Ein jüdischer Auswanderer erfindet (ein bisschen) die Jeans - das Levi-Strauss Museum Buttenheim
35 Minuten
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Beschreibung
vor 3 Jahren
BITTE NICHT ANFASSEN! #3 – Das Levi-Strauss MuseumSHOW
NOTES
Ein jüdischer Auswanderer verändert die Welt und erfindet etwas,
das garantiert jeder von uns schon einmal benutzt hat. Seine
Geschichte beginnt in Oberfranken, wo heute noch ein Museum in
seinem Geburtshaus an ihn erinnert. Eine Folge über Goldrausch,
Erfindergeist und woher der Begriff Denim eigentlich
stammt.
Zum Album-Cover von Bruce Springsteen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Born_in_the_U.S.A
Ralph erwähnt folgenden Film von Otto Waalkes:
https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_%E2%80%93_Der_Film (Vorsicht,
der ist sehr schlecht gealtert)
Infos zum Museum:
Levi-Strauss Museum Buttenheim
Marktstraße 31-33
96155 Buttenheim
https://levi-strauss-museum.de/
über BITTE NICHT ANFASSEN!:
Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte
Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an
Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das
Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das
Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir –
das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim
Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an
Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge.
Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so
viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser.
Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir
uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen
und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich
noch nie gehört hast.
Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein
besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen
darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und
-betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar
gemacht.
Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem
Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und
Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories
mögen.
BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur
für's Ohr.
Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/
Wenn ihr als Museum darüber nachdenkt, ob Podcasting
etwas für euch ist – hier sind 10 gute Gründe dafür:
https://www.escucha.de/gruende-fuer-museumspodcasts/
Kontakt
Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/
E-Mail: info[at]escucha.de
Podcast-Credits:
Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger
Produktion: Escucha GbR
Podcast-Grafik: Tobias
Trauth https://www.instagram.com/don_t_obey/
Intro/Outro: Patrizia Nath
(Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas
Fleischmann (Musik)
Transkript:
Ralph:
Hey, ich bin Ralph
Lukas:
und ich bin Lukas. Und in diesem Podcast nehmen wir euch zu
Museen aus ganz Deutschland und darüber hinaus mit.
Aber es geht nicht um die großen berühmten Museen, sondern um
kleine, alternative, skurrile und manchmal auch ganz schön
lustige Museen.
Ralph:
Wir wollen wissen, was Menschen dazu bringt, Dinge zu sammeln und
ihnen ein Museum zu widmen.
Lukas:
In jeder Folge stellt einer von uns dem anderen und euch
natürlich ein Museum vor, das er besucht hat.
Ralph:
Und jetzt geht's los.
Intro – Bitte nicht anfassen.
Intro:
Museum mal anders. ein Podcast von Escucha.
Ralph:
Worum geht es denn heute, Lukas?
Lukas:
Also heute geht es um eine jüdische Familie, den Goldrausch in
den USA, ein großes Erdbeben und dass die Auswirkungen all dieser
Ereignisse
zu etwas beitragen, was garantiert jeder von uns schon hunderte
Male in seinem Leben benutzt hat.
Lukas:
Und es geht um das Museum, das sich genau um dieses Objekt dreht.
Wir reisen nach Buttenheim, in meine oberfränkischen Heimat, und
wie das Museum genau heißt,
das erzähle ich dir später. Ich stelle zuerst mal Tanja Roppelt
vor, sie kümmert sich um das Museum und beschreibt, wo wir gerade
sind.
Tanja Roppelt:
Hier befinden wir uns in der guten Stube der Familie Strauss. Das
ist ein sehr kleiner Raum, vielleicht 20 Quadratmeter, mit einer
niedrigen Holzdecke.
Und es war der einzige Raum im Haus, der beheizt werden konnte.
Nebenan war eine kleine Schlafkammer, dahinter eine kleine Küche,
also ungefähr 50 Quadratmeter.
Tanja Roppelt:
Und diese kleine Wohnung hat eben die neunköpfige Familie
Strauss: Vater, Mutter, fünf Kinder aus der ersten Ehe des Vaters
und die zwei Jüngsten bewohnt.
Ralph:
Okay, das klingt ein bisschen nach ärmlichen Verhältnissen.
Lukas:
Ja, aber kannst du dir vorstellen, um welche Familie Strauß es
geht bzw. wer mit Familie Strauss gemeint ist?
Ralph:
Ja, also mir fällt da schon jemand ein. Aber da bin ich jetzt zu
unsicher, um das zu äußern.
Lukas:
Also gut, dann löse ich es mal auf. Es geht um Levi Strauss,
den Erfinder der Jeans und wir sind dazu im Levi Strauss
Geburtshaus in Buttenheim.
Lukas:
Denn das Haus, wo Levi 1829 geboren wurde, existiert heute noch.
Und das ist jetzt ein Museum. Und die Geschichte hinter Levi
Strauss und wie die Jeans erfunden
wurde, ist total faszinierend. Und auch das Museum ist total
faszinierend und davon würde ich dir gern heute erzählen.
Ralph:
Ja, sehr gerne. Ich weiß nämlich so gut wie gar nichts darüber.
Lukas:
Das sind gute Voraussetzungen. Ja, wie bereits gesagt, Levi wurde
1829 in Buttenheim geboren,
als jüngstes Kind eines jüdischen Hausierers. Weißt du, was ein
Hausierer ist?
Ralph:
Ist das so ein Vertreter?
Ralph:
Ist das so ein Typ, der von Haus zu Haus geht, um was zu
verkaufen?
Lukas:
Genau richtig. Das ist quasi der Vertreter des 19. Jahrhunderts,
könnte man sagen. Das waren
aber auf jeden Fall richtig ärmliche Jobs damals. Und das hatte
den Hintergrund, dass Juden damals den war es nicht erlaubt,
Landwirtschaft zu betreiben.
Lukas:
Und den war es auch nicht erlaubt, ein Gewerbe zu betreiben. Und
deswegen mussten sie sich mit so anderen Berufen über Wasser
halten. Und da waren sehr, sehr
viele Hausierer. Buttenheimn zu der damaligen Zeit: Heute ist es
eine Gemeinde mit ein paar 1000 Einwohnern.
Lukas:
Damals hat es so um die 250 Einwohner und hatte für die
Verhältnisse eine sehr, sehr große jüdische Gemeinde. Das heißt,
jeder fünfte. Einwohner in Buttenheim
war jüdischen Glaubens. Sie hatten auch zeitweise einen eigenen
Rabbiner, die hatten ein eigenes Ritualbad.
Lukas:
Also eigentlich alles, was man so für ein jüdisches Leben vor Ort
braucht. Das war so, weil Buttenheim lange Zeit protestantisch
sozusagen regiert wurde.
Die Herrschaft im 19. Jahrhundert, gerade zum Beginn des 19.
Jahrhunderts, war ja auf dem Gebiet, was heute Deutschland ist,
sehr zersplittert.
Lukas:
Das heißt, es gab ganz viele verschiedene Kleinstaaten, freie
Reichsdörfer etwa und so weiter und so fort, und Buttenheim war
eben eins davon. Und diese
protestantische Herrschaft in Buttenheim hat erlaubt, dass sich
jüdische Familien ansiedeln. Oder anders gesagt: Die haben nichts
dagegen unternommen.
Lukas:
Und so kam es eben dazu, dass zur Zeit der Geburt von Levi
Strauss, also 1820, jeder fünfte Einwohner in Buttenheim
jüdischen Glaubens war.
Tanja Roppelt:
Anscheinend ist aber so das Zusammenleben der jüdischen Einwohner
und der christlichen Einwohner über viele Jahre relativ
reibungslos verlaufen.
Tanja Roppelt:
Es gibt so kleinere Dinge, dass man zum Beispiel Sonntag durften
Juden nicht über den Kirchhof. Da gab es so ein Gesetz.
Wahrscheinlich wollte man verhindern,
dass da Handel getrieben worden ist. Es gab auch mal eine
Beschwerde, dass eben Kinder den Lehrer geärgert hätten oder was,
aber Kleinigkeiten.
Tanja Roppelt:
Ansonsten ging das Leben sehr reibungslos vonstatten.
Ralph:
Hmm, hört sich so an, als würde Religion keine Rolle spielen.
Lukas:
Ja, so indirekt. Ich mein, eine Diskriminierung gab es
schon allein deswegen, weil zum Beispiel Levis Vater ja bestimmte
Berufsverbote hatte aufgrund seines Glaubens.
