Podcaster
Episoden
30.12.2025
1 Stunde 36 Minuten
Wie hören wir Musik? Jeder Mensch in jeder Situation, an jedem
Tag, bei jedem Wetter, an jedem Ort auf unterschiedliche Weise.
Dies gilt gleichermaßen für erfindende und ausübende Künstler und
Künstlerinnen wie auch für Musikhörende, die nicht beruflich mit
der Musik verbunden sind. Die Voraussetzungen und die
Verfasstheit im Augenblick prägen maßgeblich den Zugang und die
Rezeption des Musikhörens. In drei Episoden sprechen Hartmut
Leistritz und Astrid Schmeling mit einem Komponisten, einer
Sängerin / Composer - Performer und einem begeisterten Musikhörer
/ Laienpianisten über ihre jeweils charakteristische Art, Musik
aufzunehmen.
In der ersten Episode kommt der Hamburger Komponist Michael
Maierhof zu Wort, mit dem sich das Ensemble L'ART POUR L'ART seit
vielen Jahren verbunden fühlt, und der die Gegenwartsmusik mit
seinen vielseitigen Kompositionen bereichert hat. Jenseits von
jeder frühkindlicher Musik-Prägung, als Mathematiker ursprünglich
und interessiert an zeitgenössischer Bildender Kunst, näherte er
sich erst spät mit großer Neugierde und Leidenschaft der Musik
an. Sein Erforschen der Klangerzeugung mit klassischen
Instrumenten, Präparationen und Objekten führt zu einer
faszinierenden Musik.
1956 in Fulda geboren, seit vielen Jahren in Hafennähe von
Hamburg lebend beschäftigt sich Michael Maierhof mit schwingenden
Systemen und mit der Musikalisierung des LED-Lichtes. Forscht
über das Kreisen, Motoren, über Unterton- und
Überdruck-Phänomene. Er studierte Musik und Mathematik in Kassel
sowie Philosophie und Kunstgeschichte in Hamburg. Er gab Lectures
am Trinity College in Dublin, der Musikhochschule Stuttgart,
CalArts Los Angeles, Mozarteum Salzburg, Central Conservatory of
Music in Beijing, Musikhochschule Freiburg, University of
Cordoba/Argentinien, Bruckner Universität Linz, Sibelius Academy
Helsinki, Hochschule für Musik und Theater Hamburg,
Musikhochschule Frankfurt, Universität der Künste Berlin, den
Universitäten Tel Aviv und Haifa, sowie dem Conservatorio
Superior de Musica de Aragon. Er gab ebenso workshops bei den
Darmstädter Ferienkursen und dem Impuls-Festival in Graz.
Mitbegründer des Künstlernetzwerkes "stock11.de” und des Verbands
für aktuelle Musik Hamburg.
Das Gespräch ist eingebettet in Abschnitte von „Bagatellen für
Brahms“ für Violine, Violoncello, Klavier, Flöte, E-Bass und
Percussion, die durch das Ensemble L’ART POUR L’ART 1997 in der
Freien Akademie der Künste Hamburg uraufgeführt wurde. Die
Klangbeispiele entstammen dieser Uraufführung.
Ausführende: Imke Dithmar-Baier (Violine), Anna Carewe
(Violoncello), Hartmut Leistritz (Klavier), Astrid Schmeling
(Flöte), Michael Schröder (E-Bass), Matthias Kaul (Percussion)
„Die Bagatellen für Brahms … bestehen aus mehreren Teilen
unterschiedlicher Länge, die ineinander übergehen. Ich beziehe
mich nicht auf ein brahms’sches Thema, sondern auf den für Brahms
so typischen dickgesetzten, tieffrequenten, basslastigen
Klangraum. Der eingesetzte E-Bass legt, zusammen mit der mit dem
Bogen angestrichenen tiefen a-Saite des Flügels und der
aufgehängten Basstrommel, dicke Bassflächen in den Raum. Die
tieffrequenten Klangräume werden kontrastiert mit den äußerst
hohen Frequenzen der mit Wäscheklammern präparierten Streicher,
bis in die sechs-gestrichene Oktave. Die vom Percussionisten
angestrichenen Plastikbecher klingen bis in die sieben-gstrichene
Oktave; das Klangspektrum bewegt sich also von weniger als 27
Hertz bis fast 20000 Hertz. Die Musiker sind im Raum verteilt;
die Zuhörer sitzen mitten im Klanggeschehen.“ (Michael Maierhof)
https://www.michaelmaierhof.de/
EASY PIECES:
https://vimeo.com/902972454?share=copy&fl=sv&fe=ci
Mehr
06.06.2025
1 Stunde 36 Minuten
Musik breitet sich in Klangräumen aus. Stiebler suchte nach der
Wirkung des Klangs im physikalischen Raum und gleichermaßen im
inneren Raum des Hörers und der Hörerin. Er erforschte den Raum
innerhalb der Musik, den Raum eines Zusammenklangs in seiner
langen Zeit des Fortschreitens, die der Klang braucht, um die
Variabilität seines Raumes auszuloten. Klang ist Rede, sagte
Stiebler, aber kein Geschichtenerzählen. Es liegt Freiheit darin,
unbehelligt von dramatischen Überformungen.
