Robert D. Putnam – Bowling Alone

Robert D. Putnam – Bowling Alone

vor 1 Tag
18 Minuten
0
0 0
Podcast
Podcaster
Relevante Sachbücher in 15 Minuten. Mit uns weißt Du, was wichtig ist, und was drin steht.

Beschreibung

vor 1 Tag

Dieser Buchdialog ist kostenlos. Wenn du jede Woche weitere
Buchdialoge zu relevanten Sachbüchern erhalten möchtest,
abonniere uns kostenfrei.


Erschienen im Jahr 2000, hat Robert D. Putnams meisterhafte
soziologische Analyse eine landesweite Debatte über den Zustand
unserer Gesellschaft entfacht. Der Harvard-Politologe machte den
Begriff des „sozialen Kapitals“ populär und zeigte durch eine nie
dagewesene Fülle an Daten auf, wie schleichend, aber unaufhaltsam
der gesellschaftliche Zusammenhalt schwindet. Das Buch veränderte
nachhaltig, wie wir über Nachbarschaft, zivilgesellschaftliches
Engagement und die unsichtbaren Bindungen denken, die eine
Demokratie im Kern zusammenhalten.


3 zentrale Erkenntnisse aus dem Buch


Dieses Buch ist ein unverzichtbares Werk, weil es unsere gefühlte
Vereinsamung mit harten Fakten belegt und gleichzeitig Auswege
aufzeigt.


* Der beispiellose Rückgang des sozialen
Kapitals: Seit den 1960er Jahren ist die
bürgerschaftliche Beteiligung dramatisch gesunken. Ob formelle
Mitgliedschaften im Elternbeirat, die Teilnahme an öffentlichen
Versammlungen oder informelle Traditionen wie regelmäßige
Dinnerpartys und Kartenspiele – die Menschen ziehen sich massiv
in die Isolation zurück.


* Die wahren Schuldigen der Isolation: Die
Erosion der Gemeinschaft ist messbar. Putnam belegt, dass der
Generationenwechsel (das langsame Aussterben der engagierten
Generation des Zweiten Weltkriegs) für rund 50 Prozent des
Rückgangs verantwortlich ist. Weitere 25 Prozent gehen auf das
Konto von Fernsehen und elektronischer Unterhaltung, gefolgt von
der Zersiedelung der Vorstädte („Sprawl“) und
wachsendem Zeitdruck.


* Soziale Bindungen sind überlebenswichtig:
Soziales Kapital ist keine weiche Nebensache. Gemeinschaften mit
einem dichten sozialen Netz weisen signifikant niedrigere
Kriminalitätsraten, bessere Schulabschlüsse und höheren
wirtschaftlichen Wohlstand auf. Auf individueller Ebene gilt
sogar: Wer sich einer Gruppe anschließt, halbiert sein
persönliches Sterberisiko für das kommende Jahr.


Für wen ist das Buch besonders interessant?


* Soziologen, Politologen und Stadtplaner, weil
sie hier fundierte Erklärungsansätze finden, wie Zersiedelung,
Medienkonsum und Arbeitswelt den gesellschaftlichen Zusammenhalt
und die demokratische Stabilität beeinflussen.


* Community-Organisatoren, Vereinsvorstände und
Politiker, weil sie wertvolle Werkzeuge erhalten, um
bürgerschaftliches Engagement, Wahlbeteiligung und gegenseitiges
Vertrauen auf Basis evidenzbasierter Ursachenforschung neu zu
beleben.


* Alle, die sich über den modernen Zeitgeist
wundern, vor allem für neugierige Menschen, die
verstehen wollen, warum sich unsere Gesellschaft trotz wachsendem
Wohlstand und ständiger technologischer Erreichbarkeit immer
einsamer, gestresster und zynischer anfühlt.


Was Du aus dem Buch mitnehmen kannst


Die Erosion der Gemeinschaft und das Konzept des sozialen
Kapitals


Putnam verdeutlicht, dass Netzwerke einen greifbaren Wert haben –
das sogenannte soziale Kapital. Er unterscheidet
dabei präzise zwischen exklusivem („bonding“)
sozialem Kapital, das Menschen gleicher Herkunft
zusammenschweißt, und inklusivem („bridging“)
sozialem Kapital, das Brücken über soziale und ethnische Grenzen
hinweg schlägt. Beide Formen sind in den letzten Jahrzehnten
drastisch geschrumpft. Die Folge ist, dass selbst die
rudimentärste Form der Gegenseitigkeit und das Vertrauen in den
„anonymen Anderen“ auf der Strecke bleiben, was unsere
Gesellschaft ineffizienter und misstrauischer macht.


Vom Liga-Bowling zum Alleingang


Der titelgebende Aha-Moment des Buches verbirgt sich hinter einer
faszinierenden Statistik: Zwar gingen in den 1990er Jahren mehr
Amerikaner zum Bowling als jemals zuvor, doch die Teilnahme in
organisierten Bowling-Ligen brach um 40 Prozent
ein. Was trivial klingt, ist ein perfektes Sinnbild für den
Verlust der Zivilgesellschaft. Es geht nicht um den Sport an
sich, sondern um den Wegfall der beiläufigen
zivilgesellschaftlichen Gespräche „bei Pizza und Bier“, die nach
dem Spiel stattfinden. Diese Privatisierung der Freizeit wird vor
allem durch den unersättlichen Konsum von Unterhaltungsfernsehen
angetrieben, das als stiller Killer unserer sozialen Zeit agiert.


Die Rückeroberung des bürgerschaftlichen Lebens


Putnam lässt den Leser jedoch nicht in Pessimismus zurück,
sondern zieht Parallelen zur sogenannten Progressiven Ära vor
hundert Jahren. Damals reagierte die Gesellschaft auf die
Entwurzelung durch die Industrialisierung mit einer Welle neuer
Vereinsgründungen (wie dem Roten Kreuz oder den Pfadfindern).
Ähnliche soziale Innovationen brauchen wir heute. Ob es
familienfreundlichere Arbeitsplätze, fußgängerfreundlichere
Stadtplanung, die Regulierung von Wahlkampffinanzierungen oder
die intelligente Nutzung des Internets zur Stärkung
lokaler Netzwerke ist – wir müssen bewusste
Entscheidungen treffen, um das soziale Gefüge für die kommenden
Generationen neu zu knüpfen.


Das Buch in einem Satz


Durch den rasanten Schwund sozialer Bindungen und
zivilgesellschaftlichen Engagements vereinsamt unsere
Gesellschaft zunehmend, doch wir haben die historische
Möglichkeit und gesellschaftliche Pflicht, unser lebenswichtiges
soziales Kapital durch neue, zeitgemäße Formen der Gemeinschaft
neu aufzubauen.


Dieses Buch kaufen: Amazon


This is a public episode. If you'd like to discuss this with other
subscribers or get access to bonus episodes, visit
www.buchdialoge.de/subscribe
15
15
Episode teilen
Robert D. Putnam – Bowling Alone
Robert D. Putnam – Bowling Alone

Close