Liebesbriefe hat er in diesem Sommer jetzt nicht bekommen, der
Betriebsleiter der Berliner Bäderbetriebe, Ricardo Haas. Aber
nichts gesagt ist bekanntlich genug gelobt und so kann man davon
ausgehen, dass die Mindesttemperaturen von 22 Grad in den
Berliner Freibädern überall Anklang gefunden haben. Mit Schaudern
erinnern wir uns noch an letztes Jahr: Damals lag die
Wassertemperatur im Olympiabad um diese Zeit bei 17 (!) Grad.
Dieses Jahr waren es auch zum Schluss noch wohlige 24 Grad.
Wir haben die angenehmen Temperaturen genossen und tun das immer
noch - denn sieben Freibäder sind mindestens bis Mitte September
geöffnet. Mehr war nicht drin, sagt Ricardo Haas: Die Hallen
müssen wieder in Betrieb genommen werden, das Schulschwimmen
startet und die Vereine legen auch wieder richtig los. Dafür
brauche es Personal, was bis jetzt in den Freibädern eingesetzt
war.
Insgesamt war die Sommersaison aber auch für die Bäderbetriebe
zufriedenstellend, rund 1, 6 Millionen Menschen sind gekommen.
Allein am letzten Juni-Wochenende tummelten sich bei rund 40 Grad
Außentemperatur über 120.000 Menschen in den Berliner Freibädern.
Und vor allem: Es gab den ganzen Sommer keine besonderen
Vorkommnisse, keine Schlägereien, keine Übergriffe - allen
anderslautenden Gerüchten zum Trotz.
Ein bisschen enttäuscht sind wir allerdings davon, wie wenig die
Berliner Bäderbetriebe aus ihrem 30jährigem Jubiläum dieses Jahr
gemacht haben. Es gab ein paar Kinder- und Familienparties, eine
Ticket-Verlosung - aber das war´s dann auch schon. Das eigentlich
geplante 24-Stunden-Schwimmen Ende Oktober in der Schwimm- und
Sprunghalle im Europasportpark (SSE) muss auf nächstes Jahr
verschoben werden, die electronic pool session im Neuköllner
Columbiabad fand gar nicht erst statt. Die Gründe dafür sind
vielfältig, wir hoffen aber, dass es nächstes Jahr dann umso
schöner wird! Aber ein Ereignis in diesem Sommer wollen wir nicht
unerwähnt lassen: Das Mittsommerschwimmen im Insulaner am 21.
Juni. Bereits zum Start um 4:30 Uhr waren viele begeisterte
Menschen da, bis 21:30 war das Bad geöffnet. Mehr davon!
Ein paar gute Nachrichten hat Ricardo Haas auch noch im Gepäck:
Das Paracelsusbad in Reinickendorf soll nun endlich im April 2027
wieder eröffnet werden! Und das Stadtbad Schöneberg macht
hoffentlich auch in diesen Tagen wieder auf. Hier erwartet die
Besucher:innen dann auch in absehbarer Zeit etwas berlinweit
Einzigartiges: Der Einsatz von KI, zur Unterstützung des
Bäderpersonals bei der Überwachung der Wasserflächen - im
fachdeutsch: Anti-Ertrinkungssysteme. Allerdings noch nicht
gleich, die Kameras hängen zwar schon, aber erst muss noch der
Personalrat zustimmen.
Die Sanierung der Neuen Halle in Charlottenburg nimmt ebenfalls
Formen an, die Fertigstellung ist für 2031 geplant. Weniger gute
Nachrichten leider aus Spandau Süd: Es gibt Komplikationen, mit
der Sanierung des Freibads konnte noch gar nicht begonnen werden,
das passiert erst 2027. Und dann muss dort auch noch eine
zusätzliche Halle gebaut werden. Ist die fertig, können die
Wassersport-Vereine vom Sachsendamm dahin umziehen - denn auch
dort muss dringend saniert werden.
Zu Mariendorf wagt Ricardo Haas heute noch gar keine Prognose,
aber das Kreuzberger Spreewaldbad wird hoffentlich Anfang 2028
fertig sein. Und an der Holzmarktstraße hat gerade der
Spatenstich stattgefunden. Haas ist froh, dass die Berliner
Bäderbetriebe im Rahmen des Klima-Pakts bis 2023 rund 204
Millionen Euro zusätzlich bekommen: 170 Millionen sollen in die
(energetische) Grund- und Teilsanierung von Hallenbädern gehen,
34 Millionen sind für spezifische Einzelmaßnahmen geplant.
Solarbetriebene Heizsysteme beispielsweise oder der Austausch
alter Pumpensysteme. Insgesamt wollen die Bäderbetriebe bis 2030
Bauvorhaben im Wert von mehr als 600 Millionen Euro umsetzen.
Eins ist Ricardo Haas aber trotzdem klar: „Fertig werden wir nie
werden. Bei über 60 Bädern gibt es auch danach noch viel zu tun!“
Und man sieht ihm an, dass er Spaß daran hat.
Kommentare (0)
Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben.