Lachen und Weinen

Lachen und Weinen

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Episoden

41.3 Frankfurt gegen den Rest der Welt
22.06.2026
1 Stunde 29 Minuten
Der dritte Streich folgt zugleich: Wir drehen uns noch eine Windung weiter auf der Denkschraube der Ideologiekritik und kommen zu den zentralen Vertretern der marxistischen Gesellschaftstheorie im 20. Jahrhundert: Wir nähern uns dem Flaggschiff der Ideologiekritik, der „Adorno Alpha" oder auch „Teddy Invictus" genannt. Dafür vertiefen wir uns in einen Klassiker der Kulturphilosophie, dessen polemische Analyse damals so aktuell wie heute ist: Das Kapitel über die „Kulturindustrie" aus der „Dialektik der Aufklärung" von Adorno und Horkheimer. Diese philosophische Schelte oberflächlichen Vergnügens amerikanischer Massenkultur ist die größte Antispaßkampagne der Geistesgeschichte und ihre Autoren gehören zu den schlechtgelauntesten Philosophen, die je philosophiert haben. Wir lassen uns davon nicht die Laune verderben und entdecken die durchaus amüsanten Seiten dieser Satireschrift, lassen uns auf dem Fließband der Kulturindustrie durch die verzauberte Warenwelt vor allem des Films tragen und hangeln uns von dort zu Marcuse und den introjizierten Bedürfnissen der Konsumenten. Bruno scheitert zuvor mehrfach daran, sich am Wurststand zwischen der Kracauer und der Horkheimer-Wurst zu entscheiden, was ihm als Ladenbetreter, der er werden will, noch zum Verhängnis werden kann. Zum Abschluss vergeben wir traditionell den Martin-Kippenberger-Forscherpreis und wecken den ersten Zweifel am ewigen Ideologieverdacht der Kritischen Theorie.





Inhalt:





00:00 Einstieg und Themenüberblick


05:50 Berufsbezeichnungen


13:00 Zwei Wegbereiter der Kritischen Theorie


28:20 Auf dem Fließband der Kulturindustrie


01:02:33 Geschichten aus dem Trottelverein


01:05:29 Marcuse, der „Posterboy der 68er Revolution"


01:17:03 Ein Seitenblick auf Althusser


01:19:54 Martin-Kippenberger-Forscherpreis Vergabe und Schluss





Literatur:





Adorno, Theodor W. / Horkheimer, Max: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Amsterdam 1947.


Lukács, Georg: Geschichte und Klassenbewusstsein. Studien über marxistische Dialektik, Berlin 1923.


Marcuse, Herbert: Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft, Boston 1964.


Marcuse, Herbert: Triebstruktur und Gesellschaft. Ein philosophischer Beitrag zu Sigmund Freud, Boston 1955.


Althusser, Louis: Für Marx, Frankfurt am Main 1968.


Kracauer, Siegfried: Die kleinen Ladenmädchen gehen ins Kino, in: ders.: Das Ornament der Masse. Essays, Frankfurt am Main 1977.





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41.2 Marxistische Klempereien
29.03.2026
1 Stunde 17 Minuten
Wir setzen die Suche nach der verlorenen Wahrheit im ideologischen Zeitalter fort und beginnen achronologisch mit Karl Mannheims “Ideologie und Utopie”, einem Klassiker der wissenssoziologischen Schule. In direkter Antithese wandern wir zurück zu der Quelle und dem Ursprung des modernen kritischen Ideologiebegriffs, wie ihn Marx und Engels in der “Deutsche(n) Ideologie” ausgearbeitet haben. Wir sprechen über die kritischen Grundbegriffe der marxistischen Gesellschaftstheorie: den Warenfetisch, die Herrschaftsgedanken und natürlich die Ideologie. Auf seinem Karriereweg zum Profibürger ist Jakob Käufer geworden, weil er sich schon seit Schulzeiten für Einkäufe begeistert und einen echten Warenfetisch entwickelt hat, Bruno, der sich mittlerweile als Pränalhistoriker verdingt, macht ihm das Angebot, den pränatalen Abschnitt seiner einstigen Biografie zu verfassen (Berufsbezeichnungen). Wir springen von Marx ins 20. Jahrhundert und registrieren mit Klemperers Tagebuch “L(ingua)T(ertia)I(mperii)” die Verwicklung der Ideologie in die Sprache als ihrem eigentlichen Ausdrucksmedium. Zuletzt machen wir einen Abstecher zu Bernays “Propaganda”, einer Bedienungsanleitung für moderne Ingenieure des Sozialen und der politischen Ordnung und sehen, welch eminente Rolle Ideologie als Bindemittel und Steuerungsmittel sozialer Ordnungsstrukturen hat.





