Podcast
Podcaster
Beschreibung
vor 6 Jahren
Equipment, Recording, Editing, Mixing
Podcasts gibt es bereits seit über 15 Jahren. Aktuell feiert das
Medienformat eine Art Renaissance bzw. erlebt seinen zweiten
Frühling – oder sagen wir: den ersten! Denn so wirklich
angekommen sind Podcasts nie … bis jetzt. Das hat wohl viele
Gründe: weniger lesen, weniger Bildschirm-Starren, mehr berieseln
lassen. Gedankenreisen! Ich persönlich bin auch gerade erst auf
den Trichter gekommen und höre Podcasts zu den Themen
Abenteuerreisen, Eishockey, Whisky und natürlich auch
Musikproduktion. Da mich natürlich interessiert, wie die
Podcaster ihre Folgen produzieren, bin ich der Sache mal auf den
Grund gegangen.
Die Produktion von Podcasts
So entsteht der Sound&Recording-Podcast Ich hatte es mir
natürlich nicht nehmen lassen, endlich die Idee von einem eigenen
SOUND&RECORDING-Podcast umzusetzen. Doch bevor man überhaupt
den ersten Satz aufnimmt, stellt sich die Frage nach dem Konzept,
um die Technik dementsprechend anpassen zu können: Wird es ein
Monolog, oder gibt es Gäste, mit denen man über ein Thema spricht
oder die man interviewt? Wenn ja, wie viele Gäste gibt es
mindestens oder maximal? Findet die Aufnahme immer im gleichen
Raum statt, oder möchte man auch mal flexibel von unterwegs mit
dem Smartphone aufnehmen? Dann stellt sich natürlich die Frage:
Brauche ich ein Tischmikrofon oder ein Handmikrofon, eher ein
dynamisches oder vielleicht ein Kondensator-Mikrofon mit
Großmembran? Oder doch vielleicht Lavaliers? Im Grunde gibt das
Podcast-Konzept vor, was gebraucht wird! Wir haben uns
umgeschaut, und für verschiedene Varianten Lösungen rausgesucht,
um in der Landschaft der Podcast-Mikrofone einen Überblick zu
bekommen und gehen darauf ein, was bei der Aufnahme und der
Nachbearbeitung von Sprachaufnahmen generell beachtet werden
sollte.
DIREKT IM OHR ODER PLATZ FÜR RAUM? Lauscht man
den gängigen Podcasts in seiner Playlist, klaffen die
Klangunterschiede weit auseinander. Die einen sind produziert wie
eine professionelle Radiosendung, weil vielleicht sogar ein
bekannter US-Sportsender dahintersteht, manche hören sich an, als
wäre das Gespräch mit fünf Personen in einer Kneipe mit
Hintergrundmusik, bei reichlich Bier und über lediglich ein
Mikrofon aufgenommen worden. Hört sich nicht nur so an, ist auch
so! Natürlich sollte man sich vorher Gedanken machen, wie man
klingen möchte und wie hoch der eigene Qualitätsanspruch ist. Um
nach Radio zu klingen, solltet ihr den Nahbesprechungseffekt
nutzen, um den Bassanteil in der Stimme anzuheben und so dem
Hörer das Gefühl zu geben, man sei direkt „im Ohr“. Dabei sollte
jeder Gesprächspartner ein Großmembran-Kondensatormikrofon vor
der Nase stehen haben, am besten mit Pop-Schutz und einem Abstand
zwischen 5 und 10 cm zur Membran. Ich persönlich mag diesen
Effekt sehr gerne, platziere den Popschutz deshalb ca. 5 cm vor
der Membran und versuche, so nah wie möglich in den Pop-Schutz zu
sprechen. Kopfhörer natürlich voll aufgedreht – Sänger-Krankheit.
Aber Achtung: Auf Übersprechen achten. Bei meinem halboffenen
Beyerdynamic DT 990 Pro nicht gerade ideal, aber kenne ihn sehr
gut, von ihm kann da schon mal was mit auf die Aufnahme kommen.
