LiteraturPur
Ich bin Esther Schneider und das ist mein Literatur-Talk. Ich treffe mich hier mit Autor*innen und versuche herauszufinden, was sie umtreibt beim Schreiben, wie sie auf ihre Themen kommen, welche Bücher sie lesen und wie ihre Phantasiewelt aussieht....
Podcaster
Episoden
08.01.2026
50 Minuten
LiteraturPur #70: An die Öffentlichkeit treten und sagen: «Ich
wurde vergewaltigt», das braucht Mut. Laura Leupi hat es getan mit
ihrem Buch «Das Alphabet der sexualisierten Gewalt»". Sie hat
schreibend versucht mit etwas umgehen, das einen aus der Bahn
wirft. Das Buch hat mich betroffen gemacht, mich aber auch
überrascht, sowohl durch die Form wie Laura vom Erlebten erzählt
wie auch durch ihren Humor. «Das Alphabet der sexualisierten
Gewalt» ist kein Roman aber auch kein Sachbuch, es ist etwas
Einmaliges, ein richtig wilder Ritt. Laura Leupi hat dafür einen
der Literaturpreise vom Bundesamt für Kultur bekommen. Das Buch ist
schon einige Zeit in der Öffentlichkeit. Laura hat an Lesungen und
Podien darüber gesprochen. Was das mit ihr gemacht hat und wie sie
heute auf das Erlebte und ihren Schreibprozess zurückschaut und
welche Literatur sie dabei gelesen hat, davon erzählt sie mir im
Podcast LiteraturPur.
Laura Leupi, «Das Alphabet der sexualisierten Gewalt» März Verlag
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30.12.2025
47 Minuten
LiteraturPur #69: Wie verhält sich Kunst zur Macht? Darüber habe
ich mit dem Schriftsteller Alain Claude Sulzer und dem Pianisten
Oliver Schnyder im Salon LiteraturPur diskutiert. Anlass war das
50ste Todesjahr des russischen Komponisten Dimitri Schostakovitsch,
das mit Konzerten und Festivals begangen wurde. Dimitri
Schostakowitsch lebte ein Leben im Schatten der Macht, in Angst und
Schrecken, in Anpassung und Widerstand. Er war gefangen zwischen
künstlerischer Integrität und den Zwängen des stalinistischen
Regimes. Was das mit ihm machte und wie es seine Musik beeinflusst
hat, das beschreibt der britische Autor Julian Barnes im Roman „Der
Lärm der Zeit“. Ein Roman über einen Musiker unter Stress. So
beschreibt Julian Barnes, wie Schostakovitsch 1937 nächtelang mit
gepacktem Koffer vor dem Lift auf seine Verhaftung wartete.
Künstler unter Stress, ein Thema das auch heute immer noch oder
wieder aktuell ist. Wie Alain Claude Sulzer und Oliver Schnyder
diesen biografischen Roman über Schostakovitsch gelsen haben und wo
sie Stress, Widerstand, Angst aber auch Ironie in seiner Musik
hören, das war Thema im Salon LiteraturPur. Eine gekürzte Version
des Salongesprächs kannst du in dieser Podcastfolge von
LiteraturPur nachhören.
Julian Barns, Der Lärm der Zeit, im Verlag
Kiepenheuer&Witsch
Oliver Schnyder hat diesen Herbst ein grossaritges Schostakowitsch
Album veröffentlicht:
Shostakovich, Piano Trios & Piano Quintet, Prospero / 2025
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12.12.2025
43 Minuten
LiteraturPur #68: Wann beginnt Gewalt in einer Beziehung. Und wie
befreit man sich aus einer toxischen, gewalttätigen Partnerschaft?
Diese Frage beschäftigt Jessica Jurassica in ihrem neuen Roman
«Gaslicht». Sie erzählt darin von einer Frau, die «Gaslighting»
erlebt. Das ist eine Form von psychischer Gewalt, von Manipulation
durch Lügen und Verunsicherung. Im Gespräch erzählt Jessica
Jurassica, bekannt als Kunstfigur, die immer mit Gasmaske auftritt,
wie sie sich mit dieser fiktionalen Autobiografie sozusagen
freigeschrieben hat. Wie sie durch eine lange Reise, durch Distanz
und eben über das Schreiben ihre traumatische Erfahrung mit
sexualisierter Gewalt verarbeiten konnte. Und wir reden über ihre
Vorfahrinnen, denen sie dabei begegnet ist. Ihren Ururgrossmüttern,
die der Armut entfliehen wollten und ausgewandert sind.
Jessica Jurassica «Gaslicht» ist erschienen bei lectorbooks
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10.09.2025
57 Minuten
LiteraturPur #67: Gerade im Krieg sei die Literatur wichtig, sagt
der irakisch-schweizerische Autor Usama Al Shahmani. Sie kann
andere Geschichten erzählen als die von Gewalt und Tod. Sie kann
Brücken schlagen. Ich habe Usama Al Shahmani für den Podcast
LiteraturPur zum Gespräch getroffen. Wir haben über seinen neuen
Roman «In der Tiefe des Tigris schläft ein Lied»gesprochen. Darin
nimmt er uns mit in seine Heimat, den Irak. Er beschreibt, wie
Bagdad einst eine blühende Stadt war, in der Menschen
unterschiedlicher Religionen und Kulturen friedlich zusammenlebten.
Es gab auch eine grosse jüdische Gemeinde. Doch in den 1930er
Jahren kam der Faschismus nach Bagdad. Nazis verbrüderten sich mit
den Nationalisten im Irak. Es kam zu ersten Progromen. Nach der
Gründung Israels, im Jahr 1948, wurde die jüdische Bevölkerung dann
endgültig aus dem Irak vertrieben. Umsama Al Shahmani taucht über
eine Vater-Sohn-Geschichte tief in dieses dunkle Kapitel der
Geschichte Bagdads ein.
Usama Al Shahmani «In der Tiefe des Tigris schläft ein Lied» Limmat
Verlag
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14.08.2025
49 Minuten
LiteraturPur #66: Kinder flitzen über einen gefrorenen Weiher und
entdecken einen toten Mann, eingefroren im Eis. So beginnt der neue
Roman von Martina Clavadetscher mit dem Titel «Die Schrecken der
anderen». Es ist ein Roman, der daherkommt wie ein Krimi. Aber das
täuscht. Es ist ein gesellschaftskritischer Roman über den Umgang
mit Vergangenheit. Der Roman führt nämlich schon bald in grauslige
Untiefen der Schweizer Geschichte in den 1930er Jahren, aber mit
einem Suspense wie in einem Hitchcock Film. Und Alfred Hitchcock,
so erzählt mir Martina Clavadetscher bei unserem Treffen in einer
Luzerner Bar, sei ein grosses Vorbild für sie. Wie er mit subtilen
Details Spannung erzeuge, fasziniere sie. Weiter sagt sie im
Gespräch, sei es an der Zeit, dass Kulturschaffende das
Storytelling wieder an sich reissen. Sie müssten Geschichten
erzählen, nicht die Medien, nicht die Politik, nicht die Wirtschaft
sondern die Kunst.
Martina Clavadetscher, «Die Schrecken der anderen» C.H. Beck Verlag
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Über diesen Podcast
Ich bin Esther Schneider und das ist mein Literatur-Talk. Ich
treffe mich hier mit Autor*innen und versuche herauszufinden, was
sie umtreibt beim Schreiben, wie sie auf ihre Themen kommen, welche
Bücher sie lesen und wie ihre Phantasiewelt aussieht. Kurz, ich bin
interessiert an «the writers voice».
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