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Erschienen im Jahr 2000, hat Robert D. Putnams meisterhafte
soziologische Analyse eine landesweite Debatte ĂĽber den Zustand
unserer Gesellschaft entfacht. Der Harvard-Politologe machte den
Begriff des „sozialen Kapitals“ populär und zeigte durch eine nie
dagewesene FĂĽlle an Daten auf, wie schleichend, aber unaufhaltsam
der gesellschaftliche Zusammenhalt schwindet. Das Buch veränderte
nachhaltig, wie wir ĂĽber Nachbarschaft, zivilgesellschaftliches
Engagement und die unsichtbaren Bindungen denken, die eine
Demokratie im Kern zusammenhalten.
3 zentrale Erkenntnisse aus dem Buch
Dieses Buch ist ein unverzichtbares Werk, weil es unsere gefĂĽhlte
Vereinsamung mit harten Fakten belegt und gleichzeitig Auswege
aufzeigt.
* Der beispiellose RĂĽckgang des sozialen
Kapitals: Seit den 1960er Jahren ist die
bĂĽrgerschaftliche Beteiligung dramatisch gesunken. Ob formelle
Mitgliedschaften im Elternbeirat, die Teilnahme an öffentlichen
Versammlungen oder informelle Traditionen wie regelmäßige
Dinnerpartys und Kartenspiele – die Menschen ziehen sich massiv
in die Isolation zurĂĽck.
* Die wahren Schuldigen der Isolation: Die
Erosion der Gemeinschaft ist messbar. Putnam belegt, dass der
Generationenwechsel (das langsame Aussterben der engagierten
Generation des Zweiten Weltkriegs) fĂĽr rund 50 Prozent des
RĂĽckgangs verantwortlich ist. Weitere 25 Prozent gehen auf das
Konto von Fernsehen und elektronischer Unterhaltung, gefolgt von
der Zersiedelung der Vorstädte („Sprawl“) und
wachsendem Zeitdruck.
* Soziale Bindungen sind ĂĽberlebenswichtig:
Soziales Kapital ist keine weiche Nebensache. Gemeinschaften mit
einem dichten sozialen Netz weisen signifikant niedrigere
Kriminalitätsraten, bessere Schulabschlüsse und höheren
wirtschaftlichen Wohlstand auf. Auf individueller Ebene gilt
sogar: Wer sich einer Gruppe anschlieĂźt, halbiert sein
persönliches Sterberisiko für das kommende Jahr.
FĂĽr wen ist das Buch besonders interessant?
* Soziologen, Politologen und Stadtplaner, weil
sie hier fundierte Erklärungsansätze finden, wie Zersiedelung,
Medienkonsum und Arbeitswelt den gesellschaftlichen Zusammenhalt
und die demokratische Stabilität beeinflussen.
* Community-Organisatoren, Vereinsvorstände und
Politiker, weil sie wertvolle Werkzeuge erhalten, um
bĂĽrgerschaftliches Engagement, Wahlbeteiligung und gegenseitiges
Vertrauen auf Basis evidenzbasierter Ursachenforschung neu zu
beleben.
* Alle, die sich ĂĽber den modernen Zeitgeist
wundern, vor allem fĂĽr neugierige Menschen, die
verstehen wollen, warum sich unsere Gesellschaft trotz wachsendem
Wohlstand und ständiger technologischer Erreichbarkeit immer
einsamer, gestresster und zynischer anfĂĽhlt.
Was Du aus dem Buch mitnehmen kannst
Die Erosion der Gemeinschaft und das Konzept des sozialen
Kapitals
Putnam verdeutlicht, dass Netzwerke einen greifbaren Wert haben –
das sogenannte soziale Kapital. Er unterscheidet
dabei präzise zwischen exklusivem („bonding“)
sozialem Kapital, das Menschen gleicher Herkunft
zusammenschweißt, und inklusivem („bridging“)
sozialem Kapital, das BrĂĽcken ĂĽber soziale und ethnische Grenzen
hinweg schlägt. Beide Formen sind in den letzten Jahrzehnten
drastisch geschrumpft. Die Folge ist, dass selbst die
rudimentärste Form der Gegenseitigkeit und das Vertrauen in den
„anonymen Anderen“ auf der Strecke bleiben, was unsere
Gesellschaft ineffizienter und misstrauischer macht.
Vom Liga-Bowling zum Alleingang
Der titelgebende Aha-Moment des Buches verbirgt sich hinter einer
faszinierenden Statistik: Zwar gingen in den 1990er Jahren mehr
Amerikaner zum Bowling als jemals zuvor, doch die Teilnahme in
organisierten Bowling-Ligen brach um 40 Prozent
ein. Was trivial klingt, ist ein perfektes Sinnbild fĂĽr den
Verlust der Zivilgesellschaft. Es geht nicht um den Sport an
sich, sondern um den Wegfall der beiläufigen
zivilgesellschaftlichen Gespräche „bei Pizza und Bier“, die nach
dem Spiel stattfinden. Diese Privatisierung der Freizeit wird vor
allem durch den unersättlichen Konsum von Unterhaltungsfernsehen
angetrieben, das als stiller Killer unserer sozialen Zeit agiert.
Die RĂĽckeroberung des bĂĽrgerschaftlichen Lebens
Putnam lässt den Leser jedoch nicht in Pessimismus zurück,
sondern zieht Parallelen zur sogenannten Progressiven Ära vor
hundert Jahren. Damals reagierte die Gesellschaft auf die
Entwurzelung durch die Industrialisierung mit einer Welle neuer
VereinsgrĂĽndungen (wie dem Roten Kreuz oder den Pfadfindern).
Ähnliche soziale Innovationen brauchen wir heute. Ob es
familienfreundlichere Arbeitsplätze, fußgängerfreundlichere
Stadtplanung, die Regulierung von Wahlkampffinanzierungen oder
die intelligente Nutzung des Internets zur Stärkung
lokaler Netzwerke ist – wir müssen bewusste
Entscheidungen treffen, um das soziale GefĂĽge fĂĽr die kommenden
Generationen neu zu knĂĽpfen.
Das Buch in einem Satz
Durch den rasanten Schwund sozialer Bindungen und
zivilgesellschaftlichen Engagements vereinsamt unsere
Gesellschaft zunehmend, doch wir haben die historische
Möglichkeit und gesellschaftliche Pflicht, unser lebenswichtiges
soziales Kapital durch neue, zeitgemäße Formen der Gemeinschaft
neu aufzubauen.
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