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Episoden

42 Minuten
Zwischen 1945 und 1990 wurden in der Bundesrepublik schätzungsweise bis zu 13 Millionen Kinder und Jugendliche zu Kinderkuren verschickt - oft wochen- oder monatelang, fern von ihren Familien. Was als gesundheitliche Vorsorge und Erholungsmaßnahme gedacht war, ist für viele Betroffene bis heute mit Erfahrungen von Heimweh, strengen Regimen, Medikamentengabe und Gewalt verbunden.

In dieser Folge von „Regionalgeschichte auf die Ohren“ (RadiO) sprechen Dr. Jens Gründler, wissenschaftlicher Referent für Wirtschafts- und Sozialgeschichte am LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, und Katharina Tiemann , Referatsleiterin des Archiv LWL mit Host Dr. Greta Civis über die Geschichte der Kinderkuren aus geschichts- und archivwissenschaftlicher Perspektive: Welche Quellen sind überliefert? Wo können Betroffene und Forschende nach Unterlagen suchen? Welche rechtlichen und praktischen Schwierigkeiten bestehen beim Zugang zu den Beständen?

Im Gespräch geht es zudem um den bisherigen Forschungsstand zur Geschichte der Kinderkuren, die Entwicklung des Kinderkurwesens seit dem 19. Jahrhundert, den Zusammenhang von Gesundheitsfürsorge, Körper und „Leistungsfähigkeit“, autiritäre Erziehung, Zwang und Gewalt in den Kurheimen.

Dabei wird deutlich: Die historische Forschung zu Kinderkuren steht noch am Anfang. Viele Quellen sind nicht überliefert oder nur zufällig erhalten. Einzelaktendokumentieren häufig weniger die individuellen Erfahrungen der Kinder als vielmehr Verwaltungsabläufe und den vermeintlichen „Erfolg“ einer Kur. Umso wichtiger ist die Verbindung von Archivarbeit, Zeitzeug:innenberichten und historischer Forschung.

Jetzt anhören – überall, wo es Podcasts gibt.

Weiterführende Literatur:Jens Gründler/Katharina Tiemann (Hg.): Kinderkuren in Deutschland 1945 bis 1990. Perspektiven aus archivarischer und historischer Sicht. Forschungen zur Regionalgeschichte, Band 93

Der Sammelband ist außerdem im Open Access kostenlos als PDF verfügbar. Der Link findet sich in den Folgeninfos sowie auf der Website des LWL-Instituts unter „Publikationen“. Die Veröffentlichung wurde durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

„Regionalgeschichte auf die Ohren“ (RadiO) ist der Podcast des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte. In der Reihe stellen Historiker:innen ihre aktuellen Forschungsprojekte und Publikationen vor – von der NS-Geschichte über die Nachkriegszeit bis zur digitalen Transformation.
21 Minuten
Rund ein Jahr nach der Publikation des Sammelbandes „Gütersloh - Geschichte einer Stadt (1945–2025)“ blicken wir zurück auf drei Jahre Stadtgeschichtsforschung. In der siebten und letzten Folge der Reihe „Zum Beispiel Gütersloh“ sprechen Projektleiter PD Dr. Christoph Lorke und Host Dr. Greta Civis darüber, was partizipative Stadtgeschichtsforschung ermöglicht und wie die Einbindung der Bevölkerung einen Forschungsprozess prägen kann. Begleitet wird die Folge von O-Tönen und Einblicken in zentrale Stationen des Projekts – ein Rückblick auf Forschung, Austausch und neue Perspektiven auf Stadtgeschichte.

