#02 - Die Superbooth 2019

#02 - Die Superbooth 2019

vor 7 Jahren
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Beschreibung

vor 7 Jahren
Das Modular-Synthesizer-Event

Jörg Sunderkötter


Noch im Eingangsbereich treffe ich Freund, Mentor und
langjährigen Chefredakteur von Keyboards und Sound&Recording
Jörg Sunderkötter. Völlig überrascht frage ich ihn: Jörg, was
treibt dich zur Superbooth? Die alte Liebe zu analogen und
modularen Synthesizern. Außerdem kann man hier auch sehr gut alte
Freunde und Kollegen aus der Branche treffen. Was sind für dich
die Highlights? Mein persönliches Highlight ist die anstehende
Version von Bitwig Studio 3.0 und der modularen Erweiterung The
Grid. Das ist ein Modular-Synthesizer in der DAW. Ich durfte
schon einen Blick darauf werfen und ich bin wirklich begeistert.
Was glaubst du, wo die Modular-Szene in fünf Jahren steht?
Glaubst du, dass der Hype ins Stagnieren kommt, oder ist da sogar
noch mehr Potenzial? Das ist schwierig zu sagen. Das Wichtigste
ist, dass die Leute schrauben, mit Sounds experimentieren, mal
aus der Box rauskommen, irgendwas zusammenstöpseln und Spaß damit
haben. Man muss ja nicht unbedingt professionell Musik damit
machen.


Anatol Locker


Zwei Meter weiter treffe ich Modular-Künstler und den früheren
Keyboards-Autoren Anatol Locker. Blöde Frage: Was machst du denn
hier? Ich habe während der Superbooth in einem Club einen kleinen
Gig zusammen mit Florian Anwander, da spielen wir als ambioSonics
rein elektronische Musik. Außerdem spiele ich noch mit meiner
lieben Kollegin Martha Bahr als Lucid Grain hier auf der
Seebühne. Ihr habt auch gerade ein gemeinsames Album rausgebracht
… Es gab jetzt ein Re-Release von unserem alten Album mit zwei
neuen Tracks. Das kommt jetzt als Japan-Version bei unserem Label
Modularfield heraus. Die zweite gemeinsame Platte erscheint im
Herbst. Welche Rolle spielten Modular-Synthesizer bei der
Produktion? Eine absolut zentrale Rolle. Wir machen es immer so,
dass wir uns gegenseitig kleine Schnipsel zuwerfen, damit wir
ungefähr wissen, was uns musikalisch erwartet. Dann jammen wir
eine halbe bis dreiviertel Stunde mit unseren Kisten darüber,
nehmen das als Live-Set auf und suchen uns dann die schönsten
Passagen heraus. Die Auswahl wird dann noch ein kleines bisschen
bearbeitet, ohne neue Sachen dazu aufzunehmen, und dann
veröffentlicht. Gibt es Sachen, die du dir hier unbedingt
anschauen musst? Absolut! Ich arbeite sehr gerne mit den Geräten
von Elektron, die ich auch ganz früh für das Magazin getestet
habe. Mich interessiert deshalb, was sie mit der neuen Digitone
gemacht haben. Es gibt außerdem eine ganze Menge an Modulen, die
ich mir anschauen möchte, zum Beispiel die neue Slime Line von
Doepfer. Das ist hier ein bisschen wie Pokemon sammeln nur mit
echtem Geld. (lacht)


