Podcaster
Episoden
01.03.2026
37 Minuten
Nach den US-amerikanisch-israelischen Luftangriffen gegen den Iran
steht fest, dass dessen geistlicher Führer, Ali Chamenei, getötet
wurde. Auch Irans Verteidigungsminister, der Generalstabschef und
der Anführer der mächtigen Revolutionsgarden, sind tot. Letztere
haben blutige Rache geschworen. Viele Fragen sind offen. Für Dr.
Bente Scheller, Nahost-Expertin bei der Heinrich-Böll-Stiftung,
steht fest: Bis zu einem Zerfall des iranischen Regimes ist es ein
weiter Weg. Für einen Umsturz ist viel Energie nötig – und ein
langfristiges Engagement. Inwiefern US-Präsident Donald Trump dazu
überhaupt bereit ist, darüber sprechen Anna Engelke und Stefan
Niemann in dieser Sonderausgabe von "Streitkräfte und Strategien"
mit der Politikwissenschaftlerin und ehemaligen Referentin der
Deutschen Botschaft Damaskus: "Die Aufmerksamkeitsspanne von Trump
hat gezeigt: Heute ist er hier, morgen macht er etwas ganz
anderes", so Scheller. So könnte ein Moment für den Regimewechsel
verpasst werden – wie im vergangenen Jahr im Libanon nach der
Tötung des Hisbollah-Anführers Nasrallah: Dies in politisches
Kapital umzumünzen, sei dort damals nicht gelungen, so die
Expertin. Weiterhin zieht sie Parallelen zwischen der aktuellen
Situation im Iran und dem US-Angriff gegen den Irak Anfang der
2000er Jahre und betont: Militärschläge könnten nur begrenzt etwas
erreichen, etwa ein Machtvakuum – Verhandlungen seien aber wichtig,
um dieses dann mit einer Sicherheitsarchitektur zu füllen, meint
Scheller: "Wie wird umgebaut, wie wird aufgebaut? Das sind Fragen,
die überhaupt nicht auf dem Tisch liegen".
Diese Podcast-Ausgabe beleuchtet auch Trumps Kriegsziele –
ausgegeben hatte er die Zerstörung des iranischen Raketen- und
Atomprogramms sowie einen Regimewechsel. Bente Scheller beobachtet
eine "Abwesenheit von Meilensteinen", woran das Erreichen dieser
Ziele gemessen werden könnte, etwa: wann ein relevanter Teil der
Waffen, die Israel gefährlich werden könnten, zerstört sei. Der
Krieg könnte sich auf diese Weise, mit einer "Unklarheit der
Kriegsziele", noch lange ziehen, sagt die Expertin.
Fest steht, solange die Kampfhandlungen andauern, werde es Folgen
für die Weltwirtschaft haben, wie aktuell bereits die iranische
Blockade des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus zeigt. Anna
Engelke und Stefan besprechen außerdem mögliche Szenarien für die
iranischen (unbewaffneten) Oppositionellen und inwiefern ihnen
Trumps "Hilfe zur Selbsthilfe" eine Chance bieten kann. Und sie
schauen auf die Reaktionen innerhalb der USA und der sogenannten
E3-Staaten auf den wohl völkerrechtswidrigen Angriff.
Lob und Kritik, alles bitte per Mail an streitkraefte@ndr.de
Alle Folgen von “Streitkräfte und Strategien”:
https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast2998.html
Podcast-Tipp: “ARD Klima Update”:
https://1.ard.de/ARD_Klima_Update?cp=sus
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27.02.2026
50 Minuten
Bundeskanzler Merz ist zurück von seiner China-Reise. Das Land
spielt bei der Unterstützung des russischen Kriegs gegen die
Ukraine eine wichtige Rolle. In Peking wollte der Bundeskanzler
u.a. seine Gastgeber dazu bringen, sich stärker für eine Beendigung
des Ukraine-Krieges einzusetzen. In einem gemeinsamen
deutsch-chinesischen Statement wird immerhin die "Ukraine-Frage"
erwähnt. Und: Die früher regelmäßigen Regierungskonsultationen
zwischen Deutschland und China sollen wieder aufgenommen werden,
nachdem sie in den letzten Jahren ins Stocken geraten waren - ein
Erfolg.
