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LiteraturPur

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Esther Schneider 77 Episoden Neueste vor 1 Woche

Ich bin Esther Schneider und das ist mein Literatur-Talk. Ich treffe mich hier mit Autor*innen und versuche herauszufinden, was sie umtreibt beim Schreiben, wie sie auf ihre Themen kommen, welche Bücher sie lesen und wie ihre Phantasiewelt aussieht....

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54 Minuten
LiteraturPur #75: Eine Sommerfrische in den Karpaten in Rumänien. Da hat die Schriftstellerin Dana Grigorcea als Jugendliche alle ihre Sommerferien verbracht. Da spielt auch ihr neuer Roman, eine zarte Liebesgeschichte, mit dem Titel «Tanzende Frau, blauer Hahn». Es ist die Zeit kurz nach dem Sturz des Diktators Ceausescu. Die Menschen im Dorf, auch das junge Liebespaar, kosten die neue Freiheit aus. Dana Grigorcea taucht ein in diesen Erinnerungsraum und macht uns bekannt mit vielen fast fellinesken Figuren im Dorf und erzählt abenteuerlichen Geschichten. Da gibt es Bäume, die mitten durch Häuser wachsen, Speisekammern, in denen es spukt. Und die wildesten Geschichten in diesem Roman, sagt sie im Podcast, seien wahr, die plausiblen dagegen erfunden. Und sie schildert, wie schwindelerregend die Dunkelheit dort war und wie die Diktatur die Leute prüde machte.

Dana Grigorcea «Tanzende Frau, Blauer Hahn» Penguin Verlag
39 Minuten
LiteraturPur #74: «Nennt mich Wellenkamm» hinter diesem rätselhaften Titel verbirgt sich ein Klimaroman der besonderen Art. Der Autor Christoph Keller, auch bekannt als Journalist und Produzent des Klimapodcasts «tre!bhaus», hat sich dafür eine Influencerin – Amiy – als Hauptfigur ausgesucht. Er hat aber keine Dystopie geschrieben sondern einen Klimaroman, der Hoffnung macht. Die Klimakrise kann zwar nicht verhindert werden, sie kommt und sie ist heftig, aber danach könnte es ein neues, anderes Leben geben. Sieben Menschen auf einem kleinen Segelboot erzählen je eine Überlebensutopie. Und Amiy verbreitet sie unter ihren Followern. Die Botschaft: Menschen müssen, wenn sie überleben wollen, ihr Verhalten ändern. Und da sind nun ganz andere Werte wichtig. Stichwort: New Care Economy. Was er genau darunter versteht, darüber habe ich mit Christoph Keller diskutiert. Und wir reden auch über zivilen Ungehorsam. Kleine Verweigerungen, die umsichgreifen und die nötigen Veränderungen anstossen. Zuerst aber muss Amiy regelrecht aus ihrem luxuriösen Influencerleben herauskatapulitert werden. Und das tut sie, als sie mitten in der Nacht, nach dem dritten Gin Tonic, aus Versehen von einem Luxusdampfer ins Meer stürzt.  

Christoph Keller, «Nenn mich Wellenkamm», Rotpunkt Verlag
57 Minuten
LiteraturPur #73: "Ich bin ein Überlebender", schreibt der Schriftsteller und Dramatiker Lukas Bärfuss. Was er damit meint, erfährt man in seinem neusten Buch "Königin der Nacht, ein kurzes Buch über meine Mutter". Es ist ein schonungsloses, ein gesellschaftskritisches, aber auch ein sehr persönliches und zärtliches Buch über die Mutter. Ich habe Luaks Bärfuss im Waldhaus in Sils Maria zu einem Gespräch getroffen. Er erzählte mir, weshalb ein rosa Bankzettel mit einem Kontostand von 60 Franken am Anfang des Buches steht. Wir sprachen über Herkunft, was sie mit uns macht und wie sie ein Leben lang an einem haften bleibt. Ich wollte auch wissen, wie man über eine Mutter schreibt, die nie getröstet, nie eine Wunde verbunden, keine Liebe gezeigt, ja den Sohn im Alter von 15 Jahren auf die Strasse gesetzt hat und abgehauen ist? Lukas Bärfuss meint dazu, dass er die Mutterliebe nie vermisst habe. Er kenne sie nicht. Aber die Armut, die habe er kennengelernt. Und er äussert sich zu seinem provokativen Satz im Buch: "Die Schweiz macht Jagd auf die Armen." 

Das Gespräch mit Lukas Bärfuss hat grossen Spass gemacht, das Publikum im Hotelsaal war begeistert von seiner Erzähllust und seinen Lesungen. Hört rein!

Lukas Bärfuss, Königin der Nacht, ein kurzes Buch über meine Mutter, Rowohlt Verlag
48 Minuten
LiteraturPur #72: Im Roman «Die Holländerinnen» von Dorothee Elmiger geht es um das Unheimliche. Das Unheimlich ist das dominierende Gefühl. Es wird einerseits erzeugt durch den Ort der Handlung, den Urwald; dann über Geschichten, die erzählt werden und durch die Sprache. Dorothee Elmiger schreibt grösstenteils im Konjunktiv. Damit hält sie alles in der Schwebe. Bei Lesen streift man mit der Erzählerin durch den grünen Dschungel und gerät mit ihr in eine Art Orientierungslosigkeit hinein, Gewissheiten lösen sich auf. Auch das Verhältnis zwischen Realität und Fiktion verschwimmt. Das hat mich fasziniert und gepackt. Über das Unheimliche, den Konjunktiv, Grenzerfahrungen, den Urwald und warum «Die Holländerinnen» keine »true crime» Geschichte ist, über all das unterhalte ich mich mit Dorothee Elmiger im Podcast LiteraturPur.

Dorothee Elmiger «Die Holländerinnen» Hanser Verlag
45 Minuten
LiteraturPur #71: Angst haben, wenn man das Haus verlässt, einsam sein, kein Bankkonto, keine Krankenkasse haben - das ist der Alltag von Sans Papiers. Das sind Menschen, die sich illegal in der Schweiz aufhalten und schwarz arbeiten. Meist zu Dumpingpreisen. Die Westschweizer Autorin Isabelle Flükiger hat darüber einen eindrücklichen Roman geschrieben mit dem Titel «Gloria.Mohammed. Eine Erzählung von der dunklen Seite des Glücks.» Ein Buch, das betroffen macht. Denn es ist eine Reise durch ein Schattenreich bei uns in der Schweiz, in dem Menschen ausgenutzt werden. Arbeit zu finden ist einfach, aber die Arbeitsbedingungen sind meist miserabel. Und dies, obwohl auch Sans Papiers in einigen Bereichen Rechte hätten. Nur wissen sie nichts davon und die Institutionen und Arbeitgeber halten sich oft nicht an das Gesetz. Ich habe Isabelle Flükiger in Bern in einer Hotelbar getroffen und sie hat mir von ihren aufwändigen Recherchen und ihren Begegnungen mit Sans Papiers erzählt.

Der Roman von Isabelle Flükiger «Gloria.Mohammed. Eine Erzählung von der dunklen Seite des Glücks.» ist im Rotpunkt Verlag erschienen in der Übersetzung von Ruth Gantert.
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Über diesen Podcast

Ich bin Esther Schneider und das ist mein Literatur-Talk. Ich treffe mich hier mit Autor*innen und versuche herauszufinden, was sie umtreibt beim Schreiben, wie sie auf ihre Themen kommen, welche Bücher sie lesen und wie ihre Phantasiewelt aussieht. Kurz, ich bin interessiert an «the writers voice».
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