Podcaster
Episoden
12.12.2025
1 Stunde 17 Minuten
Mit Maximilian Kloppert unterhält sich Bruno über den Roman
Allegro Pastell von Leif Randt, der 2020 kurz vor der Pandemie
erschienen ist und seitdem vom Feuilleton und der germanistischen
Forschung als Generationenroman gefeiert wird. Im Frühjahr soll
eine Verfilmung in die Kinos kommen und der neue Roman Let's Talk
About Feelings von Leif Randt ist vor kurzem erschienen. Die
soziologische Matrix des Romans bildet Reckwitz' Gesellschaft der
Singularitäten: Wir befinden uns in einer positiven Affektkultur
und nehmen alle an dem übergreifenden Wettbewerb der
Authentizität teil. Wir kommunizieren um der Kommunikation
willen, wählen aus unserem Gefühlsleben die Emotionen, die uns
wie ein Reel oder eine Story auf Instagram besonders gut gefallen
und müssen uns ständig fragen, ob das, was wir tun und lassen,
sozial sanktioniert wird. Die vollkommen unkritische und neutrale
Darstellung von kalkulierten Rauscherfahrungen,
Work-Life-Balance-Gerede, verflachten, ausgehöhlten Gefühlswelten
und unpathetischen Beziehungsdramen wirft die Frage auf, ob der
Roman ideologische Sackgassen zeigt oder selbst eine ist. Wie
affirmativ darf Pop sein oder hat die Moral hier überhaupt nicht
reinzureden? Diese und viele weitere Fragen bilden eine
umfassende Besprechung des von der Kritik hochgelobten
"Generationenromans".
Inhalt:
0:00 Begrüßung und Vorstellung des Gastes
5:45 Hinführung zum Thema: Allegro Pastell
10:29 Werkverzeichnis und literaturgeschichtliche Einordnung
13:25 Inhaltsangabe des Romans
20:39 Analyse und erste soziologische Deutungen: Ein Roman der
Singularitäten (Reckwitz)
30:05 “Poetik der Mittelbarkeiten”: Digitale Kommunikation,
Drogen und Rauschprotokolle
39:22 Positive Affektkultur, emotionale Verflachung
42:37 Pop 3.0
45:55 Eine Schlüsselszene: Teezeremonie und “vorauseilende
Wehmut”
51:06 Verhältnis von politischer Realität und Fiktionalität
54:20 Die scheinfreie schöne neue Welt?
01:04:19 Kritik I: “Topischer Roman”, Postironie, Minimalsatire
01:09:11 Kritik II: “Sackgassenkunst” oder affirmative Literatur?
Literatur:
Leif Randt: Allegro Pastell (2020)
Maximilian Kloppert ist Mitarbeiter am Erich
Auerbach Institute for Advanced Studies (Universität zu Köln).
Parallel promoviert er zur Aufwertung der Materialität der
Handschrift um 1800.
https://auerbach-institut.phil-fak.uni-koeln.de/team/maximilian-kloppert
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06.11.2025
1 Stunde 14 Minuten
Aus gegebenem Anlass - NRW-Wahlen und landesweite
“Stadtbild”-Diskussion - befassen wir uns ein weiteres Mal mit
dem Rechtsruck in Deutschland und der AfD. Die Deutschen befinden
sich laut Sloterdijk nach einem längeren “Urlaub von der
Weltgeschichte mitten im Heimreiseverkehr”. Die in der
Bundesrepublik totgesagte nationalistische, ja faschistische
Vergangenheit lebt fort und wir finden uns wieder in einem
Kulturkampf, den wir glaubten, in die Geschichte verbannt zu
haben. Bruno spricht mit dem promovierten Ökonom und
Sozialwissenschaftler Matthias Diermeier, der für das Institut
der deutschen Wirtschaft in der politischen Beratung tätig ist
und mit seiner Promotion den Schwerpunkt seiner empirisch
geschulten Forschung auf die Analyse rechtsradikaler Bewegungen
gelegt hat. Mit Matthias lassen sich Fragen, die sich heute
einfach jeder fragt, wie die nach den Gründen für das Erstarken
der AfD, stellen und differenziert beantworten. Warum sind
AfD-Anhänger immun gegen rationale Argumentation und warum beten
sie die Sicherheit des Landes, der Straßen, Bahnhöfe, Kitas und
Vorgärten als den höchsten Gott an? Wir fragen nach den konkreten
Inhalten ihres Parteiprogramms bzw. fragen, ob es sie überhaupt
gibt oder inwiefern ihre Umsetzung der Wählerschaft selbst
schadet. Statt Inhalten finden wir ein formales Charakteristikum:
Allgemeines, undifferenziertes Dagegensein. In gemeinsamer
Erörterung gelangen wir an die Leistungsgrenze der
Erklärungskraft quantitativer Sozialforschung und fragen, wie man
den AfD-Wähler darüber hinaus verstehen und erreichen kann. Dabei
lassen wir uns beide aus Adornos nach wie vor aktuellem Vortrag
“Aspekte des neuen Rechtsradikalismus” von 1967 das ein oder
andere Stichwort einflüstern.