"Kanäle wieder aufzumachen" - das sei das Ziel des Bundeskanzlers,
sagt Prof. Dr. May-Britt Stumbaum, die Direktorin des
Spear-Instituts, einer sicherheitspolitischen Denkfabrik, und
assoziierte Professorin an der Bundeswehr-Universität München.
Allerdings: Auf Augenhöhe sehe sich China nur mit den USA, Russland
sei für Peking "nützlich". Wichtig für Deutschland sei, "zu Hause"
stark zu werden und den eigenen Mittelstand zu schützen -
insbesondere vor chinesischer Technologie- und Wirtschaftsspionage,
so Stumbaum, die auch Reserve-Offizierin der Luftwaffe ist. Sie
berichtet im Gespräch mit Anna Engelke von Chinas kognitiver
Kriegsführung. Dabei geht es darum, die Wahrnehmung des Gegners zu
verändern.
Dafür nutze China auch TikTok: Durch kurze Videos solle die
Konzentrationsfähigkeit der User:innen untergraben werden:
"Innerhalb Chinas sind diese Reels wesentlich länger. Außerhalb
Chinas sind diese Reels wesentlich kürzer und das hat die
Auswirkung, dass sie die Konzentrationsfähigkeit systematisch
untergraben. Und natürlich ist das Zentrum einer Demokratie, dass
ich mich konzentrieren kann, um mich mit den Informationen
auseinanderzusetzen", so die Sicherheits-Expertin. China habe sehr
viel in KI und Big Data investiert: "Dass man damit eben Inhalte
für soziale Medien kreieren kann und die stimulieren eben diese
Polarisierung in der Gesellschaft", sagt Stumbaum.
Außerdem berichten Stefan Niemann und Kai Küstner von der aktuellen
Lage in der Ukraine: Diese konnte den dritten erfolgreichen Treffer
ihres Marschflugkörpers "Flamingo" gegen russische Ziele
verzeichnen. Nach Erkenntnissen des US-Thinktanks Institute for the
Study of War hat Russland nach zweijähriger Invasion die
ostukrainische Stadt Pokrowsk eingenommen. Unterdessen hat der
Haushaltausschuss des Bundestages grünes Licht für Kamikazedrohnen
gegeben.
Lob und Kritik, alles bitte per Mail an streitkraefte@ndr.de
Aktueller Lagebericht des Institute for the Study of War (ISW),
u.a. zur russischen Eroberung Pokrowks:
https://understandingwar.org/research/russia-ukraine/russian-offensive-campaign-assessment-february-26-2026/
Interview mit Prof. Dr. May-Britt Stumbaum:
https://www.ndr.de/nachrichten/info/audio-429720.html
Alle Folgen von “Streitkräfte und Strategien”:
https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast2998.html
Podcast-Tipp: “Ready for Liftoff! Der Raumfahrtpodcast”:
https://1.ard.de/ready-for-liftoff
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24.02.2026
55 Minuten
Vier Jahre nach Beginn der russischen Vollinvasion senden wir eine
besondere Folge von Streitkräfte und Strategien - produziert in
Kiew. Stefan Niemann und Kai Küstner besuchen eine ukrainische
Familie, die seit Wochen ohne Strom und Heizung lebt. Der
fünfjährige Lew sagt, er warte darauf, dass der Krieg endlich
vorbei sei. Seine Eltern harren aus - trotz Kälte, Dunkelheit und
nächtlicher Angriffe. "Wir werden kämpfen. Wenn es schwierig wird,
unterstützen wir uns gegenseitig und bleiben eine Einheit", sagt
sein Vater Wsewolod.
