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41 Minuten
In der heutigen Zeit stehen viele Kommunen in Deutschland vor massiven finanziellen Herausforderungen. Insbesondere in ländlichen Räumen ist die Frage nach der Handlungsfähigkeit der Gemeinden von zentraler Bedeutung. In unserer 50. Jubiläumsfolge von "LandAussichten" beleuchten wir die aktuellen Herausforderungen der Kommunalfinanzen und suchen nach Lösungen. Unser Gast, Dr. Dominik Frankenberg vom Thünen-Institut für Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen, geht mit uns auf Ursachensuche. Dabei nimmt er uns mit in die Funktionsweise des kommunalen Finanzsystems und bringt Ideen mit, wie die Dorf- und Gemeindekassen nachhaltig gestärkt werden können.

Um die aktuellen Herausforderungen besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Geschichte. Im frühen 19. Jahrhundert, nach der Niederlage Preußens im Vierten Koalitionskrieg, wurden umfassende Reformen initiiert, die auch die Kommunalverwaltung betrafen. Die Stein-Hardenbergschen Reformen hatten zum Ziel, die Selbstverwaltung der Gemeinden zu stärken und das Interesse der Bürger:innen an öffentlichen Angelegenheiten zu fördern. Diese Reformen führten zu einer größeren Autonomie der Kommunen gegenüber dem preußischen Zentralstaat.

Heute steht die kommunale Handlungsfähigkeit erneut unter enormem Druck. Ein vom Städte- und Gemeindebund, dem Landkreistag und anderen Institutionen organisierter Aktionstag "Kommunen am Limit" hat kürzlich auf die gravierenden finanziellen Defizite in den Gemeinden aufmerksam gemacht. Die Ursachen sind vielfältig: Steigende Ausgaben, besonders für Sozialleistungen und Infrastrukturprojekten. Sinkende Steuereinnahmen, bedingt durch den demografischen Wandel und die gesamtwirtschaftliche Rezession. Auf Bundes- und Landesebene kommen zudem gesetzliche Vorgaben hinzu: neue Leistungen, die auf kommunaler Ebene bereitgestellt werden und die Haushalts- und Personalsituation weiter belasten.

Die Herausforderungen gefährden nicht nur die finanzielle Stabilität der Kommunen, sondern auch ihre Fähigkeit, grundlegende Dienstleistungen für die Bürger:innen bereitzustellen. Im Alltag bedeuten klamme Kommunen für die Bürger:innen weniger ÖPNV, höhere Kitapreise, ausbleibende Schwimmbadsanierungen oder höhere Hundesteuern.

Für Dominik Frankenberg braucht es für den Weg raus aus der kommunalen Finanzkrise unter anderem mehrerer Dinge: eine stärkere finanzielle Autonomie der Kommunen, um freier über ihre Finanzen entscheiden zu können. Und eine Reform des Finanzausgleicha zwischen Bund, Ländern und Kommunen, die eine dauerhafte, auskömmliche Finanzierung und kommunale Handlungsfähigkeit sicherstellt.  

Die Diskussion um die Kommunalfinanzen ist komplex, aber entscheidend für die Zukunft ländlicher Räume in Deutschland. Denn die Bewertung des Staates und seiner Leistung erfolgt insbesondere im täglichen Erleben vor der eigenen Haustür. Um aus der Sackgasse zu kommen, braucht es deshalb künftig eine besonders enge Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen, um die finanziellen Herausforderungen zu meistern.

Weiterführende Infos:

Kommunaler Finanzreport 2026 der Bertelsmann-Stiftung, an dem Dominik Frankenberg mitgearbeitet hat

Blogbeitrag von Dominik Frankenberg zum Thema Kommunalfinanzen 2025 in ländlichen Räumen

Mehr zum Aktionstag "Kommunen am Limit
33 Minuten
In dieser Folge von „LandAussichten“ haben wir mit Christine Herntier, die Bürgermeisterin von Spremberg, zu Gast. Im Gespräch geht es um die Herausforderungen des Strukturwandels in der Lausitz und die Frage, wie Kommunalpolitik in bewegten Zeiten gestaltet werden kann?

Im Mittelpunkt steht dabei die veränderte Rolle von Kommunen: Strukturwandel ist längst nicht mehr nur eine Frage von Investitionen und Fördermitteln, sondern auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Es geht um neue Perspektiven für regionale Wertschöpfung, um Verantwortung vor Ort und um die Frage, wie Vertrauen entsteht, wenn politische Prozesse Zeit brauchen, um Wirkung zu zeigen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Umgang mit Konflikten und Spannungen in der Region. Christine Herntier berichtet von dem Gegenwind, dem Kommunalpolitiker:innen zunehmend ausgesetzt sind, und spricht offen über gesellschaftliche Polarisierung sowie rechtsextreme Vorfälle. Diese reichen von persönlichen Anfeindungen über rechtsextreme Symbole im öffentlichen Raum bis hin zu Ereignissen, die auch das schulische Umfeld erreichen. Sie erklärt, warum es wichtig ist, diese Entwicklungen sichtbar zu machen, welche Reaktionen darauffolgten und warum Kommunen mehr Handlungsspielräume brauchen, um vor Ort wirksam reagieren zu können.

