Sie wird dafür gefeiert, dass sie über 6 Minuten die Luft
anhalten kann - das allein findet Anna von Boetticher allerdings
ziemlich öde. Dass ihr diese Fähigkeit allerdings den Zugang zu
spannenden neuen Welten verschafft, ist für sie sie immer wieder
Herausforderung und Faszination zugleich.
Wir treffen Anna von Boetticher in einem Café in Kreuzberg und
spüren von Anfang an die Energie, die sie ausstrahlt. Bereits im
Alter von 17 machte sie ihren ersten Tauchschein. Zum Freitauchen
- also ohne Gasflaschen - kam sie allerdings erst 20 Jahre
später. Innerhalb weniger Monate entwickelte sie sich seit 2007
zur Spitzenathletin und stellte im so genannten Apnoetauchen
bereits im ersten Jahr mehrere Rekorde auf. Mittlerweile ist sie
Deutschlands erfolgreichste Apnoetaucherin und taucht mit nur
einem Atemzug weit über 100 Meter tief.
Und das, obwohl die auch als Waterwoman bekannte gebürtige
Münchnerin dafür körperlich keineswegs ideale Voraussetzung
mitbringt. Ihre Lunge ist rund 25 Prozent kleiner als bei den
meisten anderen Menschen, zudem lebt sie mit einer
Autoimmunerkrankung.
Aber auch im Gespräch ist immer wieder spürbar - Anna hat nicht
nur jede Menge Energie, sondern auch einen sehr starken Willen.
Sie ist so fasziniert von der Welt unter Wasser, vom Tauchen, von
den Begegnungen mit den Lebewesen im Meer, dass sie einfach immer
wieder hin muss. Für sie ist klar: Erfolg ist weniger eine Frage
außergewöhnlicher Talente. Vielmehr brauche es Neugierde,
Training, Konzentration - und den bewussten Umgang mit Angst.
Den braucht sie auch, denn was Anna wagt, ist außergewöhnlich.
Wenn sie beispielsweise durch Schiffwracks taucht und sehr genau
aufpassen muss, dass sie auch den Ausgang wieder findet. Beim
Eistauchen hat sie tatsächlich mal kurz die Orientierung
verloren, fand unter der geschlossenen Eisdecke nicht auf Anhieb
den Ausstieg.
Solche Momente sind es, die wohl definieren, was Anna ausmacht:
„Nicht die Angst bestimmt, was ich dann tue“, sagt sie. „Sondern
ich bestimme!“. Nicht, dass ihr in solchen Momenten nicht auch
das Adrenalin durch die Adern schießt. Aber selbst dann behält
sie die Übersicht. Und hat auch keine Angst vor Krokodilen,
Blauhaien, Schwefelwolken oder verlassenen Bergwerken.
Neben ihrer Karriere als Leistungssportlerin hält Anna Vorträge
über Stressbewältigung, Konzentration und mentale Stärke. Sie hat
Kampfschwimmer, Minentaucher und Polizeitaucher trainiert. Und
bereits 2019 ein Buch über ihre Erfahrungen geschrieben: „In die
Tiefe“ ist eine Mischung aus Autobiografie, Extremsport-Erzählung
und Motivation. Sie beschreibt darin aber auch ihre Rückschläge,
Ängste und die Bedeutung mentaler Stärke. Wer sie in Aktion
erleben will, sollte sich unbedingt Waterwoman anschauen - in
zwei Staffeln hat die ARD Anna von Boetticher bei ihren Aktionen
begleitet.
Am 16. September 2026 erscheint ihr zweites Buch: „Es ist nie
nichts“ - Gedanken aus der Tiefe über Resilienz und
Entdeckerfreude. Man kann es kaum glauben - aber eine Sache hat
Waterwoman bislang noch nicht gelernt: Kraulschwimmen. Aber wir
sind sicher - das wird noch!
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