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Stunde Null - Digitale Zeitenwende

Stunde Null - Digitale Zeitenwende

Oliver Rößling, Prof. Dr. Henning Vöpel und Wilbert Hirsch 76 Episoden Neueste vor 1 Woche
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Episoden

34 Minuten
Wie viel von dir steckt eigentlich noch in deiner Arbeit?

Es beginnt mit einem Primitivo und der Kennzeichnungspflicht. Es endet bei der Frage, ob eine KI ein Bewusstsein entwickeln kann. Dazwischen stellen die drei eine Stunde lang dieselbe Frage in immer neuen Verkleidungen: Was ist eigentlich noch mein eigener Anteil.

Einig sind sie sich, dass Kennzeichnung richtig ist. Beim Rest nicht. Denn es gibt ein gutes und ein schlechtes Gleichgewicht: Entweder alle überlegen sich, wie sie KI einsetzen und legen es offen. Oder es schert sich niemand darum. Und selbst das gute Gleichgewicht hat einen Preis, wenn Europa am Ende weniger nutzt als der Rest der Welt. Aus dem Dilemma entsteht der beste Vorschlag der Folge, und er kommt tatsächlich aus dem Supermarktregal: keine Ja-Nein-Kennzeichnung, sondern eine Ampel von Spuren von KI bis Voll-KI, getrennt nach Struktur und Schöpfung. Wer das messen kann, kann auch verteilen. Damit hängt die ganze Frage des Fair Share für Journalisten, Musiker oder Architekten daran.

Die zweite Hälfte wird unbequem. 20 Iterationen bis zum brauchbaren Ergebnis, 1,5 komplette Richtungswechsel, und das seit acht Monaten unverändert, egal welches Modell. Die eigentliche Gefahr liegt aber woanders: Du nimmst den ersten Entwurf, der dir gefällt, und arbeitest daran weiter. Die anderen hundert siehst du nie. Dazu AI-Slop, die verschwindende Mitte, LinkedIn als Cringe-Base und am Ende der Freund, der mit seiner KI mehr spricht als mit seiner Frau.

Reinhören lohnt für alle, die KI längst benutzen und trotzdem nicht sagen würden, wie viel davon sie selbst waren.

Aus der Folge:

Warum eine Kennzeichnungspflicht als Qualitätsmerkmal wirken kann und wo sie zum Standortnachteil wird

Weshalb ja oder nein die falsche Kennzeichnung ist und eine Ampel die bessere

Warum man Struktur-KI und Schöpfungs-KI trennen müsste, bevor man überhaupt etwas quantifiziert

Was Watermarking mit der Beteiligung von Kreativen am prognostizierten KI-Wohlstand zu tun hat

Warum 20 Iterationen und 1,5 Richtungswechsel die realistische Rechnung sind, auch mit dem besten Modell

Wieso der erste Entwurf, der dir gefällt, dein Denken bereits in eine Bahn gelenkt hat

Warum zwischen Slop und Perfektionismus das Mittelmaß verschwindet und was das für Erwartungen an Content heißt

Wo die eigentliche Gefahr liegt: nicht in Struktur oder Kreativität, sondern in der Frage, wer bestimmt, wie wir die Welt erklären
1 Stunde 3 Minuten
Wir zahlen, wir verteidigen, wir mieten. Besitzen tun wir immer weniger.

Es fängt harmlos an, mit einem Rosé, bestem Wetter und einem Tankvorgang, der zum ersten Mal dreistellig war. Eine Stunde später sind die drei bei der Frage, ob wir gegenüber einer künftigen Intelligenz die Rolle des Schimpansen im Cockpit einnehmen. Wer glaubt, das seien zwei verschiedene Gespräche, hat den roten Faden noch nicht gesehen.

