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1 Stunde 35 Minuten
S3 · Folge 17: Die mit der Wut, der Müdigkeit und den 43,8 Prozent

Ich wollte diese Folge am Wahlabend aufnehmen. Zum Glück habe ich erst mal eine Nacht darüber geschlafen. Danach war ich immer noch müde und wütend. Mütend eben. Immerhin gab es Ostfriesentee.

In Folge 17 geht es um die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Persönlich, politisch und stellenweise ziemlich ungehalten. Warum reicht „Protestwahl“ als Erklärung nicht aus? Was erklären die Erfahrungen nach der Wiedervereinigung und wo machen wir es uns damit zu bequem? Warum wird ausgerechnet Grün zum Feindbild für alles, was sich verändert?

Es geht um Russland und Europa, um bezahlbare Veränderung und eine schwierige Regierungsbildung. Und um die Frage, warum Unternehmen gern Menschenrechte auf ihre Website schreiben, beim ersten unangenehmen Gespräch aber plötzlich unpolitisch sein wollen.

Dabei gilt: Demokratieverteidigung bedeutet nicht Regierungsschutz. Man darf die Politik von Friedrich Merz kritisieren und trotzdem sehr gute Gründe haben, keine rechtsextreme Partei zu wählen.

Was das mit Nachhaltigkeit zu tun hat? Auch demokratische Institutionen, Vertrauen und gesellschaftlichen Zusammenhalt kann man verschleißen. Und irgendwann reicht es nicht mehr, sich über den Zustand zu beschweren.

Zur Transparenz: Die Wahlangaben beziehen sich auf das vorläufige Ergebnis; Stand der Folge ist der 7. September 2026, 9h
1 Stunde
Eine noch nicht öffentlich verfügbare TUM-Arbeit soll zeigen, dass Elektroautos über ihren Lebenszyklus „nur“ 41 Prozent weniger CO₂ verursachen als Verbrenner. BILD berichtet exklusiv, andere Medien übernehmen, Markus Söder kennt bereits die politische Konsequenz... und die Öffentlichkeit wartet noch auf das eigentliche Whitepaper.

In dieser Folge geht es deshalb nicht nur um Elektroautos. Es geht um die Frage, wie aus einer vorab verbreiteten Zahl eine wissenschaftliche Sensation, aus einem Whitepaper eine „Studie“ und aus einer methodischen Diskussion politische Munition wird.

Wir schauen auf:

die Klimabilanz von Elektroautos über den gesamten Lebenszyklus,

die Bedeutung von Systemgrenzen, Strommix und Laufleistung,

den Unterschied zwischen „0 Gramm am Auspuff“ und echter Klimaneutralität,

die Logik der europäischen Flottenregulierung,

Medienframing, Pressemacht und politische Wissenschaftskommunikation,

und natürlich die entscheidende Frage: Woher kommen eigentlich diese 41 Prozent?

Wichtig: Die Folge wurde vor Veröffentlichung des TUM-Whitepapers aufgenommen. Wenn ihr sie hört, soll das Papier gerade vorgestellt werden. Die Episode ist daher eine bewusst transparente Momentaufnahme: Was wissen wir? Was wird in der Presse behauptet? Und was können wir ohne die Originalquelle lediglich vermuten?

Sobald ich das Whitepaper in Ruhe gelesen habe, folgt möglicherweise ein kurzes Update oder eine Extra-Folge. In diesem altmodischen Verfahren wird erst gelesen und anschließend eine Meinung gebildet.

Quellen, Medienberichte und weiterführende Informationen

TUM/CirculaTUM – Ankündigung des Whitepapers:

https://www.mission-networks.tum.de/circular-economy/startseite/aktuelles/article/fair-climate-assessment-beyond-the-tailpipe-towards-the-full-lifecycle/

EU-Verordnung 2019/631 – CO₂-Flottenstandards und Lebenszyklusberichterstattung:

https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2019/631/

Umweltbundesamt – Klimavorteil von Elektroautos über den Lebenszyklus:

https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/klimavorteil-fuer-e-autos-bestaetigt

Fraunhofer ISI – Batterien für Elektroautos: Faktencheck und Handlungsbedarf:

https://www.isi.fraunhofer.de/de/presse/2025/presseinfo-07-policy_brief_batterien_elektroautos_update_faktencheck_handlungsbedarf.html

ICCT – Life-cycle greenhouse gas emissions from passenger cars in the European Union, 2025 update:

https://theicct.org/wp-content/uploads/2025/07/ID-392-%E2%80%93-Life-cycle-GHG_report_final.pdf

Europäische Kommission – Automotive Package und vorgeschlagene Änderungen der Flottenregulierung:

https://transport.ec.europa.eu/transport-themes/action-plan-future-automotive-sector/automotive-package_en

BILD – Vorabbericht zur angekündigten TUM-Arbeit:

https://www.bild.de/politik/ausland-und-internationales/e-auto-forscher-ruetteln-an-klimabilanz-markus-soeder-fordert-wende-von-eu-6a93e075518a586e1855cfe5

Focus Online – „Forscher zerlegen Klimaschutz-Politik der EU im Auto-Sektor“:

https://www.focus.de/auto/forscher-zerlegen-klimaschutz-politik-der-eu-im-auto-sektor_0d4cad14-3805-491d-9a48-a22ef7dc1a20.html

Merkur – Politische Einordnung der angekündigten Arbeit:

https://www.merkur.de/wirtschaft/soeder-sicher-studie-stellt-eu-regeln-fuer-elektroautos-infrage-zr-94466976.html

Die Medienberichte werden hier als Gegenstand der Framing-Analyse aufgeführt, nicht als wissenschaftliche Primärquellen.
1 Stunde 38 Minuten
Sind wir eigentlich noch im Frieden?