Lukas:
Und gerade in Bayern war es schon so, dass zu dieser Zeit Juden
sehr diskriminiert worden sind. Aber die konnten halt trotzdem
irgendwie über die Runden kommen,
bis zu dem Zeitpunkt, wo der Vater der neunköpfigen Familie
stirbt. Woran genau, weiß man gar nicht so, aber man weiß, dass
das halt verschiedene
Auswanderungsbewegungen in Kraft getreten hat.
Lukas:
Und so sind von der Familie erst recht viele von Levis
Geschwistern in die USA emigriert. Und irgendwann wollte dann
auch die Mutter mit den verbliebenen
Kindern in die USA emigrieren, einfach weil die auf ein besseres
Leben gehofft haben.
Ralph:
War es zu der Zeit allgemein so war, dass die Leute dann in den
USA so ihre Hoffnungen gesetzt hatten? Also gerade jüdische
Leute?
Lukas:
Ja, ja, ganz viele. Ich meine, das waren nicht nur jüdische
Menschen, die in die USA emigriert sind.
Lukas:
Es waren ja ganz viele Menschen, die einfach von den
Gegebenheiten im alten Europa sich keine Zukunft versprochen
haben und dann in die USA rüber gegangen sind.
Was ich Tanja Roppelt gefragt habe, wie so eine Ausreise im 19.
Jahrhundert eigentlich vonstatten geht, also kann man da einfach
seine Sachen nehmen und dann
sucht man sich das nächstbeste Schiff und dann
Lukas:
ist man irgendwann da, oder ja, keine Ahnung? Und was sie mir da
erzählt hat, fand ich sehr spannend.
Tanja Roppelt:
Man musste erst mal einen riesen Behoerdenmarathon hinter sich
bringen, Geburtsurkunde beibringen, Leumund, Zeugnis nachweisen,
dass man genügend Geld hat.
Und dann ganz am Schluss ist die Auswanderungsabsicht im
Amtsblatt veröffentlicht worden.
Tanja Roppelt:
Das hatte zum Zweck, wenn die Leute noch Schulden hatten, dass
die Gläubiger ihr Geld noch eintreiben konnten. Und erst wenn
sich daraufhin niemand gemeldet hat,
der Ansprüche hatte, hat man die Erlaubnis bekommen zur
Auswanderung. Da hat man alles verkauft, was man nicht mitnehmen
konnte, sich ein Schiffsticket
gebucht und sich dann auf den Weg gemacht nach Bremerhaven.
Ralph:
Was ist denn ein Leumundszeugnis?
Lukas:
Ein Leumundszeugnis ist, dass du quasi jemanden brauchst, der dir
bestätigt, dass es nichts gibt, was dein Ruf schädigen könnte.
Sozusagen. Also die kommen dann in Bremerhaven an, also dann sind
die auf das Segelschiff gegangen und je nach Seegang hat das
zwischen vier und 13 Wochen gedauert.
Lukas:
Von Bremerhaven nach New York. Genau nach Bremerhaven sind die
übrigens noch mit der Kutsche gefahren. Also später gab es dann
Zugverbindungen.
Die Familie Strauss ist da tatsächlich noch mit der Kutsche
hingefahren. Als das Schiff dann losgegangen ist, kannst du dir
vorstellen, dass das natürlich nicht
gerade Kreuzfahrtverhältnisse waren, sondern die waren auf einem
Zwischendeck mit hunderten anderen
Lukas:
Menschen eingepfercht, kommen halt nach einer sehr, sehr
schwierigen Überfahrt irgendwann mal in New York an und das war
dann 1848.
Ralph:
1848. Das heißt, Levi war da 19 Jahre alt?
Lukas:
Genau der war da sehr jung. Richtig. Wie das so üblich ist, wenn
Menschen in die USA emigrieren
Lukas:
Im 19. Jahrhundert ist es ja ganz oft so, dass Namen dann
amerikanisiert werden. Das berühmteste Beispiel, glaube ich, aus
der jetzigen Geschichte ist Donald Trump,
weil dessen Familie hieß eigentlich Trumpf mit Nachnamen. Die
waren ja auch deutsche Auswanderer.
Lukas:
Und da wurde dann Trumpf zu Trump. Strauss wurde tatsächlich
übernommen im Amerikanischen. Was aber nicht übernommen wurde,
sind die Vornamen. Also in Deutschland hieß
Levi oder wie man es deutsch ausspricht, Levi immer Löb. Der Name
Levi oder Levi kam erst, als sein Name amerikanisiert wurde, weil
das Ö wahrscheinlich damals keiner gern ausgesprochen hat.
Lukas:
Und dann hat man aus Löb Levi gemacht, genauso wie man aus seiner
Schwester Vögela Fanny gemacht hat.
Ralph:
Okay, ja, interessant.
Lukas:
Also diese Familie kommt dann 1848 in New York an und dann wohnen
die zuerst mal bei Geschwistern, die ja schon Jahre vorher nach
New York gegangen sind, auch da.
Lukas:
Die Geschwister haben erst mal einen Hausiererhandel aufgemacht
nach dem Vorbild des Vaters in Buttenheim und haben sich in
Little Germany niedergelassen.
Weißt du, wo das heute ungefähr ist?
Ralph:
Also es liegt dann ja in New York, hast du gemeint. In New York,
da gibt es verschiedene Stadtteile.
Ralph:
Es stellt sich jetzt die Frage, ob es einen Stadtteil gibt, der
so deutsch heißt. Ich kenne ja fast gar nichts, muss ich sagen.
Ich kenne Manhattan und, äh,
was kenne ich noch. Wie heißt es? Queens.
Lukas:
Genau.
Ralph:
Aber das wird es wahrscheinlich nicht sein.
Lukas:
Nein. Also du bist schon ganz richtig mit Manhattan. Es ist die
Lower East Side, also da wo jetzt die ganzen Reichen wohnen in
New York mit den ganzen riesen Penthouses. Das war früher Little
Germany.
Lukas:
Und Levi fängt dann quasi an, bei seinen Brüdern in diesem Handel
mitzuarbeiten. Die arbeiten zu diesem Zeitpunkt, als Levi
ankommt, schon gar nicht mehr als Hausierer,
sondern die haben einen Gemischtwarenhandel einfach aufgemacht.
Levi bekommt 1853 die amerikanische Staatsbürgerschaft.
Lukas:
Also vier Jahre nachdem er da angekommen ist. Und bis dahin ist
er auch in New York. Aber dann passiert etwas, was die Geschichte
der USA und auch die Geschichte der
Welt verändert. Und das erklärt uns Tanja Robbelt noch mal.
Ralph:
Zum Glück. Ich dachte, jetzt kommt wieder eine Frage.
Tanja Roppelt:
Ja, dann kamen Nachrichten von Goldfunden in Kalifornien an der
Ostküste an, haben die größte Völkerwanderung in der
Geschichte der USA ausgelöst und die Brüder haben unseren Levi
dann an die Westküste geschickt.
Tanja Roppelt:
Er soll eine Niederlassung ihres Geschäfts eröffnen und es gab
verschiedene Möglichkeiten, um von Osten in den Westen zu kommen.
Die eine war, wie wir es aus den Westernfilmen kennen,
mit den Planwagen über Land, die andere war mit dem Segelschiff
um Kap Horn herum.
Tanja Roppelt:
Es war eine sehr stürmische und lange Reise und die dritte
Möglichkeit war mit dem Dampfschiff nach Panama, mit einem
Maulesel über die Landenge von Panama und dann mit
dem Dampfschiff weiter nach San Francisco.
Ralph:
Ja, das waren noch andere Zeiten.
Lukas:
Allerdings.
Ralph:
Ja, und für welche Variante hat er sich dann entschieden?
Lukas:
Er ist in der Panama Variante rüber gekommen. Das hat tatsächlich
nur vier Wochen gedauert, was ich irgendwie faszinierend finde,
weil du musst ja einmal die komplette USA runter, Mexiko runter,
dann bis Panama, dann mit dem Maulesel da drüben auf der anderen
Seite wieder hoch.
Lukas:
Aber sie meinte tatsächlich, das ist die schnellste Route
gewesen, auch noch vor dem Panamakanal. Der ist erst Jahrzehnte
später gebaut worden. Also der Panamakanal, der
quasi zwischen Nord und Südamerika diesen Kanal macht, damit man
nicht mehr um Argentinien und Chile rumfahren muss.
