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Episoden
22.12.2025
12 Minuten
Bosnien und Herzegowina, Juli 1995: Innerhalb von 5 Tagen werden
in Srebrenica über 8.000 bosnisch-muslimische Jungen und Männer
ermordet, obwohl die Stadt zu dieser Zeit UN-Schutzzone ist. Über
20 Jahre später begaben sich Fotograf Armin Smailovic und
Regisseur Branko Šimić, beide aus Bosnien und Herzegowina, mit
ihrem dokumentarischen Theaterprojekt auf Spurensuche. Entstanden
ist eine minimalistische Theaterkomposition im Spannungsfeld
Opfer – Täter – Zuschauer.
Srebrenica – "I counted my remaining life in seconds …" basiert
auf den Biografien von drei Männern: Ein Überlebender des
Völkermords, einer der Hauptzeugen vor dem Den Haager Tribunal,
ein holländischer UN-Soldat, der 1995 in der Stadt stationiert
war, und ein Soldat der bosnisch-serbischen Kommandoeinheit, der
heute mit komplett neuer Identität lebt.
Der Fotograf Armin Smailovic hat die Biografien der Zeugen in
tausenden von Fotografien nacherzählt, die die ästhetische Basis
des Projekts bilden. Smailovic führte persönliche Interviews;
Protokolle der Aussagen in Den Haag komplettieren die
Materialsammlung. Srebrenica ist ein Projekt zwischen
Berichterstattung, persönlichem Schicksal und politischer
Metaebene, das die Dimension des größten Kriegsverbrechens in
Europa seit dem Zweiten Weltkrieg auf die Bühne bringt und seine
fatalen Folgen für die politische Welt(un)ordnung der inzwischen
letzten 30 Jahre beleuchtet. Mit dem Engagement von Jens Harzer
übernimmt das Berliner Ensemble die erfolgreiche Produktion vom
Thalia Theater Hamburg ins eigene Repertoire.
Mehr Informationen und Karten erhalten Sie hier:
https://www.berliner-ensemble.de/inszenierung/srebrenica
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22.12.2025
14 Minuten
Sibylle Bergs neues Stück spielt in einer Zukunft, die sich
beunruhigend wie unsere Gegenwart anfühlt. Als in Europa ein
Krieg zwischen Liechtenstein und Luxemburg ausbricht und mobil
gemacht wird, dämmert es auch einem zum Wehrdienst eingezogenen
Ingenieur langsam: Vielleicht war die eigene Queerness nie in
Einklang mit dem Job in der Rüstungsindustrie zu bringen.
Irgendwo im Schutz vor den nächsten Detonationen beginnt er zu
forschen: nach der Textur des Denkens, die unsere Welt sein soll.
Sibylle Bergs Text ist ein zarter Monolog über die Verzweiflung
an unserer Gegenwart – einer Gegenwart, deren Diskurse wie ein
Motor im Leerlauf unendlich vor sich hin rotieren – und über die
Angst vor den wiederkehrenden Militarisierungstendenzen in
unserer Gesellschaft. Inspiriert von der Fotografie "Fieldwork"
des kanadischen Künstlers Jeff Wall nimmt Sibylle Berg an der
Abbruchkante unserer Epoche Platz. Mit Musik. Und ein bisschen
Stille.
Mehr Informationen und Karten erhalten Sie hier:
https://www.berliner-ensemble.de/inszenierung/ein-wenig-licht-und-diese-ruhe
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17.12.2025
16 Minuten
Welche Erzählungen landen im Archiv, welche vergessen wir lieber?
Wie umgehen mit den schmerzhaften Kapiteln der eigenen
Lebensgeschichte? Mit den Episoden, die du lieber tief unten im
Karton lässt, obwohl du ohne sie nicht wärst, wer du heute bist?
In ihrem Memoir "Das Archiv der Träume" hat Carmen Maria Machado
darauf eine Antwort gefunden: Sie erzählt von der
Literaturstudentin Carmen, die sich die Deutungshoheit über ihre
von Gewalt und Manipulation geprägte Beziehung zur
charismatischen, unberechenbaren 'Frau im Traumhaus'
zurückerobert. Spielerisch springt Machado zwischen den Genres,
errichtet das Traumhaus ihrer Erinnerung immer wieder neu – als
Liebesroman, Beichte, Spionagethriller oder Selbsthilfe-Ratgeber
–, um es sogleich wieder einzureißen. Sie räumt auf mit dem
Klischee von der lesbischen Liebesgeschichte als heiler Utopie:
"Ich trage ins Archiv ein, dass häusliche Gewalt zwischen
Partner*innen mit der gleichen Geschlechtsidentität möglich und
nicht unüblich ist. Ich werfe den Stein meiner Geschichte in eine
gewaltige Schlucht und ermittle das Ausmaß der Leere anhand des
leisen Aufschlags."