Denn dazwischen liegt immer dieselbe Frage: Wer zahlt und wem gehört am Ende der Ertrag. Die Inflationswelle ist längst nicht durch, sie arbeitet sich noch durch die Produktionsstufen bis zum Konsumenten. Die Miete holt sich bei vielen die Hälfte des Nettos. Der Staat springt ein, aber als Nachfrager, nicht als Investor. Und der gefeierte Gründungsboom hängt an genau dieser Nachfrage. Warum ein Panzer keinen einzigen Euro Wachstum erzeugt, warum Dual Use kein Nebeneffekt ist, sondern gebaut werden muss, und warum eine ehrliche Statistik der Neugründungen ziemlich nüchtern ausfiele: alles in der ersten Halbzeit.

In der zweiten wird es unbequem. Souveränität ist technisch machbar, das Modell läuft im eigenen Keller, ab etwa zweieinhalb Millionen Hardware. Nur endet Souveränität dort, wo das erste Kabel beginnt. Ob eine Sandbox jemals wirklich dicht ist, darüber gehen die Meinungen in dieser Folge deutlich auseinander, und das ist die beste Viertelstunde des Gesprächs. Am Ende steht der eigentliche europäische Hebel, und er ist nicht das Modell, sondern die Quelle.

Reinhören lohnt für alle, die verstehen wollen, warum hohe Preise, Rekordschulden und die KI-Debatte dasselbe Thema sind.

Aus der Folge:

Warum die Inflation den Konsumenten zuletzt trifft und was das für die nächsten Monate heißt

Warum Mieten bei 50 Prozent des Nettos ein volkswirtschaftliches Problem sind und nicht nur ein soziales

Weshalb Verteidigungsausgaben Nachfrage schaffen, aber kein Wachstum

Was vom Gründungsboom übrig bleibt, wenn man die staatliche Nachfrage herausrechnet

Warum kapitalgedeckte Rente richtig ist, ein staatlich gemanagter Fonds aber riskant

Was europäische Souveränität wirklich kostet und woran sie tatsächlich scheitert

Warum IP heute nicht mehr Source Code ist, sondern Daten mit nachweisbarer Herkunft

Warum der Alltag mit KI trotz aller Benchmarks weiterhin acht bis achtzehn Iterationen braucht
42 Minuten
KI-Souveränität, Legacy-IT und die Zukunft der Mobilität:

In dieser Episode dreht sich alles um die rasanten Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz, die Herausforderungen für etablierte Industrien und die Frage, wie Europa seine technologische Souveränität zurückgewinnen kann. Von der intelligenten Verwaltung von Datenströmen bis hin zu visionären Mobilitätskonzepten wird beleuchtet, wo die Chancen und Risiken der aktuellen Tech-Landschaft liegen.

Key Learnings:

KI Harnessing als Brücke: Große Konzerne können ihre über Jahre gewachsene (und als Firmenwert aktivierte) Legacy-IT nicht einfach durch neue KI-Lösungen ersetzen, ohne massive Abschreibungen zu riskieren. Die Lösung ist ein „Harness“ (Mantel), der als intelligentes Management-System fungiert und entscheidet, welche Daten sicher lokal, über europäische Server oder durch externe KI-Modelle verarbeitet werden – stets im Einklang mit Regularien wie dem EU AI Act.

Vibe Coding verändert die Startup-Szene: Die Möglichkeit, Software durch KI-Befehle ohne tiefgehende Programmierkenntnisse zu entwickeln („Vibe Coding“), führt zu einem Boom an agilen Nebenberufsgründungen. Mit geringem Budget können so schnell neue Geschäftsmodelle und Software-as-a-Service-Lösungen getestet werden.

Datenabfluss als Souveränitätsrisiko: Die Nutzung amerikanischer oder chinesischer „Frontier-Modelle“ für kritische Geschäftsprozesse birgt massive Gefahren in Bezug auf Industriespionage und den Verlust von geistigem Eigentum (IP). Echte Innovation erfordert geschützte Datenräume.