Wenn ihr euch die Arbeit in der Nachbearbeitung erleichtern
wollt, solltet ihr unbedingt mit geschlossenem Kopfhörer
arbeiten. Bei unseren Podcast-Aufnahmen nutze ich USB-Mikrofone,
die ich an meinem MacBook anschließe. Häufig kommen dabei das
Beyerdynamic FOX und das Apogee Hype Mic zum Einsatz. Beide sind
Großmembran-Kondensatormikrofone, die ich unter den Audio- &
MIDI-Einstellungen auf meinem MacBook als Hauptgerät einrichte,
die Ein- und Ausgänge benenne, damit ich im I/O-Setting meiner
DAW nicht durcheinanderkomme, und schon kann ich die beiden
Mikros als In- und Outputs verwenden. Beide sind nämlich auch
Interface und haben zusätzlich einen eigenen Kopfhörerausgang. In
meiner DAW muss ich jetzt nur noch dieses Konstrukt als Interface
angeben, und los geht’s. Achtung: Jedes Mikrofon muss an einen
eigenen USB-Port angeschlossen werden, mehrere Mikrofone über
einen Adapter verbunden, funktioniert leider nicht. Mein MacBook
Pro stammt aus 2017. Deshalb habe ich lediglich vier Ports mit
jeweils Thunderbolt- bzw. USB-C-Anschluss. Bei zwei
USB-Mikrofonen bräuchte ich also zwei Adapter. Deshalb nutze ich
gerne das Apogee Hype Mic, da im Lieferumfang neben USB-A und
Lightning- auch ein USB-C-Kabel dabei ist. Der Adaptierwahn hat
ein Ende! Wenn ihr eher einen etwas räumlicheren Sound haben und
weniger nach Radio klingen möchtet, könnt ihr das Mikrofon auch
in einem Abstand zwischen 20 und 40 cm vor euch auf den Tisch
stellen. Bei vielen USB- oder Lightning-Mikrofone wird ein
Tischstativ mitgeliefert. Ich rate euch, jedem
Gesprächsteilnehmer ein Mikrofon hinzustellen, statt dass sich
mehrere Sprecher ein Mikrofon teilen. Letzteres kann mal eine
Notfall-Lösung sein, macht allerdings die Nachbearbeitung
aufgrund des Übersprechens und der unterschiedlichen Lautstärke
sehr schwierig bzw. zeitintensiv und lässt die Qualität stark
leiden. Egal ob Nahbesprechung oder eine Aufnahme mit mehr Raum,
der Abstand zum Mikrofon sollte in einem gewissen Maße
eingehalten werden, um den Pegel so konstant wie nur möglich zu
halten, was bei einem dynamischen Instrument wie der Stimme
sowieso schon schwierig genug ist. Hintergrundgeräusche sind zu
beachten. Auch wenn man in vielen Podcasts zwischendurch mal
einen Hund bellen hört, die Bedienung nach der nächsten
Bestellung fragt oder ACDC im Hintergrund laufen – was durchaus
Atmosphäre schafft –, sollte man sie so gering wie möglich
halten. Vor allem bei ACDC kann nach der Veröffentlichung auch
mal die GEMA vor der Tür stehen.
AKUSTIK
Nein, ihr müsst jetzt nicht eure Küche akustisch optimieren, um
dort „Omis-Koch-Podcast“ zu produzieren. Es reicht, wenn man
darauf achtet, dass man nicht im verhallten Umfeld 3 Meter vom
Mikrofon weg steht, sondern dann möglichst nah ins Mikrofon
reinspricht. Dort eignen sich beispielsweise Ansteckmikrofone
sehr gut, da man zum Kochen ja auch die Hände braucht. Für manche
Umgebungen machen allerdings Reflexion-Filter Sinn. Die platziert
man einfach hinter dem Mikrofon, wenn Platz da ist, um die
Akustik des vielleicht nicht ganz so optimalen Raums, so gut es
geht, auszublenden. Auch mit der Richtcharakteristik der
Mikrofone kann man arbeiten. So lässt sich beispielsweise mit
einer Niere der rückwärtige Schall ausblenden.
