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apolut: Standpunkte
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Beschreibung
vor 3 Wochen
Die eigentliche Revolution dieses Krieges findet nicht im
Schützengraben statt. Sie entsteht in Datenplattformen, Software
und digitalen Beschaffungsnetzen. Dort wächst ein
militärisch-industrielles Ökosystem heran, das die europäische
Sicherheitsordnung grundlegend verändert – weitgehend unbeachtet
von der öffentlichen Debatte.
Ein Standpunkt von Sabiene Jahn.
Wer heute über den Krieg in der Ukraine spricht, denkt meist an
Frontverläufe, Panzerkolonnen oder die tägliche Zahl zerstörter
Drohnen. Die öffentliche Wahrnehmung orientiert sich an
sichtbaren Ereignissen. Militärische Stärke erscheint weiterhin
als Summe von Waffen, Soldaten und Produktionskapazitäten. Die
tiefgreifendere Veränderung vollzieht sich in den Datenströmen
zwischen Gefechtsfeld, Softwareentwicklung, Industrie und
Beschaffung.
Jede zerstörte Drohne, jeder gestörte Funkkanal und jede neue
Taktik erzeugen Informationen. Sie entscheiden darüber, welche
Waffe verbessert wird, welches Unternehmen den nächsten Auftrag
erhält und welche Technologie innerhalb weniger Wochen
weiterentwickelt wird. Der Krieg produziert damit einen
fortlaufenden Strom verwertbarer Daten.
Über Jahrzehnte verlief militärische Innovation in getrennten
Phasen - Forschung, Entwicklung, Erprobung, Beschaffung,
Produktion und Einsatz. Zwischen Idee und Nutzung lagen oft zehn
oder fünfzehn Jahre. In der Ukraine entstehen Entwicklung,
Einsatz, Auswertung und Verbesserung nahezu gleichzeitig. Neue
Produkte gelangen unmittelbar an die Front, Soldaten testen sie
unter realen Bedingungen, die Erkenntnisse fließen fast ohne
Zeitverlust zurück. Innerhalb weniger Wochen entstehen technische
Veränderungen, die wieder in das nächste Gefecht eingehen. Der
Krieg wird selbst zum Entwicklungsraum.
Beschaffungsentscheidungen stützen sich zunehmend auf
kontinuierlich erhobene Einsatzdaten. Maßgeblich ist dabei die
nachweisbare Bewährung unter Gefechtsbedingungen, nicht allein
die theoretische Leistungsfähigkeit. Der eigentliche Rohstoff
sind Daten über Reichweiten, Ausfallquoten, Zielgenauigkeit,
Lieferzeiten und den tatsächlichen Nutzen. Wer über diese
Informationen verfügt, besitzt einen Wissensvorsprung, der sich
in technische Verbesserungen und wirtschaftliche Vorteile
übersetzt. (12)
Während Regierungen über Waffenpakete und Milliardenhilfen
diskutierten, entstand eine digitale Infrastruktur, die
Entwicklung, Produktion, Einsatz und Beschaffung dauerhaft
verbinden soll. Den programmatischen Ausdruck dafür fand Walerij
Saluschnyj. Als der ehemalige Oberbefehlshaber der ukrainischen
Streitkräfte im Juli 2026 auf der internationalen Luft- und
Raumfahrtmesse in Farnborough sprach, beschrieb er den Krieg als
Beginn einer neuen militärischen Epoche. Die Ukraine sei zum
Labor des modernen Krieges geworden. Entscheidend sei künftig
nicht allein die Größe einer Armee. Ausschlaggebend werde ihre
Fähigkeit, Erfahrungen nahezu in Echtzeit in technische
Innovation zu übersetzen. (1)(2)
...https://apolut.net/die-fabrik-des-krieges-von-sabiene-jahn/
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