Lukas:
Ja, da kommt er dann an und er hat dann mit seinen Brüdern einen
Großhandel gegründet für Objekte für die Goldgräber. Also diese
Goldgräber, die da sind, die kommen da zu
Hunderttausenden. Die brauchen Sonntagsanzüge, die brauchen
Schüsseln zum Goldwaschen, alles Mögliche und er lässt sich in
San Francisco nieder und merkte, dass es in
San Francisco zwar sehr
Lukas:
viel Gold gibt, aber eigentlich nichts, was man sich dafür kaufen
kann. Und das nutzt er aus und gründet quasi dieses Geschäft mit
seinen Brüdern, die dafür sorgen, dass
von der Ostküste die Objekte rüber kommen. Er kriegt von den
Goldgräbern Gold, was in San Francisco eine Währung ist.
Lukas:
Die wird dann in Dollar umgetauscht, zurückgeschickt und so
funktioniert dieses Geschäft von der Ostküste zur Westküste. Mit
diesen Utensilien für Goldgräber und auch
für Holzfäller, für eigentlich alle Menschen, die sich da
ansiedeln, weil wenn das so viele Hunderttausende ankommen, das
sind nicht nur Goldgräber, sondern das sind
auch ganz andere Berufe dabei, die man dann irgendwann
Lukas:
mal automatisch braucht dafür. Das geht dann ganze 20 Jahre so
weiter. Es gibt auf jeden Fall viel Geld. Also Levi ist zu diesem
Zeitpunkt schon sehr, sehr reich und
wohlhabend, wie die ganzen Brüder von ihm. Dann kommt es
irgendwann zu einer sehr schicksalhaften Begegnung und auch die
erzählt uns Tanja Roppelt noch mal!
Tanja Roppelt:
Also Levi hat dann 1872 einen Brief bekommen von einem Schneider
aus Reno, Nevada. Den haben wir hier auch abgebildet. Jacob
Davis, war auch ein europäischer Einwanderer, der
kam aus dem Baltikum und der hat für die Minenarbeiter und für
die Arbeiter Hosen gemacht.
Tanja Roppelt:
Und der Legende nach haben sich bei ihm die Leute immer
beschwert, dass die Hosentaschen so leicht ausreißen. Und er
musste dann immer diese Hosentaschen wieder annähen.
Und dann kam er auf die Idee, er nimmt Nieten, die man für
Pferdedecken verwendet hat und tackert diese Stellen fest.
Ralph:
Na ja, so langsam offenbart sich mir so ein Bild. Jetzt habe ich
tatsächlich auch darüber nachgedacht. Es haben ja, glaube ich,
wirklich nur Jeans, diese Nieten an den
Hosentaschen.
Lukas:
Genau. Und das ist immer noch sozusagen auch die Erkenntnis an
der Jeanshose.
Lukas:
Und das ist der Grund, warum die Jeanshose als Jeanshose
überhaupt erfunden wurde. Den Stoff hat es vorher schon gegeben,
da komme ich später gleich dazu. Sondern die revolutionäre
Idee von Levi war tatsächlich einfach nur aus dieser Idee, die
von diesem Schneider an ihn herangetragen wurde, das
weiterzuentwickeln und für Jeanshosen, also für Hosen zu
adaptieren.
Lukas:
Und das hat Levi dann auch gemeinsam mit diesem Schneider
gemacht. Und dann haben die beiden ein Patent eingereicht und das
war am 20. Mai 1873. Der Tag gilt als
Geburtstag der Jeanshose. Also das einzige, was an der Jeanshose
wirklich revolutionär war, war, Taschen nicht mehr nur anzunähen,
sondern auch zu vernieten.
Ralph:
Aber das heißt, es gab schon vorher Hosen aus diesem Stoff, aber
ohne diese Nietentaschen oder wie?
Lukas:
Richtig. Und die waren halt nicht besonders stabil und nicht
besonders reißfest.
Was Levi gemacht hat ist, dass er einfach damit mit diesen
einfachen Konstruktionen die Hose viel praktikabler und viel
ausdauernder gemacht hat.
Lukas:
Und jetzt wird es ein bisschen kompliziert, weil jetzt geht es
nämlich darum, woher die ganzen Namen kommen. Und da muss jetzt
gut aufpassen, denn da bringen wir viele, viele
Sprachen durcheinander. Das ist aber auch, finde ich, total
spannend.
Lukas:
Also der Name Jeans ist eine amerikanisierte Form, wie die
Franzosen das italienische Genua aussprechen, also Genua, die
Stadt in Norditalien. Und die wird im Französischen
genauso ausgesprochen. Und weil jene in den USA keiner
aussprechen kann, wird Jeans ausgesprochen.
Lukas:
Wenn du es Englisch aussprechen würdest, das hat die Bewandtnis,
dass von da viele Stoffe gekommen sind. Das wurde im Englischen
einfach zu Jeans. Also das war sozusagen
so eine Bezeichnung, das Webmuster, das der Hose, die Festigkeit
und die Strapazierfähigkeit gibt,
Lukas:
Dieses Muster wurde ursprünglich im französischen Nîmes erfunden.
Es ist eine Stadt in Frankreich, Nîmes heißt die. Auf Französisch
heißt von Nîmes de Nîmes und aus Denim wurde
dann das amerikanisierte Denim. Das heißt, so wurde die Denim
Jeans zur Denim Jeans.
Lukas:
Daher kommt diese Bezeichnung.
Ralph:
Ja cool, schöne Fun Facts, aber ich finde es auch interessant,
wie die Amerikaner das mit der Sprache handhaben aus anderen
Ländern,
weil die machen es einfach so, die schreiben komplett um und
sprechen es anders aus.
Ralph:
Wenn ich überleg, was wir jetzt in Deutschland mit der Sprache
machen oder auch gemacht haben. Wenn wir jetzt Sachen aus
Frankreich hatten, wie zum Beispiel Bureau oder so,
da haben wir es ja genauso ausgesprochen, aber anders
geschrieben.
Lukas:
Ja, so gehen halt Menschen oder generell Kulturen, ganz
unterschiedlich mit Wörtern um oder mit
Lehnwörtern, die halt aus einer anderen
Lukas:
Sprache kommen. Ganz klar. Ein wichtiger Fakt. Es heißt ja blue
Denim Jeans. Und jetzt fragst du dich sicher, woher das Blue
kommt. Und das ist ein sogenanntes Indigo Blau.
Und das erklärt uns auch noch mal Tanja Roppelt.
Tanja Roppelt:
Zur Zeit von Levi Strauss, was es ein strapazierfähiger
Baumwollstoff, der aus einem weißen und einen blauen Faden
verwoben worden ist
Tanja Roppelt:
und der auch beim ersten Waschen erst noch mal kräftig
eingegangen ist. Das heißt, die Cowboys haben ihre Hosen immer
zwei Größen größer gekauft und sich in die Tröge ihrer
Pferde gesetzt, um sie auf die richtige Größe zu
schrumpfen.
Tanja Roppelt:
Die Kids haben sich später dann mit in die Badewanne gelegt.
Mittlerweile kommen die Jeans alle vorgewaschen auf den Markt und
man kann sie in der Größe kaufen, die man auch
wirklich hat. Der Denim ist mit Indigo gefärbt worden.
Tanja Roppelt:
Der eine Faden, der Blaue. Und Indigo hat die Eigenschaft, dass
er sich außen anlegt und diese Faser nicht komplett durchdringt.
Ralph:
Okay, Indigo durchdringt nicht die Fasern,
sondern legt sich außenrum an, was hat das denn dann zur Folge?
Das verstehe ich nicht ganz.
Lukas:
Das hat zur Folge, dass wenn du die Jeans trägst, dann scheuert
sich dieses Blau mit der Zeit ab und damit wird jede Hose zu
einem Unikat. Und deswegen sind die verschiedenen
Waschungen der Jeans auch so entscheidend, wie die Jeans dann am
Ende ausschaut.
Lukas:
Wenn ich sie zum Beispiel stoned wasche, also mit Steinen
drinnen, dann sorgen die Steine dafür, dass diese Indigofasern
sich halt anders ablösen oder anders einfach
mit dem anderen Faden verbinden. Und dadurch entstehen diese
unterschiedlichen Färbungen bei Jeanshosen.
Ralph:
Also eigentlich sind die Färbungen ja Auswaschung.