Außerdem geht es um Beteiligung und Zusammenhalt: Welche Formate des Austauschs helfen wirklich? Wie können unterschiedliche Gruppen in der Gesellschaft besser erreicht werden, insbesondere auch junge Menschen? Und was stärkt Gemeinden, wenn der soziale Zusammenhalt unter Druck gerät?

Zum Abschluss richtet sich der Blick nach vorn: Woran sich erkennen lässt, dass Strukturwandel gelungen ist, und welche Rolle Zivilgesellschaft, Engagement und lokale Initiativen dabei spielen.

Für vertiefende Infos:

Christine Herntier

Lausitzrunde
1 Stunde 17 Minuten
In dieser Folge von „LandAussichten“ geht es ins Wendland, eine Region im Norden Deutschlands, die viele vor allem durch die Kulturelle Landpartie (KLP) kennen. Die KLP ist viel mehr als ein Festival. Sie steht für ein besonderes Lebensgefühl – geprägt von Gemeinschaft, Selbstorganisation und einer Region, die sich über Jahrzehnte immer wieder neu erfunden hat. Gemeinsam mit Antonia Traulsen (Filmemacherin und Kulturschaffende) und Rainer Süßmilch (Schauspieler und Musiker)  sprechen wir darüber, wie aus einer politischen Aufbruchszeit ein dichtes Netz aus Kultur, Initiativen und Projekten entstanden ist, in dem Kunst, Alltag und Dorfleben eng zusammengehören. Dabei geht es auch um das Land als Möglichkeitsraum – um Freiräume, offene Orte und die Frage, wie gemeinschaftliches Gestalten gelingen kann.

Im Mittelpunkt stehen die zwölf Tage der Kulturellen Landpartie: Höfe öffnen sich, Scheunen werden zu Bühnen und ganze Dörfer verwandeln sich in Orte für Kunst, Musik, Theater und Begegnung. Die Veranstaltungen sind dezentral organisiert, von lokalen Akteuren getragen und bewusst nicht-kommerziell. Gleichzeitig geht es auch um die Herausforderungen und die Frage, wie sich das Format in Zukunft weiterentwickeln kann.

Außerdem schauen wir auf das Leben außerhalb der Festivalzeit: Wie lebt es sich in einer Region, die stark von Engagement und gemeinschaftlicher Verantwortung geprägt ist? Und was bleibt, wenn die Bühnen wieder abgebaut sind und der Alltag zurückkehrt? Was bedeutet es, aus der Stadt ins Wendland zu ziehen – und wie verändert sich das Leben dort, wo Mitgestaltung und Eigeninitiative so wichtig sind?

Unsere Gäste erzählen von Projekten, Nachbarschaften, Jugendinitiativen und kreativen Netzwerken, die weit über die Festivalwochen hinauswirken. Aus einzelnen Ideen entstehen dauerhafte Orte und Strukturen, die das ganze Jahr über das Leben im Wendland prägen und immer wieder neue Formen des Zusammenlebens ermöglichen.

Für vertiefende Infos zum Projekt und den Inhalten des Gesprächs empfehlen wir:

Kulturelle Landpartie Wendland

Quartier 4 – Soziokulturelles Zentrum

Dorf Diahren
28 Minuten
Diese Folge LandAussichten führt uns auf eine kleine Zeitreise ins 12. und 13. Jahrhundert auf dem Land. Damals befand sich die Namensgebung der Menschen und Orte gerade im Umbruch: Zu Rufnamen (heute: Vornamen) gesellten sich Beinamen (unsere heutigen Familiennamen). Da die Menschen damals noch nicht Namen wie Matteo-Lewin oder Mathilda-Lia trugen, war die Auswahl auf wenige, oft christliche Namen beschränkt. Das Problem? In den Dörfern doppelten sich so viele Namen. Straßennamen und Hausnummern gab es aber auch noch nicht, was die klare Zuordnung einzelner Menschen oft schwierig machte. So behalfen sich die Menschen mit Dorf- bzw. Hausnamen, um Häuser und ihre Bewohner:innen klar zu identifizieren. Einzelne Häuser bekamen so eigene Namen, die sich auf ihre ehemaligen Besitzer:innen, deren Namen, besonderen Eigenschaften, Spitznamen, Beruf oder auf die Lage des Gebäudes bezogen. „Ins Amend“ konnte so beispielsweise das Haus am Ende einer Straße beschreiben.

