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  4. Wenn eine Wallfahrt hochpolitisch ist
Ich habe ein Plakat gesehen, das in wunderbar grüner Natur eine
schmale lange Hängebrücke zeigt, wie es sie in Deutschland
mittlerweile einige gibt, über die ein Mann in typischer
Wanderkleidung mit festen Schuhen und Rucksack läuft. Und diese
Brücken sind ja bei Wind oder Sturm ziemlich wackelige
Angelegenheiten. Aber auf dem Plakat stand ziemlich fett gedruckt:
„In der Hoffnung leben – auch wenn die Welt wankt“ Männerwallfahrt
zum Klüschen Hagis am Fest Christi Himmelfahrt. Und in der
offiziellen Verlautbarung heißt es dann: Die Männerwallfahrt
lädt dazu ein, Hoffnung nicht als bloßes Warten auf bessere Zeiten
oder einfachen Optimismus zu verstehen, sondern als feste
Grundeinstellung, die Halt gibt und Orientierung schenkt. Die
Wallfahrt bietet die Gelegenheit, anzuhalten, neue Impulse zu
erhalten und den eigenen Glauben in Gemeinschaft zu stärken. Auf
dem Weg begegnen wir Herausforderungen und Erfahrungen, die uns
ermutigen, trotz der Unsicherheiten der Welt bewusst in der
Hoffnung zu leben.Und die Männerwallfahrt war immer mitten im
politischen Umfeld auch hochpolitisch.1956 nämlich, als sich immer
mehr herausgestellt hat, dass sich die Teilung unseres Landes
verfestigen würde und die Politik immer kirchenfeindlicher geworden
ist, haben einige mutige Männer diese Wallfahrt ins Leben gerufen.
Und sie wurde der jährliche Höhepunkt für oft mehr als 20 000
Männer und Jugendliche. Gemeinsam als Christen in einem feindlich
gesinnten Umfeld zusammenstehen, Gottesdienst feiern und sich im
Glauben stärken lassen, war eine starke Botschaft. Einer der
wichtigen Aspekte auf dieser Wallfahrt ist immer die Predigt des
jeweiligen Bischofs: Es geht immer um die politische,
gesellschaftliche und kirchliche Situation im Land, Missstände
werden benannt und Ermutigungen für das Leben aus dem Glauben im
Alltag gegeben. Das war zu Zeiten der DDR-Diktatur
überlebensnotwendig, damit die Christen mutig und gestärkt
weitergehen konnten. Interessanterweise ist die Wallfahrt nie
verboten worden. Das haben die Staatsverantwortlichen nicht gewagt.
Vielen Männern ist bei vielen Wallfahrten deutlich geworden, dass
Christsein immer eine politische Dimension hat: um Gottes Willen
für die Menschen da sein, auch wenn es unbequem und gefährlich ist.
Der gesellschaftliche Aspekt des Evangeliums wurde für viele
Menschen hier erst richtig deutlich. Und der Titel „In der Hoffnung
leben, auch wenn die Welt wankt“ ist für mich und dich heute
ebenfalls gültig und kann ein Auftrag in den Tag und die Woche
sein. 
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„Wenn eine Wallfahrt hochpolitisch ist“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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