Podcaster
Episoden
16.12.2025
1 Stunde 32 Minuten
Deutschland ist eine Migrationsgesellschaft. Was man zurzeit oft
hört, ist keine Neuigkeit. Denn die Migrationsgeschichte zeigt:
das war schon immer so. Auswandern und Einwandern,
Binnenmigration, Flucht und Vertreibung, Gast- und
Vertragsarbeiter: Es gibt das moderne Deutschland nicht ohne
Migration. Das gilt auch für die Zeit des geteilten Deutschland,
als man in der DDR nicht nur besang, wie schön die Heimat sich
gemacht habe, sondern auch Millionen deutsche Vertriebene
integrierte und zahlreiche Gast- und Vertragsarbeiter aus
‚sozialistischen Bruderländern› aufnahm. In Ost- und
Westdeutschland haben all diese und noch mehr
Migrationsgeschichten ihre Spuren hinterlassen.
Wie überall in Europa wurde auch in Deutschland seit mindestens
200 Jahren daher immer wieder neu verhandelt, was »Heimat« ist,
wer »dazu« gehört und wer »fremd« ist. Wieso weckt der Begriff
der Heimat bei so Vielen positive Gefühle der Geborgenheit,
während für andere bei dem Wort auch Ausgrenzung, Abschottung, ja
vielleicht sogar Abwehr des »Fremden« mitschwingt? Und: ist der
Umgang mit »Heimat« (und »Fremde«) wirklich so typisch deutsch?
Was sagen unsere europäischen Nachbarn dazu und wie gehen sie
selbst mit ihren Migrationsgeschichten um?
Gäste:
Dr. Susanne Scharnowski ist Literaturwissenschaftlerin an der
Freien Universität Berlin und forscht unter anderem zu Natur,
Nostalgie und Identitäten. 2019 erschien ihr viel beachtetes Buch
»Heimat: Geschichte eines Missverständnisses«.
Dr. Patrice Poutrus ist Historiker an der Universität
Osnabrück und beschäftigt sich unter anderem mit der jüngeren
Migrationsgeschichte in deutsch-deutscher Perspektive. Seine
Forschungen zu »Fremde und Fremdsein in der DDR« spiegeln dabei
auch seinen eigenen Lebensweg als afrodeutscher Jugendlicher und
junger Erwachsener in der DDR wider.
Dr. Ségolène Plyer ist Historikerin an der Universität
Straßburg und forscht unter anderem zur Migrationsgeschichte des
Elsass, Flucht und Vertreibung im und nach dem Zweiten Weltkrieg
und zur Bildung transnationaler Wirtschaftsregionen in
Zentraleuropa, besonders in Böhmen – oder anders gesagt: zu
Fremde und Heimat in europäischer Perspektive.
Moderation:
Dr. Justus H. Ulbricht ist Germanist und Historiker und ist
seit Jahrzehnten als Moderator, Referent und Gesprächspartner in
der historischen und kulturellen Bildung tätig, vor allem in
seinen beiden neuen Heimaten Thüringen und Sachsen.
Graphic Recording:
Salea Rackwitz ist Mediengestalterin, freie Illustratorin und
Dozentin an der Weimarer Mal- und Zeichenschule. Mit ihren
live-Illustrationen gibt sie Veranstaltungen und
Diskussionsrunden einen besonderen Touch und sorgt für
witzig-charmante-nachdenkliche »Protokolle«. Das Ergebnis seht
Ihr im Video.
Alle Fotos: Jana Groß
Graphic Recording: Salea Rackwitz
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07.11.2025
1 Stunde 26 Minuten
Es war kontrovers und unterhaltsam, aber auch nachdenklichund
aufrüttelnd:
Zur Eröffnung unseres diesjährigen Festivals hatten wir das
Deutsche Exilarchiv 1933-1945 mit seiner Reihe „Die Gegenwart des
Exils: Friedman fragt…“ zu Gast.
Passend zu unserem Jahres-Motto „Fremde (und) Heimat“ fragte
Prof. Dr. Dr. Michel Friedman den ehemaligen Thüringer
Ministerpräsidenten und Vizepräsidenten des Deutschen
Bundestages, Bodo Ramelow: Wie findet man Heimat?
