Sie sind in geheimer Mission unterwegs – die Kampfschwimmer der
Bundeswehr. Über ihre Einsätze dürfen sie nicht reden. 70 Prozent
schaffen schon allein die Ausbildung nicht. Ihr Motto: „Lerne
leiden ohne zu klagen“. Umso mehr freuen wir uns, dass Torsten
Schreiber bereit ist mit uns zu sprechen - langjähriger
Kampfschwimmer und Ausbilder beim Kommando Spezialkräfte der
Marine, mittlerweile vor allem für die Nachwuchsgewinnung
zuständig.
Völlig fit und gut gelaunt sitzt er morgens um 7 Uhr an seinem
Arbeitsplatz in Eckernförde. Todde wird er genannt,
freundlich und zugewandt ist er, gar nicht so militärisch streng,
wie man es von einem Kampfschwimmer vielleicht erwarten würde.
Denn sein Job ist einer der härtesten, die man sich vorstellen
kann - und hat null mit dem zu tun, was wir im Schwimmbad
manchmal spöttisch als Kampfschwimmen bezeichnen.
Als Kind war Todde Wettkampfschwimmer und ist dann irgendwann zum
Triathlon gewechselt. Mit 18 hat er dann ein Video über
Kampfschwimmer gesehen und war sofort angefixt. Erstmal hat er
seine Ausbildung zuende gemacht. Aber dann gab es kein Halten
mehr. Auch wenn ihm am Anfang gar nicht klar war, was das
bedeuten würde.
Denn wer zum Kommando Spezialkräfte der Marine gehören will, muss
erstmal eine sehr harte dreijährige Ausbildung absolvieren. Und
diese Ausbildung ist neben der zum Piloten eine der längsten,
teuersten und körperlich forderndsten Ausbildungen der
Bundeswehr. Das muss aber auch so sein, denn als Kampfschwimmer
kommt man immer wieder in sehr gefährliche Situationen, sagt
Todde. Und dann muss man seine Grenzen kennen.
Bilder oder gar Filme von dieser Ausbildung gibt es nicht. Eine
Reportage des NDR über Minentaucher gibt aber einen guten
Eindruck, was die Anwärter dort erwartet. Schon allein das
Beckentraining ist eine Herausforderung: Marschieren unter Wasser
mit schwerem Gerät - und das minutenlang. Entsprechend
kompromisslos sind auch die Ausbilder: „Wir können die
Anforderungen nicht heruntersetzen“, sagt Todde. Wer diesen Beruf
ausüben wolle, müsse hier bestehen. Ein Gefühl für seinen eigenen
Körper entwickeln. Und vor allem lernen, wie man sich taktisch
und lautlos unter Wasser bewegt, ohne von außen wahrgenommen zu
werden.
Immerhin: Seitdem es das Kommando Spezialkräfte der Marine gibt,
ist noch keiner der Soldaten im Einsatz gestorben. Zur Wahrheit
gehört aber auch: 70 - 80 Prozent fallen in der Ausbildung durch.
Eine Frau hat es noch nie geschafft - zu hart schon allein der
erforderliche körperliche Einsatz.
Dabei sind die Voraussetzungen angenommen zu werden, gar nicht
mal so hoch: 1000 Meter schwimmen unter 24 Minuten, 5000 Meter
laufen unter 22 Minuten - das scheint machbar. Ja, sagt Todde -
aber wer gerade so besteht, wird es schwer haben. Wer wirklich
eine Chance haben will, müsse diese Anforderungen schon deutlich
unterbieten. Wettkampferfahrung sei nicht schlecht. Außerdem
müsse man geistig sehr flexibel und ausgesprochen teamfähig sein.
Ein Jahr werden die Rekruten in der Halle ausgebildet - schon
hier scheiden die meisten aus. Die Hälfte packt es mental einfach
nicht, die andere Hälfte hält körperlich nicht durch, erzählt
Todde. Wer es am Ende trotzdem schafft, auf den wartet die
Ausbildung im Freiwassertauchen. Und ganz zum Schluss dann: 30
Kilometer schwimmen durch die Ostsee. Und die ganze Zeit immer an
der Leistungsgrenze.
Über die Einsätze der fertigen Kampfschwimmer kann und will Todde
nichts sagen, hier bekommt man aber einen kleinen Eindruck. Und
er hat ein Buch darüber geschrieben, das erklärt, wie man sich
militärisch topfit hält. „Lerne leiden und auch noch Spaß daran
zu haben“ scheint ein Motto zu sein, was Todde auf jeden Fall für
sich entdeckt hat. Und wer jetzt ebenfalls angefixt ist und sich
für die Ausbildung zum Kampfschwimmer interessiert, kann ihm gern
schreiben. Einmal im Monat bietet er für Interessierte in
Eckernförde einen Truppenbesuch an. Eins sollte man allerdings
wissen: Kampfschwimmer frieren immer!
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