Dr. Matthias Diermeier im Internet:
https://www.iwkoeln.de/institut/personen/matthias-diermeier.html
Sein zur Sprache gekommener Artikel:
https://www.wirtschaftsdienst.eu/inhalt/jahr/2024/heft/7/beitrag/oekonomische-ungleichheit-und-das-erstarken-des-rechten-randes-die-empirische-suche-nach-einem-zusammenhang.html
00:00 Begrüßung und Vorstellung des Gasts
03:00 Einstieg ins Thema: Kommentar zur
“Stadtbild”-Debatte
10:51 Rechtsruck und die aktuelle Stellung der AfD
19:10 Der Ruf der faschistischen Vergangenheit
21:23 Die neuen Rechten – erste Bestimmungen
27:38 Nativismus, Autoritarismus, Populismus (“Dünne
Ideologie”)
32:18 Marxistische Theorie des Nationalismus und ihre
Aktualität (Adorno)
36:00 Entstehungsgeschichte der AfD und
wirtschaftspolitische Hintergründe
41:10 Bestimmung des Herkunftsmilieus der AfD
Anhängerschaft (“Prekarisierung”)
47:21 Vermeintliche Ungerechtigkeiten in der Umverteilung
51:00 Das “AfD-Paradox”
53:44 Von der quantitaven zur qualitativen Sozialforschung
01:00:28 Mittel zur Bekämpfung: Abschreckung,
Realitätscheck, Demokratisierung
01:04:36 Sicherheit: der Hausgott der AfD?
01:07:54 Mögliche Lösungen: Selbsthilfe (individuell) und
Repräsentanz (allgemein)
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11.04.2025
1 Stunde 18 Minuten
Hannah Arendts Essay “Wir Flüchtlinge” aus dem Kriegsjahr 1943
entdecken wir als einen normativen Leitfaden für die äußerst
aktuelle Frage nach dem Status von und dem Umgang mit
Geflüchteten neu. Wir empfinden die innere, geistige Erfahrung
des Flüchtlings anhand von Arendts einfühlsamen Beschreibungen
Vertriebener und Geächteter nach, und fragen im Rahmen
klassischer Staatstheorien nach Genese und Sinn der
Nationalstaaten im 20. Jahrhundert. Auch das weltweit zu
beobachtende Phänomen einer Rekonsolidierung nationalistischer
Kollektivierungsprogramme lassen wir nicht unkommentiert. Der
Flüchtling erweist sich bei alldem als Universalfigur für den im
Ringen der Staaten zwangsläufig marginalisierten und potenziell
entrechteten Menschen.
Die Absurdität der bis heute gültigen Tatsache, dass nur ein
Staat substanziell das Recht gewährt, Rechte haben zu dürfen -
und das obwohl es den Staat in gewissem Sinne nicht gibt - kommt
auch im Hörspiel zum Tragen. Ebenso das auch in Diskursen
hierzulande wieder erstarkende Faktum, dass der Staat trotz
seiner unterstellten Fiktionalität über seine Bürger einiges an
sehr realer Verfügungsgewalt innehat.
Während Jakob Arendts wertvolle Analysen in der Erfassung und
Kritik der gegenwärtigen politische Lage zur Anwendung bringt,
wirft Bruno neueste Anekdoten aus seinem selbstgegründeten
Trottelverein ein. Zuletzt vergeben wir ab sofort den
Martin-Kippenberger-Forscherpreis für paranormale und
außenakademische Forschungsleistungen.
Literatur:
Hannah Arendt: Wir Flüchtlinge (1943/1986)
dazu
https://www.deutschlandfunk.de/hannah-arendt-ueber-fluechtlinge-es-bedeutet-den-100.html
Benedict Anderson: Imagined Communities: Reflections on the
Origin and Spread of Nationalism (1983)
Theodoer W. Adorno: Aspekte des neuen Rechtsradikalismus
(1967/2019)
Tipp:
https://www.brandstaetterverlag.com/buch/wir-und-die-fluechtlinge/
Inhalt:
0:00 Einführung ins Thema
5:24 Hörspiel
13:47 “Imagined Communities” von Benedict Anderson
18:55 Humes historische Kritik an der normativen Vertragstheorie
24:17 Problemstellung: Der Flüchtling
26:29 Berufsbezeichnungen
33:29 “Wir Flüchtlinge” von Hannah Arendt und der Flüchtling in
der deutschen Politik
38:17 Nationalismus revisited mit Adorno
43:35 Die erfahrene Innenperspektive des Flüchtlings nach Arendt
46:55 Arendts rechtstheoretische Grundformel “Das Recht, Rechte
zu haben”
51:04 Minimaldefinition des Flüchtlings
59:07 Arendts Plädoyer für den “Paria”
01:01:37 Die rechtliche “Nacktheit” des Flüchtlings
01:08:17 Die “Avantgarde der Völker”
01:14:17 Der Martin-Kippenberger Forscherpreis
Danke an folgende Soundcrafter:
rifle, 30-06 bolt action rifle, single shot by JoseIgnacioTriay
-- https://freesound.org/s/515203/ -- License: Attribution
NonCommercial 4.0
Wiese - Vögel, Tag, Insekten, Wind, unter Sträuchern 2.wav by
BockelSound -- https://freesound.org/s/487753/ -- License:
Attribution 4.0
Running .wav by Jellytots_Julie --
https://freesound.org/s/654584/ -- License: Attribution
NonCommercial 4.0
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23.02.2025
1 Stunde 39 Minuten
Frohen Wahltag alle miteinander. Überbrückt die Stunden bis zu
den vorläufigen Ergebnissen mit uns und kommt ein bisschen
runter. Wahrt eure Fassung, kühlt euer Gemüt - es hilft ja
nichts! Wir sprechen über die Coolness und ihre Rückseite.