3 Musiker und eine Musikerin sitzen zusammen und sprechen in
dieser Gedenksendung über den Komponisten, der 2024 90 Jahre alt
geworden und am 7. Juni 2024 gestorben ist. Über unterschiedliche
Lebens- und Schaffensperioden hinweg haben sie eine Zeit mit
Ernstalbrecht Stiebler geteilt. Die Klangbeispiele stammen aus
einem Geburtstagsfestival, das die Berliner Musiker Biliana
Voutchkova, Hauke Harder und Tilman Kanitz gemeinsam noch mit
Stiebler kuratiert und ausgerichtet haben.
Hauke Harder
Hauke Harder ist promovierter Physiker und war bis 2000 als
Wissenschaftler tätig.
1989 begann er künstlerisch zu arbeiten, anfangs kompositorisch,
später auch im Bereich der Klanginstallation. Dabei reizt ihn
besonders die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten reiner
Stimmung. Seit 1995 war er Assistent von Alvin Lucier bis zu
dessen Tod 2021.
Tilman Kanitz
Tilman Kanitz ist Musiker, Regisseur, Produzent und Musikkurator
und lebt in Berlin. Er studierte Musik an den Hochschulen
Lübeck, Freiburg und Köln und schloss sein Studium an der
University of Southern California in Los Angeles ab. Er war
Leiter des Solistenensemble Kaleidoskop. In seinen Produktionen
erstellt Tilman Kanitz Klangcollagen aus klassischer und
experimenteller Musik und arbeitet dabei mit Musikern, Tänzern
und Performern zusammen.
Musikbeispiele:
00:18:00 Three Hands for Hauke für Klavier
zu drei Händen (1994)
Hartmut Leistritz und Astrid Schmeling, Klavier
00:42:32 Rezitativ (2024)
Ernstalbrecht Stiebler, Einleitung und Klavier
Christian Kesten, Rezitation
00:54:39 Three in One II für Altflöte,
Klavier und Schlagzeug (2011)
Ensemble L’ART POUR L’ART: Astrid Schmeling, Flöte Hartmut
Leistritz, Klavier Matthias Kaul, Schlagzeug
01:15:58 16.11.2021
Tilman Kanitz, Violoncello Ernstalbrecht Stiebler, Klavier
01:31:08 Der tiefe Klang Vs.
für Stimme und 2 Violoncelli (2023/24)
Dylan Kerr, Stimme Tilman Kanitz und Michael Rauter,
Violoncello
Mehr
28.12.2024
1 Stunde 8 Minuten
Zeit mäandert wie ein Fluss. Nach vorn, dreht, wendet sich
zurück, schlingert in Schleifen um einen angeblichen Punkt herum.
Bei genauer Betrachtung jedenfalls nicht leicht zu greifen oder
gar zu bewerten. Alles eine Frage des physischen und gedanklichen
Standortes. Womöglich auch der Tageszeit, Nachrichtenlage oder
dessen, was gerade zu erleben war.
Eine behutsam mäandernde Gedankenfahrt ins Unbekannte mit dem
Komponisten Michael Reudenbach und den Mitgliedern des Ensemble
L’ART POUR L’ART, Hartmut Leistritz und Astrid Schmeling, über
Kunst in unserer Jetzt-Zeit, über Neugierde und den Zweifel an
schnellen Einordnungen.
Biographie Michael Reudenbach:
Michael Reudenbach wurde 1956 in Aachen geboren. Nach dem
Schulabschluss absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum
Bundesbahnassistenten, bevor er von 1976–1982 in Aachen
Kirchenmusik und von 1982–1986 in Köln Komposition bei Joachim
Blume und Musiktheorie bei Dieter Gostomsky studierte. Ergänzende
Kompositionsstudien führten ihn 1986–1987 zu Denis Cohen nach
Paris. Gleichzeitig beschäftigte er sich mit der
Aufführungspraxis Alter Musik und ist seitdem als Interpret und
Herausgeber vorwiegend von Musik des 17. Jahrhunderts tätig.