Weitere Informationen und Karten für "Das Archiv der Träume"
erhalten Sie hier:
https://www.berliner-ensemble.de/inszenierung/das-archiv-der-traeume
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01.12.2025
8 Minuten
Anfang 2020 zog die deutsch-palästinensische Journalistin Alena
Jabarine für drei Jahre nach Ramallah und begab sich auf ihre
Suche nach "Palästina". Was bleibt von den sorglosen Erinnerungen
ihrer Kindheit, den Sommernächten in Umm Al-Fahem, Haifa und
Jaffa? Wie lebt es sich in einem Land, das von sichtbaren und
unsichtbaren Grenzen durchzogen ist, für die Menschen auf der
einen Seite und für die auf der anderen? Und was lässt sie, trotz
allem, an ihrem Land festhalten? In "Der letzte Himmel" erzählt
Alena Jabarine Geschichten von ihrem Alltag an einem Ort, über
den viel gesprochen wird, den jedoch die wenigsten kennen. Sie
nimmt uns mit durch die kühlen Gassen Jerusalems, in überfüllte
Schönheitssalons in Ramallah, auf die Dächer der Flüchtlingscamps
in Bethlehem. Sie erzählt von Gewalt und Menschlichkeit, von
Verlust und Solidarität, von Geduld und Hoffnung, um eine
Realität zu bewahren, die tief in palästinensisches Leben blicken
lässt – und deren Vergänglichkeit gerade in diesen Tagen
besonders spürbar ist.
Weitere Informationen und Karten für "Der letzte Himmel" finden
Sie hier:
https://www.berliner-ensemble.de/inszenierung/der-letzte-himmel
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27.11.2025
16 Minuten
Marseille 1940. Tausende stranden auf der Flucht vor den Nazis in
der französischen Hafenstadt. Gefangen in einem aufreibenden
Wartezustand und der permanenten Angst vor Razzien geht es weder
vor noch zurück. Auf den Konsulaten der Stadt beginnt ein
Wettlauf um Papiere: Visa, Transit, Passierschein… nur wenn alles
vollständig ist, besteht Hoffnung auf eine Schiffspassage raus
aus Europa. In den Wirren der Flucht fallen dem jungen Seidler
die Papiere eines Toten in die Hände. Aus Seidler wird Weidel –
zumindest auf dem Papier. Als Seidler auf Marie trifft, die
zusammen mit einem deutschen Arzt geflüchtet ist, verliebt er
sich – ohne zunächst zu ahnen, dass Marie noch immer auf der
Suche nach ihrem verschollenen Mann ist. Anna Seghers hat mit dem
stark autobiografisch beeinflussten Roman "Transit", der 2018
prominent von Christian Petzold verfilmt wurde, nicht nur eines
der wichtigsten Werke der deutschen Exilliteratur geschrieben,
sondern auch eine Liebesgeschichte unter liebesfeindlichen
Umständen.
Karten und weitere Informationen zu "Transit" finden Sie hier:
https://www.berliner-ensemble.de/inszenierung/transit
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Über diesen Podcast
Hintergrundinformationen und Einführungsgespräche zu unseren
Theaterproduktionen und Aufzeichnungen spezieller
Sonderveranstaltungen: Auf dem Podcastkanal des Berliner
Ensembles bieten wir Ihnen zu ausgewählten Produktionen
Audio-Einführungen unserer Dramaturg:innen und der Digitalen
Redaktion mit Informationen zum Stück und zur Inszenierung, mit
Hintergrundinformationen und Fährten für die eigene
Interpretation an. So können Sie sich bequem und einfach zuhause
auf die Vorstellung einstimmen oder das Gesehene im Nachhinein
reflektieren.
Schickt uns Euer Feedback zum Podcast per Mail an
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den Social-Media-Kanälen unter dem Hashtag #BEpodcast.
Ein Podcast der Berliner Ensemble GmbH
Sprecher:innen & Redaktion: Sibylle Baschung, Amely Joana
Haag, Florian Hofmann, Johannes Nölting, Lukas Nowak, Karolin
Trachte, Clara Topic-Matutin. Gast: Lucien Strauch.
Produktion: Digitale Redaktion & Tonabteilung
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