Vor einigen Wochen habe ich euch von unserem Rosenstrauch in Olpe
erzählt, der hier bei uns im Garten beim Konvent wächst. Eigentlich
war der komplett hinüber. Eine riesige Holzkabeltrommel wurde auf
den Rosen über Wochen wegen einer Baustelle gelagert und als die
weg war, war auch von den Rosen nichts mehr zu sehen. Aber nach
einiger Zeit kamen sie doch wieder und in diesem Jahr haben sie so
wunderbar geblüht, als wäre nichts gewesen.Es geht aber auch in die
andere Richtung. So eine Sonnenblume sieht ja toll aus, sie steht
sinnbildlich für den Sommer. Oft wachsen sie sehr schnell und
werden richtig groß. Dann bilden sie mit ihrer großen Blüte und den
Kernen drin eine wirklich beeindruckende Pflanze.Jetzt ist aber
eine so genannte Zwergsonnenblume gerade im Topf eingegangen. Aber
warum? Sie hatte genug Wasser bekommen, viel Sonne, aber auch nicht
zu viel, die Erde war gut, der Topf auch nicht zu klein, außerdem
soll sie für Topfhaltung besonders geeignet sein und es war kein
Ungeziefer an ihr. Und trotzdem: Die Blätter werden welk, sie lässt
den Kopf schon etwas hängen und bald ist sie hin, ein wundersames
Comeback wie bei den Rosen ist ausgeschlossen.Ohne das Bild von der
Sonnenblume überstrapazieren zu wollen: Geht es uns nicht oft
ähnlich? Die Voraussetzungen stimmen, die Umstände scheinen zu
passen und trotzdem scheitern wir. Man fängt einen neuen Job an,
der genau zu passen scheint, die Kollegen sind nett. Und doch
bekommt man recht schnell das Gefühl: Das passt ja doch nicht und
nach einigen Monaten merken beide Seiten: Das geht beruflich so
nicht weiter.Oder ich muss an die vielen Paare denken, die am
Anfang ganz verliebt sind, alles scheint zu passen, die
Voraussetzungen für eine harmonische Partnerschaft sind da,
gemeinsame Interessen, ähnliche Vorstellungen und Erwartungen an
das Leben. Und trotzdem kommt es oft genug zu einer schmerzhaften
Trennung und eine große Enttäuschung darüber, dass das Leben zu
zweit gescheitert ist.Wir können vieles in unserem Leben
kontrollieren, zu unseren Gunsten beeinflussen. Oder wir werden
sogar positiv überrascht; um im Bild zu bleiben: die platt
gewalzten Rosen treiben doch wieder aus.Schwieriger wird es, wenn
wir unser Bestes gegeben haben, wenn wir uns wirklich bemüht haben
und trotzt allem steht da eine Enttäuschung.Wie können wir damit
umgehen? Mir hilft der Gedanke, dass da einer ist, der uns
vorbehaltlos liebt und immer bei uns ist. Der in seinem am Kreuz
gescheiterte Sohn zeigt, dass am Ende das Leben, die Hoffnung und
nicht der Tod, die Verzweiflung gewinnt.Gott gibt jedem Menschen
seine Würde und liebt jede und jeden von uns, egal ob vermeintlich
erfolgreich oder gescheitert. Das nimmt die Enttäuschung nicht weg
– aber kann uns helfen, damit und mit all den schwierigen Phasen in
unserem Leben umzugehen.
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