Er war 1990–1991 Stipendiat der Akademie Schloss Solitude
Stuttgart, 1992 der Cité Internationale des Arts Paris und 1999
der Heinrich-Strobel-Stiftung des SWR. Von 1999–2016
unterrichtete er Musiktheorie an der HfM Karlsruhe. 2005 war er
Gastdozent für Komposition an der Stuttgarter Sommerakademie
Schloss Solitude und 2006 bei den Darmstädter Ferienkursen.
Zwischen 2012–2015 übernahm er Vertretungsprofessuren für
Komposition an den Musikhochschulen Dresden und Stuttgart und war
von 2016–2022 an der HfMDK Frankfurt am Main Professor für
Komposition/Musiktheorie.
Kompositionsaufträge erhielt er u. a. von der Kunststiftung NRW,
der Münchener Biennale, vom hr, SWR und WDR. Die Interpretenliste
seiner Werke reicht vom Ensemble Aventure über l'art pour l'art,
dem Solistenensemble Kaleidoskop, der Schola Heidelberg bis hin
zum Klangforum Wien und dem Ensemble Intercontemporain Paris.
Seine bei der Berliner Edition RZ erschienene Portrait-CD
»Szenen, Standbilder« wurde mit einem Preis der deutschen
Schallplattenkritik ausgezeichnet.
www.michaelreudenbach.de
00:18:12 Michael Reudenbach: Zählergesang (Ausschnitt) - Ensemble
l'art pour l'art (CD: 'Szenen und Standbilder', parallèle: ed. rz
10021-22)
00:34:48 M. Reudenbach: Zählergesang (Ausschnitt)
00:48:28 M. Reudenbach: Mirlitonnades (Ausschnitt) -Astrid
Schmeling, Piccoloflöte (CD: 'stimmhaft voiced' arts 8113 2)
Mehr
20.11.2024
1 Stunde 6 Minuten
Wo hält sich Musik überall versteckt? Wo klingt es, ohne dass man
bisher Notiz davon genommen hatte? Was erzählen sich Tiere?
Verborgen in Objekten, Tönen, sozialen Situationen,
gesellschaftlichen Entwicklungen spricht Musik zu uns oder ETWAS
kann zu Musik geformt werden. Und wenn es zunächst nicht als
Musik erkannt wird, gleicht es doch nach einigem Hinhören dem
Wesen von Musik….
Ein Gespräch zwischen dem Komponisten* Neo Hülcker und den
Mitgliedern des Ensemble L’ART POUR L’ART, Hartmut Leistritz und
Astrid Schmeling, über Neugierde, Überraschung und den schrägen
Blick / das schräge Ohr auf die Welt.
Bio:
Neo Hülcker
Neo Hülcker ist ein Komponist – Performer, dessen Fokus auf
Musik als anthropologische Untersuchung in alltäglichen
Lebensumgebungen liegt. Seine Kompositionen nehmen meist in Form
von Situationen, Performances, Installationen, Videos, Aktionen
und Interventionen Gestalt an und beschäftigen sich mit
digitalen Praxen (wie z.B. ASMR), Kindheit,
Tier-Mensch-Beziehungen, queeren Handlungsweisen und kulturellem
Hacking. Hülcker studierte Komposition bei Dieter Mack und
Harald Muenz an der Musikhochschule Lübeck und bei Manos
Tsangaris und Franz Martin Olbrisch an der Hochschule für Musik
Carl Maria von Weber Dresden. Er ist Mitglied des
Y-E-S-Kollektivs, welches künstlerische Arbeiten
veröffentlicht, die sich u.a. mit Performativität,
Zeitlichkeit, Klang als physischer Erfahrung und kulturellen
Rahmungen auseinandersetzen.
www.neohuelcker.de
00:05:57 aus unserem Film 'Notturno mit Gewächshaus
und abwesendem Ensemble'
00:11:28 Neo Hülcker: Konzert für Stimme im
Stimmbruch -Teil 1-
00:13:55 Neo Hülcker — *ASMR* contemporary music
ensemble [m/ score]
00:19:39 Meleagris Henricus Wildus: Performance for
the film premiere in Fortuna Wetten.
00:28:24 Stellan Veloce & Neo Hülcker: Ear Action
00:31:55 Matthias Kaul & Neo Hülcker: Studie 2b 11.5.2019
15:07-15-57
00:42:12 aus: 'Notturno...'
00:47:01 aus: 'Notturno...'
00:49:41 aus: 'Notturno...'
