US-Imperialismus – auch ohne die USA? | Von Hermann Ploppa

US-Imperialismus – auch ohne die USA? | Von Hermann Ploppa

vor 2 Wochen
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vor 2 Wochen

Der Iran stand kurz vor dem Sieg. Da wurde eine neue
Militärallianz aus dem orientalischen Wüstensand gestampft. Hat
jener Dreierbund mit der Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan
dauerhaft Bestand?


Ein Standpunkt von Hermann Ploppa.


Der betrogene Iran


Der Iran stand kurz vor dem Sieg. Der Iran hatte sowohl die USA
wie dessen engsten Verbündeten in Nahost, Saudi-Arabien, fest im
Schwitzkasten. Die Meerengen von Hormus und Bab el Mandeb konnten
zu jeder Zeit geschlossen werden. Die USA kommen dann nicht mehr
an Rohstoffe für Düngemittel heran. Saudi-Arabien kann seine
Öltanker nicht durch die beiden Meerengen bringen. Die
finanzielle Lage sowohl der USA wie Saudi-Arabiens verschlechtert
sich zusehends. Trump steht mit leeren Händen und bis auf die
Knochen blamiert vor den Zwischenwahlen im kommenden November.
Der Iran steigert seine Forderungen für einen Waffenstillstand
immer weiter in astronomische Höhen.


Doch plötzlich ist alles ganz anders. Damit hatte außerhalb des
inneren Zirkels niemand gerechnet. Am 7. August treffen sich
plötzlich der Regierungschef Präsident Recep Erdogan, der
saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman sowie der
pakistanische Ministerpräsident Shebar Sharif in Mekka. Die drei
unterzeichnen feierlich einen Militärpakt. Um dem Ganzen ein
bisschen die militärstrategische Schärfe zu nehmen, treffen sich
die drei sunnitischen Regierungschefs am höchsten muslimischen
Heiligtum, Mekka nämlich. Ein Ort, den Ungläubige gar nicht
betreten dürfen. Die Drei betonen, der Pakt sei gegen kein Land
in der Region gerichtet. Es ginge um reine Selbstverteidigung.
Und sie veröffentlichen ein extrem kurzes Pressekommuniqué, dem
immerhin eine einzige klare Ansage zu entnehmen ist:


Unverkennbar ist diese gegenseitige Beistandsklausel abgekupfert
aus Paragraf 5 der Atlantik-Charta der NATO. Also: wer ein
Mitgliedsland der NATO angreift, bekommt es mit allen 32
NATO-Staaten zu tun. Und in diesem Falle: wer eine der drei
sunnitischen Nationen angreift, bekommt die geballte Macht aller
drei Militärkräfte zu spüren. Immerhin sind die drei Nationen
durchaus Schwergewichte in ihrem Bereich: Pakistan hat die
Atombombe. Saudi-Arabien hat viel Geld und obendrein eine potente
Luftwaffe. Und die Türkei verfügt über die zweitgrößte
NATO-Streitmacht, mit einem Potential von fast 900.000 Soldaten.
Eine türkische Streitmacht, die über Kampferfahrung unter anderem
in Syrien verfügt.


Die Mitgliedschaft der Türkei in diesem Dreierbund ist besonders
delikat. Denn damit ergibt sich die Möglichkeit, aus dem
Regionalkrieg im Nahen Osten einen Flächenbrand zu machen, der
sich auch auf Europa erstrecken kann. Stellen wir uns einmal vor,
die Türkei provoziert den Iran, und der Iran feuert daraufhin
Marschflugkörper auf die Türkei, was ohne Weiteres möglich ist.
Dann müssten rein theoretisch alle 32 NATO-Staaten dem Iran den
Krieg erklären. Nun ist wenig wahrscheinlich, dass die Türkei
sich mit dem Iran anlegen möchte. Auch ist der Paragraf 5 der
NATO-Charta nicht so stahlhart, wie er gerne erscheinen möchte.
Weder lässt sich aus dem Paragrafen ein Zwang zum solidarischen
Waffengang aller NATO-Staaten ableiten, noch sieht die Charta
eine militärische Option als vorrangig an .


Nun gibt es noch eine Merkwürdigkeit: der Vertragstext jenes
Dreierpaktes ist nirgendwo auffindbar. Die devoten Damen in
schwarzer saudischer Landestracht trugen möglicherweise lederne
Aktenordner zu den Tischen der drei Regierungschefs, in denen
sich nichts anderes befand als das gemeinsame Pressekommuniqué!
Es gibt einen möglichen Grund für die so plötzlich anberaumte
Vertragsunterzeichnung. Denn es war den Geheimdiensten
Saudi-Arabiens aufgefallen, dass die proiranischen Milizen im
Irak mit den jemenitischen Ansar Allah-Milizen gemeinsam eine
groß angelegte Attacke gegen sensible Ölfelder und
Logistik-Punkte im Scheichtum am 6. August durchführen wollten
.


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