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  3. Sonntag auf die Ohren - Predigten von Pfarrer Michael Mohr Podcast

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11 Minuten
Was gehört uns eigentlich wirklich? Jesus erzählt von einem Weinberg, den ein Besitzer mit größter Sorgfalt anlegt und anschließend Pächtern anvertraut. Alles ist vorbereitet, damit dort etwas wachsen und Frucht entstehen kann.

Vielleicht lässt sich auch das eigene Leben so betrachten: nicht zuerst mit dem Blick auf das, was fehlt, sondern auf das, was uns bereits gegeben wurde. Welche Voraussetzungen, Menschen, Fähigkeiten und Möglichkeiten sind mir anvertraut worden, damit mein Leben Frucht bringen kann?

Doch das Gleichnis bleibt nicht bei diesem schönen Bild. Die Pächter beginnen, sich so zu verhalten, als gehöre der Weinberg ihnen. Genau darin legt Jesus eine Versuchung offen, die auch uns betrifft: Aus dem Anvertrauten wird vermeintlicher Besitz. Aus Verantwortung wird Anspruch.

Die Welt gehört uns nicht. Die Schöpfung gehört uns nicht. Und selbst die Früchte, die wir hervorbringen, entstehen nicht allein aus eigener Kraft.

Jesus selbst stellt sich schließlich auf die Seite der Verworfenen. Der Stein, den die Bauleute wegwerfen, wird zum Eckstein. Und durch die Taufe haben auch wir Anteil an dieser Erwählung – nicht als Machtanspruch, sondern als Auftrag, Früchte der Liebe und des Friedens hervorzubringen.
8 Minuten
„Do what I say, don’t do what I do.“

Was schon Genesis und Phil Collins besungen haben, findet sich in anderer Form auch im Evangelium: Ein Sohn sagt Ja und tut nichts. Der andere sagt zunächst Nein und geht am Ende doch in den Weinberg. Für Jesus ist entscheidend, was ein Mensch tatsächlich tut. Fromme Worte, richtige Überzeugungen und große Werte allein reichen nicht.

Doch so einfach ist es trotzdem nicht. Denn zwischen Reden und Handeln, Anspruch und Wirklichkeit liegen oft Widersprüche. Das Leben ist selten eindeutig. Genau dafür braucht es eine Fähigkeit, die auch für den Glauben wichtig ist: Ambiguitätstoleranz – die Bereitschaft, Uneindeutigkeit auszuhalten.

Das gilt für den Glauben genauso wie für gesellschaftliche Konflikte. Nicht jede Frage lässt sich in Gut und Böse, richtig und falsch oder modern und rückwärtsgewandt aufteilen. Umso wichtiger ist es, genauer hinzusehen: Welche Folgen haben unsere Überzeugungen eigentlich im konkreten Leben?

Und trotzdem bleibt der Weg offen. Jesus spricht nicht von einer verschlossenen Tür. Umkehr ist möglich. Entscheidend ist der nächste Schritt – heute hinzugehen und zu tun, was vor uns liegt.
9 Minuten
Zwölf Stunden Arbeit und am Ende erhalten diejenigen, die nur eine Stunde gearbeitet haben, denselben Lohn. Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg wirkt auf den ersten Blick empörend ungerecht. Denn sollte sich Leistung nicht auch lohnen?

Doch Jesus erzählt von Menschen, die nicht aus Bequemlichkeit untätig geblieben sind. Sie standen den ganzen Tag bereit, aber niemand hatte ihnen eine Chance gegeben. Der eine Denar, den sie schließlich erhalten, ist deshalb mehr als ein Arbeitslohn: Er sichert ihnen und ihren Familien das Überleben.

In dieser Predigt geht es um die Spannung zwischen Leistungsgerechtigkeit und der Würde des Menschen. Gottes Gerechtigkeit misst nicht nur Arbeitsstunden und Produktivität. Sie fragt auch danach, ob jeder Mensch am Leben teilhaben kann. Seine Großzügigkeit ist dabei kein Ruhekissen, sondern eine Einladung, Gerechtigkeit immer wieder neu zu entdecken, auszuhandeln und zu leben.
10 Minuten
Wie oft muss ich einem Menschen vergeben, der mich verletzt?

Petrus möchte von Jesus eine Zahl hören. Siebenmal vielleicht? Doch Jesus antwortet: „Nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.“

Damit geht es längst nicht mehr ums Zählen. Jesus fordert dazu auf, aus einer Logik auszusteigen, die Verletzungen gegeneinander aufrechnet: Du hast mir wehgetan, also darf ich dir wehtun. Du schuldest mir etwas, also werde ich nicht vergessen.

Groll kann eine ungeheure Eigendynamik entwickeln. Vergebung durchbricht diesen Kreislauf. Nicht, weil die Verletzung plötzlich bedeutungslos wäre oder Schuld nicht mehr benannt werden dürfte. Versöhnung braucht Schuldeingeständnis, Reue und Umkehr.

Aber Jesus spricht noch von etwas Grundsätzlicherem: von einer Haltung des Herzens, die nicht ständig berechnet, wann endlich genug vergeben wurde.

Wer selbst erfahren hat, wie grenzenlos Gottes Barmherzigkeit ist, kann beginnen, auch anderen mit dieser Barmherzigkeit zu begegnen.
10 Minuten
Familie ist Familie. Und gerade deshalb sollen Konflikte am besten draußen bleiben – zumindest beim gemeinsamen Essen, am Feiertag oder am Sonntag.

Auch die Kirche kennt diese Sehnsucht nach einer heilen Gemeinschaft. Doch Jesus verspricht keine konfliktfreie Gemeinde. Im Gegenteil: „Wenn dein Bruder sündigt …“ – so beginnt das Evangelium und stellt damit nicht zuerst die Schuld des anderen, sondern unseren Umgang mit ihr in den Mittelpunkt.

Die Antwort Jesu ist weder Verschweigen noch öffentliches Bloßstellen. Sünde darf benannt werden. Aber das Ziel bleibt immer der Mensch: Der Bruder soll zurückgewonnen und nicht verloren gegeben werden.

Selbst derjenige, der schließlich „wie ein Heide oder ein Zöllner“ erscheint, fällt damit nicht aus dem Blick Jesu. Denn gerade Zöllner, Sünder und Ausgegrenzte waren es, denen er immer wieder nachging.

Christliche Gemeinschaft bedeutet deshalb nicht, um jeden Preis eine heile Fassade aufrechtzuerhalten. Sie bedeutet, Wahrheit und Liebe zusammenzuhalten – Schuld beim Namen zu nennen und trotzdem keinen Menschen aufzugeben.
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Über diesen Podcast

Pfarrer Michael Mohr, Pfarrer in Erkrath, Hilden und Haan, bringt in seinen Predigten Glauben und Alltag miteinander ins Gespräch. Authentisch, lebensnah und theologisch fundiert spricht er über Gott, Zweifel und Hoffnung – über das, was Menschen bewegt. Geboren 1975 im Bergischen Land, war Michael Mohr zunächst Diplom-Finanzwirt, bevor ihn der Ruf zum Priester führte. Nach Studienjahren in Bonn, Salamanca und Köln wurde er 2008 zum Priester geweiht. Heute leitet er die Pastorale Einheit Erkrath/Haan/Hilden „im neanderland“. In diesem Podcast teilt er seine Predigten – Worte, die tragen, herausfordern und zum Nachdenken anregen.
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„Sonntag auf die Ohren - Predigten von Pfarrer Michael Mohr“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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