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  4. Wallfahren tut der Seele gut
Gestern haben wir eine Mitschwester zu Grabe getragen und im
Gottesdienst, bei der Beerdigung und beim anschließenden Kaffee an
sie gedacht. Mit dabei waren Schwestern aus den verschiedenen
Konventen und Menschen, die die verstorbene Schwester auf ihren
verschiedenen Stationen erlebt und mit ihr gelebt, gearbeitet,
gebetet und gefeiert haben.Unter anderem waren vier Mitglieder
einer Wallfahrergemeinschaft aus dem Eichsfeld, aus dem die
verstorbene Schwester stammte, gekommen. Sie sind mit ihr
unglaubliche 28mal von Küllstedt nach Walldürn gewallfahrtet und
sie wollten ihr gern mit ihrer Anwesenheit, ihrem Gebet und der
Wallfahrerfahne die letzte Ehre erweisen. Und weil ich diese
Leidenschaft des Wallfahrens als gebürtige Eichsfelderin auch
teile, aber diese Wallfahrt selbst nicht kannte, habe ich mal auf
der Internetseite dazu nachgesehen. Was bewegt Menschen, einen
anstrengenden Weg voller Entbehrungen und körperlicher Strapazen
auf sich zu nehmen - in einer Zeit bitterer Armut, körperlich
schwerer Arbeit und Not? Wohl jeder kennt den Ausspruch "etwas
hassen wir die Pest" - die wütende Pest auf dem Eichsfeld und das
unermessliche Gottvertrauen unserer Vorfahren brachte die Menschen
1682 dazu, um Verschonung vor der Seuche mit diesem Bußgang zu
bitten. Am 8. Juni 1683 machten sich 132 Männer und 61 Frauen auf
den Weg nach Walldürn. Diese Wallfahrt dauerte, laut einer Chronik,
18 Tage. Das Gelübde aus dem Jahre 1682 war damit erfüllt, doch
auch in den folgenden Jahren und Jahrhunderten wurde die Wallfahrt
durchgeführt. Darin steht aber auch, dass sie seit 1990 nun wieder
in Freiheit den Weg nach Walldürn - gemeinsam mit den Wallfahrern
aus Fulda, Baunatal und Unterfranken gehen - ganz bewusst: aus
Dankbarkeit für die erlangte Freiheit nach der friedlichen
Grenzöffnung, in Einhaltung des Gelöbnisses der Vorfahren mit der
Bitte um die Erneuerung des Glaubens im Eichsfelder
Land. Etwas hassen wie die Pest und dann nicht dagegen hetzen,
tönen und lamentieren, sondern auf Wallfahrt gehen, miteinander
singen und beten und alle Sorgen und Nöte Gott anvertrauen und sich
gegenseitig stützen und stärken: Diese Art und Weise veraltet nie
und sie braucht Menschen, die ein unglaubliches Gottvertrauen haben
und einen Glauben, der über den kleinen Alltag hinausgeht. Diese
Beerdigung und die Gespräche mit den Mitgliedern der
Wallfahrergemeinschaft haben mich beeindruckt und sehr
erfreut. 
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„Wallfahren tut der Seele gut“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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