Eidetisch variierend nähern wir uns der Coolness als Phänomen und
einigen uns: die Coolness ist ein Habitus. Wir sprechen darüber,
was das noch gleich war bzw. lassen es uns von einem berühmten
Franzosen mit Abstammung aus der Arbeiterklasse, der außerdem ein
fettleibiges Buch zum Thema geschrieben hat, erklären. Die
Coolness hält eigentlich von der aktiven Einmischung ab und
zwingt den Coolen zur Distanzierung - wir hinterfragen aber, ob
es heute wirklich noch uneingeschränkt cool sein kann, sich
herauszuhalten. Wir drehen und wenden unseren Gegenstand von der
Stoa bis zu den ca. 5 coolsten Politikern unserer Zeit - sie
zögern, sie zittern und sie hassen nicht.
Inhalt:
00:00:00 Begrüßung
00:04:32 Hörspiel: Cicero und Cato
00:13:37 Statue, Maske, Spiel, Entfremdung, Anerkennung
00:30:10 Habitus (und Klasse)
00:42:20 Stoizismus und Kühle
01:07:40 Berufsbezeichnungen
01:12:42 Coolness in der Neuzeit bis heute
01:32:59 Versuch eines Fazits
01:35:25 Ranking der coolsten 3 Politiker
01:38:42 Abschied
Literatur:
Pierre Bourdieu: Die feinen Unterschiede (1979)
Epiktet: Handbüchlein der Moral (frühes 2. Jahrhundert n. Chr.)
https://www.philomag.de/artikel/bourdieu-und-der-habitus
https://en.wikipedia.org/wiki/Itutu
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27.01.2025
1 Stunde 21 Minuten
Die Bundestagswahl steht an und wiedervereint sprechen Jakob und
Bruno über ein kompliziertes, relativ junges und
hochphilosophisches Gefühl - das Ressentiment. Im deutschen ein
Lehnwort aus dem Französischen, für das es keine wirklich
adäquate Übersetzung gibt - im Französischen ein vom König des
Essais, Michel de Montaigne, eigens geschöpftes Wort, bezeichnet
es eine sehr genau benennbare Zusammensetzung einiger eher
unangenehmer Gefühle. In der richtigen Konstellation ergibt sich
als Ressentiment dann eine hochpathologische und politisch
gefährliche Dynamik, die sich auch an der Wahlurne entladen kann.
Damit es am 23. Februar nicht zu einer allzu destruktiv
anklingenden Emotionensymphonie kommt, wollen wir euch auf die
anstehende Bundestagswahl gebührend vorbereiten - soweit das
philosophisch möglich ist. Wie immer gilt: Bekämpfung der
Ernsthaftigkeit, auch parteipolitisch. Und das angesichts der
Situation, in der wir uns BE-fin-den.
Außerdem: Jakob bewirbt sich als Sonderbeauftragter für die
kommende Bundesregierung, Bruno arbeitet auf dem Friedhof. Im
Hörspiel - wer hätte das gedacht - leidet ein Patient, trifft zu
seinem Glück auf einen hochkreativen Therapeuten.
Niemand ist gefeit, ein Ressentiment zu entwickeln, am
allerwenigsten schützt Geld davor.
Inhalt:
00:00:00 Anmoderation und Themenbestimmung
00:05:10 Hörspiel: Der Patient geht ins Offene
00:17:31 Definitionsansätze des Ressentiments
00:21:01 Ressentiment nach Montaigne
00:25:41 Definition nach Max Scheler
00:29:01 Nietzsches Theorie des Ressentiment
00:39:21 Wie erkennen wir das Ressentiment?
00:42:36 Verschwörungstheorien und Kollektivierung des
Ressentiments
00:46:37 Schelers Stufenmodell des Ressentiments
00:52:21 Ressentiment und Demokratie
00:54:26 Leon Wurmser
00:59:59 Aussicht auf die Bundestagswahlen
01:08:26 Berufsbezeichnungen
01:11:15 Internet und Social Media
01:17:31 Schlusswort zu Ressentiment und Politik
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Über diesen Podcast
Philosophie, Anthropologie und Kulturkritik in dialogischen Essays,
ideengeschichtlicher Comedy, historischen Hörspielen, literarischem
Schweifen und seriösen Wahrheiten. Auch im Blog unter
lachenundweinen.org
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