In jedem von uns steckt der WolfHerzlich willkommen am
Montag.Während unserer Assisireise mit DOMRADIO-Hörern waren wir
unter anderem in Gubbio.Da war ich echt auch zum ersten Mal und ich
war begeistert von dieser uralten Stadt mit ihren reichen
Traditionen und mit ihrer so ganz anderen Architektur. Jedes
Stadtviertel hat seine Kirche und seinen Patron und heißt auch dann
nach ihm oder ihr.Berühmt ist diese Stadt durch eine sehr populäre
Legende mit dem Heiligen Franziskus.Die Stadt war von einem sehr
bösartigen Wolf bedrängt und niemand hat sich mehr aus dem Stadttor
getraut. Der Heilige Franziskus war zu Hilfe gerufen worden, weil
man irgendwie gehört hatte, dass er mit Tieren kann. Er kam und
hatte mit ihm, dem Bösen, gesprochen, ihm seine Vergehen
vorgehalten, aber auch Verständnis für seinen Hunger gezeigt und
mit ihm dann einen Vertrag ausgehandelt.Mit dem Bösen, dem Wolf,
zusammen ging er in die Stadt und besiegelte mit den Einwohnern den
Vertrag: Die Einwohner würden ihm sein tägliches Futter geben und
er würde nie mehr Menschen anfallen. So geschah es und der alte
Wolf lebte noch einige Jahre friedlich unter ihnen. So die
Legende.Überall in der Stadt sieht man Statuen und Gemälde, Fenster
und Bilder von diesem Geschehen. Aber eigentlich ist diese
Geschichte eine Mahnung und Aufforderung an jeden von uns selbst.
In jeder und jedem von uns gibt es neben dem Guten auch das Böse
und das muss beherrscht und bewusst bearbeitet werden, damit es uns
nicht beherrscht.Und die so nette Legende zeigt auch die Schritte
dazu: sich des Bösen und Unguten bewusst werden, die Dinge, die das
Böse durch mich angerichtet hat, benennen und nicht fromm
überdecken, Schritte zur Wiedergutmachung oder zum Ändern des
Verhaltens benennen und mit einem Vertrauten besprechen.Ich bin mir
sicher, dass der Wolf, der noch einige Jahre durch die Stadt
gelaufen ist, die Einwohner erinnert hat, den Vertrag zu halten,
aber auch sich an die eigene Nase zu fassen und immer zu schauen,
wo es Dinge bei jedem gibt, die aggressiv und bösartig sein können,
wenn ich sie nicht bearbeite und klein halte.Eine sehr
alltagstaugliche und nutzbare Legende, die zunächst so lieblich und
fromm daherkommt.
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