Inhalt:


0:00 Begrüßung und Themenüberblick


5:02 Berufsbezeichnungen


14:52 Karl Mannheim: “Ideologie und Utopie”


27:02 Der Ideologiebegriff bei Marx


54:33 LTI, Victor Klemperer: Ideologie und Sprache


01:07:23 “Propaganda” von Edward Bernays


01:12:46 Ideologische Tropen und Zusammenfassung





Literatur:





Mannheim, Karl: Ideologie und Utopie, Bonn 1929.


Marx, Karl / Engels, Friedrich: Die deutsche Ideologie, in: Marx-Engels-Werke, Bd. 3, Berlin 1958.


Klemperer, Victor: LTI. Notizbuch eines Philologen, Frankfurt am Main 2004.





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41.1 Fallstricke der Alltagsideologie
31.01.2026
1 Stunde 20 Minuten
Bei Lachen und Weinen steht ein intellektuelles Großereignis bevor: In traditioneller Besetzung arbeiten wir uns voraussichtlich über eine Spanne von vier Folgen durch die Geschichte des Ideologiebegriffs von seinen Anfängen bei Bacon (nicht crispy Bacon!) und im Aufklärungszeitalter bis zu den Neomarxisten und Wissenssoziologen des 20. Jahrhunderts. Ideologie ist nicht bloß ein Mittel, mit dem sich wenige Ideologen über Massen erheben und sie steuern, sondern sie ist ein Subtext der gesamten Geistesgeschichte und findet sich noch in den abstraktesten Theoriegebäuden. 


Jakob präsentiert uns eine Detailaufnahme seines Alltags, die gerade an den unscheinbaren und vermeintlich “normalen" Alltagshandlungen ideologische Spuren nachweist. Er erklärt uns, wie man ein echter Profibürger wird und welcher Würde man dabei verlustig geht. Bruno deutet neben dieser mikrosoziologischen Beschreibungsebene die Macht ideologischer Strukturen auf der Makroebene an. Ideologie ist überall und wo sie nicht ist, muss sie unseren Verdacht erregen. Jedenfalls folgen wir vorerst dieser “Hermeneutik des Verdachts” (Ricœur), ohne sie selbst zu verdächtigen und landen mit einer Reihe von begriffsgeschichtlichen Einordnungen am Eingang des 20. Jahrhunderts.





Inhalt:


00:00 Begrüßung und Themenüberblick


07:18 Jakobs Rezension der letzten beiden Folgen


12:18 Politische “Fünf” Minuten


24:22 “Profibürger”-Sein in (post)ideologischen Zeiten


27:21 Die unsichtbaren Fallstricke der Alltagsideologie


38:59 Ideologie: Definitionen, Beispiele und Imperative


58:41 Ideologie: Etymologie und Begriffsgeschichte


01:12:40 Ausblick auf Teil II und Kurzauftritt Luhmanns





Literatur:


Herbert Schnädelbach: Was ist Ideologie? Versuch einer Begriffsklärung (in: Das Argument 50/1969)


https://kritischebildung.de/afkg/Schnadelbach_Ideologie.pdf





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40. Von der Utopie zur totalen Gegenwart (mit Maximilian Kloppert)
12.12.2025
1 Stunde 17 Minuten
Mit Maximilian Kloppert unterhält sich Bruno über den Roman Allegro Pastell von Leif Randt, der 2020 kurz vor der Pandemie erschienen ist und seitdem vom Feuilleton und der germanistischen Forschung als Generationenroman gefeiert wird. Im Frühjahr soll eine Verfilmung in die Kinos kommen und der neue Roman Let's Talk About Feelings von Leif Randt ist vor kurzem erschienen. Die soziologische Matrix des Romans bildet Reckwitz' Gesellschaft der Singularitäten: Wir befinden uns in einer positiven Affektkultur und nehmen alle an dem übergreifenden Wettbewerb der Authentizität teil. Wir kommunizieren um der Kommunikation willen, wählen aus unserem Gefühlsleben die Emotionen, die uns wie ein Reel oder eine Story auf Instagram besonders gut gefallen und müssen uns ständig fragen, ob das, was wir tun und lassen, sozial sanktioniert wird. Die vollkommen unkritische und neutrale Darstellung von kalkulierten Rauscherfahrungen, Work-Life-Balance-Gerede, verflachten, ausgehöhlten Gefühlswelten und unpathetischen Beziehungsdramen wirft die Frage auf, ob der Roman ideologische Sackgassen zeigt oder selbst eine ist. Wie affirmativ darf Pop sein oder hat die Moral hier überhaupt nicht reinzureden? Diese und viele weitere Fragen bilden eine umfassende Besprechung des von der Kritik hochgelobten "Generationenromans".





Inhalt:


0:00 Begrüßung und Vorstellung des Gastes


5:45 Hinführung zum Thema: Allegro Pastell


10:29 Werkverzeichnis und literaturgeschichtliche Einordnung


13:25 Inhaltsangabe des Romans


20:39 Analyse und erste soziologische Deutungen: Ein Roman der Singularitäten (Reckwitz)


30:05 “Poetik der Mittelbarkeiten”: Digitale Kommunikation, Drogen und Rauschprotokolle


39:22 Positive Affektkultur, emotionale Verflachung


42:37 Pop 3.0


45:55 Eine Schlüsselszene: Teezeremonie und “vorauseilende Wehmut”


51:06 Verhältnis von politischer Realität und Fiktionalität


54:20 Die scheinfreie schöne neue Welt?


