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Episoden

37 Minuten
Das Foto macht Angst. Doch sie vergeht bei genauem Betrachten, und man spürt Trauer, ja Mitgefühl. Das Bild zeigt einen Mann, der allein in einer riesigen Baugrube sitzt. Ironischerweise steht nicht weit davon entfernt ein »Cabinet d’aisance«, ein erlesenes Wort für den holzgezimmerten Abort der Arbeiter. Der Einsame heißt Joseph Poelaert. Damals, 1866, ein berühmter Architekt, heute ein berühmter Versager. Die Baugrube ist Schauplatz seiner Tat, seiner Untat.
24 Minuten
Diese Geschichte passierte in Dublin, eine Art Märchenstunde, da sie völlig ohne mein Zutun geschah. Ich saß in einer Show, die sich Power beyond belief nannte, inszeniert von Barry Sinclair, „Irlands größtem Hypnotiseur“. Hypnose hielt ich für Bauernfängerei, da ich Jahre zuvor bei einem „Hypnose-Therapeuten“ gewesen war (um meine seelischen Flurschäden reparieren zu lassen) und den Scharlatan nach Wochen, ungeheilt, wieder verlassen hatte. Und von Barry S., „the biggest of all“, hatte ich noch nie gehört.
31 Minuten
Der Meister bestellt mich in eine Pizzeria ein. Er müsse mich

erst »sondieren«, bevor ich in seine Wohnung darf. Wie

verständlich, jemanden bei sich einzulassen ist ein intimer Akt.

Noch intimer, wenn der Hausherr blind ist, absolut blind.

Evgen Bavcar wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in Slowenien

geboren, damals noch Teil von Jugoslawien. (»Bitte erwähnen

Sie mein Alter nicht, Künstler haben kein Alter.«) Sein Gesicht

hat feine Züge, auf der Nase sitzt – »aus ästhetischen

Gründen« – eine dunkle Brille.

Was für ein Leben. Mit 12 verletzt er sich mit einem Zweig das

linke Auge, ein gutes Jahr später spielt er am Zünder einer

Mine. Sie explodiert, das rechte Auge ist tot. Aber nicht total.

Über Monate wird er »langsam Abschied nehmen vom Licht.

Und erwachsen werden.«
21 Minuten
Eine Pekingoper fordert zur Gegenwehr heraus. Um nicht im

frenetischen, zweigestrichenen C der Akteure zu erlöschen.

Noch eins höher und Blut spritzt aus den Trommelfellen

ungeübter Zuhörer. Griechische Rachegötter, so scheint es,

werden als Opernsängerinnen in China wiedergeboren. Ich

ging trotzdem hin, wollte wissen, wie viel europäisch

erzogenen Ohren zumutbar ist.

Der zweite Teil der Vorstellung fiel leichter. Während der

Pause hatte ich Tara kennengelernt, eine Ärztin aus Prag. Ab

sofort teilten wir unser Leid. Wann immer die Hauptdarstellerin

– in quälendem Liebesschmerz befangen – nach vorn an die

Rampe trat, um ihr Elend mittels kreischender Kopfstimme aus

sich herauszuquetschen, hielten wir uns gegenseitig die

Ohrmuscheln zu.
38 Minuten
Aus ganz Indien sind sie gekommen: nach Pahalgam, nahe dem Himalaya, dem Ausgangspunkt der Wallfahrt. Seit einer Woche bin ich hier, um mich mit all den anderen, den so vielen, vorzubereiten: auf die 50 Kilometer hinauf in 4500 Meter Höhe, auf staubige Hitze und eisigen Wind, auf Schnee und Gletscher.

Mich treibt es zu den Sadhus, den »heiligen Männern«, die ihre Familien verließen, ihren Beruf, ihren Besitz. Nackt oder in Fetzen verbringen sie ihr Leben. Auf der Suche nach Erlösung, nach dem Ende aller Wiedergeburt. Der Marsch wird ihnen guttun, sagen sie. Ist er doch ihrem Gott, Lord Shiva, geweiht. Seine Nähe wird ihr Glück vermehren, wird sie geduldig machen. Auch um ihr armseliges Dasein zu ertragen.
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Über diesen Podcast

Autor Andreas Altmann ist ein ständig durch die Welt reisender Reporter – der sich gerne faszinieren lässt von den Menschen, die er unterwegs trifft. Hier erzählt er mit viel Herzblut von den Menschen, die ihn besonders beeindruckt haben.
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„Die Welt von A bis A “

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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