Gruda, Behrens, Demichelis: Darüber redet die Fußballwelt

Gruda, Behrens, Demichelis: Darüber redet die Fußballwelt

vor 6 Tagen
7 Minuten
0
0 0

Beschreibung

vor 6 Tagen

Jeden Morgen die Fußball-Analyse per Newsletter – kostenlos:
https://www.feverpitch.de/newsletter-anmeldung


Der Albtraum eines jeden deutschen Fußballfans hat mit Udo Lattek
zu tun. Wir erinnern uns: Als die Trainerlegende Borussia
Dortmund im April 2000 vor dem scheinbar sicheren
Bundesliga-Abstieg retten sollte, wollte ihn sein Arbeitgeber DSF
(heute Sport1) nicht kampflos aus dem Vertragsverhältnis
rauslassen.


Udo Lattek war ja die beste Werbefigur, die sich das "Deutsche
Sport-Fernsehen" seinerzeit leisten konnte. Der Titelsammler
stand jeden Sonntag pünktlich um elf Rede und Antwort im
"Doppelpass", wie heute die wichtigste Talksendung des TV-Senders
aus München-Ismaning. Aber der BVB brauchte Lattek unbedingt.


Die Lösung damals: Udo Lattek trug im Abstiegskampf bei jedem
Bundesliga-Spiel von Borussia Dortmund eine Kappe mit der
unübersehbaren Aufschrift "DSF". Rief er seinen Spielern was zu:
DSF! Wechselte er aus und ein: DSF! Interview nach Abpfiff: DSF!
Noch heute feixen sie in München über diesen PR-Deal.


Nun stellen wir uns das bei Jürgen Klopp als Bundestrainer vor.
Er bei jedem Länderspiel mit einer Kappe, wo nicht mehr - wie
früher beim BVB - "Pöhler" draufsteht, sondern: "Red Bull". Fehlt
nur der Hinweis in der Pressekonferenz, dass Jamal Musialas
Torschuss dem DFB-Team "Flügel verliehen" hat.


Der Aufschrei wäre so groß wie 2022 nach dem DFB-Pokalsieg von RB
Leipzig, als Kevin Kampl demonstrativ Red Bull in den Pott
kippte. Die Respektlosigkeit haben die Fans aus allen anderen
Teilen Deutschlands bis heute nicht verziehen. Nun also Klopp.
Wie weit darf der DFB gehen, um Jürgen Klopp zu bekommen?


Jahresgehalt und Vertragsdauer, Kompetenzen und Trainerstab:
Alles soll geklärt sein. Nur nicht die Frage, warum der
Getränkehersteller seinen Fußballchef und weltweit prominentesten
Mitarbeiter vorzeitig aus dem bis 2029 laufenden Vertrag
entlassen soll. Auf die passende Antwort wartet ein Thailänder.
Ja, richtig gelesen.


Sein Name: Chalerm Yoovidhya. Seit Firmengründer Dietrich
Mateschitz 2022 gestorben ist, hat der Milliardär als
Mehrheitseigner das Sagen im Red Bull Konzern. In der DFB-Spitze
überlegen sie hin und her, wie sie Herrn Yoovidhya von einer
Klopp-Freigabe überzeugen können. Es geht dabei nicht ums Geld.


"Was will er mit zehn Millionen Ablöse?", sagte kürzlich ein
Verbandsfunktionär im kleinen Kreis, "da lacht der drüber." Die
wahre Währung heißt "Akzeptanz", die Münze "Wohlwollen". Red Bull
kennt ja das eigene Image in Deutschland: Zu viele Fans hassen
"das Konstrukt", wie sie den Bundesliga-Klub RB Leipzig nennen.


Sogar als der DFB einen Kompromiss mit eingebautem
Interessenkonflikt erwog (Klopp gleichzeitig Bundestrainer und
Red-Bull-Botschafter), formierte sich sofort der offene
Widerstand - sowohl in der Fanszene "Unsere Kurve" als auch in
den Landesverbänden und sogar beim ehemaligen DFB-Präsidenten
Theo Zwanziger.


Von "Kniefall" und "No Go" war die Rede. Plötzlich beeilte sich
der DFB mit der Richtigstellung, dass eine Botschafterrolle
niemals zur Debatte gestanden hätte. Daraus entsteht jetzt ein
Dilemma: Einerseits will jeder, dass Klopp Bundestrainer wird -
aber bitte nicht so, dass Red Bull eine angemessene Kompensation
erhält.


DFB-Präsident Bernd Neuendorf und sein Vize Hans-Joachim Watzke
sind sich der Brisanz bewusst und wissen auch, dass der deutsche
RB-Chef Oliver Mintzlaff nicht der Bremsklotz ist. Entscheidend
ist der Thailänder: Der hat schon in seinem Formel-1-Team
bewiesen, dass er wichtige Personalien nicht einfach durchwinkt.


Chalerm Yoovidhya hielt seinen Teamchef Christian Horner nach
Vorwürfen länger im Amt, als das gesamte Umfeld das im
deutschsprachigen Raum wollte, weil er in ihm einen
Weltmeister-Macher sah und vermutlich auch eine Figur in einem
konzerninternen Machtkampf. Chalerm Yoovidhya ist eine harte
Nuss.


Auch das weiß man beim DFB. Weil Klopp beim FC Liverpool eine
Berühmtheit in aller Welt erlangt hat, ist sein Wirken als
Fußballchef im Red-Bull-Konzern nicht nur Händeschütteln und
Sprücheklopfen. Man muss nur bei der WM hinschauen, wenn er für
MagentaTV am Spielfeldrand steht und kommentiert.


Sogar Weltstars wie Lionel Messi und Kylian Mbappé kommen auf dem
Rasen zum bekanntesten deutschen Trainer und wollen den
berüchtigten „Hug", die körperliche Verbrüderung unter
Fußballern, wie man sie tausendfach an der Anfield Road gesehen
hat. Und so einen soll Chalerm Yoovidhya zum DFB lassen?


Kleine Vermutung: Sobald der Klopp-Deal beim DFB über die pure
Ankündigung hinausgeht und spruchreif wird, gehen die
Spekulationen los, was Red Bull für ein Entgegenkommen erwarten
darf. Geld wird es nicht sein. Aber vielleicht wäre eine Kappe
wie bei Udo Lattek vor 26 Jahren die erträglichste Lösung
gewesen.
15
15
Episode teilen
Gruda, Behrens, Demichelis: Darüber redet die Fußballwelt
Gruda, Behrens, Demichelis: Darüber redet die Fußballwelt

Close