Die Welt von A bis A

Die Welt von A bis A

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Episoden

Der blinde Fotograf
28.05.2026
31 Minuten
Der Meister bestellt mich in eine Pizzeria ein. Er müsse mich


erst »sondieren«, bevor ich in seine Wohnung darf. Wie


verständlich, jemanden bei sich einzulassen ist ein intimer Akt.


Noch intimer, wenn der Hausherr blind ist, absolut blind.


Evgen Bavcar wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in Slowenien


geboren, damals noch Teil von Jugoslawien. (»Bitte erwähnen


Sie mein Alter nicht, Künstler haben kein Alter.«) Sein Gesicht


hat feine Züge, auf der Nase sitzt – »aus ästhetischen


Gründen« – eine dunkle Brille.


Was für ein Leben. Mit 12 verletzt er sich mit einem Zweig das


linke Auge, ein gutes Jahr später spielt er am Zünder einer


Mine. Sie explodiert, das rechte Auge ist tot. Aber nicht total.


Über Monate wird er »langsam Abschied nehmen vom Licht.


Und erwachsen werden.«
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Coitus interruptus (China)
16.05.2026
21 Minuten
Eine Pekingoper fordert zur Gegenwehr heraus. Um nicht im


frenetischen, zweigestrichenen C der Akteure zu erlöschen.


Noch eins höher und Blut spritzt aus den Trommelfellen


ungeübter Zuhörer. Griechische Rachegötter, so scheint es,


werden als Opernsängerinnen in China wiedergeboren. Ich


ging trotzdem hin, wollte wissen, wie viel europäisch


erzogenen Ohren zumutbar ist.


Der zweite Teil der Vorstellung fiel leichter. Während der


Pause hatte ich Tara kennengelernt, eine Ärztin aus Prag. Ab


sofort teilten wir unser Leid. Wann immer die Hauptdarstellerin


– in quälendem Liebesschmerz befangen – nach vorn an die


Rampe trat, um ihr Elend mittels kreischender Kopfstimme aus


sich herauszuquetschen, hielten wir uns gegenseitig die


Ohrmuscheln zu.
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Die Todeswallfahrt oder der eisige Penis (Pahalgam, Indien)
05.03.2026
38 Minuten
Aus ganz Indien sind sie gekommen: nach Pahalgam, nahe dem Himalaya, dem Ausgangspunkt der Wallfahrt. Seit einer Woche bin ich hier, um mich mit all den anderen, den so vielen, vorzubereiten: auf die 50 Kilometer hinauf in 4500 Meter Höhe, auf staubige Hitze und eisigen Wind, auf Schnee und Gletscher.


Mich treibt es zu den Sadhus, den »heiligen Männern«, die ihre Familien verließen, ihren Beruf, ihren Besitz. Nackt oder in Fetzen verbringen sie ihr Leben. Auf der Suche nach Erlösung, nach dem Ende aller Wiedergeburt. Der Marsch wird ihnen guttun, sagen sie. Ist er doch ihrem Gott, Lord Shiva, geweiht. Seine Nähe wird ihr Glück vermehren, wird sie geduldig machen. Auch um ihr armseliges Dasein zu ertragen.


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Die schiefsten Typen der Stadt (New Orleans)
16.02.2026
27 Minuten
KALDI‘s


     


Ich gehe ins Kaldi's, einem der abgerisseneren Cafés in


Lousiana. Obwohl New Orleans sich im bigottesten, 


stirnackigsten, judenfeindlichsten, homophobischten und


innigst Schwarze verachtenden Bundesstaat Amerikas


befindet, hat sich die Stadt selbst - dank seiner 


internationalen Geschichte - ein gehöriges Mass an Frechheit


und Toleranz bewahrt.
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Ich bin der, der von Leichtigkeit nichts weiß
18.01.2026
27 Minuten
An jedem Ende des Jahres ziehe ich Bilanz, notiere die


gelungenen Taten und die anderen, die auf den


Holzweg führten. Und die unentschiedenen, die, für die


noch kein Ergebnis vorliegt. Die Freude bringen oder


Tränen. Wunderlicherweise gebe ich nie auf. Das hat


etwas Rührendes.


Zuletzt, ganz unten, am Fuß der jährlichen


Abrechnung, steht: „Désirs“. Das sind meine Vorsätze,


meine Sehnsüchte für die kommenden zwölf Monate.


Von den banalsten Dingen – Teppichboden legen und


Dusche neu streichen lassen – über die eher


anstrengenderen – das Buch beenden und den


vermaledeiten Rücken heilen – bis hin zur Mutter aller


Sehnsüchte: Leichtigkeit.
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Über diesen Podcast

Autor Andreas Altmann ist ein ständig durch die Welt reisender Reporter – der sich gerne faszinieren lässt von den Menschen, die er unterwegs trifft. Hier erzählt er mit viel Herzblut von den Menschen, die ihn besonders beeindruckt haben.
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