken skeptisch sind. Es geht um Haltelimits und die Frage, wie viel digitales Zentralbankgeld ein Mensch überhaupt besitzen darf und was passiert, wenn dieses Limit in einer Krise über Nacht angehoben wird.

Es geht um die Abhängigkeit von Visa und Mastercard, die Eva ausdrücklich als Problem sieht, nur eben nicht mit diesem Instrument gelöst. Und es geht um Österreichs liebstes Zahlungsmittel: das Bargeld, die Angst vor Überwachung und die Frage, warum die Zustimmung zum Bargeld steigt, während wir immer seltener damit zahlen.

Wartet irgendwer auf den digitalen Euro? Schreibt mir, wie ihr zahlt.

00:00:00 Intro

00:00:55 Eva's Werdegang

00:05:57 Die Bundessparte Bank und Versicherung

00:15:00 Digitaler Euro: Ziel und Stand der Verhandlungen

00:20:49 Haltelimits und Finanzmarktstabilität

00:26:00 Bargeld, Datenschutz und die Angst vor Überwachung

00:30:22 Warum sie der digitale Euro nicht überzeugt