Lukas:
Richtig. Genau, ja. Natürlich, was auch Tanja Roppelt schon
gesagt hat, die jetzigen Jeans werden schon vorher gewaschen,
weil jetzt kaufst du dir keine Jeans mehr, zwei Größen größer und
setzt dich dann in die Badewanne rein.
Lukas:
Wobei ich das Bild von so einem Cowboy, der im Schweinetrog drin
sitzt, Pferdetrog drin sitzt, um sich seine Jeans eingehen zu
lassen, schon irgendwie witzig find ich.
Ralph:
Musste da jetzt auch einen Otto Film denken, da macht das nämlich
Otto auch.
Ralph:
Der hat eine zu große Jeans. Dann legt er sich in die Badewanne
und dann, ich glaube der schläft dann aber ein in der Badewanne
und dann wird die viel zu eng.
Lukas:
Dann hat er sich keine Vorgewaschene gekauft. Jedenfalls ist es
dann so, dass die Jeanshose, also der Erfolg, kam dann wirklich
schnell.
Lukas:
Die ersten Hosen sind tatsächlich noch zu Hause in San Francisco
gemacht worden. Da gab es dann verschiedene Stoff, Schneiderinnen
und Näherinnen und halt diese Vernietungen.
Und dann kam aber recht schnell eine erste Fabrik. Das Patent,
das er 1873 angemeldet hat, was als die Geburtsstunde der Jeans
gilt, ist in den 1990er Jahren ausgelaufen.
Lukas:
Und dann durfte jeder Jeanshosen produzieren, was dann auch
wirklich jeder gemacht hat. Dann kamen die ganzen anderen Marken
Modelle auf den Markt, damit quasi die
Jeanshosen von Levis, wie es denn damals schon hieß, sich von
anderen unterscheidet und damit quasi die Leute wissen, dass sie
die ursprüngliche Jeanshose kaufen,
ist dieser Lederaufnäher hinten drauf gemacht worden, der heute
noch gleich ist.
Lukas:
Der ist seit 1890 der Gleiche und der zeigt eine Jeanshose, wo
zwei Pferde versuchen die Jeanshose auseinander zu reißen. Und
die schaffen es nicht.
Falls du eine Levis Jeans hast, guck mal drauf, da ist er hinten
drauf.
Lukas:
Der Grund ist ganz einfach, man hat versucht eine visuelle
Botschaft auf diesen Lederaufnäher drauf zu machen. Viele
Menschen konnten zu dem Zeitpunkt noch nicht lesen oder
konnten kein Englisch lesen. Es gab ein Sammelsurium an Sprachen
und damit jeder sofort wusste das für eine Jeans ist, hat man
diese Pferde drauf gemacht.
Lukas:
Die versuchen vergeblich eine Jeans auseinanderzureißen. Jetzt
weiß ich nicht, inwieweit du in der Modellreihe bewandert bist,
aber sagt dir das Modell 501 was?
Ralph:
Nein, keine Ahnung.
Lukas:
Also das Modell 501 ist sozusagen DIE Jeanshose, also vom
Schnittmuster und von allen. Bis heute noch.
Lukas:
Und die gibt es auch heute noch eins zu eins zu kaufen. Und die
501. Das kommt von der Katalognummer im Warenspektrum des
Handels. Und warum das 501 ist und nicht 104
oder keine Ahnung was, das weiß kein Mensch mehr.
Lukas:
Aber das berühmteste Schnittmodell ist 501 und heißt heute noch
so und war einfach die Nummer 501 in diesem Katalog.
Ralph:
Also dieser Katalog da hatte dann ganz verschiedene Waren drin.
Jetzt nicht nur Jeans und dann war einfach an der Position 501
die Jeans?
Lukas:
Genau, aber das hätte gar nicht notwendigerweise 501 sein müssen.
Es hat auch eine andere Nummer sein können. Warum das genau 501
ist, lässt sich nicht mehr rekonstruieren.
Das ist so der der Hintergrund.
Ralph:
Ich habe nur eine kurze Rückfrage.
Lukas:
Bitte.
Ralph:
Und zwar wenn ich an Jeans denke, dann denke ich tatsächlich ja
auch an Cowboys. Das ist ja dann auch oft in der Werbung so
rübergebracht worden. Aber ich denke
zum Beispiel auch an dieses ikonische Plattencover von Bruce
Springsteen, wo man diese Jeans sieht.
Ralph:
Und das wurde ja immer so als die Arbeiterhose verkauft. Also wer
und zu welchen Situationen wurde denn die Hose getragen?
Lukas:
Da müssen wir noch mal weiter in die Geschichte zurück.
Tatsächlich noch mal zu der Geburtsstunde der Jeans.
Lukas:
Denn da ist es ja so, dass diese Jeanshose die Arbeiterhose im
Goldrausch-Zeitalter ist. Also Goldgräber haben die Jeans,
Holzfäller haben die Jeans, Bauern haben die Jeans.
Jeder der harte körperliche Arbeit verrichtet und auf eine Hose
angewiesen ist, die lange durchhält.
Lukas:
Und das war im Prinzip nach wie vor so bis zur
Weltwirtschaftskrise 1929. Bis 1929 hat man die Jeans tatsächlich
auch nur an der Westküste Amerikas getragen,
Das ist nicht in die Ostküste rüber gekommen, sondern es war
wirklich lokal auf diese Goldgräber-Staaten fixiert.
Lukas:
Und dann passiert aber in der Weltwirtschaftskrise was, was mit
den Urlaubsvorstellungen reicher Amerikaner zu tun hat. Und das
erklärt uns auch Tanja Roppelt nochmal.
Tanja Roppelt:
Und dann in der Weltwirtschaftskrise konnten sich die reichen
Ostküste der Amerikaner ihre bis dahin gewohnten Europareise
nicht mehr leisten.
Tanja Roppelt:
Man hat nach neuen Zielen gesucht und hat mehr oder weniger
Urlaub auf dem Bauernhof gemacht. Man ist in den Westen gefahren,
auf sogenannte Dude-Ranch ist das Vieh. Ranch ist für
Urlauber, wo man so romantisierte Ranch-Erlebnisse inszeniert hat
mit Reiten-Lernen und Würstelgrillen am Lagerfeuer, mit einem
echten Cowboy durch die Prärie und so weiter.
Tanja Roppelt:
Und die Touristen haben dann als Souvenir zusammen mit dem
Cowboyhut auch die Jeans an die Ostküste gebracht.
Lukas:
Also du siehst aufgrund dieser Tatsache dieses
romantisierten Cowboys kommt es an die Ostküste. Wirklich Mode
wurde die Jeans spätestens 1935, denn da ist sie zum Ersten Mal
auf dem Cover der Vogue erschienen.
Ralph:
Das ist dieses Modemagazin, das es bis heute gibt.
Lukas:
Genau was ja, quasi wenn was auf der Vogue ist, das ist ja heute
noch so, dann kann man davon ausgehen, dass es sich
durchgesetzt hat.
Ralph:
Und von da an hat sich das dann international verbreitet oder
wann kam das?
Lukas:
Das hat dann noch ein bisschen gedauert. Das hat hauptsächlich
mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun und den amerikanischen Soldaten,
die nach dem
Zweiten Weltkrieg vor allem dann viele amerikanische Einflüsse
nach Europa bringen, wie zum Beispiel die Jeanshose, weil einfach
dieses amerikanische Rebellen – weißte- Rock n Roll.
Lukas:
Das kam dann einfach da rüber. Und übrigens: Was die Amerikaner
auch nach Europa gebracht haben, was sich auch erst seitdem
wirklich durchgesetzt hat, ist das T-Shirt.
Das kam auch von der US-Army.
Ralph:
Was haben die Leute denn vorher getragen? Nur Hemden?
Lukas:
Offensichtlich ja. Das T-Shirt so in der Form ist ein Produkt der
US amerikanischen Armee. Und dann hat es halt eben auch dieses
Rebellen Image bekommen.
Darauf hast du mich ja schon angesprochen mit Bruce Springsteen,
mit diesem legendären Plattencover.
Lukas:
Das war aber schon vorher der Fall, als James Dean mit Jeansjacke
und Jeanshose oder auch Marlon Brando. Die haben ja demonstrativ
Jeanshosen getragen, um gegen dieses
verstaubte, prüde Amerika quasi sich als Rebellen zu gerieren.