ICH HÖRE STIMMEN! Bei der Aufnahme vermeide ich
es, die Kompression direkt mit aufzunehmen. Das Apogee Hype Mic
verfügt beispielsweise neben dem neutralen Modus ohne Kompression
über drei Kompressor-Einstellungen: leicht, mittel und stark. Bei
einer unserer ersten Podcast-Aufnahmen haben wir die Presets
durchgesteppt und sind bei „stark“ hängengeblieben. „Boah, klingt
das fett!“ War auch so! Allerdings haben wir damit den Raumanteil
stark angehoben, und die Stimme des Gesprächspartners, der im
gleichen Raum saß, war mehr als deutlich auf dem gleichen Signal
zu hören. Was dazu führt, dass die beiden eigentlich getrennten
Signale in der Lautstärke schwieriger regelbar sind, weil man den
anderen immer über dasselbe Mikrofon mithört. Darauf sollte bei
einer Aufnahme mit Kompression geachtet werden. Vielleicht
versuchen wir es beim nächsten Mal mit „leicht“! Die Aufnahme
erfolgt bei unserem Podcast mit 16 Bit und einer Sampling-Rate
von 44,1 kHz. Beim Pegeln achte ich darauf, dass die Peaks
zwischen –9 und –6 dB liegen. Am besten bittet ihr den Sprecher,
beim Soundcheck laut und deutlich zu reden, um für mögliche
Spitzen genügend Headroom zu haben. Kleiner Rat: Macht
sicherheitshalber eine Testaufnahme von 30 Sekunden und
kontrolliert, ob auch wirklich alles aufgenommen wird. Und auch
wenn ihr im gleichen Raum seid, klatscht zu Beginn der Aufnahme
kurz in die Hände oder einem Anwesenden ins Gesicht, um in der
DAW einen visuellen Bezugspunkt zu schaffen, an dem man
eventuelle Latenzen durch Anpassen des Peaks auf beiden
Audiospuren ausgleichen kann. SPRACHE MUSS SEIN! Da ich
mittlerweile ein paar Podcasts produziert habe, kann ich euch
sagen, dass es zeitintensiv ist, laute Schmatzer, Atmer, Ähms und
sonstige Körpergeräusche rauszuschneiden. Deshalb am besten auf
Schmatzer und Atmer ins Mikro achten und wenn möglich vermeiden.
Man kann auch, während der andere gerade spricht, seitlich am
Mikrofon vorbei atmen statt direkt auf die Membran zu. Ähms sind
so eine Sache; natürlich soll die Aufnahme auch authentisch
bleiben, deshalb gehören Ähms dazu, und man sollte nur selektiert
im Nachgang diese akustischen Indikatoren dafür, dass das Gehirn
gerade arbeitet, rausschneiden. Pausen und Wartezeiten, während
der Apparat läuft, können auch verkürzt und rausgeschnitten
werden. „Moment, da muss ich mal ganz kurz überlegen …“ Wenn man
es schafft, diese Pausen mit einer guten Moderation zu
überbrücken, alles cool! Oft passiert in dieser Zeit allerdings
nicht viel, und der Hörer fragt sich: „Ist der eingeschlafen?“
Und der Podcast-Host freut sich, da man nur ein gewisses Volumen
an Upload-Minuten in seinem Account pro Monat besitzt. Da muss
man einfach ein gesundes Mittelmaß finden. Allerdings wirkt es
auch unnatürlich, wenn gerade eine Frage gestellt wurde und der
Gegenüber ohne zu überlegen wie aus der Pistole geschossen
antwortet. Man sollte es mit dem Verkürzen also auch nicht
übertreiben. Ein gesundes Mittelmaß ist hier, wie überall, eine
gute Lösung. Dann gibt’s ja mal Versprecher, die auch zum Charme
der Veranstaltung beitragen und über die hin und wieder auch mal
gelacht wird. Sehr wichtig! Manchmal verzettelt man sich
allerdings und verliert sich in einem Wortgewirr, sodass es etwas
dauert, bis man den Knoten entwirren kann. Hat man den Faden
wiedergefunden, ist es am einfachsten, man beginnt den Satz,
sofern man sich noch daran erinnert, einfach wieder von vorne.
Das macht es beim Editieren einfacher, da man lediglich den
Zwischenteil rausschneiden muss. Langsam und deutlich reden ist
genauso wichtig wie die eigentliche Selbstverständlichkeit, den
anderen ausreden zu lassen und ihm nicht ins Wort zu fallen.
Natürlich wird auch mal heiß diskutiert, es entstehen
Wortgefechte, die einen Sieger brauchen. Das Reingrätschen stört
allerdings oft den Fluss eines Gesprächs. Deshalb immer schön
ausreden lassen, vielleicht einen kleinen Moment warten und dann
erst reagieren. Es macht auch Sinn, genau zu zuhören, was der
andere sagt und sich Notizen zu machen, um Anschlussfragen später
stellen zu können. Das hat sich bei mir durchgesetzt! Ich klicke
dann vor der Membran die Miene aus dem Kuli, setzte mit der
Spitze monumental auf meinem Blatt Papier auf, dass dabei noch
raschelt … Hat alles seinen Charme! EDITING LÄUFT SYNCHRON!