Europas Stärke liegt im Expertentum: Während die USA und China stark auf generalistische Brute-Force-Modelle setzen, findet Europa seine Nische in hochspezialisierten „Small Language Models“ (SLMs) und On-Premise-Lösungen. Diese Modelle trainieren auf tiefem Industrie-Know-how und liefern für spezifische Anwendungsfälle (z. B. Anlagenwartung) exakte, verlässliche und mit Quellen belegte Ergebnisse.

Regulierung als Innovationstreiber: Vergangene Industriedaten sind enorm wertvoll, liegen aber oft noch analog oder unstrukturiert vor. Neue Regulierungen wie das „Right to Repair“ zwingen Hersteller nun dazu, proprietäre Maschinendaten zu standardisieren und dem Markt zugänglich zu machen.

Verpasste Visionen in der Mobilität: Die europäische Autoindustrie fokussiert sich zu stark auf die bloße Elektrifizierung bestehender Fahrzeugdesigns. Echte Zukunftsvisionen, wie vollautonome, bedarfsgerechte Fahrkabinen für den urbanen Raum (Level 5), werden vernachlässigt, während US-Unternehmen oder asiatische Marken vor allem durch Software und Usability punkten.

Geopolitischer Weckruf für Europa: Das Fehlen eigener Infrastruktur-Dominanz (etwa das Scheitern von Galileo gegenüber Starlink) und die geopolitische Unsicherheit zwingen zum Umdenken. Der Druck von außen führt aktuell zu massiven Investitionsplänen und einem neuen Bewusstsein dafür, dass Europa eigene, technologische Führerschaft aufbauen muss, um auf globaler Ebene wieder auf Augenhöhe agieren zu können.
48 Minuten
Es gibt Phasen, in denen jede Option ein Risiko ist und Stillstand das größte. Genau dort verorten Henning, Wilbert und Oliver die Lage Europas: im Zugzwang. Man muss ziehen, doch fast jeder Zug kann die Stellung verschlechtern. Aus dieser Diagnose entwickelt sich ein Gespräch, das von der Vorstandsetage bis zur Geopolitik reicht und unbequeme Fragen nicht ausspart.

Die drei sprechen darüber, warum Governance weniger Bürokratie als Haltung ist, und warum Regulatorik wie der AI Act oder Right to Repair gleichzeitig bremst und Innovation erzwingt. Sie diskutieren, weshalb etablierte Anbieter ihre Geschäftsmodelle bequem aussitzen können, solange echter Wettbewerbsdruck fehlt und warum Langfristigkeit am Ende schneller macht als der politische Aktionismus im Vier-Jahres-Takt.

Im Zentrum steht China: vom ersten Schock, von dem Deutschland noch profitierte, über den zweiten, der die Autoindustrie und das deutsche Selbstbild trifft, bis zum dritten, der sich bereits ankündigt. Daran knüpfen die verschenkten Souveränitätsprojekte an, von Galileo über GaiaX bis zum nächsten möglichen Ausverkauf beim Quantencomputing, ebenso die Lücke zwischen exzellenter Grundlagenforschung und ihrer Verwertung. Zum Schluss wird es grundsätzlich: Wie transaktional regieren die USA unter Trump, wie resilient ist eine im Wohlstand aufgewachsene Generation, und ist die Demokratie ein Scheinriese, der erst stark wird, wenn er muss?