Ralph:
Und dieses Rebellische, das hat sich ja dann später auch auf die
Frauen schätze ich mal übertragen,
weil ich denke, am Anfang haben
Ralph:
dann eher Männer das getragen und dann eben irgendwann Frauen
gesagt, wir tragen das. Und dann kam es vielleicht am Anfang noch
rebellisch rüber und heutzutage
ist es ja ganz normal.
Lukas:
Absolut. Im Prinzip kann man das genauso sagen.
Lukas:
Also ich komme auch später noch mal drauf zu sprechen, was es
alles für verschiedene Produkte gibt, die man jetzt im
Levi-Strauss Museum angucken kann. Das sind total
interessante Sachen dabei. Also der Jeansstoff an und für sich
kann man wirklich sagen geht mit der Zeit.
Lukas:
Der entwickelt sich mit der Zeit weiter. Aber dazu später mehr.
Weil wir wollen noch mal kurz zurück zu Levi-Strauss, der hat das
Ganze natürlich nicht mehr mitbekommen.
Und wie Levi gestorben ist, das erklärt uns Tanja Roppelt noch
mal.
Ranja Roppelt:
Den ganz großen Erfolg seines Produkts hat er nimmer
erlebt.
Tanja Roppelt:
Er ist 1902 gestorben im Alter von 73 Jahren, war nie
verheiratet, hatte keine Kinder, hat das Unternehmen seinen vier
Neffen vererbt. Das waren die Söhne seiner
älteren Schwester Fanny. Und bis heute sind Nachkommen von
Levi-Strauss in der Firma tätig. Und 1906 kam dann das große
Erdbeben von San Francisco, was auch das Unternehmen
in Schutt und Asche gelegt hat.
Tanja Roppelt:
Sowohl die Wohnhäuser der Familie als auch Warenhäuser und
Verwaltung. Und das ist auch der Grund, warum er über den
Levi-Strauss so wenig wissen, weil im Erdbeben
eben alle Originaldokumente verbrannt sind. Es gibt noch eine
Handvoll Bilder und das wars eigentlich.
Ralph:
Ja, das ist ja unglaublich schade, dass dann in diesem Erdbeben
diese ganzen Dokumente verloren gegangen sind. Da hätte man ja
was weiß ich was alles rekonstruieren können.
Lukas:
Absolut. Das ist unglaublich schade. Vielleicht hat auch dieses
Erdbeben damit zu tun, dass diese Verbindung zwischen
Levi-Strauss und Buttenheim solange gar nicht klar war.
Lukas:
Weil bis 1983 wusste man gar nicht, dass Levi-Strauss aus
Buttenheim kommt. Weil eine Dame aus Milwaukee hat sich 1983 an
den Buttenheimer Bürgermeister gewandt,
weil sie Infos über Levi-Strauss wollte. Der war damals
verwundert, weil er nicht wusste, warum die sich jetzt an ihn
wendet.
Lukas:
Und damals hat man vermutet, dass Levi aus Bad Windsheim kommt.
Das ist zwar auch in Franken, aber in Unterfranken, also die
nächstgrößere Stadt bei Bad Windsheim ist
dann Würzburg und dann haben die rausgefunden, dass das
Geburtshaus noch steht und dass das außerdem eines der ältesten
Häuser ist, die in ganz Buttenheim noch stehen.
Lukas:
Es ist aus dem 17. Jahrhundert und dann hat man da eben das
Museum eingerichtet. Von der Inneneinrichtung war natürlich von
Levi nichts mehr da, ganz klar.
Deswegen sieht man da auch relativ wenig. Aber man sieht noch
genau die Grundrisse, weil an denen hat sich einfach nichts
verändert.
Ralph:
Und hat dann jemand in diesem Haus gewohnt oder wie wurde das
benutzt?
Lukas:
Das kann ich dir gar nicht so genau sagen, also bevor da das
Museum war, war das, glaube ich, eine ziemliche Bauruine. Also
ich glaube, da ist nicht mehr viel passiert.
Lukas:
Also wahrscheinlich war es sogar ein Glücksfall, dass man das
rausgefunden hat, weil sonst wär das irgendein Haus gewesen, was
man dann halt abgerissen hätte und dann wäre
diese schöne Geschichte quasi gar nicht mehr zutage getreten. Der
Levi war persönlich nie wieder ein Buttenheim.
Lukas:
Er ist in die USA ausgewandert und dann ist er nie wieder
zurückgekommen. Er hatte aber Briefwechsel mit Buttenheim und
Tanja Roppelt hofft, dass es vielleicht
noch den einen oder anderen Buttenheimer oder die eine oder
andere Buttenheimerin gibt, die auf dem Dachboden noch irgendwie
Briefe finden aus dem Nachlass.
Lukas:
Weil Levi Strauss tatsächlich Zeit seines Lebens daran
interessiert war, zum Beispiel auch den Juden in Buttenheim
finanziell unter die Arme zu greifen.
Er war generell auch wohl sehr philanthropisch unterwegs und hat
sich auch sehr für Schulbildung eingesetzt und und auch das muss
wohl spannend sein.
Lukas:
Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ihn tatsächlich nur
Levi genannt. Also nicht irgendwie Mister Strauss, sondern
wirklich nur Levi.
Er muss wohl ein sehr umgänglicher Typ gewesen sein, was man so
hört.
Ralph:
Aber interessant das eigentlich, dass das erstens so spät
rausgefunden worden ist,
überhaupt, dass er daherkommt aus Buttenheim.
Ralph:
Und das es ja eigentlich auch nur sehr wenig Verbindungspunkte zu
Buttenheim gibt. Also klar, er ist dort aufgewachsen und ist dann
ja erst mit 19 Jahren
emigriert in die USA. Aber von der ganzen Jeans-Tätigkeit und
so,
Ralph:
da ist ja gar nichts in Deutschland passiert. Das war ja alles
was in Amerika.
Lukas:
Ja richtig. Und was auch total interessant ist, das Levi
ursprünglich überhaupt
gar nicht Händler werden wollte. Auch da gibt es einen schönen
Ton von Tanja Roppelt.
Tanja Roppelt:
Was wir wissen, witzigerweise,
Tanja Roppelt:
Es gibt Unterlagen im Nachlass vom Vater, wo die Mutter eben
begründet, warum sie nach Amerika will. Und sie sagt eben, sie
hat eben keinen Ernährer
mehr hier in Buttenheim. Und ihr Sohn Löw hat die Handelsschule
nicht erlernt und auch keine Lust dazu.
Ralph:
Ja, was ich auch so interessant finde, es ist ja klar, dass Levis
Jeans sehr bekannt ist weltweit. Aber ich dachte tatsächlich,
dass dann diese Levi auch
Schneider wäre. Also nicht ein Händler, der dann quasi einen
Schneider beauftragt und dann mit der Idee kommt: Hey, machen wir
mal Nieten und jetzt sind es die Jeans.
Lukas:
Genauer gesagt hat er nicht mal den Schneider beauftragt, sondern
der Schneider hat ihn ja kontaktiert mit der Idee, was er gemacht
hat. Er hat
das Ganze wirtschaftlich gemacht, er hat das Patent angemeldet
und er hat quasi dafür gesorgt, dass es eine Erfolgsgeschichte
wird bis heute.
Ralph:
Also er ist eher so der Vermarkter gewesen.
Lukas:
Ja.
Ralph:
Du hast ja gerade vorhin noch gesagt, dass es im Museum ganz
viele Dinge gibt, die zur Jeans gehören,
also die mit dem Stoff hergestellt worden sind und die mit der
Zeit gehen.
Ralph:
Was sind das denn so für Dinge?
Lukas:
Also das ist ganz unterschiedlich. Wenn du in dem Museum bist, in
Buttenheim, siehst du auf verschiedenen Stockwerken,
was für Dinge mit Jeans dann irgendwann gemacht worden sind, wie
quasi dann die Jeansjacke erfunden wurde, die Jeans Hemden
erfunden wurden und wie das Ganze dann auch mit der Popkultur
sich weiterentwickelt hat.
Lukas:
Wir haben ein paar Leute schon angesprochen: James Dean, Bruce
Springsteen, dann dass es Jeans für Frauen gab und so weiter und
so fort. Das sieht man da wirklich sehr eindrucksvoll.
Das kann ich jedem empfehlen. Es ist total spannend und dann
sieht man auch ein paar Sachen, die die Jeans sozusagen ins 21.
Jahrhundert bringen.