Und damit in die Gegenwart: Durch mobilere ländliche Gesellschaften, die öfter umziehen, gerät heutzutage mit den Namen vielerorts auch ein Stück Dorfgeschichte in Vergessenheit. Daher machen sich Gemeinden wie Abtsteinach daran, das Wissen zusammenzutragen, Schilder aufzuhängen und Führungen anzubieten, um dieses alte Wissen zu bewahren und neu zu beleben.

Zu Gast im Podcast ist Gabi Gerner. Sie ist Verwaltungsfachangestellte bei der Gemeinde Abtsteinach und kümmert sich dort seit 2012 um Tourismus, Beschaffung und Veranstaltungsorganisation. Geboren wurde sie 1963 im Ortsteil Unter-Abtsteinach – in einem Haus mit dem Hausnamen „Ähls“. Ihre Verbindung zur Dorfgeschichte und zu den Hausnamen ist daher nicht nur beruflich, sondern auch persönlich geprägt.

Im Gespräch geht es unter anderem darum, was Dorf- und Hausnamen über frühere Bewohner:innen verraten – etwa, wenn der Hausname weiblich war oder bestimmte Adjektive enthält. Wir sprechen darüber, welche Herausforderungen es bei der Recherche und Sicherung dieses Wissens gibt, wie viel (Nicht-)Wissen über alte Namen und Dorfgeschichte noch vorhanden ist und welche Dynamiken das Projekt im Dorf angestoßen hat. Außerdem geht es darum, welchen Mehrwert das Projekt für den Tourismus bietet. Denn die sichtbaren Hausnamenschilder regen heute Austausch, Begegnung und Dorfentwicklungsprozesse in Abtsteinach an – etwa, wenn man sich auf den Weg „ins Honspäidasch“ macht, um gemeinsam ein Glas Wein zu trinken.

Weiterführende Links:

– Eine Übersichtskarte der Häuser mit Schildern der alten Hausnamen in Abtsteinach

– Hintergrund zur Geschichte von Familien- und Hausnamen in Deutschland: Fachartikel: Die Hausnamen (Dorfnamen) von Allendorf/Lahn von Thomas Euler
46 Minuten
Mit Blick auf die Weiterentwicklung des Mehrjährigen Finanzrahmens der EU steht auch ein Förderansatz der Ländlichen Entwicklung in den vergangenen Monaten immer wieder im Fokus: LEADER. Die Methode, die erstmals vor ca. 35 Jahren Teil der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU wurde, wird aktuell in insgesamt 372 Regionen in Deutschland genutzt. Mit ihr werden Backhäuser, Machbarkeitsstudien, Musikkurse und Bürgerbusse finanziert; abgestimmt auf die lokalen Bedarfe vor Ort und gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und öffentlicher Hand. Über 2027 hinaus ist die Zukunft von LEADER jedoch mit Blick auf ihre Mittelausstattung und inhaltliche Ausrichtung ungewiss. In der neuen Folge LandAussichten gehen wir daher der Frage nach, wie es mit LEADER weitergeht: Was der Ansatz vor Ort leistet, wie er weiterentwickelt werden kann und wie der aktuelle Stand der Debatte auf EU-Ebene ist.

Zu Gast ist Dr. Hartmut Berndt, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der LEADER-Aktionsgruppen in Deutschland (BAGLAG). Er war unter anderem im Göttinger Land und in der Region Saale-Rudolstadt als Regionalmanager tätig und ist heute stellvertretender Vorsitzender des Sachverständigenrats Ländliche Entwicklung. Seit über 20 Jahren setzt er sich für die Belange ländlicher Regionen, die Weiterentwicklung von LEADER und die Vernetzung und den Wissenstransfer zwischen den Lokalen Aktionsgruppen ein.

Im Gespräch klären wir, wie die Methode im Detail in der Praxis funktioniert und warum der Bottom-up-Ansatz so gut zu ländlichen Räumen passt. Rund um die Frage der Weiterentwicklung sprechen wir zudem darüber, wie sich der Ansatz praxisnäher und unbürokratischer gestalten ließe. Abschließend werfen wir einen Blick auf die aktuellen MFR-Vorschläge der Kommission und ihre Bedeutung für den LEADER-Ansatz, die Details und Fragen rund um ein geplantes Rural Target und was Regionalmanager:innen mit Gärtner:innen gemeinsam haben.
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Über diesen Podcast

Unsere Abteilung Entwicklung ländlicher Räume steigt jetzt auch mit der Reihe „LandAussichten“ in den AHA-Podcast ein. Wir werfen einen genauen Blick auf die vielfältigen Themen und Fragestellungen, die die ländlichen Räume in Deutschland beschäftigen. Ehrenamt, Landnutzung, Zukunftsbilder oder neue Narrative – gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus den ländlichen Räumen werden diese und weitere Bereiche genauer unter die Lupe genommen. Einmal im Monat ist eine neue Folge auf allen gängigen Plattformen zu hören (z. B. Apple Podcasts, Spotify sowie auf unserem YouTube-Kanal).
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„LandAussichten“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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