01:04:19 Kritik I: “Topischer Roman”, Postironie, Minimalsatire


01:09:11 Kritik II: “Sackgassenkunst” oder affirmative Literatur?





Literatur:


Leif Randt: Allegro Pastell (2020)





Maximilian Kloppert ist Mitarbeiter am Erich Auerbach Institute for Advanced Studies (Universität zu Köln). Parallel promoviert er zur Aufwertung der Materialität der Handschrift um 1800.





⁠https://auerbach-institut.phil-fak.uni-koeln.de/team/maximilian-kloppert





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39. Blaue Heimreise (mit Matthias Diermeier)
06.11.2025
1 Stunde 14 Minuten
Aus gegebenem Anlass - NRW-Wahlen und landesweite “Stadtbild”-Diskussion - befassen wir uns ein weiteres Mal mit dem Rechtsruck in Deutschland und der AfD. Die Deutschen befinden sich laut Sloterdijk nach einem längeren “Urlaub von der Weltgeschichte mitten im Heimreiseverkehr”. Die in der Bundesrepublik totgesagte nationalistische, ja faschistische Vergangenheit lebt fort und wir finden uns wieder in einem Kulturkampf, den wir glaubten, in die Geschichte verbannt zu haben. Bruno spricht mit dem promovierten Ökonom und Sozialwissenschaftler Matthias Diermeier, der für das Institut der deutschen Wirtschaft in der politischen Beratung tätig ist und mit seiner Promotion den Schwerpunkt seiner empirisch geschulten Forschung auf die Analyse rechtsradikaler Bewegungen gelegt hat. Mit Matthias lassen sich Fragen, die sich heute einfach jeder fragt, wie die nach den Gründen für das Erstarken der AfD, stellen und differenziert beantworten. Warum sind AfD-Anhänger immun gegen rationale Argumentation und warum beten sie die Sicherheit des Landes, der Straßen, Bahnhöfe, Kitas und Vorgärten als den höchsten Gott an? Wir fragen nach den konkreten Inhalten ihres Parteiprogramms bzw. fragen, ob es sie überhaupt gibt oder inwiefern ihre Umsetzung der Wählerschaft selbst schadet. Statt Inhalten finden wir ein formales Charakteristikum: Allgemeines, undifferenziertes Dagegensein. In gemeinsamer Erörterung gelangen wir an die Leistungsgrenze der Erklärungskraft quantitativer Sozialforschung und fragen, wie man den AfD-Wähler darüber hinaus verstehen und erreichen kann. Dabei lassen wir uns beide aus Adornos nach wie vor aktuellem Vortrag “Aspekte des neuen Rechtsradikalismus” von 1967 das ein oder andere Stichwort einflüstern.


Dr. Matthias Diermeier im Internet: https://www.iwkoeln.de/institut/personen/matthias-diermeier.html


Sein zur Sprache gekommener Artikel: https://www.wirtschaftsdienst.eu/inhalt/jahr/2024/heft/7/beitrag/oekonomische-ungleichheit-und-das-erstarken-des-rechten-randes-die-empirische-suche-nach-einem-zusammenhang.html





00:00    Begrüßung und Vorstellung des Gasts





03:00    Einstieg ins Thema: Kommentar zur “Stadtbild”-Debatte





10:51   Rechtsruck und die aktuelle Stellung der AfD





19:10   Der Ruf der faschistischen Vergangenheit





21:23   Die neuen Rechten – erste Bestimmungen





27:38   Nativismus, Autoritarismus, Populismus (“Dünne Ideologie”)





32:18   Marxistische Theorie des Nationalismus und ihre Aktualität (Adorno)





36:00   Entstehungsgeschichte der AfD und wirtschaftspolitische Hintergründe





41:10   Bestimmung des Herkunftsmilieus der AfD Anhängerschaft (“Prekarisierung”)





47:21   Vermeintliche Ungerechtigkeiten in der Umverteilung





51:00   Das “AfD-Paradox” 





53:44   Von der quantitaven zur qualitativen Sozialforschung





01:00:28   Mittel zur Bekämpfung: Abschreckung, Realitätscheck, Demokratisierung





01:04:36   Sicherheit: der Hausgott der AfD?





01:07:54   Mögliche Lösungen: Selbsthilfe (individuell) und Repräsentanz (allgemein)





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Über diesen Podcast

Philosophie, Anthropologie und Kulturkritik in dialogischen Essays, ideengeschichtlicher Comedy, historischen Hörspielen, literarischem Schweifen und seriösen Wahrheiten. Auch im Blog unter lachenundweinen.org
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39. Blaue Heimreise (mit Matthias Diermeier)
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