MDR KULTUR trifft Dominik Intelmann

MDR KULTUR trifft Dominik Intelmann

vor 4 Tagen
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Beschreibung

vor 4 Tagen
Das Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex „Offener Prozess“ in
Chemnitz ist der bundesweit erste Erinnerungs- und Bildungsort, der
die Perspektive der Opfer von rassistischer Gewalt in den
Mittelpunkt stellt. Vor 15 Jahren, am 4. November 2011 enttarnte
sich die Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“, kurz
NSU, selbst. Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos erschossen sich, Beate
Zschäpe stellt sich nach kurzer Flucht der Polizei und wurde 2018
vom Oberlandesgericht München als Mittäterin zu lebenslanger Haft
bei besonderer Schwere der Schuld verurteilt. Im Herbst 2026
entscheidet sich, wie viele Restjahre sie noch verbüßen muß.
Zwischen 2000 und 2007 ermordete der NSU zehn Menschen, neun davon
aus rassistischen Motiven. Wie soll der NSU-Komplex aufgearbeitet,
wie angemessen an die Opfer erinnert werden? Im vergangenen Jahr,
am 25. Mai 2025, wurde in Chemnitz „Offener Prozess - Ein
Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex in Sachsen“ eröffnet, um
diesen Fragen nachzugehen. Neben einer umfangreichen Ausstellung
werden Filmreihen, Lesungen, Vorträge und Workshops angeboten. Im
Rahmen sogenannter „Critical Walks“ können Besucher soziale und
politische Räume erkunden, in denen rechte Dominanz damals
ungestört wirken und der NSU unentdeckt agieren konnte. Dominik
Intelmann, der den Forschungsbereich verantwortet, versucht in
einem Oral History Projekt zu den sogenannten
Baseballschlägerjahren noch einmal die langen Linien, die
rechtsautoritäre Dynamik in Chemnitz und Umgebung nachzuzeichnen,
um zu rekonstruieren, wie es zu den NSU-Morden kommen konnte. Seit
Ende Mai läuft eine neue Studie. Der Begriff Baseballschlägerjahre
beschreibt den extremen Anstieg rechter, rassistischer Gewalt in
den 1990er-Jahren. Das Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex
„Offener Prozess“ in Chemnitz kooperiert mit Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftlern aus ganz Deutschland. Eine enge Zusammenarbeit
gibt es mit der TU Chemnitz. Ein zugängliches Archiv soll aufgebaut
werden, daß gezielt die Lücken der offiziellen Erinnerungskultur
füllt und den Fokus auf die reale Erfahrung von Betroffenen rechter
Gewalt in Südwestsachsen legt. Der Bundestag hat die Förderung des
Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex „Offener Prozess“ in Chemnitz
für das Jahr 2026 mit Haushaltsmitteln in Höhe von 1,2 Millionen
Euro bewilligt. Eine langfristige Finanzierung ab dem kommenden
Jahr noch vage.
In Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz, wurde Dominik Intelmann 1981
geboren. Nach dem Abitur studierte er bis 2011 Philosophie an der
TU Chemnitz und bis 2017 Humangeographie an der Goethe-Universität
Frankfurt/ Main. Derzeit arbeitet Dominik Intelmann an seiner
Promotion zu den Themen: Orte des Kontrollverlustes, Orte der
Handlungsfähigkeit: Zur Geographie von Subjektivierungsformen am
Beispiel von Chemnitz und Leipzig.

Moderation Karoline Knappe
Redaktion: Angelika Zapf
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