Zuerst editiere ich redaktionell, d. h., ich schneide
Versprecher, Pausen, auffällige Schmatzer und Ähms raus. Dabei
schneide ich im 0-Durchgang der Sinuswelle, da sonst Knackser
entstehen können. Innerhalb von Wörtern lässt sich am besten vor
plosiven Lauten wie beispielsweise P oder K schneiden. Bevor ich
jedoch mit dem Schneiden beginne, lege ich Edit-Gruppen an und
füge alle Spuren hinzu, die ich aufgenommen habe. Dadurch
bearbeite ich alle Spuren simultan an der gleichen Stelle, egal
ob ich schneide, einfüge oder die Länge der Audioblöcke anpasse –
Es passiert auf allen Spuren synchron. Außerdem wechsle ich in
Pro Tools in den Shuffle-Mode. Auch in der kostenlosen DAW
Audacity steht diese Funktion zur Verfügung – einfach auf die
Stoppuhr im Werkzeug-Bereich klicken. Diese Möglichkeit gibt es
in anderen DAWs auch! Der Shuffle-Mode ist ein sehr wichtiges
Feature, mit dem man von Beginn an bei der Sprachaufnahme
arbeiten sollte, auch bei nur einer Spur, weil, wenn man
beispielsweise etwas rausschneidet, einfügt oder die Länge
verändert, das nachfolgende Audiomaterial automatisch nachgerückt
wird. Es entstehen also keine Lücken und man muss nichts von Hand
hin und her schieben. Dann müssen lediglich Fades bzw.
Cross-Fades nach jedem Schnitt gesetzt werden, und das war´s!
Ganz wichtig ist allerdings auch das Arbeiten in den bereits
angesprochenen Edit-Gruppen, um wirklich in allen Spuren
gleichzeitig zu schneiden. Sonst läuft man Gefahr, die
Synchronität der Spuren zu verlieren. Das hört man spätestens
dann, wenn der eine schon antwortet, obwohl der andere noch gar
nicht die Frage gestellt hat. Übersprechen durch Kopfhörer sind
hier zum Beispiel hilfreich! Falls sie auffallen, weiß man, dass
irgendwas nicht stimmt. Am besten drückt man dann so lange Undo,
bis alles wieder übereinander läuft. Dann ist vielleicht viel
Arbeit dahin, allerdings spart man sich das mühselige Anpassen
per Hand und Gehör, um den Ursprungszustand wiederherzustellen.
Wurde bei Aufnahme der Abstand zum Mikrofon mal nicht
eingehalten, automatisiere ich die Lautstärke an wirklich extrem
schwankenden Stellen auch gerne mal nach. Viele beginnen mit dem
Sprechen und bewegen sich währenddessen erst zum Mikrofon hin.
Dem kann man durch Automation der Lautstärke etwas
entgegenwirken. Aus diesem Grund und dem Fakt, dass viele einen
nicht aussprechen lassen, ist es von Vorteil, nur ein
Handmikrofon zu nutzen, was jeder dann bekommt, wenn er dran ist.
Dann weiß jeder, dass er jetzt erst reden darf. Etwas Sarkasmus …
FEINTUNING Sobald der grobe Schnitt stimmt,
verlasse ich den Shuffle-Mode sowie die Gruppenbearbeitung und
mache mich an Details. Hier scheiden sich die Geister, und man
muss wirklich für sich selbst entscheiden, wie professionell man
es haben will. Ich schneide tatsächlich alle Sprechpausen raus
und die Audiospuren frei. D. h., wenn einer redet, schneide ich
in diesem Teil die Audiospur des anderen heraus; „Mhms“,
Zwischenfragen und zum Gespräch dazugehörige Laute werden drin
gelassen. Danach setze ich an allen Audioblöcken jeweils einen
Fade-In und einen Fade-Out. Diese Vorgehensweise ist zwar mit
einem höheren Zeitaufwand verbunden, ist aber mein
Qualitätsanspruch an unseren Podcast. Danach wird konsolidiert,
damit alle Schnipsel wieder in einem Block sind, fertig!
Natürlich kann man solche Sachen auch über ein Noisegate regeln.
Allerdings nervt mich diese ständige Fummelei, um eine
Einstellung zu finden, die für die gesamte Sprachaufnahme passt.
Dann mache ich es lieber pragmatisch. Wichtig ist beim Schneiden:
digitale Stille vermeiden! Das heißt, es sollte immer mindestens
eine aufgenommene Spur laufen. Fehlt irgendwo ein Stück, lässt
sich, um die Stille zu überbrücken, einfach ein Bereich mit
Stille aus der gleichen Spur kopieren und einfügen. Fades setzen,
läuft! Bejahende „Mhms“ oder „Ahas“, die dem Sprechenden
signalisieren, dass man noch zuhört, können auch zu laut sein.