Links und Hinweise:

Audiowalk „Zeit:Punkte“: Stadtarchiv Gütersloh

Instagram: Stadtgeschichten GT

Begleitprojekt: Erzählcafés

Buch zur Reihe:

Gütersloh – Geschichte einer Stadt (1945–2025), herausgegeben von Christoph Lorke, Verlag für Regionalgeschichte, 2025, 603 Seiten, ISBN 978-3-7395-1527-4
1 Stunde 27 Minuten
Frauen im geteilten Deutschland – zwischen Alpenveilchen,Abtreibungsrecht und Alltagskämpfen

 

                Zum 8. März widmet sich die neue Folge einem Thema, das bewegt – und bis heute nachwirkt: Frauen im geteilten Deutschland. Wie unterschieden sich Frauenbewegungen in Ost und West? Was bedeutete Gleichberechtigung im Alltag? Und welche Rolle spielten Care-Arbeit, Familienbilder, Körper und Rechte?

                In dieser Folge diskutieren Dr. Julia Paulus, Prof. Dr. Ute Gerhard und Prof. Dr. Hildegard Nickel über feministische Perspektiven auf die deutsche Nachkriegsgeschichte, über politische Kämpfe und private Lebensrealitäten, über Fortschritte, Spannungen und bleibende Fragen.               
38 Minuten
Die Hohensyburg kennen viele in NRW vor allem als Casino – doch der Syberg über der Ruhr war lange vorher Schauplatz großer Gefühle: Macht und Verteidigung, Erinnerung und Erholung, Status und Inszenierung. Festung und Ruine, Denkmal und Aussichtspunkt, Wallfahrtsziel und Sonntagsausflug – die Hohensyburg ist ein historisch gewachsener Ort des Binnentourismus und eines der prägenden Ausflugsziele der Region.

In dieser Folge fragen wir: Wer entscheidet, welche Geschichten über diesen Ort erzählt werden – und warum sie sich verändern? Greta Civis spricht mit David Bendfeld, Friedel Helga Roolfs und Matthias Frese über Namen und Macht, über die militärische Vergangenheit, über die Hohensyburg als westfälische Denkmallandschaft – und darüber, warum der Berg heute zwar kein touristischer Hotspot mehr ist, aber weiterhin großes Potenzial in seinen vielen Geschichten birgt.

Da dies die finale Folge der Podcastreihe "Untold Stories" ist, sagen wir danke für eure Unterstützung – und freuen uns, wenn ihr euch kurz Zeit für unsere Umfrage nehmt, um uns beim Verbessern zu helfen. (Umfrage hier.)

Zur weiteren Recherche empfehlen wir diesmal:

Henriette Brink-Kloke/Elke Schneider, Ein Sonntagsspaziergang auf der Hohensyburg. Bausteine und Fundstücke, Dortmunder Denkmalhefte 12, Dortmund 2020. Abrufbar hier.

Philipp R. Hömberg, Die Hohensyburg. Kreisfreie Stadt Dortmund, in: Frühe Burgen in Westfalen, hg. von der Altertumskommission für Westfalen, Heft 15, Münster 2000. Abrufbar hier.

Lu Seegers/Matthias Frese/Malte Thießen (Hg.), Kurorte in der Region. Gesellschaftliche Praxis, kulturelle Repräsentationen und Gesundheitskonzepte vom 18. bis 21. Jahrhundert, Göttingen 2024.

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal und Porta Westfalica ist Thema der zweiten Folge der Reihe RadiO: Regionalgeschichte auf die Ohren: Mit Malte Thießen und Kathrin Nolte
45 Minuten
1984 stößt eine Schülergruppe aus Witten-Annen bei einer Klassenfahrt nach Bayern in der KZ-Gedenkstätte Dachau auf Spuren ihrer eigenen Heimatstadt. Ein KZ? In Witten? Ja. Die Recherche eröffnet eine verdrängte lokale NS-Geschichte: Über 700 Zwangsarbeiter wurden 1944/45 im Annener Gussstahlwerk ausgebeutet, mindestens 30 Männer kamen ums Leben. Wieder zurück, stoßen die Schüler:innen einen beispielhaften Prozess an, in dem nicht nur das Außenlager einen dauerhaften Platz im Wittener Gedenken findet, sondern auch eine frühe Erforschung eines Zwangsarbeitslagers und eine der ersten archäologischen Ausgrabung eines Ortes der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft stehen. Zwei ehemalige Schüler:innen des Jahrgangs 1984, Sabine Kline-Rehbein und Jörg Marciniak, berichten in dieser Folge von ihren Erlebnissen. 

