In 60 Tagen 2.600 Kilometer durch 10 Länder schwimmen - das ist
wohl für die meisten von uns völlig unvorstellbar. Der
Extremschwimmer Joseph Heß aus Dresden hat das gemacht - (fast)
von der Quelle der Donau bis zum Schwarzen Meer.
Gestartet ist Joseph am 4. Juli durch den zweitlängsten und
zweitgrößten Fluss in Europa. Für den 39jährigen war das aber
nicht das erste Mal, dass er sich einer solchen Herausforderung
stellt: 2016 hat der promovierte Wirtschaftswissenschaftler
bereits die Straße von Gibraltar durchquert, 2017 ist er 620
Kilometer die Elbe entlang geschwommen - also quasi auch an
seiner Haustür vorbei - 2022 hat er es dann mit dem Rhein
aufgenommen, das waren dann schon 1300 Kilometer.
Damit will er längst nicht mehr nur beweisen, was man alles
schaffen kann - Joseph geht es auch darum zu zeigen, dass wir
mehr Bewusstsein für den Gewässerschutz entwickeln müssen. Das
hat er beim Schwimmen durch die Donau auch selbst ganz hautnah
erfahren: Unfassbar viel Schrott liegt in dem Fluss, sodass er
vor allem dort, wo der Wasserstand niedrig war, sehr aufpassen
musste, nicht daran hängen zu bleiben. In Belgrad, wo das
Abwasser ungefiltert in die Donau geleitet wird, schwamm er durch
Fäkalien und anderen Dreck. Bloß nicht aus Versehen einen Schluck
Wasser nehmen!
Diesen Teil der Strecke hat er zum Glück ziemlich unbeschadet
überstanden - bis auf eine Infektion des Ohres, die ihm dann am
Ende doch ziemlich zu schaffen gemacht hat. Und der Fußpilz, der
erst danach richtig abheilen konnte. Wundgeriebene Stellen durch
den Neopren-Anzug sind dagegen für ihn nicht weiter wild - „Ich
hab jetzt drei Narben mehr, was soll´s“, für ihn letztendlich
eine Lapalie. Viel wichtiger war ihm, dass er bei seiner Tour
durch die Donau auch wissenschaftlich begleitet wurde, untersucht
wurde die Belastung mit Mikroplastik entlang der Strecke, die
Ergebnisse stehen bislang noch aus.
Rund 50 Kilometer ist Joseph jeden Tag geschwommen - ohne sein
Team wäre das nicht möglich gewesen. Begleitet wurde er unter
anderem von dem Wildwasserexperten Thorsten, der auch schon beim
Schwimmen durch den Rhein dabei war, von Dani, die sich um das
Essen gekümmert hat und Monica, die den Begleit-Caravan an Land
gesteuert und für die Sicherheit gesorgt hat. Gefilmt wurde
Joseph zudem auf der ganzen Strecke von dem Filmemacher Markus
Weinberg. Und Joseph hat jeden Tag auf seinem Instagram-Account
von der aktuellen Strecke berichtet.
Jeden Tag rund 35.000 Armzüge, jeden Tag ein Verbrauch von 8.000
bis 10.000 Kalorien - das muss man erstmal durchhalten. 15
Kilogramm hatte Joseph vorher zugelegt, um diese Strapazen zu
überstehen. Richtig Angst hatte er, als an der ukrainischen
Grenze plötzlich Drohnenalarm zu hören war. Passiert ist ihm zum
Glück nichts, es hätte aber auch anders kommen können. Schon sehr
schade fand er, dass er zu wenig Zeit hatte, auch mal mit den
Menschen am Rande des Flusses zu sprechen. Aber nach 10 Stunden
im Wasser fehlte am Ende dann doch die Energie.
Trotzdem ist er froh, dass er es geschafft hat und am 01.
September ins Schwarze Meer springen konnte. Dass ihn seine
Partnerin Stefanie rückhaltlos unterstützt, hilft ihm bei seinen
Unternehmungen sehr. Das nächste Projekt hat er auch schon im
Auge: Einmal durch den Ärmelkanal schwimmen. Dann aber ohne
Neopren, nur mit Kappe, Badehose, Schwimmbrille - und Vaseline.
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