Lukas:
Es gibt da nämlich eine Jacke, die es ausgestellt, die Levis in
Kooperation mit Google erstellt hat. Da haben die nämlich eine
Bluetoothfähige Jeansjacke erstellt,
die man anziehen kann. Und dann, wenn man zum Beispiel Fahrrad
fährt, kann man mit Handgesten an den Ärmeln, Songs, die man über
das Handy hört, weiter schalten.
Lukas:
Oder man kann Anrufe annehmen, indem er auf die Jeansjacke eine
bestimmte Bewegung durchführt, indem er da drückt. Also es ist
wohl so, dass dieses Muster,
dieses Jeans generell das ist einfach unglaubliches Potenzial
hat. Ob wir in 20 Jahren alle mit einer Bluetoothfähigen
Jeansjacke in der Gegend rumlaufen,
weiß ich nicht, aber das kann man auf jeden Fall alles
angucken.
Ralph:
Es zeigt halt auch, dass Jeans einfach in die Kultur eingegangen
ist. Das ist nicht nur eine Marke, sondern das gehört einfach zur
Kultur dazu.
Lukas:
Absolut.
Und deswegen hab ich ja gesagt, es ist ein Objekt, was einfach
jeder von uns, egal woher er kommt, egal wie alt er ist, egal was
da für einen Background ist.
Lukas:
Also zumindest hier in unseren mitteleuropäisch westeuropäischen
Kulturkreisen, das hat jeder schon getragen. Es gibt also ich,
ich wüsste jetzt keinen Menschen,
der noch nie eine Jeans getragen hätte. Um vielleicht das Ganze
abzuschließen. Noch eine kurze persönliche Erkenntnis zu mir: Ich
hatte schon länger die Vermutung,
dass ich eventuell jüdische Vorfahren habe aufgrund meines
Nachnamens und Tanja Roppeltt war
Lukas:
dann so nett und ist dann mit mir in ihr Büro gegangen und hat
gesagt, sie hätte die ganzen Matrikelnummern aus Oberfranken und
Mittelfranken, wo verschiedene
jüdische Familien bis ins 17. Jahrhundert hinein. Das wurde in so
Listen eingetragen, so Matrikellisten,
Lukas:
die hätte sie digitalisiert da. Und dann haben wir mal geguckt
und ich weiß von meinem Vater, dass meine Familie ursprünglich
aus einem Dorf kommt, was
tatsächlich ganz in der Nähe von Buttenheim ist. Es ist echt nur
ein Kaff weiter.
Lukas:
Da gab es wirklich in dieser ganzen Umgebung zehn jüdische
Familien mit dem Nachnamen Fleischmann. Also die
Wahrscheinlichkeit, dass ich von einer von
dieser Familien abstammen oder dass ich zumindest Einflüsse habe
und damit ja quasi auch, dass meine Vorfahren eigentlich genau
dasselbe erlebt haben wie
Levi Strauss, ist, finde ich irgendwie ein schöner persönlicher
Bezug zu dem Museum.
Ralph:
Dann könnte es ja theoretisch auch sein, dass Vorfahren von dir
auch emigriert sind, oder ?
Lukas:
Bestimmt. Das müsste man mal ausfindig machen.
Ralph:
Genau. Müsste mal nachforschen.
Lukas:
Absolut. Aber das sprengt den Rahmen dieser Episode jetzt. Aber
da bleib ich dran, da bleibe ich dran.
Lukas:
Tanja Roppelt hat mir da noch ein paar Adressen gegeben, wo man
dann nachgucken kann und bin gespannt, was sich daraus ergibt.
Ralph:
Ja, wunderbar.
Vielen lieben Dank, dass du mir heute die Jeans vorgestellt hast
und Levi Strauss. War viel dabei, was ich nicht kannte.
Ralph:
Tatsächlich, was mir neu war. Und was mir jetzt auch so als
Funfact hängenbleibt. Tatsächlich kann ich mal bei der nächsten
kleinen Party oder was weiß ich was
beim nächsten Smalltalk von mir geben. Mit den Nieten zum
Beispiel.
Lukas:
Ich finde am spannendsten, woher die Namen kommen, also das
französische Gênes, dann Jeans und woher des Denim kommt und so,
das ist auf jeden Fall ein cooler
Fun Fact für eine Party.
Ralph:
Ja, auf jeden Fall.
Lukas:
Ja gut, dann danke dir Ralph und danke euch allen fürs
Zuhören.
Lukas:
Wir sind natürlich an Feedback interessiert. Wir sind auch daran
interessiert, dass ihr die Vorlage teilt und uns damit ein
kleines bisschen
berühmter und beliebter macht. Und wir freuen uns schon auf die
nächste Folge.
Ralph:
Absolut. Dann bis zum nächsten Mal.
Lukas:
Tschüss
Ralph:
Ciao ciao.
Outro:
Bitte nicht anfassen. Museum mal anders. ein Podcast von
Escucha.
über BITTE NICHT ANFASSEN!:
Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte
Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an
Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das
Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das
Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir –
das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim
Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an
Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge.
Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so
viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser.
Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir
uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen
und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich
noch nie gehört hast.
Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein
besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen
darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und
-betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar
gemacht.
Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem
Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und
Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories
mögen.
BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur
für's Ohr.
Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/
Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und
empfehlt uns weiter.
Der Beitrag Das Levi-Strauss Museum erschien zuerst auf Escucha.
Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
NOTES
Ein jüdischer Auswanderer verändert die Welt und erfindet etwas,
das garantiert jeder von uns schon einmal benutzt hat. Seine
Geschichte beginnt in Oberfranken, wo heute noch ein Museum in
seinem Geburtshaus an ihn erinnert. Eine Folge über Goldrausch,
Erfindergeist und woher der Begriff Denim eigentlich
stammt.
Zum Album-Cover von Bruce Springsteen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Born_in_the_U.S.A
Ralph erwähnt folgenden Film von Otto Waalkes:
https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_%E2%80%93_Der_Film (Vorsicht,
der ist sehr schlecht gealtert)
Infos zum Museum:
Levi-Strauss Museum Buttenheim
Marktstraße 31-33
96155 Buttenheim
https://levi-strauss-museum.de/
über BITTE NICHT ANFASSEN!:
Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte
Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an
Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das
Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das
Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir –
das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim
Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an
Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge.
Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so
viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser.
Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir
uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen
und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich
noch nie gehört hast.
Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein
besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen
darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und
-betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar
gemacht.
Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem
Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und
Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories
mögen.
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Wenn ihr als Museum darüber nachdenkt, ob Podcasting
etwas für euch ist – hier sind 10 gute Gründe dafür:
https://www.escucha.de/gruende-fuer-museumspodcasts/
Kontakt
Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/
E-Mail: info[at]escucha.de
Podcast-Credits:
Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger
Produktion: Escucha GbR
Podcast-Grafik: Tobias
Trauth https://www.instagram.com/don_t_obey/
Intro/Outro: Patrizia Nath
(Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas
Fleischmann (Musik)
Transkript:
Ralph:
Hey, ich bin Ralph
Lukas:
und ich bin Lukas. Und in diesem Podcast nehmen wir euch zu
Museen aus ganz Deutschland und darüber hinaus mit.
Aber es geht nicht um die großen berühmten Museen, sondern um
kleine, alternative, skurrile und manchmal auch ganz schön
lustige Museen.
Ralph:
Wir wollen wissen, was Menschen dazu bringt, Dinge zu sammeln und
ihnen ein Museum zu widmen.
Lukas:
In jeder Folge stellt einer von uns dem anderen und euch
natürlich ein Museum vor, das er besucht hat.
Ralph:
Und jetzt geht's los.
Intro – Bitte nicht anfassen.
Intro:
Museum mal anders. ein Podcast von Escucha.
Ralph:
Worum geht es denn heute, Lukas?
Lukas:
Also heute geht es um eine jüdische Familie, den Goldrausch in
den USA, ein großes Erdbeben und dass die Auswirkungen all dieser
Ereignisse
zu etwas beitragen, was garantiert jeder von uns schon hunderte
Male in seinem Leben benutzt hat.
Lukas:
Und es geht um das Museum, das sich genau um dieses Objekt dreht.
Wir reisen nach Buttenheim, in meine oberfränkischen Heimat, und
wie das Museum genau heißt,
das erzähle ich dir später. Ich stelle zuerst mal Tanja Roppelt
vor, sie kümmert sich um das Museum und beschreibt, wo wir gerade
sind.
Tanja Roppelt:
Hier befinden wir uns in der guten Stube der Familie Strauss. Das
ist ein sehr kleiner Raum, vielleicht 20 Quadratmeter, mit einer
niedrigen Holzdecke.