Im Interview spricht der Archäologe Manuel Zeiler über die Entwicklung der Erforschung von NS-Zwangsarbeitslagern, seine eigenen Erfahrungen und die Herausforderungen moderner Archäologie im Umgang mit jüngerer Geschichte, einschließlich rechtlicher Fragen und wissenschaftlicher Besonderheiten. Thomas Urban, Leiter des Stadtarchivs Witten, diskutiert, wie gesellschaftliche Impulse, etwa die Initiative der Schüler damals, Forschung und Gedenken nachhaltig beeinflussen, sodass Sachquellen noch heute zur Erinnerungskultur beitragen.

Mit Spracheinspielungen von Florian Bender.

Zur weiteren Recherche:

Cornelia Kneppe/Thomas Poggel, Hinter jeder Nummer ein Einzelschicksal ..., in: LWL-Archäologie für Westfalen (Hg.), 100 Jahre/100 Funde, Darmstadt 2020.

Claudia Theune, Spuren von Krieg und Terror. Archäologische Forschungen an Tatorten des 20. Jahrhunderts, Wien 2020.

Manfred Grieger/Klaus Rudolf Völkel, Klaus Rudolf, Das Außenlager „Annener Gußstahlwerk“ (AGW) des Konzentrationslagers Buchenwald. September 1944 – April 1945, Essen 1997, abrufbar hier.

Ralph Klein, Das KZ-Außenlager in Witten-Annen : Geschichte, städtebauliche Nutzung und geschichtspolitischer Umgang seit 1945. Berlin/Münster 2015. 

Thomas Poggel, Die Ausgrabungen 1990/1991 in Witten-Annen, Ennepe-Ruhr-Kreis. Archäologische Untersuchung eines Außenlagers des KZ Buchenwald, in: Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe 15 (2020/2021), abrufbar hier.

Thomas Poggel, Wieder entdeckt… KZ-Außenlager Witten, in: LWL-Archäologie für Westfalen (Blogbeitrag vom 11. Mai 2017), abrufbar hier.

LWL-Podcast „Regionalgeschichte auf die Ohren“. Folge 1: „Die Vergangenheit ragt in die Gegenwart“, LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, abrufbar hier.​

LWL-Podcast „Regionalgeschichte auf die Ohren“. Folge 6: „Ohne Zwangsarbeit wäre die deutsche Kriegswirtschaft wahrscheinlich zerborchen“, LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, abrufbar hier.

Zur Folgenseite

Hintergrund:

Untold Stories - Westfalens verborgene Geschichte[n] erzählen

Zum Themenjahr „1.250 Jahre Westfalen“ erzählt die Podcast-Serie Untold Stories in zwölf Folgen unbekannte Kapitel der Geschichte Westfalen-Lippes. Das LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte und das LWL-Medienzentrum für Westfalen nehmen mit auf eine Reise durch die Zeit. Dabei blicken wir nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch auf die Gegenwart. Von unbekannten Helden bis hin zu vergessenen Ereignissen – „Untold Stories“ inspiriert und eröffnet neue Perspektiven – auf Westfalen, auf Lippe, auf Geschichte.

Die Reihe wird veröffentlicht im Podcastkanal „Regionalgeschichte auf die Ohren (RadiO)“ und hier.

Das Projekt wird von der LWL-Kulturstiftung im Rahmen des Kulturprogramms zum Jubiläumsjahr 2025 "1250 Jahre Westfalen“ gefördert. Schirmherr des Kulturprogramms ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
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Über diesen Podcast

Das LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte ist eine wissenschaftliche Einrichtung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Es betreibt moderne Regionalgeschichtsforschung mit dem Schwerpunkt auf der Neueren Geschichte und Zeitgeschichte. In der Podcast-Reihe "Regionalgeschichte auf die Ohren" stellen die Historikerinnen und Historiker der Forschungseinrichtung ihre Projekte und Publikationen vor.
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„Regionalgeschichte auf die Ohren“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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