Irgendwas mit Nachhaltigkeit?

Irgendwas mit Nachhaltigkeit?

0 Kommentare
Podcaster
dieStimme

dieStimme
Oldenburg

Episoden

S2 E20 - Die mit dem Wasser
31.03.2026
57 Minuten
Wasser ist in Unternehmen erstaunlich lange nur der kleine blaue Tropfen geblieben. Ein Nebenschauplatz zwischen Papierverbrauch, LED-Umrüstung und der beruhigenden Gewissheit, dass der Hahn im Büro ja noch läuft.


Dabei steckt Wasser längst in allem, worüber wir sonst so ernst reden: Lieferketten, Rohstoffpreise, Chipkrisen, Landwirtschaft, Migration, geopolitische Spannungen und der stillen Frage, wie lange sich Wohlstand eigentlich noch auf ausgelagerter Knappheit aufbauen lässt.


In dieser Folge geht es um die berühmten 140 Liter Wasser in deiner Tasse Kaffee, um Baumwolle aus Regionen, die ihr Grundwasser schneller verlieren als jede Quartalsplanung, um Halbleiter aus Dürrezonen und um die fast schon elegante Art, wie wir unseren Durst in andere Teile der Welt verschoben haben, bis er in keiner eigenen KPI mehr sichtbar ist.


Ich spreche über Wasser als Unternehmensrisiko, als Machtfrage, als Stoffstrom, als Preissignal und als das vielleicht unterschätzteste geopolitische Thema unserer Zeit. Nicht als moralischen Appell, sondern als ziemlich nüchterne Beschreibung dessen, was passiert, wenn Flüsse plötzlich mehr Einfluss auf Geschäftsmodelle haben als Marktanalysen.


Und dann ist da noch die unangenehmste Frage von allen: Was genau passiert, wenn aus etwas, das zum Überleben notwendig ist, ein handelbares Finanzprodukt wird?


Eine Folge über Kaffee, Baumwolle, Chips, Wintergemüse, Wasserrechte, trockene Flüsse und die bemerkenswerte Fähigkeit moderner Wirtschaft, existenzielle Risiken so lange umzubenennen, bis sie in Excel harmlos aussehen.


Wenn nach dieser Stunde selbst die Tomate im Supermarktregal ein wenig politischer wirkt als vorher, war die Folge erfolgreich.


SHOWNOTES


- WRI Aqueduct Water Risk Atlas: https://www.wri.org/aqueduct


- Water Footprint Network (Hoekstra): https://waterfootprint.org


- CDP Water Security Framework: https://www.cdp.net/en/water


- WWF Water Risk Filter: https://waterriskfilter.panda.org


- Alliance for Water Stewardship: https://a4ws.org


- UN Resolution Recht auf Wasser (A/RES/64/292): https://undocs.org/A/RES/64/292
Mehr
S2 E19 - Die mit der Dekarbonisierung in der Polykrise
23.03.2026
46 Minuten
Aus aktuellem Anlass: Ein Krieg, der begann während Diplomaten in Maskat gerade von einem Durchbruch sprachen. Die Straße von Hormus blockiert. Ölpreis bei zeitweise 110 Dollar+. LNG-Kapazitäten in Katar zu 17 Prozent ausgefallen....


Ach, und irgendwo in einem deutschen Meetingraum sagt gerade jemand: "Wir haben das Thema Nachhaltigkeit erstmal zurückgestellt. Die Lage ist zu unsicher."


Natürlich.


Diese Folge nimmt diesen Satz auseinander. Nicht nett, aber gründlich.


Themen: Die echten Gründe für Dekarbonisierung jenseits von Klimarhetorik: Versorgungssicherheit, Geopolitik, Resilienz, Kapitalzugang. Ein regulatorischer Realitätscheck: Was ist von CSRD, Taxonomie, CBAM, PPWR und Lieferkettensorgfalt noch übrig und was kommt trotzdem. Konkrete Maßnahmen für Industrie, Logistik und Dienstleister, hoffentlich auch für die, die schon viel umgesetzt haben und wissen wollen was als nächstes kommt. Private Hebel für Fortgeschrittene. Und ein Ausblick auf das, was als nächste Krise bereits einen Namen hat, falls jemand noch Argumente für die Warteliste braucht.


Die Polykrise ist kein Ausnahmezustand. Sie ist der Normalzustand. Wer auf Stabilität wartet, wartet auf etwas, das es nicht mehr gibt.