Deren Lautstärke passe ich dann per Automation an. Rausschneiden
funktioniert leider nicht, da man sie meistens du
Podcasts gibt es bereits seit über 15 Jahren. Aktuell feiert das
Medienformat eine Art Renaissance bzw. erlebt seinen zweiten
Frühling – oder sagen wir: den ersten! Denn so wirklich
angekommen sind Podcasts nie … bis jetzt. Das hat wohl viele
Gründe: weniger lesen, weniger Bildschirm-Starren, mehr berieseln
lassen. Gedankenreisen! Ich persönlich bin auch gerade erst auf
den Trichter gekommen und höre Podcasts zu den Themen
Abenteuerreisen, Eishockey, Whisky und natürlich auch
Musikproduktion. Da mich natürlich interessiert, wie die
Podcaster ihre Folgen produzieren, bin ich der Sache mal auf den
Grund gegangen.
Die Produktion von Podcasts
So entsteht der Sound&Recording-Podcast Ich hatte es mir
natürlich nicht nehmen lassen, endlich die Idee von einem eigenen
SOUND&RECORDING-Podcast umzusetzen. Doch bevor man überhaupt
den ersten Satz aufnimmt, stellt sich die Frage nach dem Konzept,
um die Technik dementsprechend anpassen zu können: Wird es ein
Monolog, oder gibt es Gäste, mit denen man über ein Thema spricht
oder die man interviewt? Wenn ja, wie viele Gäste gibt es
mindestens oder maximal? Findet die Aufnahme immer im gleichen
Raum statt, oder möchte man auch mal flexibel von unterwegs mit
dem Smartphone aufnehmen? Dann stellt sich natürlich die Frage:
Brauche ich ein Tischmikrofon oder ein Handmikrofon, eher ein
dynamisches oder vielleicht ein Kondensator-Mikrofon mit
Großmembran? Oder doch vielleicht Lavaliers? Im Grunde gibt das
Podcast-Konzept vor, was gebraucht wird! Wir haben uns
umgeschaut, und für verschiedene Varianten Lösungen rausgesucht,
um in der Landschaft der Podcast-Mikrofone einen Überblick zu
bekommen und gehen darauf ein, was bei der Aufnahme und der
Nachbearbeitung von Sprachaufnahmen generell beachtet werden
sollte.
DIREKT IM OHR ODER PLATZ FÜR RAUM? Lauscht man
den gängigen Podcasts in seiner Playlist, klaffen die
Klangunterschiede weit auseinander. Die einen sind produziert wie
eine professionelle Radiosendung, weil vielleicht sogar ein
bekannter US-Sportsender dahintersteht, manche hören sich an, als
wäre das Gespräch mit fünf Personen in einer Kneipe mit
Hintergrundmusik, bei reichlich Bier und über lediglich ein
Mikrofon aufgenommen worden. Hört sich nicht nur so an, ist auch
so! Natürlich sollte man sich vorher Gedanken machen, wie man
klingen möchte und wie hoch der eigene Qualitätsanspruch ist. Um
nach Radio zu klingen, solltet ihr den Nahbesprechungseffekt
nutzen, um den Bassanteil in der Stimme anzuheben und so dem
Hörer das Gefühl zu geben, man sei direkt „im Ohr“. Dabei sollte
jeder Gesprächspartner ein Großmembran-Kondensatormikrofon vor
der Nase stehen haben, am besten mit Pop-Schutz und einem Abstand
zwischen 5 und 10 cm zur Membran. Ich persönlich mag diesen
Effekt sehr gerne, platziere den Popschutz deshalb ca. 5 cm vor
der Membran und versuche, so nah wie möglich in den Pop-Schutz zu
sprechen. Kopfhörer natürlich voll aufgedreht – Sänger-Krankheit.
Aber Achtung: Auf Übersprechen achten. Bei meinem halboffenen
Beyerdynamic DT 990 Pro nicht gerade ideal, aber kenne ihn sehr
gut, von ihm kann da schon mal was mit auf die Aufnahme kommen.