Keine Panzer an der Grenze. Keine Kriegserklärung. Kein Luftalarm. Und trotzdem: Sabotage, Cyberangriffe, Desinformation, Drohnen über kritischer Infrastruktur, mutmaßliche Wegwerfagenten und Anschlagspläne gegen Menschen aus der deutschen Rüstungsindustrie.

Vielleicht ist Krieg im 21. Jahrhundert nicht mehr nur der Moment, in dem jemand mit Waffen eine Grenze überschreitet. Vielleicht beginnt das Problem schon viel früher.

Und dann wird es für einen Nachhaltigkeitspodcast unangenehm.

Denn ausgerechnet SDG 16 fordert Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen. Aber was bedeutet das, wenn Frieden nicht nur geschaffen, sondern auch verteidigt werden muss? Kann militärische Abschreckung zum Erhalt einer nachhaltigen Gesellschaft beitragen? Darf Defence dann nachhaltig sein? Oder bauen wir uns gerade eine ziemlich komfortable Begründung dafür, Waffen plötzlich grün anzumalen?

Wir sprechen über Russlands hybride Bedrohung, Wegwerfagenten und Desinformation, über Rheinmetall und Donaustahl, über VW-Werke, die plötzlich für Defence interessant werden, über die neue Karriere des Wortes „Resilienz“ und über eine Nachhaltigkeitsdebatte, deren einfache Antworten gerade ziemlich zuverlässig kaputtgehen.

Und irgendwann lande ich bei einer Friedenstaube, an der ich seit Jahrzehnten vorbeilaufe, ohne groß darüber nachzudenken.

Vielleicht ist Frieden nämlich gar kein Zustand.

Vielleicht ist Frieden Arbeit.

Eine Folge über Krieg, ohne Krieg zu erklären. Über Waffen, ohne sie gutzufinden. Über Nachhaltigkeit, ohne so zu tun, als hätte sie auf alles eine einfache Antwort.

Und über die vielleicht wichtigere Frage:

Nicht: Sind wir im Krieg?

Sondern: Was tun wir eigentlich dafür, dass wir im Frieden bleiben?
43 Minuten
Seit dem 20. Juli war hier Ruhe. Urlaub, Sommerloch, keine Lust.

Die Welt hat meine Podcastpause allerdings nicht respektiert. Die PPWR gilt, Europa rüstet auf, Drohnen testen deutsche Zuständigkeiten und selbst Schutzwesten bekommen inzwischen einen Digitalen Produktpass.

Es wird also doch mal Zeit für ein Lebenszeichen.

In dieser Zwischenfolge geht es um Unternehmen, die zuverlässig von jahrelang angekündigten EU-Verordnungen überrascht werden, um Sustainable Defence jenseits des grün lackierten Panzers und um die Frage, was Resilienz eigentlich wert ist, wenn sie nur in PowerPoint funktioniert.

Dazu gibt es Balkan-Folk-Punk für das arbeitende Sommerloch, schweren Stoner Rock für den ersten Stromausfall und die beruhigende Erkenntnis: Ich war weg. Die Welt leider nicht.

Keine große Comeback-Folge. Nur ein akustisches Provisorium mit erstaunlich viel Weltlage.

SHOWNOTES:

- Die Verordnung (EU) 2025/40 über Verpackungen und Verpackungsabfälle gilt nach Artikel 71 grundsätzlich seit dem 12. August 2026. [EUR-Lex, Verordnung (EU) 2025/40](https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2025/40/oj/eng)

- Die Kommission veröffentlichte im Juni 2026 zusätzliche Anwendungshinweise zur PPWR. [EUR-Lex, Commission Notice C/2026/3084](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/PDF/?uri=OJ%3AC_202603084)- Die Europäische Verteidigungsagentur beschreibt Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Speicher, Digitalisierung und den Schutz kritischer Energieinfrastruktur als Bestandteile resilienterer Verteidigung. [European Defence Agency, CF SEDSS Phase IV](https://eda.europa.eu/what-we-do/eu-policies/consultation-forum/phase-iv)

- Der EDA-Jahresbericht nennt einen Digitalen Produktpass für Schutzwesten als Projekt der Kreislaufwirtschaft im Verteidigungsbereich. [European Defence Agency, Annual Report 2025, Seiten 25 bis 26](https://eda.europa.eu/docs/default-source/applicants/eda-2026-annual-report-2025_web.pdf)

