Madeira – Wenn die Levadas das Regenwasser tragen

Madeira – Wenn die Levadas das Regenwasser tragen

vor 1 Monat
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Beschreibung

vor 1 Monat

Du sitzt auf einem kleinen Holzsteg aus silbergrauen Bohlen,
direkt am Rand der Levada do Rei. Deine Füße baumeln über der
Kante und immer wieder berührt das fließende Wasser deine Sohlen.
Es ist kühl, aber nie kalt, genau jene Temperatur zwischen
fließendem Gebirgsbach und warmer Haut. Um dich herum hängen die
tiefgrünen Wedel der Farne schwer und feucht in der Luft, während
ein vereinzelter Tropfen im perfekten Rhythmus von der Mauerkrone
auf das Moos fällt. In der Ferne knarzt der Ruf einer
Pico-Rabenkrähe wie ein brechender Ast durch den dichten
Lorbeerwald, während der Nebel gelblich-weiß zwischen den uralten
Stämmen verweilt.





Dich erwartet eine Reise durch die vertikalen Gärten dieser
Insel, vom ersten süß-modrigen Duft der Eukalyptusbäume am
Flughafen bis tief in die schwarzen, nassen Tunnel der 25 Fontes.
Du begleitest einen Kräutersammler auf seinem wortlosen Pfad
durch die Berge und spürst die wohlige Wärme des Vulkangesteins
unter deinen nackten Sohlen, wenn die Stadt Funchal langsam ihre
Stimme senkt. Später genießt du das knisternde Aroma von
Lorbeerholz und über offenem Feuer gegrilltem Fleisch, bevor die
Nacht das Meer in tiefes Schwarz taucht und nur noch das stete
Murmeln des Wassers in den Kanälen zu hören ist.





Lege deine Handfläche auf den kühlen Stein der Levada und spüre
das sanfte Vibrieren des Wassers, das unter deinem Handteller
vorbeizieht. Es ist eine Bewegung, die direkt aus den Bergen
kommt und dich eins werden lässt mit dem Atem der Insel. Während
die Lichter oben am Pico do Arieiro verblassen und die Wolken
weit unter dir wie ein weiches Kissen liegen, findest du in der
absoluten Stille der feuchten Nachtruhe deinen eigenen Rhythmus.
Über dir funkeln mehr Sterne als du jemals zuvor gesehen hast,
und das Wasser erzählt dir Geschichten, die älter sind als jede
Sprache.



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