Wenn wir in Not geraten, hoffen wir, dass wir gerettet werden.
Auf der Unteren Havel in Berlin, direkt am Wannsee, sorgen
Ehrenamtliche der Berliner DLRG im Sommer jedes Wochenende dafür,
dass kein Unglück unbeobachtet bleibt. Deswegen beginnt unsere
heutige Folge auch mit einer Fahrt im Rettungsboot: Lene, Sven
und Patrick bringen uns damit zu ihrer Wasserrettungsstation, die
man ansonsten nur schwimmend erreichen könnte. Macht schon Spaß,
so eine kleine Spritztour! Und auch die drei sind bester Dinge.
Zum Glück gab es heute noch keinen Einsatz, und so zeigen sie uns
voller Begeisterung ihre Station. Alle drei sind anderweitig voll
berufstätig, für die DLRG arbeiten sie ehrenamtlich - und
verbringen hier an den Sommerwochenenden nicht nur ihre Tage,
sondern übernachten auch in dreistöckigen Etagenbetten. Denn auch
nachts können sie per Funk jederzeit alarmiert werden.
Man muss sich schon sehr gut verstehen, um es auf diesem engen
Raum miteinander auszuhalten, aber das tun die drei offenbar. Oft
haben sie zudem Verstärkung und das ist auch gut so: 13 Menschen
sind in diesem Jahr bereits in Berliner Gewässern ertrunken, zum
Glück keiner in ihrem Einsatzgebiet.
Aber natürlich kann jederzeit was passieren. Doch während wir
ganz aufgeregt auf die Surfer deuten, die bereits minutenlang im
Wasser liegen, bleiben die drei völlig cool. Sie haben
mittlerweile ein Auge dafür, wann jemand tatsächlich in Not ist
oder im Wasser einfach mal eine Pause braucht. Patrick kennen wir
ja schon aus unserem Rettungsschwimmerkurs, er hat seit vielen
Jahren Erfahrung in der DLRG und ist zudem
Ausbildungs-Rettungsschwimmer. Sven ist der Leiter Einsatz und
Lene die Jugendvorsitzende der DLRG Friedrichshain-Kreuzberg.
Sie hatte gerade erst am letzten Wochenende einen Einsatz, da
wurde eine Person am Ufer vermisst, die dann aber
glücklicherweise wieder aufgetaucht ist. Das sei schon immer
aufregend, aber noch dramatischer findet Lene es, wenn im Wasser
Personen vermisst werden, dann zählt wirklich jede Sekunde.
Sven ist als Leiter Einsatz dafür verantwortlich, dass die
Technik funktioniert, veranlasst entsprechende Reparaturen und
sorgt dafür, dass die Wasserrettungsstation immer mit genügend
Menschen besetzt ist. Das ist nicht immer einfach, leider zeigt
sich auch hier ziemlich deutlich der Nachwuchsmangel. Da ist es
schon praktisch, dass alle gut befreundet sind und gern ihre Zeit
miteinander verbringen. Außerdem finden hier regelmäßig
Jugendeinsatzteam-Tage statt, um Jugendliche für die DLRG zu
begeistern - da kommt auch schon mal jede Menge Kunstblut zum
Einsatz!
Was an so einem Wochenende los sein wird, ist nie wirklich
abzusehen. Bei viel Wind gibt es mehr Segelboot-Unfälle, an
heißen Tagen eher vermisste Personen, erzählen die drei.
Schließlich ist die Crew auf der Wasserrettungsstation
Rettungsdienst, Feuerwehr und ADAC zugleich. Von Personensuche,
medizinischen Notfällen bis hin zum Motorschaden ist alles
möglich. Koordiniert werden die Einsätze von der DLRG-Leitstelle.
Die wiederum wird von der Feuerwehr informiert wird, wenn die
DLRG mit dem Boot einfach schneller vor Ort sein kann,
beispielsweise an der Pfaueninsel, wo kein Auto hinkommt.
Um hier im Einsatz zu sein, braucht einen Rettungsschwimmerschein
und eine Zusatzausbildung für offene Gewässer. Außerdem muss
immer ein ausgebildeter Bootsführer dabei sein, der dann auch den
Einsatz vor Ort koordiniert. Und es braucht Leidenschaft: Fürs
Schwimmen, für Menschen und vor allem dafür, ehrenamtlich für
andere da zu sein!
Transparenzhinweis: Auch wir sind (passive) Mitglieder der DLRG.
Wir sind eingetreten, als wir den Rettungsschwimmer-Kurs gemacht
haben, anders wäre das nicht gegangen. Aber wir sind Mitglieder
geblieben - weil wir es ausgesprochen wichtig finden, dass es
diese Organisation gibt!
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