Wenn ihr euch die Arbeit in der Nachbearbeitung erleichtern
wollt, solltet ihr unbedingt mit geschlossenem Kopfhörer
arbeiten. Bei unseren Podcast-Aufnahmen nutze ich USB-Mikrofone,
die ich an meinem MacBook anschließe. Häufig kommen dabei das
Beyerdynamic FOX und das Apogee Hype Mic zum Einsatz. Beide sind
Großmembran-Kondensatormikrofone, die ich unter den Audio- &
MIDI-Einstellungen auf meinem MacBook als Hauptgerät einrichte,
die Ein- und Ausgänge benenne, damit ich im I/O-Setting meiner
DAW nicht durcheinanderkomme, und schon kann ich die beiden
Mikros als In- und Outputs verwenden. Beide sind nämlich auch
Interface und haben zusätzlich einen eigenen Kopfhörerausgang. In
meiner DAW muss ich jetzt nur noch dieses Konstrukt als Interface
angeben, und los geht’s. Achtung: Jedes Mikrofon muss an einen
eigenen USB-Port angeschlossen werden, mehrere Mikrofone über
einen Adapter verbunden, funktioniert leider nicht. Mein MacBook
Pro stammt aus 2017. Deshalb habe ich lediglich vier Ports mit
jeweils Thunderbolt- bzw. USB-C-Anschluss. Bei zwei
USB-Mikrofonen bräuchte ich also zwei Adapter. Deshalb nutze ich
gerne das Apogee Hype Mic, da im Lieferumfang neben USB-A und
Lightning- auch ein USB-C-Kabel dabei ist. Der Adaptierwahn hat
ein Ende! Wenn ihr eher einen etwas räumlicheren Sound haben und
weniger nach Radio klingen möchtet, könnt ihr das Mikrofon auch
in einem Abstand zwischen 20 und 40 cm vor euch auf den Tisch
stellen. Bei vielen USB- oder Lightning-Mikrofone wird ein
Tischstativ mitgeliefert. Ich rate euch, jedem
Gesprächsteilnehmer ein Mikrofon hinzustellen, statt dass sich
mehrere Sprecher ein Mikrofon teilen. Letzteres kann mal eine
Notfall-Lösung sein, macht allerdings die Nachbearbeitung
aufgrund des Übersprechens und der unterschiedlichen Lautstärke
sehr schwierig bzw. zeitintensiv und lässt die Qualität stark
leiden. Egal ob Nahbesprechung oder eine Aufnahme mit mehr Raum,
der Abstand zum Mikrofon sollte in einem gewissen Maße
eingehalten werden, um den Pegel so konstant wie nur möglich zu
halten, was bei einem dynamischen Instrument wie der Stimme
sowieso schon schwierig genug ist. Hintergrundgeräusche sind zu
beachten. Auch wenn man in vielen Podcasts zwischendurch mal
einen Hund bellen hört, die Bedienung nach der nächsten
Bestellung fragt oder ACDC im Hintergrund laufen – was durchaus
Atmosphäre schafft –, sollte man sie so gering wie möglich
halten. Vor allem bei ACDC kann nach der Veröffentlichung auch
mal die GEMA vor der Tür stehen.
AKUSTIK
Nein, ihr müsst jetzt nicht eure Küche akustisch optimieren, um
dort „Omis-Koch-Podcast“ zu produzieren. Es reicht, wenn man
darauf achtet, dass man nicht im verhallten Umfeld 3 Meter vom
Mikrofon weg steht, sondern dann möglichst nah ins Mikrofon
reinspricht. Dort eignen sich beispielsweise Ansteckmikrofone
sehr gut, da man zum Kochen ja auch die Hände braucht. Für manche
Umgebungen machen allerdings Reflexion-Filter Sinn. Die platziert
man einfach hinter dem Mikrofon, wenn Platz da ist, um die
Akustik des vielleicht nicht ganz so optimalen Raums, so gut es
geht, auszublenden. Auch mit der Richtcharakteristik der
Mikrofone kann man arbeiten. So lässt sich beispielsweise mit
einer Niere der rückwärtige Schall ausblenden.
