#01 - Die Anfänge der Musikproduktion in der DAW

#01 - Die Anfänge der Musikproduktion in der DAW

vor 7 Jahren
57 Minuten
0
0 0 0

Beschreibung

vor 7 Jahren
Eine Zeitreise mit Marc Bohn und Hans-Martin Buff

Digitale Bandmaschinen gab es mit der Sony-PCM-Serie bereits
Anfang der 80er mit 48 Spuren 44.1 kHz Sample Rate und 12 Bit.
„Like a virgin" von Madonna wurde beispielsweise komplett digital
aufgenommen.


Das Hauptproblem zu dieser Zeit waren Festplatten. So eine
Festplatte war damals, als es noch keine SSD-Platten gab, ein
mechanisches Gerät mit einem Schreib und Lese-Kopf, einer
Datenplatte und einer Steuerelektronik für Motor und
Kopfsteuerung. Die Zugriffszeiten waren also höher als heute, wo
alles über SD auf einem Chip mit extrem hohen Zugriffszeiten
gespeichert wird und sehr hohe Datenvolumen verfügbar sind. Als
gängige Anschlüsse kannte man IDE,SCSI, S-ATA und ATA.


Hier eine kleine Übersicht zur Entwicklung des
Datenvolumens:


1990 - 100 MB,

2000er - 10 GB,

2005 - 100 GB

2015 - erste 10 TB

2018 - 14 TB



Im Vergleich: Ein aktueller Audio PC von DAX bringt
folgende Leistung:


2 TB SSD

Rechenleistung: 8 x 3,6 GHz, Intel i7 oder i9

64 GB (4x16) DDR4

Knapp 2.700 Euro



Mein erster Rechner: Ein PC mit einem Cyrix
486er Prozessor. Damals, ca. 1994, gab es einen Turbo-Taster, um
von 33 auf 66 MHz zu schalten. Das Datenvolumen betrug maximal
400 MB. Als Betriebssysteme waren MS-Dos und Windows 3.11
installiert. Es wurde Minesweeper und Solitär gezockt ohne Ende.
In MS-Dos musste man noch Win eingeben, um Windows zu starten.


Aldi-PC vom November 2000


Für 2.598 Mark (1.328 Euro) ging ein Aldi-PC am 23. November 2000
an den Start. Der Rechner war mit einem Pentium III ausgestattet,
der Prozessor mit 900 Megahertz getaktet (FSB 100 Megahertz).


Aldi spendierte dem Rechner vom Hersteller Medion 128 Megabyte
Hauptspeicher und eine Geforce-2-MX-Grafikkarte mit 32 Megabyte
Speicher. Eine Festplatte mit 40 Gigabyte war ebenso im Rechner
enthalten wie ein 12fach DVD-Laufwerk und ein 4x4x32 CD-Brenner.


Entwicklung DAW


1984 – DigiDesign Sound Designer Der DigiDesign
Sound Designer war für 995$ zu haben. Er wurde hauptsächlich als
Sample Editor für Synclavia oder Fairlight genutzt. Später wurde
daraus Sound Tools und dann das heutige Pro Tools. Der Sound
Designer war nur für den Mac erhältlich und machte es zum ersten
Mal visuelles Editieren möglich. Das Audiosignal wurde also zum
ersten Mal auf einem Monitor dargestellt und man konnte durch
einen optischen Bezugspunkt auch wirklich sehen, was und wie man
editiert.


1989 - DAT I/0 - Digital I/O for the Sound Tools system
1989 Mit dem DAT I/0 - Digital I/O for the Sound Tools
system mit dem Namen Audiomedia I, kam nun auch eine 2-channel
DSP Karte mit analogen Ein- und Ausgängen auf den Markt.


1989 - SoundTools - DigiDesign, MIDI und 2-Spur-Audio-Editor -
3995$ (DAT Tracks im SDII-Format. WAV wurde erst 10 Jahre später
Standard. Das System wurde hauptsächlich fürs Mastering
verwendet.


Mehrere Eingänge konnten nicht unterstützt werden, da die
Festplatten das nicht mitmachten. Schreib-, Lese-Geschwindigkeit
und Datenvolumen waren zu gering.


Randnotiz: Sound Tools damals schon
non-destruktiv.


1991 - Pro Tools 1.0 Mit Pro Tools 1.0 erschien 1991 die erste
DAW mit der Möglichkeit, 4-Spur-Multitrack-Recordings
durchzuführen und zu editieren. Damals war es Digidesign, die die
einzige Hardware ohne Latenz lieferte.


Cubase und Logic waren bis dahin reine MIDI-Sequenzer.


Die Timeline


1989 - Cubase 1.0 für den Atari 1990 - Cubase 1.0 für Macintosh
**1996 - Cubase 1.6, Windows ** Mit Cubase 1.6 wurde auch das
Hard-Disk-Recording mit 8 Spuren integriert, Automationen konnten
erstellt werden und die DAW unterstützte ab sofort auch die
Digidesign Audiomedia III PCI-Karte.


1996 - Cubase Audio 3.0 TDM for Macintosh Ich
gleichen Jahr erschien für die Mac-Version Cubase Audio 3.0 TDM,
mit der es möglich war, 16 Spuren aufzunehmen.


1993 Emagic Notator Logic (699$)


Weitere Infos zur Historie der DAWs findet ihr unter
folgenden Links:


https://www.soundandrecording.de/stories/daw-history-vom-midi-navigator-zum-audio-allrounder/


https://www.namm.org/library/oral-history/evan-brooks (Sound
designer, sound tools …)


https://www.pro-tools-expert.com/home-page/2018/2/19/the-history-of-pro-tools-1984-to-1993


https://www.pro-tools-expert.com/home-page/2018/2/22/the-history-of-pro-tools-1994-to-2000


**Musik auf Floppy – Eine schöne Anekdote liefert der
Studio-Magazin-Artikel aus Heft 7 von 1984: Damals gab es ein
Aufnahme-System von CompuSonics, das auch einem digitalen Mixer
und einem Recorder bestand - DSP-2000. Damit konnte man vier
Stunden in Stereo, 2 Stunden in 4-Spur und eine Stunde 8-Spur
aufnehmen. Kostenpunkt: 30.000$. 40.000$ musste man für das
Gesamtpaket mit 4-Spur-Mischer, Aufnahmegerät und Disk-Laufwerken
hinblättern. Es gab aber auch eine kleinere Variante für den
Heimbereich - DSP-1000. Kostenpunkt: 1000 Dollar. Das System
lieferte zusätzlich das Speichern von Musik auf einer Floppy-Disk
im Kompressionsverhältnis von 5:1 bis 9:1. Außerdem war es
möglich, sich per Modem Musik von einem Händler herunterzuladen.


Hier ein Zitat aus dem Artikel von damals: "Musik auf Bestellung
per Modem vom Händler direkt auf die Floppy-Disk bedeutet die
Umstrukturierung des Handels mit Musik. Das würde Zwischenhändler
trockenlegen, die Kosten für Schallplattenfirmen würden drastisch
gesenkt, Presskosten entfallen, es gibt keine Versandkosten, und
die Umsätze würden steigen, weil der Konsument so wunderbar
einfach bestellen kann. Wer weiß! Aber wie gesagt, wenn es
funktioniert!"


Den gesamten Artikel findet ihr hier:
https://view.publitas.com/echoschall-bibliothek/studio-magazin-1984-oktober-heft-77/page/26-27
15
15
Close