In der Schwimmgemeinde geht die Trauer um: Nach und nach schließt
ein Freibad nach dem anderen, die Sommersaison neigt sich dem
Ende zu. Ausgerechnet jetzt bieten Bäder in Deutschland
Hundeschwimmen an. Doch worauf sich die einen schon das ganze
Jahr freuen, sorgt bei anderen für großen Missmut: Hunde? Euer
Ernst? Lasst doch lieber die Menschen länger schwimmen!
Wir sind für diese Folge ins Sommerbad Staaken-West gefahren,
denn zum zweiten Mal überhaupt bieten auch die Berliner
Bäderbetriebe Hundeschwimmen an. Doch während eine von uns sich
bereits am Eingang vor Begeisterung kaum einkriegt, bleibt die
andere erstmal skeptisch. Was nicht nur, aber auch mit ihrer
latenten Angst vor Hunden zu tun hat.
Zurück zum Eingang - hier wird erstmal kontrolliert, ob für den
mitgebrachten Hund ein aktueller Impfausweis und eine gültige
Haftpflichtversicherung vorliegt, sonst kommt der Vierbeiner gar
nicht erst rein. Der Eintritt wird nach der Anzahl der Beine
berechnet: Hunde kosten vier, Menschen zwei Euro. Auf der großen
Liegewiese dann ein einziges Gerenne und Gejage - aber alles
total spielerisch, kein Hund bellt, alle tollen munter umeinander
herum. Was sicher auch daran liegt, dass hier kein Hund an die
Leine muss. Freie Bahn!
Die beiden Schwimmbecken dahinter sind ebenfalls ungeleint, hier
passt kein Rettungsschwimmer drauf auf, dass niemand untergeht.
Dafür müssen Frauchen und Herrchen schon selber sorgen. Die Hunde
reagieren sehr unterschiedlich auf dieses ungewohnte Event:
Während sich die eine mit gewagtem Sprung direkt ins Wasser
stürzen, umrunden andere erstmal skeptisch mehrfach das Becken
und halten allenfalls eine Pfote ins Wasser.
Vizsla-Besitzerin Moni hat sich schon lange auf das
Hundeschwimmen gefreut. Sie geht mit ihrem Hund Kalle zwar auch
sonst regelmäßg in den See, aber hier habe er einfach noch sehr
viel mehr Spaß, vor allem wegen der vielen anderen Hunde. Und in
der Tat: Während sie erzählt, stürzt sich Kalle zusammen mit
seinem Hundefreund Balou ein ums andere Mal ins Wasser,
apportiert Spielzeug oder Bälle und man hat fast den Eindruck, er
würde vor Freude strahlen.
Hundeschwimmen-Organisatorin und Meisterin für Bäderbetriebe
Jennifer Heide freut sich darüber, dass das Event so großen
Anklang findet. Sie versteht aber auch die Skeptiker. Umso
wichtiger ist es ihr, klarzustellen, dass niemand wegen des
Hundeschwimmens auf einen Freibadbesuch verzichten muss. Das
Badpersonal sei schon längst mit der so genannten Auswinterung
beschäftigt und stünde als Aufsicht gar nicht mehr zur Verfügung.
Das Wasser ist zudem nicht mehr gechlort, sonst wäre es auch für
die Hunde gar nicht verträglich. Auch sei es überhaupt nicht
eklig, wenn Hunde ins Beckenwasser gehen: Das wird nämlich nach
dem Hundeschwimmen komplett abgelassen und die Fliesen gründlich
gereinigt - ein Vorgang, der am Ende der Saison ohnehin fällig
wird. Außerdem: „Auch Hundebesitzer:innen sind unsere Kunden. Und
wir freuen uns, dass wir ihnen einmal im Jahr ein ganz spezielles
Angebot machen können.“ In Berlin dieses Jahr übrigens noch
dreimal: am 12., 13. und 19. September.
In deutschlandweit über 70 Orten wird mittlerweile Hundeschwimmen
am Ende des Sommers angeboten, Berlin ist da absolut kein
Vorreiter. Oft wird in den Bädern dann die Gelegenheit genutzt,
Spenden für das regionale Tierheim zu sammeln. Auch in Ländern
wie der Schweiz oder in Großbritannien findet am Ende der
Sommersaison Hundeschwimmen in öffentlichen Bädern statt.
Spanien, Italien oder Belgien gehen noch ein Stück weiter: Hier
gibt es sogar spezialisierte Hunde-Wasserparks oder ganzjährige
Doggy-Pools.
Die Skeptikerin von uns beiden findet das Hundeschwimmen im
Sommerbad Staaken-West am Ende auch ganz amüsant. Ja, sicher -
den Geruch von nassem Hund muss man mögen. Aber die Toiletten
sind beim Hundeschwimmen deutlich sauberer, als wenn Menschen im
Bad ihre Bahnen ziehen!
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