ICH HÖRE STIMMEN! Bei der Aufnahme vermeide ich
es, die Kompression direkt mit aufzunehmen. Das Apogee Hype Mic
verfügt beispielsweise neben dem neutralen Modus ohne Kompression
über drei Kompressor-Einstellungen: leicht, mittel und stark. Bei
einer unserer ersten Podcast-Aufnahmen haben wir die Presets
durchgesteppt und sind bei „stark“ hängengeblieben. „Boah, klingt
das fett!“ War auch so! Allerdings haben wir damit den Raumanteil
stark angehoben, und die Stimme des Gesprächspartners, der im
gleichen Raum saß, war mehr als deutlich auf dem gleichen Signal
zu hören. Was dazu führt, dass die beiden eigentlich getrennten
Signale in der Lautstärke schwieriger regelbar sind, weil man den
anderen immer über dasselbe Mikrofon mithört. Darauf sollte bei
einer Aufnahme mit Kompression geachtet werden. Vielleicht
versuchen wir es beim nächsten Mal mit „leicht“! Die Aufnahme
erfolgt bei unserem Podcast mit 16 Bit und einer Sampling-Rate
von 44,1 kHz. Beim Pegeln achte ich darauf, dass die Peaks
zwischen –9 und –6 dB liegen. Am besten bittet ihr den Sprecher,
beim Soundcheck laut und deutlich zu reden, um für mögliche
Spitzen genügend Headroom zu haben. Kleiner Rat: Macht
sicherheitshalber eine Testaufnahme von 30 Sekunden und
kontrolliert, ob auch wirklich alles aufgenommen wird. Und auch
wenn ihr im gleichen Raum seid, klatscht zu Beginn der Aufnahme
kurz in die Hände oder einem Anwesenden ins Gesicht, um in der
DAW einen visuellen Bezugspunkt zu schaffen, an dem man
eventuelle Latenzen durch Anpassen des Peaks auf beiden
Audiospuren ausgleichen kann. SPRACHE MUSS SEIN! Da ich
mittlerweile ein paar Podcasts produziert habe, kann ich euch
sagen, dass es zeitintensiv ist, laute Schmatzer, Atmer, Ähms und
sonstige Körpergeräusche rauszuschneiden. Deshalb am besten auf
Schmatzer und Atmer ins Mikro achten und wenn möglich vermeiden.
Man kann auch, während der andere gerade spricht, seitlich am
Mikrofon vorbei atmen statt direkt auf die Membran zu. Ähms sind
so eine Sache; natürlich soll die Aufnahme auch authentisch
bleiben, deshalb gehören Ähms dazu, und man sollte nur selektiert
im Nachgang diese akustischen Indikatoren dafür, dass das Gehirn
gerade arbeitet, rausschneiden. Pausen und Wartezeiten, während
der Apparat läuft, können auch verkürzt und rausgeschnitten
werden. „Moment, da muss ich mal ganz kurz überlegen …“ Wenn man
es schafft, diese Pausen mit einer guten Moderation zu
überbrücken, alles cool! Oft passiert in dieser Zeit allerdings
nicht viel, und der Hörer fragt sich: „Ist der eingeschlafen?“
Und der Podcast-Host freut sich, da man nur ein gewisses Volumen
an Upload-Minuten in seinem Account pro Monat besitzt. Da muss
man einfach ein gesundes Mittelmaß finden. Allerdings wirkt es
auch unnatürlich, wenn gerade eine Frage gestellt wurde und der
Gegenüber ohne zu überlegen wie aus der Pistole geschossen
antwortet. Man sollte es mit dem Verkürzen also auch nicht
übertreiben. Ein gesundes Mittelmaß ist hier, wie überall, eine
gute Lösung. Dann gibt’s ja mal Versprecher, die auch zum Charme
der Veranstaltung beitragen und über die hin und wieder auch mal
gelacht wird. Sehr wichtig! Manchmal verzettelt man sich
allerdings und verliert sich in einem Wortgewirr, sodass es etwas
dauert, bis man den Knoten entwirren kann. Hat man den Faden
wiedergefunden, ist es am einfachsten, man beginnt den Satz,
sofern man sich noch daran erinnert, einfach wieder von vorne.
Das macht es beim Editieren einfacher, da man lediglich den
Zwischenteil rausschneiden muss. Langsam und deutlich reden ist
genauso wichtig wie die eigentliche Selbstverständlichkeit, den
anderen ausreden zu lassen und ihm nicht ins Wort zu fallen.
Natürlich wird auch mal heiß diskutiert, es entstehen
Wortgefechte, die einen Sieger brauchen. Das Reingrätschen stört
allerdings oft den Fluss eines Gesprächs. Deshalb immer schön
ausreden lassen, vielleicht einen kleinen Moment warten und dann
erst reagieren. Es macht auch Sinn, genau zu zuhören, was der
andere sagt und sich Notizen zu machen, um Anschlussfragen später
stellen zu können. Das hat sich bei mir durchgesetzt! Ich klicke
dann vor der Membran die Miene aus dem Kuli, setzte mit der
Spitze monumental auf meinem Blatt Papier auf, dass dabei noch
raschelt … Hat alles seinen Charme! EDITING LÄUFT SYNCHRON!