Dekarbonisierung ist keine Antwort auf eine stabile Welt. Sie ist die Antwort auf diese.
Mehr
S2 E18 - Die mit den Jobs mit Sinn
16.03.2026
58 Minuten
Viele junge Menschen (und auch manche ältere...) stellen sich heute eine ziemlich grundlegende Frage: Kann ich einen Job machen, der nicht nur Geld bringt, sondern auch Sinn?


Und wenn man sich ein bisschen umhört, scheint die Antwort schnell klar: Dann arbeite doch im Bereich Nachhaltigkeit.


Aber stimmt das wirklich?


In dieser Folge von „Irgendwas mit Nachhaltigkeit“ geht es um Nachhaltigkeitsjobs, Studiengänge und die Realität eines Arbeitsfeldes, das in den letzten Jahren enorm gewachsen ist.. und Überraschung: und gerade gleichzeitig eine kleine Ernüchterung erlebt. Mal wieder.


Ich spreche darüber,


wie Nachhaltigkeit überhaupt zu einem akademischen Feld geworden ist warum daraus plötzlich ganze Berufsbilder entstanden sind warum Nachhaltigkeit trotzdem kein exklusiver Expertenjob ist und warum die wichtigsten Entscheidungen für Nachhaltigkeit oft ganz woanders getroffen werden


Wir schauen auch auf die Realität des Arbeitsmarktes, auf Zyklen wie den berühmten „Schweinezyklus“ und auf die Frustration, die viele Menschen in diesem Bereich gerade spüren.


Und am Ende geht es um eine vielleicht wichtigere Frage:


Vielleicht ist Nachhaltigkeit gar kein eigener Beruf. Vielleicht ist sie eher eine Perspektive darauf, wie wir unsere Arbeit verstehen.


Diese Folge richtet sich nicht nur an Menschen, die bereits im Nachhaltigkeitsbereich arbeiten, sondern auch an Schülerinnen, Schüler, Studierende und alle, die gerade überlegen, welchen Weg sie beruflich einschlagen wollen.


Denn „Jobs mit Sinn“ gibt es an mehr Orten, als wir oft denken.
Mehr
S2 E17 - Die mit der CSRD 2026: Fast & Voluntary
10.03.2026
37 Minuten
CSRD Omnibus - wo stehen wir nun 2026?


Der EU-Rat hat am 24. Februar 2026 die Omnibus-Richtlinie verabschiedet. Neue Schwellenwerte: mehr als 1.000 Mitarbeitende und mehr als 450 Millionen Euro Umsatz. Wer darunter liegt, ist raus aus der direkten CSRD-Pflicht. Geschätzte 80 Prozent der ursprünglich betroffenen Unternehmen.


Gleichzeitig: Die überarbeiteten ESRS existieren noch als Entwurf. Der delegierte Rechtsakt der EU-Kommission kommt frühestens Mitte 2026. Deutschland hat bis heute kein nationales Umsetzungsgesetz. Und eure Großkunden schicken trotzdem Lieferkettenanfragen. Mit Excel. 47 Spalten. Frist: Ende des Monats.


In dieser Folge gehe ich alle realistischen Optionen durch ohne Schönfärberei.


VSME – der freiwillige KMU-Standard, den die EU-Kommission im Juli 2025 empfohlen hat. Klingt praktisch. Hat keine externe Prüfpflicht. Ist noch nicht stabil. Und kann sehr schnell zum Instrument werden, mit dem man sich selbst auf die Schulter klopft, ohne dass irgendjemand nachschaut.


VSME-Plus/Extra/Deluxe/Ultra – die Idee, den VSME mit freiwilligen (ESRS)-Elementen anzureichern. Doppelter Aufwand, halbe Legitimität. Ich erkläre, warum das meistens eine schlechte Idee ist.


GRI – der älteste und international anerkannteste Standard. Seit den 90ern dabei, überlebt hat er alles. Für wen er sinnvoll ist und für wen nicht.


ISSB – die IFRS-Standards S1 und S2. Stark in Nordamerika, Großbritannien, Asien. Arbeitet mit finanzieller Wesentlichkeit statt Double Materiality. Wer internationale Investoren hat oder will, sollte das zumindest kennen.


Freiwillig nach CSRD/ESRS – der aufwändigste Weg. Und wahrscheinlich der ehrlichste. Was er kostet und was er bringt.


Gar nichts – die Option, die gerade viele still in Betracht ziehen. Ich sage, wann das legitim ist und wann es ein strategischer Fehler ist, den man in zwei Jahren bereut.


