Heute denkt die Kirche an die Enthauptung Johannes des Täufers,
etwas platt gesagt könnte man sagen, er ist Opfer einer
öffentlichen Bloßstellung geworden, eines Shitstorms, vielleicht
nicht mit Social Media, aber dennoch in der Öffentlichkeit
bloßgestellt.Manchmal werden Menschen bloßgestellt, öffentlich und
vermittelt heute eben in Shitstorms, vor allem in Social Media. Und
ich erlebe es als Hochschullehrer auch manchmal an der Uni. Da
stellt sich die Frage: Wie gehen wir mit den scheinbaren Fehlern
anderer um? Im Evangelium sehen wir Jesus in genau so einem
Moment. Die Pharisäer bringen eine Frau zu ihm. Sie soll
bloßgestellt werden. Gesetz oder Gnade, Prinzip oder Mitgefühl, sie
wollen ihn in eine Falle locken. Doch Jesus reagiert mal
wieder anders. Er schreibt auf den Boden. Er schaut nicht direkt in
die Gesichter der Ankläger, sondern er wendet sich dem Boden
zu. Manchmal ist es klüger, nicht sofort auf Provokationen zu
reagieren. Distanz kann helfen, klar zu bleiben. Wie bei einer
beleidigenden Nachricht in einer WhatsApp-Gruppe: sofort antworten
oder erst einmal durchatmen? Dann spricht er den berühmten
Satz: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ Dieser
Satz enthüllt die Heuchelei, ruft zur Selbstreflexion auf, nicht
zur schnellen Verurteilung. Wer ist schon perfekt? Fehler in
Prüfungen, kleine Schwächen, Missverständnisse. Jeder kennt
das. Und dann die befreiende Gnade: Die Ankläger gehen, aber
Jesus bleibt. Er vergibt. Er gibt eine Chance. Nicht die Sünde
zu ignorieren, sondern: Du bist nicht nur definiert durch deine
Fehler. „Geh und sündige nicht mehr“, sagt er. Gnade und
Verantwortung gehen bei ihm Hand in Hand. Was bedeutet das für
uns heute? In Freundschaften, in der Familie, im Studium, auf der
Arbeit: Urteilen wir zu schnell oder erlauben wir Neuanfänge für
andere und vielleicht sogar für uns selbst? Es ist eine
Anleitung zu unserem Lebensstil der Gnade: nicht wegsehen, nicht
alles entschuldigen, aber Zeit nehmen, zu verstehen, zu helfen, Mut
zu machen – mit Barmherzigkeit und Gerechtigkeit.
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