Christoph Schäfer ist in Walluf aufgewachsen, an der Pforte zum Rheingau. Klassisches Elternhaus, katholisch, Messdiener.
Der Vater flog als Lufthansa-Kapitän Langstrecke und war fünf Tage die Woche weg, die Mutter war Lehrerin für Politik, Geschichte und Französisch.
Auf dem Frühstückstisch lagen drei Zeitungen. Das, sagt erheute, war die Vorprägung. 1998 war er 18 und durfte zum ersten Mal wählen. DIE ZEIT titelte „Zeit für den Wechsel", und dieser eine Artikel drehte seine Wahlentscheidung. Ab da war klar: Journalismus.
Zu Hause löste das keine Begeisterung aus. Der Vater sah ihn auf direktem Weg in die Armut, der ältere Bruder studierte Medizin. Und dann belauschte er das Telefonat seiner Mutter:„Der Stefan studiert Medizin." Pause. Und dann, nur noch halblaut ins Telefon genuschelt: „Ja, der Christoph. Der meinte Journalismus."
Dann Journalistik in Dortmund, Volontariat bei der Süddeutschen, Politikredakteur. Mit 29 das Angebot vom Stern: operative Leitung der siebtgrößten Nachrichtenseite Deutschlands. Zwei Jahre später kam die Medienkrise. Der Anruf, dass es nicht weitergeht, kam abends, zwei Tage vorVertragsende. Keine Abfindung, keine Entschuldigung.
Abitur 1,0, Diplom 1,1, Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung – und plötzlich die Frage, wovon die nächste Miete bezahlt wird. Danach elf Jahre F.A.Z., zuletzt Ressortleiter Wirtschaft und Finanzen. Insgesamt 16 Jahre Journalismus.
In die Immobilienbranche kam er nicht über ein Grundstück,sondern über die Miete. Seine Immobilienartikel hatten vier- bis fünfmal so viele Leser wie alles andere. Alle hielten ihn für einen begnadeten Journalisten. Er sagt von selbst dazu: Es lag auch am Thema.
Heute ist er Partner und Geschäftsführer bei Feldhoff & Cie. Ein großer Teil seiner Arbeit sind Sondersituationen: 16 Großprojekte allein in diesem Jahr, fast immer Insolvenzen.
Sein Anruf des Jahres kam an einem Freitag um halb vier, von einem fremden Geschäftsführer, der gerade vom Amtsgericht kam. Seine Rolle vergleicht er mit der eines Arztes. Kalt bleiben, sagt er, kann dabei niemand.
Ein Gespräch über ein Telefonat, das er nicht hören sollte,über einen Chefredakteur, der ihn sein bestes Pferd im Stall nannte und dann nie wieder anrief, über die Frage, was man einem Menschen sagt, der gerade sein Lebenswerk verliert und über 999 Glühbirnen, die nicht funktioniert haben.
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