Und es war der einzige Raum im Haus, der beheizt werden konnte.
Nebenan war eine kleine Schlafkammer, dahinter eine kleine Küche,
also ungefähr 50 Quadratmeter.
Tanja Roppelt:
Und diese kleine Wohnung hat eben die neunköpfige Familie
Strauss: Vater, Mutter, fünf Kinder aus der ersten Ehe des Vaters
und die zwei Jüngsten bewohnt.
Ralph:
Okay, das klingt ein bisschen nach ärmlichen Verhältnissen.
Lukas:
Ja, aber kannst du dir vorstellen, um welche Familie Strauß es
geht bzw. wer mit Familie Strauss gemeint ist?
Ralph:
Ja, also mir fällt da schon jemand ein. Aber da bin ich jetzt zu
unsicher, um das zu äußern.
Lukas:
Also gut, dann löse ich es mal auf. Es geht um Levi Strauss,
den Erfinder der Jeans und wir sind dazu im Levi Strauss
Geburtshaus in Buttenheim.
Lukas:
Denn das Haus, wo Levi 1829 geboren wurde, existiert heute noch.
Und das ist jetzt ein Museum. Und die Geschichte hinter Levi
Strauss und wie die Jeans erfunden
wurde, ist total faszinierend. Und auch das Museum ist total
faszinierend und davon würde ich dir gern heute erzählen.
Ralph:
Ja, sehr gerne. Ich weiß nämlich so gut wie gar nichts darüber.
Lukas:
Das sind gute Voraussetzungen. Ja, wie bereits gesagt, Levi wurde
1829 in Buttenheim geboren,
als jüngstes Kind eines jüdischen Hausierers. Weißt du, was ein
Hausierer ist?
Ralph:
Ist das so ein Vertreter?
Ralph:
Ist das so ein Typ, der von Haus zu Haus geht, um was zu
verkaufen?
Lukas:
Genau richtig. Das ist quasi der Vertreter des 19. Jahrhunderts,
könnte man sagen. Das waren
aber auf jeden Fall richtig ärmliche Jobs damals. Und das hatte
den Hintergrund, dass Juden damals den war es nicht erlaubt,
Landwirtschaft zu betreiben.
Lukas:
Und den war es auch nicht erlaubt, ein Gewerbe zu betreiben. Und
deswegen mussten sie sich mit so anderen Berufen über Wasser
halten. Und da waren sehr, sehr
viele Hausierer. Buttenheimn zu der damaligen Zeit: Heute ist es
eine Gemeinde mit ein paar 1000 Einwohnern.
Lukas:
Damals hat es so um die 250 Einwohner und hatte für die
Verhältnisse eine sehr, sehr große jüdische Gemeinde. Das heißt,
jeder fünfte. Einwohner in Buttenheim
war jüdischen Glaubens. Sie hatten auch zeitweise einen eigenen
Rabbiner, die hatten ein eigenes Ritualbad.
Lukas:
Also eigentlich alles, was man so für ein jüdisches Leben vor Ort
braucht. Das war so, weil Buttenheim lange Zeit protestantisch
sozusagen regiert wurde.
Die Herrschaft im 19. Jahrhundert, gerade zum Beginn des 19.
Jahrhunderts, war ja auf dem Gebiet, was heute Deutschland ist,
sehr zersplittert.
Lukas:
Das heißt, es gab ganz viele verschiedene Kleinstaaten, freie
Reichsdörfer etwa und so weiter und so fort, und Buttenheim war
eben eins davon. Und diese
protestantische Herrschaft in Buttenheim hat erlaubt, dass sich
jüdische Familien ansiedeln. Oder anders gesagt: Die haben nichts
dagegen unternommen.
Lukas:
Und so kam es eben dazu, dass zur Zeit der Geburt von Levi
Strauss, also 1820, jeder fünfte Einwohner in Buttenheim
jüdischen Glaubens war.
Tanja Roppelt:
Anscheinend ist aber so das Zusammenleben der jüdischen Einwohner
und der christlichen Einwohner über viele Jahre relativ
reibungslos verlaufen.
Tanja Roppelt:
Es gibt so kleinere Dinge, dass man zum Beispiel Sonntag durften
Juden nicht über den Kirchhof. Da gab es so ein Gesetz.
Wahrscheinlich wollte man verhindern,
dass da Handel getrieben worden ist. Es gab auch mal eine
Beschwerde, dass eben Kinder den Lehrer geärgert hätten oder was,
aber Kleinigkeiten.
Tanja Roppelt:
Ansonsten ging das Leben sehr reibungslos vonstatten.
Ralph:
Hmm, hört sich so an, als würde Religion keine Rolle spielen.
Lukas:
Ja, so indirekt. Ich mein, eine Diskriminierung gab es
schon allein deswegen, weil zum Beispiel Levis Vater ja bestimmte
Berufsverbote hatte aufgrund seines Glaubens.
Lukas:
Und gerade in Bayern war es schon so, dass zu dieser Zeit Juden
sehr diskriminiert worden sind. Aber die konnten halt trotzdem
irgendwie über die Runden kommen,
bis zu dem Zeitpunkt, wo der Vater der neunköpfigen Familie
stirbt. Woran genau, weiß man gar nicht so, aber man weiß, dass
das halt verschiedene
Auswanderungsbewegungen in Kraft getreten hat.
Lukas:
Und so sind von der Familie erst recht viele von Levis
Geschwistern in die USA emigriert. Und irgendwann wollte dann
auch die Mutter mit den verbliebenen
Kindern in die USA emigrieren, einfach weil die auf ein besseres
Leben gehofft haben.
Ralph:
War es zu der Zeit allgemein so war, dass die Leute dann in den
USA so ihre Hoffnungen gesetzt hatten? Also gerade jüdische
Leute?
Lukas:
Ja, ja, ganz viele. Ich meine, das waren nicht nur jüdische
Menschen, die in die USA emigriert sind.
Lukas:
Es waren ja ganz viele Menschen, die einfach von den
Gegebenheiten im alten Europa sich keine Zukunft versprochen
haben und dann in die USA rüber gegangen sind.
Was ich Tanja Roppelt gefragt habe, wie so eine Ausreise im 19.
Jahrhundert eigentlich vonstatten geht, also kann man da einfach
seine Sachen nehmen und dann
sucht man sich das nächstbeste Schiff und dann
Lukas:
ist man irgendwann da, oder ja, keine Ahnung? Und was sie mir da
erzählt hat, fand ich sehr spannend.
Tanja Roppelt:
Man musste erst mal einen riesen Behoerdenmarathon hinter sich
bringen, Geburtsurkunde beibringen, Leumund, Zeugnis nachweisen,
dass man genügend Geld hat.
Und dann ganz am Schluss ist die Auswanderungsabsicht im
Amtsblatt veröffentlicht worden.
Tanja Roppelt:
Das hatte zum Zweck, wenn die Leute noch Schulden hatten, dass
die Gläubiger ihr Geld noch eintreiben konnten. Und erst wenn
sich daraufhin niemand gemeldet hat,
der Ansprüche hatte, hat man die Erlaubnis bekommen zur
Auswanderung. Da hat man alles verkauft, was man nicht mitnehmen
konnte, sich ein Schiffsticket
gebucht und sich dann auf den Weg gemacht nach Bremerhaven.
Ralph:
Was ist denn ein Leumundszeugnis?
Lukas:
Ein Leumundszeugnis ist, dass du quasi jemanden brauchst, der dir
bestätigt, dass es nichts gibt, was dein Ruf schädigen könnte.
Sozusagen. Also die kommen dann in Bremerhaven an, also dann sind
die auf das Segelschiff gegangen und je nach Seegang hat das
zwischen vier und 13 Wochen gedauert.
Lukas:
Von Bremerhaven nach New York. Genau nach Bremerhaven sind die
übrigens noch mit der Kutsche gefahren. Also später gab es dann
Zugverbindungen.
Die Familie Strauss ist da tatsächlich noch mit der Kutsche
hingefahren. Als das Schiff dann losgegangen ist, kannst du dir
vorstellen, dass das natürlich nicht
gerade Kreuzfahrtverhältnisse waren, sondern die waren auf einem
Zwischendeck mit hunderten anderen
Lukas:
Menschen eingepfercht, kommen halt nach einer sehr, sehr
schwierigen Überfahrt irgendwann mal in New York an und das war
dann 1848.