Dazu bringe ich einen Entscheidungsbaum mit drei Fragen, damit ihr am Ende der Folge wisst, welche Option zu eurer Situation passt. Nicht als universelle Wahrheit, sondern als Orientierung in einem Regulierungsumfeld, das gerade wirklich niemand vollständig überblickt. Auch die Berater nicht, auch wenn sie es anders klingen lassen.


Und am Ende noch mal das wesentlichiste: Ein Nachhaltigkeitsbericht ist ein Nebenprodukt. Er ist das Ergebnis von Arbeit und nicht die Arbeit selbst. Wer die Regulierungspause nutzt, um weniger zu tun, verwechselt Compliance mit Substanz. Die Frage ist nicht, welchen Standard ihr nehmt. Die Frage ist, was ihr euren Enkeln erzählt, wenn sie fragen, was ihr 2026 gemacht habt, als ihr kurz Luft holen durftet.





Shownotes:


Omnibus-Richtlinie (EU) 2026/470 – offizieller Ratstext: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32026L0470 EFRAG – Konsultationsentwürfe überarbeitete ESRS (Dez. 2025): https://www.efrag.org/en/draft-simplified-esrsEU-Kommission – VSME-Empfehlung (Juli 2025): https://ec.europa.eu/finance/docs/law/250730-recommendation-vsme_de.pdf GRI – Offizielle Standards-Übersicht: https://www.globalreporting.org/standardsISSB – IFRS S1 und S2: https://www.ifrs.org/groups/international-sustainability-standards-board
Mehr
S2 E16 - Die mit dem Ende der Unsichtbarkeit: Der Digitale Produktpass
02.03.2026
41 Minuten
Die Lieferkette schlägt zurück!


Wir wussten es immer:


Woher Rohstoffe kommen. Wie billig Mode produziert wird. Wie Lithium gefördert wird. Wie viel Wasser in einem T-Shirt steckt.


Wir wollten es nur nicht so genau wissen.


Der Digitale Produktpass (DPP) ändert das. Er ist aber nicht einfach ein weiteres Nachhaltigkeitslabel, der DPP ist eine regulatorische Architekturentscheidung. Mit der EU-Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) wird Transparenz zur Marktzugangsbedingung. Für bestimmte Produktgruppen gilt künftig: Kein gültiger Produktpass, kein Zugang zum EU-Markt.


Was heißt das nun konkret?


In einem digitalen Datensatz werden unter anderem erfasst:


Herkunft von Materialien CO2-Fußabdruck Energie- und Wasserverbrauch Reparierbarkeit Recyclingfähigkeit Einsatz gefährlicher Stoffe...


Ab Februar 2027 wird bspwl. der Batteriepass verpflichtend. Weitere Produktgruppen wie Textilien, Elektronik oder Möbel folgen schrittweise.


In dieser Folge spreche ich darüber:


Warum der Digitale Produktpass mehr ist als Bürokratie Wo die größten Herausforderungen liegen ( Stichwort Verifikation und Datenqualität) Warum KMU real strugglen, aber nicht chancenlos sind Wie Transparenz Reparatur, Recycling und faire Wettbewerbsbedingungen verändern kann Und warum Regulierung manchmal der einzige Weg ist, Marktversagen zu korrigieren


"Aber":


Der Digitale Produktpass ist kein moralisch-magischer Zauberstab.Er wird keine schlechte Unternehmenskultur heilen.Er wird keine Konsumentinnen und Konsumenten zwingen, anders zu kaufen.


"Aber" er verändert die Spielregeln. Transparenz wird nicht länger freiwilliges Marketing sein sondern Teil der Infrastruktur.


Und vielleicht ist genau das der entscheidende Unterschied. Denn am Ende ist der Digitale Produktpass kein QR-Code.Er ist das Ende einer Ausrede. Viel Spaß mit Staffel 2, Folge 16 von „Irgendwas mit Nachhaltigkeit?“
Mehr

Über diesen Podcast

„Irgendwas mit Nachhaltigkeit?“ ist der Podcast für alle, die bei Nachhaltigkeit zuerst an Verbote, Verzicht oder nervige Berichte denken und genau deshalb zuhören sollten. Es geht um Klima, Wirtschaft, Politik und Macht. Um Regeln wie CSRD oder ESG, aber vor allem darum, was sie im echten Leben und in Unternehmen tatsächlich verändern. Und warum Nachhaltigkeit längst keine Wohlfühlfrage mehr ist, sondern eine Frage von Verantwortung. Mal erklärend, mal im Gespräch mit Gästen, kritisch, verständlich und ja: manchmal zynisch. Kein Greenwashing. Keine einfachen Antworten. Einordnung mit Haltung.
15
15
Close