00:53:42 Neo Hülcker: Mitarbeit – Nacharbeit (2013/2020) UA
– 30 Jahre Klangwerkstatt Berlin. Das Online-…
01:02:01 Schnauben
01:06:00 aus: 'Notturno...'
https://vimeo.com/732413887/79db8f002f
Mehr
22.03.2024
1 Stunde 7 Minuten
Entsteht Mode aus dem Zeitgeist? Beeinflussen beide den
schöpferischen Musiker? Welche Werke leben länger?
Hilft die Suche nach dem Einhorn?
Gordon Kampe begegnet im Gespräch mit Astrid Schmeling und
Hartmut Leistritz den Fragen mit Witz und Scharfsinn.
Gordon Kampe wurde 1976 in Herne geboren. Nach
einer Ausbildung zum Elektriker, Kompositionsstudium bei
Hans-Joachim Hespos, Adriana Hölszky und Nicolaus A. Huber.
Außerdem Studium der Musik- und Geschichtswissenschaften in
Bochum. Mehrfache Auszeichnungen, darunter der Stuttgarter
Kompositionspreis (2007 und 2011), einen Komponistenpreis der
Ernst-von-Siemens-Musikstiftung (2016), den Rom-Preis (Villa
Massimo) sowie den Schneider-Schott-Preis (2016). Er erhielt u.a.
Stipendien der Berliner Akademie der Künste und Arbeitsstipendien
für die Cité des Arts Paris, die Künstlerhöfe Schreyahn,
Schöppingen, die Villa Concordia sowie für das
SWR-Experimentalstudio. 2008 Promotion mit einer Arbeit über
Märchenopern im 20. Jhdt. 2012-2017 war Kampe gewähltes Mitglied
der Jungen Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der
Wissenschaften/Leopoldina und ist seit 2017 Professor für
Komposition/Musiktheorie, ab 2020 Professor für Komposition an
der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Kampe ist
Mitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg. Er ist
Mitherausgeber der Zeitschrift Seiltanz - Beiträge zur Musik
der Gegenwart.
Kapitel:
00:13:25 Beobachtungen als Lehrer
00:20:56 Die Suche nach dem Einhorn
00:30:06 Neue Musik ist, was in Donaueschingen
gespielt wird
00:39:40 Orientierung und Neukalibrierung
00:47:34 Kollektive Intelligenz
00:55:55 Was die Musik alles leisten muss
Mehr
Über diesen Podcast
Seit 40 Jahren in den Gefilden der gegenwärtigen Kunstmusik
unterwegs erzählen die Musiker*innen des Ensembles L’ART POUR L’ART
von ihrer Entstehungsgeschichte, von ihrer Arbeit, sprechen mit
Komponist*innen über vergangene und aktuelle Gegenwarten und lassen
die Zuhörer*innen teilhaben am Geschehen hinter der Bühne. Was
geschieht alles in der Vorbereitung, das das Publikum im Konzert
oder beim Musikhören zu Hause nicht ahnt! Ein Podcast über Musik,
Nebenräume, Gedanken, Hintergründe und die Prozesse im
Musikerleben. Das Ensemble L´ART POUR L´ART gehört zu den
eigenwilligsten Formationen und ist eines der bedeutenden Ensembles
für zeitgenössische Musik. L´ART POUR L´ART umfasst einen festen
Kreis von Musikern, die je nach erforderlicher Besetzung in
unterschiedlichen Konstellationen oder solistisch arbeiten. In
weltweiter Konzerttätigkeit, in der Zusammenarbeit mit Komponisten
auf internationaler Ebene, in unzähligen Ur- und Erstaufführungen,
in hochgelobten CD-Einspielungen, Rundfunkproduktionen und
Audiovisuals, umfasst die Arbeit vielseitige Genres und Ästhetiken.
L’ART POUR L’ART wurde u.a. mit Preisen der PwC-Stiftung, des Preis
der deutschen Schallplattenkritik (Bestenliste und Jahrespreis) und
dem Echo Klassik ausgezeichnet. 1998 gründete sich der Verein, um
die Arbeit des Ensembles zu unterstützen: Förderung des
Musikschaffens durch Vergabe von Kompositionsaufträgen,
Veranstaltung der Konzertreihe "ZuHören in Winsen",
interdisziplinäre Kultur-Aktivitäten, pädagogisch-künstlerische
Projekte mit Kindern und Jugendlichen. Nach dem Tod von Matthias
Kaul 2020 obliegt die Künstlerische Leitung des Ensembles der
Flötistin Astrid Schmeling und dem Pianisten Hartmut Leistritz.
Konzept und Gesprächsleitung: Astrid Schmeling und Hartmut
Leistritz Dramaturgie und Schnitt: Hartmut Leistritz, Fotos: Astrid
Schmeling, Mitarbeit: Ulf Mummert Kontakt: lpl-podcast@gmx.de
Kommentare (0)