Die Hosts erleben an einem Tag junge Menschen bei einer
Techno-Nacht in Kiew, die sich zwischen Luftalarm und Lebenswillen
ein paar Stunden Normalität gönnen. An einem anderen Tag besuchen
sie eine geheime Drohnenfabrik. Unter größten
Sicherheitsvorkehrungen wurden sie an den Ort gebracht - Handys
eingeschlossen im Faradayschen Käfig, Kameras tabu. Das deutsche
Start-up Quantum Systems entwickelt dort gemeinsam mit einem
ukrainischen Partner moderne Aufklärungsdrohnen. Ein seltener
Einblick in eine Hightech-Produktion - an einem Ort, der selbst zum
Angriffsziel werden könnte. Im Gespräch mit dem Leiter des
ARD-Studios Kiews, Vassili Golod, geht es um sein
Exklusiv-Interview mit Präsident Wolodymyr Selenskyj und um die
Perspektiven im beginnenden fünften Kriegsjahr. Golod beschreibt
auch das Dilemma bei der Mobilisierung: "Alle Ukrainer wollen
siegen, aber nicht alle wollen kämpfen".
Zudem besuchen die beiden Hosts die ARD-Korrespondentin Rebecca
Barth in ihrer Wohnung. Sie berichtet über das Leben in den von
Russland besetzten Gebieten, die sie als eine Art
"Freiluftgefängnis" beschreibt. Es geht um systematische
Russifizierung, Repression - und darum, was das für Kinder und ihre
Familien bedeutet.
Diese besondere Ausgabe über Widerstandswillen und Erschöpfung geht
der Frage nach, woher die Menschen in der Ukraine nach vier Jahren
Krieg die Kraft nehmen, weiterzumachen.
Lob und Kritik, alles bitte per Mail an streitkraefte@ndr.de
Vier Jahre im Verteidigungskampf:
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-russland-vier-jahre-krieg-100.html
Wie der Krieg Deutschland verändert hat:
https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/ukraine-krieg-deutschland-102.html
Gespräch mit Rebecca Barth:
https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:9e2dbaea8c947e04/
Alle Folgen von “Streitkräfte und Strategien”
https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast2998.html
Tipp: ARD Story - “Putin und Trump · Ziemlich beste Feinde?”
https://1.ard.de/Ziemlich_beste_Feinde
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20.02.2026
48 Minuten
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine geht am 24. Februar
in sein fünftes Jahr. Anlässlich des Jahrestages sind die Hosts von
Streitkräfte und Strategien, Stefan Niemann und Kai Küstner, in die
Ukraine gereist. In dieser Ausgabe melden sie sich aus Lwiw in der
Westukraine. Im Podcast fassen sie ihre Eindrücke aus einer Stadt
zusammen, in der der Krieg auf den ersten Blick weit weg zu sein
scheint. Beim genauen Hinsehen und in Gesprächen aber ist er
allgegenwärtig. Kai und Stefan berichten über den bewegenden und
ergreifenden Austausch mit Menschen, die im Krieg schwer verletzt
worden sind und sich zurück ins Leben kämpfen. Patienten haben den
Hosts in einer Klinik ihr Schicksal geschildert, ein Soldat aus der
Ostukraine hat über seinen Einsatz für gefallene Kameraden erzählt,
die er aus den Frontgebieten birgt, damit deren Familien sie
beerdigen können. Außerdem berichten Kai und Stefan über den Besuch
einer Firma, die neue Boden-Drohnen produziert.
Einen Blick auf die Front werfen die beiden Hosts mit der
ARD-Korrespondentin Susanne Petersohn. Sie hat in der Ostukraine in
Frontnähe ukrainische Soldaten begleitet und mit ihnen über
Fortschritte und Frustrationen gesprochen. Man merke schon, dass
die Stimmung sehr gedrückt sei, die Soldaten seien sehr, sehr müde.
Sie haben der Korrespondentin erklärt, was sie im Abwehrkampf gegen
Russland brauchen und ob aus ihrer Sicht Gebietsabtretungen eine
Option sind.
Nach dem Besuch von Lwiw fahren Kai und Stefan weiter nach Kiew, wo
sie weitere Eindrücke sammeln, Gespräche führen und am Dienstag die
kommende Ausgabe von Streitkräfte und Strategien produzieren.
