Siegfried Meryn

Siegfried Meryn

vor 3 Wochen
Professor Siegfried Meryn erklärt, warum Adipositas eine chronische Erkrankung ist und weshalb die Abnehmspritze kein Lifestyle-Tool, sondern ein ernsthaftes Medikament für Betroffene mit deutlichem Übergewicht oder Diabetes ist. Er beschreibt Wirkmechani
41 Minuten
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Beschreibung

vor 3 Wochen

In dieser Folge spricht Jenny Magin mit Professor Dr. Siegfried
Meryn, einem Internisten mit über 40 Jahren Erfahrung im
Stoffwechselbereich, über Chancen und Grenzen der Abnehmspritze.
Meryn ordnet klar ein, dass Adipositas eine von der WHO
anerkannte chronische Erkrankung mit Langzeitfolgen wie Diabetes,
Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen und bestimmten Krebsarten ist – und
dass die Spritze kein ästhetisches „Lifestyle“-Produkt für drei
bis fünf Kilo weniger vor dem Sommer ist. Ausführlich erklärt er
den Wirkmechanismus: Verstärkte Insulinausschüttung, verlangsamte
Magenentleerung, weniger Ghrelin und direkte Effekte im Gehirn
auf Hunger‑ und Sättigungszentren, wodurch Heißhungerattacken und
Appetit deutlich sinken. Gleichzeitig beschreibt er typische
Nebenwirkungen wie Völlegefühl, Aufstoßen, Sodbrennen,
Verstopfung oder seltene Komplikationen wie Pankreatitis, die
stark von Dosis, Einstiegsschema und Vorerkrankungen abhängen und
eine sorgfältige ärztliche Abklärung (Blutwerte, Leber, Niere,
Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse) erforderlich machen. Meryn
betont, dass die Spritze nur ein „Blatt“ eines vierblättrigen
Kleeblatts ist – neben individueller Ernährungsumstellung,
Bewegung inklusive Krafttraining und gegebenenfalls
psychologischer Unterstützung, um emotionale Essmuster und
Stress‑Trigger zu verändern. Am Beispiel von Jo‑Jo‑Effekt,
„Threshold Point“ des Körpergewichts und hormonellen
Veränderungen (Schwangerschaften, Menopause) macht er deutlich,
dass Gewichtsreduktion immer ein Langstreckenlauf ist und dass
der Körper zwei bis fünf Jahre brauchen kann, um ein neues
Gewicht wirklich zu „akzeptieren“. Im Gespräch geht es um falsche
Erwartungen, langsames Ausschleichen, besondere Situationen wie
Krebs- oder Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen sowie die finanzielle und
kassenrechtliche Dimension, da nur ein kleiner Teil der
Betroffenen die Therapie aktuell über die Krankenkasse erstattet
bekommt. Abschließend skizziert er die Zukunft: Orale
Semaglutid‑Präparate wie Rybelsus zur Gewichtsstabilisierung,
neue Wirkstoffe wie Orforglipron, Kombinationspräparate mit
mehreren Hormonen sowie Antikörper, die Muskelmasseverluste bei
Diäten minimieren und den Energieverbrauch beim Training erhöhen
könnten.


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