Beide kamen schnell ins Gespräch: Was bedeutet ‚Heimat‘ für zwei
Menschen, die schon vor Langem nach Deutschland oder Thüringen
‚zugezogen‘ sind? Bald entwickelte sich die Frage angesichts des
Zustands unserer Demokratie jedoch weiter: Wann ist das nicht
mehr Deine Heimat?
Den geschichtlichen Hintergrund der Frage „Wie findet man
Heimat?“ lieferte Dr. Sylvia Asmus, Direktorin des Exilarchivs:
Sie stellte zu Beginn dar, wie Thomas Mann es nach 1945
begründete, nicht aus dem Exil nach Deutschlandzurückzukehren.
Alle Fotos: Jana Groß, instagram.com/tschanina22/
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22.10.2025
1 Stunde 16 Minuten
Etwa 100.000 Menschen kamen aus Vietnam in die DDR, und etwa
60.000 waren 1989/90 im Land. Eine von ihnen: Huong Trute. Schon
Ende der 1970er kam sie mit 18 Jahren zum ersten Mal zur
Ausbildung und zum Studium in die DDR, 1987 zum zweiten Mal,
diesmal als Dolmetscherin für Vertragsarbeiter.Auch nach der
Wiedervereinigung blieb sie. Heute betreibt die studierte
Ingenieurs-Pädagogin das Restaurant “Orchidea Huong” in
Wernigerode und wurde vielfach für ihr Engagement in der
deutsch-vietnamesischen Community ausgezeichnet.
Eine sehr persönliche Migrations- und eine sehr bewegte und
bewegende Lebensgeschichte…
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17.10.2025
1 Stunde 6 Minuten
In den hitzigen Debatten über Migration und Integration unserer
Tage wird schnell vergessen, wie gewaltig die Herausforderungen
im Umgang mit den Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg waren.
Über 12 Millionen Menschen kamen aus Mittel- und Osteuropa in die
westlichen und diesowjetische Besatzungszone, in denen die Städte
zerstört waren und die Wirtschaft am Boden lag. Wie gelang trotz
dieser Schwierigkeiten ihre Integration? Worin unterschied sich
der Umgang in Ost und West? Und wie gehen wir heute mit diesem
Teil der deutschen Migrationsgeschichte um?
Darüber sprachen wir mit Dr. Gundula Bavendamm, derDirektorin des
Dokumentationszentrums Flucht, Vertreibung, Versöhnung.
Foto: Dokumentationszentrums Flucht, Vertreibung, Versöhnung
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07.10.2025
55 Minuten
Im letzten Jahr der DDR kam Ayman Qasarwa zum Studium nach
Thüringen – und blieb. Heute ist er Vorstand von Migranetz
Thüringen e.V. und Geschäftsführer DaMOst e.V., dem Dachverband
migrantischer Organisationen in Ostdeutschland – und damit eine
der wichtigsten Stimmen für migrantische Communities in
Ostdeutschland.
Wir sprechen mit ihm über sein Ankommen in Thüringen in
denwilden, auch von starkem Rassismus geprägten Jahren der
Wiedervereinigung, über seine zweite Heimat Weimar und darüber,
wie wichtig es ist, dass sich migrantische Interessen
organisieren. Ihnen eine Stimme geben, Sichtbarkeitschaffen: Was
sind die Freuden, Tücken und Herausforderungen dieser wichtigen
Aufgabe? Und was ist das Besondere daran, wenn man das in
Ostdeutschland tut?
Ein sehr persönlicher Blick auf seinen Lebensweg mit einemHerzen
zwischen zwei Heimaten. Und ein wichtiges Gespräch für mehr
Verständnis in der Migrationsgesellschaft…
Hört selbst.
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Über diesen Podcast
Auf unserem Podcast gibt es nun ausgewählte Aufzeichnungen unserer
Veranstaltungen, Gespräche mit Gästen und mehr. Das Weimarer
Rendez-vous mit der Geschichte ist Deutschlands einziges
internationales Geschichtsfestival, das einmal im Jahr und immer im
Herbst nach Weimar einlädt. Auf zahlreichen Veranstaltungen und in
verschiedenen Formaten laden wir zur Diskussion über historische
Themen und ihre Bedeutung für heute ein. Immer im Sinne einer
demokratischen, offenen Erinnerungskultur und der europäischen
Idee... Hören Sie gern mal rein...
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