Dieter Doepfer


Ich bin dein Vater. Nach der Empfehlung von Anatol dachte ich,
schaue ich doch mal beim Vater des Eurorack-Systems Dieter
Doepfer vorbei. Dieter, ich habe gehört, du hast eine neue
Kollektion, die Slim Line? Wenn man so will, ja! (lacht) Im
Endeffekt ist es nicht wirklich was Neues, sondern es gab alles
schon vorher, jetzt aber in einem wesentlich kleineren
Formfaktor. Wir haben vorwiegend Module mit 4 TE Breite, die
vorher 8, 10 TE oder noch breiter waren. Dazu zählen Mixer,
Filter, Hüllkurve, LFOs, und alles mit 4 TE Breite. Das war ein
Wunsch der User, die live auf der Bühne mehr Platz in ihrem Rack
brauchen. Wo liegen wir da preislich? Das ist unterschiedlich.
Ein paar Module liegen bei ca. 80 Euro, der Mixer liegt
beispielsweise bei 50 Euro. Wir haben auch noch ein Modul mit
einer 10-TE-Front und einem kompletten kleinen Synthesizer inkl.
VCO, VCF und VCA, einem Hüllkurven-Generator, Suboktave und
vielem mehr. Der wird um die 160 Euro kosten. Was sagst du dazu,
dass Behringer in den Synth-Markt eingestiegen ist und vielleicht
auch Module herstellt? Ich glaube, dass der Markt groß genug ist.
Es wird sicher so sein, dass Einsteiger auf Behringer
zurückgreifen. Wenn man sich allerdings auf dem Eurorack-Markt
umschaut, gibt es da mittlerweile tausende verschiedene Module.
Behringer wird da sicher bei den Basics mitmischen. Es gibt aber
auch so viele Exoten, wo Behringer sich aufgrund der geringen
Stückzahlen bestimmt nicht einmischen wird. Du giltst ja als
Vater des Eurorack-Systems. Ist das eine Bezeichnung, die dich
manchmal nervt oder bist du da einfach nur stolz drauf? Da bin
ich in erster Linie stolz drauf! Es ist für uns einfach gut
gelaufen, das war reiner Zufall. Es war auch nicht geplant, dass
es sich so entwickelt. Es ist nicht mein Verdienst, sondern der
der Anwender. Ich danke ihnen, dass sie es zu dem gemacht haben,
was es jetzt ist.


**Die Superbooth 2019 **


Zum Schluss spreche ich mit meinem Kollegen Lukas Bilz aus der
Redaktion von Gitarre&Bass, der zum ersten Mal die Superbooth
besucht hat. Lukas, drei Tage Superbooth sind vorbei. Was ist
dein Eindruck? Es war super, aber auf jeden Fall krasser als
gedacht. Das waren so viele Eindrücke durch die vielen Musiker,
die vielen Aussteller und der riesigen Fläche. Ich glaube, ich
muss das erst einmal verarbeiten. (lacht) Das beginnt ja schon
mit der Location. Das FEZ ist ein Freizeitzentrum, im Foyer steht
eine riesige Kletterburg mit Bällebad und Rutsche. Ein Teil der
Aussteller ist in einer Turnhalle untergebracht, wo man auf dem
Weg hin an einer Schwimmhalle vorbeikommt und Leute auf dem Flur
stehen und sich die Haare föhnen. Ich war davon im ersten Moment
etwas irritiert. Am letzten Tag liefen dann Erwachsene und Kinder
im Anzug oder schicken Kleidern rum, weil dort wohl irgendwie
eine Konfirmation war. Die Location ist total verwinkelt und
weitläufig. Deshalb ab ich am zweiten Tag noch Sachen entdeckt,
die ich vorher noch nicht gesehen hatte. Konntest du auf der
Seebühne oder in den Gesprächskonzerten irgendwelche spannende
Acts sehen? Ich habe einige Acts gesehen, bei denen ich zufällig
vorbeigekommen bin. Deshalb kann ich jetzt gar nicht sagen,
welche das waren. Mario Hammer und Richard Devine hätte ich gerne
noch gesehen, aber da waren wir leider schon weg. Daniel Miller
konnte ich allerdings noch sehen. Für Programm war also definitiv
gesorgt. Es liefen viele Artists einfach auf dem Flur rum.
T.Raumschmiere hat man ständig gesehen und sogar Jean-Michel
Jarre. Das war für mich wirklich ein Highlight, ihn dort als
Besucher zu sehen. Was sagst du generell zum Besucheraufkommen
und den Modular-Nerds? Die Aussteller können definitiv zufrieden
sein. Es war teilweise schon echt richtig voll. Ich habe viele
YouTuber gesehen, die man kennt, wenn man sich mit der Materie
beschäftigt. Zu den Nerds würde ich mich auch zählen. (lacht)
Aber klar, es liefen viele bunte Vögel herum, was aber zur
Superbooth gehört und die Veranstaltung ausmacht. Und generell
war die Stimmung schon sehr locker. Bist du nächstes Jahr wieder
dabei? Auf jeden Fall! Ich auch! [9052]
UDO Super6

Für viele ein Highlight: Der Super 6 der neuen Entwicklerbude UDO
aus Bristol. Ein Synthesizer mit digitaler Klangerzeugung und
analogen Filter, an dessen Entwicklung Axel Hartmann beteiligt
war, der bereits mehrere Synths für Waldorf entwickelte.
Uno Drums

Ein Drumcomputer als Ergänzung zum UNO Synth: Der UNO Drum!


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