- Die NATO untersucht Klimafolgen für das strategische Umfeld, Infrastruktur, Einsätze und militärische Fähigkeiten. [NATO, The Effects of Climate Change on Security, Januar 2026](https://www.sto.nato.int/document/the-effects-of-climate-change-on-security-report/)

- Copernicus meldete für Westeuropa den heißesten kombinierten Juni und Juli der entsprechenden Datenreihe sowie außergewöhnliche Trockenheit und Waldbrandaktivität. [Copernicus Climate Change Service, August 2026](https://climate.copernicus.eu/copernicus-highest-july-global-ocean-surface-temperatures-exceptionally-hot-dry-conditions-fuel)

- Die EDA beziffert die Verteidigungsausgaben ihrer 27 Mitgliedstaaten für 2025 auf rund 418 Milliarden Euro und die Projektion für 2026 auf etwa 454 Milliarden Euro. [European Defence Agency, Defence Data 2025/2026](https://eda.europa.eu/news-and-events/news/2026/07/16/eu-defence-spending---418-billion-in-2025--projected-to--454-billion-in-2026)

- Die Bundesregierung erläuterte am 10. August 2026 Ausstattung, Zuständigkeiten und laufende Vergaben bei der Drohnenabwehr an deutschen Flughäfen. [Bundesregierung, Regierungspressekonferenz vom 10. August 2026](https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/regierungspressekonferenz-vom-10-august-2026-2449330)
2 Stunden 42 Minuten
Nachhaltigkeit? Das ist doch diese ziemlich "radikale" Idee, dass nicht nur diejenigen zählen, die heute am lautesten brüllen. Sondern auch die Menschen mit weniger Macht, die Menschen außerhalb unserer Grenzen und auch die Menschen, die noch gar nicht geboren sind.

Am 6. September 2026 wird in Sachsen-Anhalt gewählt. Im Infratest Dimap "Sachsen-AnhaltTREND" vom Mai und den lag die AfD bei 41 Prozent. Ihr Landesverband wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Man könnte das nun für einen bemerkenswerten Widerspruch halten. Oder für einen ganz normalen Wahlkampf im Jahr 2026.

Diese Folge von "Irgendwas mit Nachhaltigkeit" springt in eine mögliche nahe Zukunft:

Jonas Voss, Nachhaltigkeitsmanager in Magdeburg, erlebt, wie seine Abteilung umbenannt wird, Begriffe und Kolleginnen verschwinden, alte Beiträge zum Risiko werden und aus freiwilliger Vorsicht langsam vorauseilender Gehorsam entsteht.

Jonas und seine Geschichte sind erfunden. Die politische Ausgangslage, die Programme und die ersten Einschüchterungsversuche sind es nicht.

Dabei geht es nicht nur um Windräder, Wärmepumpen und Joghurtdeckel. Nachhaltigkeit umfasst ökologische Tragfähigkeit, wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit und soziale Gerechtigkeit. Sie braucht außerdem Wissenschaft, Menschenrechte, gesellschaftliche Teilhabe und Institutionen, die nicht beim ersten Regierungswechsel vorsorglich ihr Rückgrat einlagern.

Nein, nicht jeder AfD-Wähler ist ein Faschist. Ein Stimmzettel entfaltet seine Wirkung allerdings unabhängig davon, ob das Kreuz aus Überzeugung, Protest, Frust oder wegen einer besonders unangenehmen Talkshow gesetzt wurde.

„Die mit der Nachhaltigkeit im Untergrund“ ist politische Fiktion über die Frage, was übrig bleibt, wenn nicht mehr alle Menschen, Fakten und Zukünfte zählen.

Nachhaltigkeit Undercover wäre ein Notfallplan. Demokratie bleibt Plan A.

Hinweis: Die Folge thematisiert Rechtsextremismus, Bedrohung, Doxxing und körperliche Gewalt.

Shownotes

Wahl und Ausgangslage:

Wahltermin

Umfrage Mai 2026

AfD Wahlkampf gestartet

Einstufung der AfD Sachsen-Anhalt

Herr Heckel und die AfD

Originalquellen der AfD:

Regierungsprogramm 2026

100-Tage-Programm

Bonus: Einordnung des AfD-Programms:

Rechtliche Umsetzbarkeitsanalyse des AfD-Regierungsprogramms

weitere Grundlagen:

Agenda 2030

Nachhaltigkeitsdefinition

Grundgesetz Art. 20

Grundgesetz Art. 20a

Klimaschutzbeschluss

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
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Über diesen Podcast

„Irgendwas mit Nachhaltigkeit?“ ist ein Podcast über Nachhaltigkeit, Transformation und den ganzen anderen Kram, der sich leider nicht davon trennen lässt. Klima, Wirtschaft, Politik, Technologie, Gesellschaft und Macht. Mal erklärend, mal im Gespräch mit Gästen. Kritisch, verständlich, persönlich und gelegentlich unangemessen zynisch. Keine einfachen Antworten. Dafür Fakten, Meinung, Geschichten und Einordnung mit Haltung. irgendwasmitnachhaltigkeit.de
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Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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