Schickt uns gerne Fragen, die wir in der Ukraine stellen sollen:
streitkraefte@ndr.de
Video von ARD Korrespondentin Susanne Petersohn von der
ukrainischen Front
https://www.tagesschau.de/tagesschau_20_uhr/video-1557008.html
Kommentar zu Ukraine Gesprächen in Genf
https://www.tagesschau.de/kommentar/ukraine-gespraeche-genf-104.html
Alle Folgen von “Streitkräfte und Strategien”
https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast2998.html
TV Doku: Selenskyj – das entscheidende Jahr
https://1.ard.de/Selenskyj-Das-entscheidende-Jahr
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15.02.2026
48 Minuten
Auf der Münchner Sicherheitskonferenz waren die Beziehungen
zwischen den USA und Europa das Top-Thema. Die Hosts Anna Engelke
und Stefan Niemann schildern in dieser Sonderfolge von Streitkräfte
und Strategien ihre Eindrücke und analysieren die Reden. Am ersten
Tag hatte Bundeskanzler Merz sich von der US-Politik unter
Präsident Trump abgegrenzt und deutlich gemacht, dass es einen
starken europäischen Pfeiler innerhalb der NATO braucht. Nach den
harschen Aussagen von US-Vizepräsident Vance im vergangenen Jahr
war vor allem die Rede des US-Außenministers Rubio mit Spannung
erwartet worden. Dieser würdigte zwar die Geschichte des
transatlantischen Bündnisses, sprach aber auch von Fehlern, die
gemacht worden seien, und stellte sich klar hinter die Politik von
US-Präsident Trump.
Über die Rede von Rubio sprechen Tina Hassel und Kai Küstner mit
der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas. Sie betont, man wolle
weiterhin starke transatlantische Bindungen. Gleichzeitig verweist
auch sie auf einen stärkeren europäischen Pfeiler in der NATO.
Außerdem äußert sie sich im Interview zur Diskussion über die
europäische atomare Abschreckung und den russischen Angriffskrieg
gegen die Ukraine: „Ich will nicht mehr Nuklearwaffen. Im
Gegenteil, das könnte sonst eine sehr, sehr gefährliche Welt
werden“, so Kallas im Interview. Den meisten Applaus bei der
Sicherheitskonferenz hat Präsident Selenskyj bekommen, berichtet
Anna. Er bat die westlichen Verbündeten einmal mehr eindringlich um
raschere Waffenlieferungen und erinnerte daran, welchen Preis sein
Land bisher für den Krieg bezahlt hat.
Eine große Rolle spielte bei der Sicherheitskonferenz auch der
Iran. Der Sohn des letzten Schahs von Persien, Reza Pahlavi,
erklärte, er strebe im Fall eines erfolgreichen Regierungswechsels
im Iran keine Führungsrolle an. Pahlavi nahm an einer Demonstration
von mehr als 250.000 Exil-Iranern in München teil, die gegen das
Mullah-Regime in Teheran protestierten.
Lob und Kritik, alles bitte per Mail an streitkraefte@ndr.de
Europas neues Selbstbewusstsein auf der Münchner
Sicherheitskonferenz
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/msc-kallas-eu-usa-102.html
Analyse der Rede von US-Außenminister Rubio in München
https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/rubio-rede-sicherheitskonferenz-100.html
Alle Folgen von “Streitkräfte und Strategien”
https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast2998.html
Podcast-Tipp “Bosettis Woche” mit Florian Schroeder
http://1.ard.de/extra-3-bosettis-Woche-schroeder-sus
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Über diesen Podcast
Euer Podcast zum Krieg in der Ukraine – auch mit dem Blick auf
andere Krisen und Kriege in der Welt. Jeden Dienstag und Freitag ab
16.30 Uhr. Die langjährigen ARD-Korrespondent:innen Anna Engelke,
Stefan Niemann, Kai Küstner und Astrid Corall sprechen mit
sicherheitspolitischen Expert:innen über die neue Weltordnung und
Europas Antwort auf die Machtinteressen der USA, Russlands und
Chinas. Fragen und Anregungen zum sicherheitspolitischen Podcast:
streitkraefte[at]ndr.de Weitere Interviews und Hintergründe:
https://www.ndr.de/nachrichten/info/sendungen/streitkraefte_und_strategien/index.html
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