Zuerst editiere ich redaktionell, d. h., ich schneide
Versprecher, Pausen, auffällige Schmatzer und Ähms raus. Dabei
schneide ich im 0-Durchgang der Sinuswelle, da sonst Knackser
entstehen können. Innerhalb von Wörtern lässt sich am besten vor
plosiven Lauten wie beispielsweise P oder K schneiden. Bevor ich
jedoch mit dem Schneiden beginne, lege ich Edit-Gruppen an und
füge alle Spuren hinzu, die ich aufgenommen habe. Dadurch
bearbeite ich alle Spuren simultan an der gleichen Stelle, egal
ob ich schneide, einfüge oder die Länge der Audioblöcke anpasse –
Es passiert auf allen Spuren synchron. Außerdem wechsle ich in
Pro Tools in den Shuffle-Mode. Auch in der kostenlosen DAW
Audacity steht diese Funktion zur Verfügung – einfach auf die
Stoppuhr im Werkzeug-Bereich klicken. Diese Möglichkeit gibt es
in anderen DAWs auch! Der Shuffle-Mode ist ein sehr wichtiges
Feature, mit dem man von Beginn an bei der Sprachaufnahme
arbeiten sollte, auch bei nur einer Spur, weil, wenn man
beispielsweise etwas rausschneidet, einfügt oder die Länge
verändert, das nachfolgende Audiomaterial automatisch nachgerückt
wird. Es entstehen also keine Lücken und man muss nichts von Hand
hin und her schieben. Dann müssen lediglich Fades bzw.
Cross-Fades nach jedem Schnitt gesetzt werden, und das war´s!
Ganz wichtig ist allerdings auch das Arbeiten in den bereits
angesprochenen Edit-Gruppen, um wirklich in allen Spuren
gleichzeitig zu schneiden. Sonst läuft man Gefahr, die
Synchronität der Spuren zu verlieren. Das hört man spätestens
dann, wenn der eine schon antwortet, obwohl der andere noch gar
nicht die Frage gestellt hat. Übersprechen durch Kopfhörer sind
hier zum Beispiel hilfreich! Falls sie auffallen, weiß man, dass
irgendwas nicht stimmt. Am besten drückt man dann so lange Undo,
bis alles wieder übereinander läuft. Dann ist vielleicht viel
Arbeit dahin, allerdings spart man sich das mühselige Anpassen
per Hand und Gehör, um den Ursprungszustand wiederherzustellen.
Wurde bei Aufnahme der Abstand zum Mikrofon mal nicht
eingehalten, automatisiere ich die Lautstärke an wirklich extrem
schwankenden Stellen auch gerne mal nach. Viele beginnen mit dem
Sprechen und bewegen sich währenddessen erst zum Mikrofon hin.
Dem kann man durch Automation der Lautstärke etwas
entgegenwirken. Aus diesem Grund und dem Fakt, dass viele einen
nicht aussprechen lassen, ist es von Vorteil, nur ein
Handmikrofon zu nutzen, was jeder dann bekommt, wenn er dran ist.
Dann weiß jeder, dass er jetzt erst reden darf. Etwas Sarkasmus …
FEINTUNING Sobald der grobe Schnitt stimmt,
verlasse ich den Shuffle-Mode sowie die Gruppenbearbeitung und
mache mich an Details. Hier scheiden sich die Geister, und man
muss wirklich für sich selbst entscheiden, wie professionell man
es haben will. Ich schneide tatsächlich alle Sprechpausen raus
und die Audiospuren frei. D. h., wenn einer redet, schneide ich
in diesem Teil die Audiospur des anderen heraus; „Mhms“,
Zwischenfragen und zum Gespräch dazugehörige Laute werden drin
gelassen. Danach setze ich an allen Audioblöcken jeweils einen
Fade-In und einen Fade-Out. Diese Vorgehensweise ist zwar mit
einem höheren Zeitaufwand verbunden, ist aber mein
Qualitätsanspruch an unseren Podcast. Danach wird konsolidiert,
damit alle Schnipsel wieder in einem Block sind, fertig!
Natürlich kann man solche Sachen auch über ein Noisegate regeln.
Allerdings nervt mich diese ständige Fummelei, um eine
Einstellung zu finden, die für die gesamte Sprachaufnahme passt.
Dann mache ich es lieber pragmatisch. Wichtig ist beim Schneiden:
digitale Stille vermeiden! Das heißt, es sollte immer mindestens
eine aufgenommene Spur laufen. Fehlt irgendwo ein Stück, lässt
sich, um die Stille zu überbrücken, einfach ein Bereich mit
Stille aus der gleichen Spur kopieren und einfügen. Fades setzen,
läuft! Bejahende „Mhms“ oder „Ahas“, die dem Sprechenden
signalisieren, dass man noch zuhört, können auch zu laut sein.
Deren Lautstärke passe ich dann per Automation an. Rausschneiden
funktioniert leider nicht, da man sie meistens du
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