Worum es geht:

Governance als strategische Haltung statt Pflichtübung

Regulierung als Bremse und Taktgeber zugleich

Der dritte China-Schock und das schließende Reaktionsfenster

Nischenmärkte und Hidden Champions als deutsche DNA

Verschenkte digitale Souveränität und die fehlende Verwertung von Forschung

Trump, transaktionale Machtpolitik und die Zukunft der regelbasierten Ordnung

Resilienz, Demokratie und die Frage, wie stark Europa wirklich ist

Eine Folge über fehlenden Mut, verpasste Entscheidungen und die Trümpfe, die Europa trotz allem noch in der Hand hält.
46 Minuten
Henning, Wilbert und Oliver treffen sich nach kurzer Pause zu einer Bestandsaufnahme: zwischen politischer Ratlosigkeit, wirtschaftspolitischen Rückschritten und der unterschätzten Dynamik agentischer KI. Die Runde diskutiert, warum das aktuelle Entlastungspaket der Bundesregierung weder konjunkturell noch strukturell trägt, warum die eigentliche Disruption des Arbeitsmarktes erst ab Herbst 2026 im öffentlichen Bewusstsein ankommen dürfte und ob der westliche Kapitalismus in seiner heutigen Form überhaupt noch eine Antwort auf die kommende Automatisierungswelle hat.

Besonders zugespitzt ist die Systemfrage: Während China in einer Mischung aus staatlicher Steuerung und skaliertem Kapitalismus ein überraschend robustes Modell entwickelt, droht Europa und insbesondere Deutschland ein verlorenes Trippeldrei-Jahre-Fenster. Die Debatte um Wertschöpfung jenseits klassischer Lohnarbeit mündet in Hennings Vorschlag eines neuen Begriffs: nicht Resilienz, sondern Transilienz, also die Fähigkeit, Stabilität und Transformation gleichzeitig zu leisten.

Parallel zeichnen die drei den Alltag des Umbruchs nach: Oracle-Kündigungen per E-Mail vor Arbeitsbeginn, Vibe-Coding als Abitrage-Moment für eine kleine Gründergeneration, Schatten-KI in Konzernen, die an Governance und Mut scheitern. Die europäische Regulatorik wird dabei nicht als Bremse, sondern als potenzieller Exportschlager eingeordnet, sofern Europa eigene Alternativen schafft, statt sie ex ante zu verhindern.

Key Learnings

Politische Rückabwicklung statt Transformation. Das Entlastungspaket (Prämie plus temporäre Mineralölsteuersenkung) gilt der Runde als Symbol einer bewahrerischen, rückwärtsgewandten Wirtschaftspolitik.Arbeitsmarkt kippt im Herbst. Die These: Ab Herbst 2026 wird die agentische Automatisierung im Massenbewusstsein ankommen, der Arbeitnehmermarkt kippt final in einen Arbeitgebermarkt.Wertschöpfung entkoppelt sich von Lohnarbeit. Klassische sozialpolitische Instrumente, Betriebsräte, Generationsverträge, verlieren an Wirkmechanismus, wenn Arbeit ersetzt statt geteilt wird.Transilienz statt Resilienz. Stabilität ohne Wachstum reicht nicht, Wachstum ohne Stabilität auch nicht. Die neue Aufgabe ist beides gleichzeitig.Europäische Emanzipation statt Souveränitätsrhetorik. Eigene Infrastruktur, Open Source, Buy European, dazu eine Regulatorik, die Alternativen zulässt, statt sie vorab zu verhindern.Systemfrage neu gestellt. China zeigt, dass ein nicht-demokratisches Modell gleichzeitig stabilisieren und skalieren kann. Der Westen hat darauf bisher keine überzeugende Antwort.
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Über diesen Podcast

Drei Köpfe, die aus unterschiedlichen Perspektiven auf aktuelle und neue Themen schauen und doch immer wieder zusammenfinden. Die Gesellschaft befindet sich in einem Wandel, wie es ihn so noch nicht gegeben hat. Die digitale Zeitenwende steht ins Haus und jeder steht in ganz unterschiedlicher Weise dieser Herausforderung gegenüber. Henning, Oliver und Wilbert teilen ihre Erfahrung und Meinungen ganz offen und unverblümt mit ihrer Hörerschaft, reißen gelegentlich ideologische sowie interdisziplinäre Silogrenzen ein und philosophieren über künftige oder alternative Entwicklungen und Trends.
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Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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