Ralph:
1848. Das heißt, Levi war da 19 Jahre alt?
Lukas:
Genau der war da sehr jung. Richtig. Wie das so üblich ist, wenn
Menschen in die USA emigrieren
Lukas:
Im 19. Jahrhundert ist es ja ganz oft so, dass Namen dann
amerikanisiert werden. Das berühmteste Beispiel, glaube ich, aus
der jetzigen Geschichte ist Donald Trump,
weil dessen Familie hieß eigentlich Trumpf mit Nachnamen. Die
waren ja auch deutsche Auswanderer.
Lukas:
Und da wurde dann Trumpf zu Trump. Strauss wurde tatsächlich
übernommen im Amerikanischen. Was aber nicht übernommen wurde,
sind die Vornamen. Also in Deutschland hieß
Levi oder wie man es deutsch ausspricht, Levi immer Löb. Der Name
Levi oder Levi kam erst, als sein Name amerikanisiert wurde, weil
das Ö wahrscheinlich damals keiner gern ausgesprochen hat.
Lukas:
Und dann hat man aus Löb Levi gemacht, genauso wie man aus seiner
Schwester Vögela Fanny gemacht hat.
Ralph:
Okay, ja, interessant.
Lukas:
Also diese Familie kommt dann 1848 in New York an und dann wohnen
die zuerst mal bei Geschwistern, die ja schon Jahre vorher nach
New York gegangen sind, auch da.
Lukas:
Die Geschwister haben erst mal einen Hausiererhandel aufgemacht
nach dem Vorbild des Vaters in Buttenheim und haben sich in
Little Germany niedergelassen.
Weißt du, wo das heute ungefähr ist?
Ralph:
Also es liegt dann ja in New York, hast du gemeint. In New York,
da gibt es verschiedene Stadtteile.
Ralph:
Es stellt sich jetzt die Frage, ob es einen Stadtteil gibt, der
so deutsch heißt. Ich kenne ja fast gar nichts, muss ich sagen.
Ich kenne Manhattan und, äh,
was kenne ich noch. Wie heißt es? Queens.
Lukas:
Genau.
Ralph:
Aber das wird es wahrscheinlich nicht sein.
Lukas:
Nein. Also du bist schon ganz richtig mit Manhattan. Es ist die
Lower East Side, also da wo jetzt die ganzen Reichen wohnen in
New York mit den ganzen riesen Penthouses. Das war früher Little
Germany.
Lukas:
Und Levi fängt dann quasi an, bei seinen Brüdern in diesem Handel
mitzuarbeiten. Die arbeiten zu diesem Zeitpunkt, als Levi
ankommt, schon gar nicht mehr als Hausierer,
sondern die haben einen Gemischtwarenhandel einfach aufgemacht.
Levi bekommt 1853 die amerikanische Staatsbürgerschaft.
Lukas:
Also vier Jahre nachdem er da angekommen ist. Und bis dahin ist
er auch in New York. Aber dann passiert etwas, was die Geschichte
der USA und auch die Geschichte der
Welt verändert. Und das erklärt uns Tanja Robbelt noch mal.
Ralph:
Zum Glück. Ich dachte, jetzt kommt wieder eine Frage.
Tanja Roppelt:
Ja, dann kamen Nachrichten von Goldfunden in Kalifornien an der
Ostküste an, haben die größte Völkerwanderung in der
Geschichte der USA ausgelöst und die Brüder haben unseren Levi
dann an die Westküste geschickt.
Tanja Roppelt:
Er soll eine Niederlassung ihres Geschäfts eröffnen und es gab
verschiedene Möglichkeiten, um von Osten in den Westen zu kommen.
Die eine war, wie wir es aus den Westernfilmen kennen,
mit den Planwagen über Land, die andere war mit dem Segelschiff
um Kap Horn herum.
Tanja Roppelt:
Es war eine sehr stürmische und lange Reise und die dritte
Möglichkeit war mit dem Dampfschiff nach Panama, mit einem
Maulesel über die Landenge von Panama und dann mit
dem Dampfschiff weiter nach San Francisco.
Ralph:
Ja, das waren noch andere Zeiten.
Lukas:
Allerdings.
Ralph:
Ja, und für welche Variante hat er sich dann entschieden?
Lukas:
Er ist in der Panama Variante rüber gekommen. Das hat tatsächlich
nur vier Wochen gedauert, was ich irgendwie faszinierend finde,
weil du musst ja einmal die komplette USA runter, Mexiko runter,
dann bis Panama, dann mit dem Maulesel da drüben auf der anderen
Seite wieder hoch.
Lukas:
Aber sie meinte tatsächlich, das ist die schnellste Route
gewesen, auch noch vor dem Panamakanal. Der ist erst Jahrzehnte
später gebaut worden. Also der Panamakanal, der
quasi zwischen Nord und Südamerika diesen Kanal macht, damit man
nicht mehr um Argentinien und Chile rumfahren muss.
Lukas:
Ja, da kommt er dann an und er hat dann mit seinen Brüdern einen
Großhandel gegründet für Objekte für die Goldgräber. Also diese
Goldgräber, die da sind, die kommen da zu
Hunderttausenden. Die brauchen Sonntagsanzüge, die brauchen
Schüsseln zum Goldwaschen, alles Mögliche und er lässt sich in
San Francisco nieder und merkte, dass es in
San Francisco zwar sehr
Lukas:
viel Gold gibt, aber eigentlich nichts, was man sich dafür kaufen
kann. Und das nutzt er aus und gründet quasi dieses Geschäft mit
seinen Brüdern, die dafür sorgen, dass
von der Ostküste die Objekte rüber kommen. Er kriegt von den
Goldgräbern Gold, was in San Francisco eine Währung ist.
Lukas:
Die wird dann in Dollar umgetauscht, zurückgeschickt und so
funktioniert dieses Geschäft von der Ostküste zur Westküste. Mit
diesen Utensilien für Goldgräber und auch
für Holzfäller, für eigentlich alle Menschen, die sich da
ansiedeln, weil wenn das so viele Hunderttausende ankommen, das
sind nicht nur Goldgräber, sondern das sind
auch ganz andere Berufe dabei, die man dann irgendwann
Lukas:
mal automatisch braucht dafür. Das geht dann ganze 20 Jahre so
weiter. Es gibt auf jeden Fall viel Geld. Also Levi ist zu diesem
Zeitpunkt schon sehr, sehr reich und
wohlhabend, wie die ganzen Brüder von ihm. Dann kommt es
irgendwann zu einer sehr schicksalhaften Begegnung und auch die
erzählt uns Tanja Roppelt noch mal!
Tanja Roppelt:
Also Levi hat dann 1872 einen Brief bekommen von einem Schneider
aus Reno, Nevada. Den haben wir hier auch abgebildet. Jacob
Davis, war auch ein europäischer Einwanderer, der
kam aus dem Baltikum und der hat für die Minenarbeiter und für
die Arbeiter Hosen gemacht.
Tanja Roppelt:
Und der Legende nach haben sich bei ihm die Leute immer
beschwert, dass die Hosentaschen so leicht ausreißen. Und er
musste dann immer diese Hosentaschen wieder annähen.
Und dann kam er auf die Idee, er nimmt Nieten, die man für
Pferdedecken verwendet hat und tackert diese Stellen fest.
Ralph:
Na ja, so langsam offenbart sich mir so ein Bild. Jetzt habe ich
tatsächlich auch darüber nachgedacht. Es haben ja, glaube ich,
wirklich nur Jeans, diese Nieten an den
Hosentaschen.
Lukas:
Genau. Und das ist immer noch sozusagen auch die Erkenntnis an
der Jeanshose.
Lukas:
Und das ist der Grund, warum die Jeanshose als Jeanshose
überhaupt erfunden wurde. Den Stoff hat es vorher schon gegeben,
da komme ich später gleich dazu. Sondern die revolutionäre
Idee von Levi war tatsächlich einfach nur aus dieser Idee, die
von diesem Schneider an ihn herangetragen wurde, das
weiterzuentwickeln und für Jeanshosen, also für Hosen zu
adaptieren.
Lukas:
Und das hat Levi dann auch gemeinsam mit diesem Schneider
gemacht. Und dann haben die beiden ein Patent eingereicht und das
war am 20. Mai 1873. Der Tag gilt als
Geburtstag der Jeanshose. Also das einzige, was an der Jeanshose
wirklich revolutionär war, war, Taschen nicht mehr nur anzunähen,
sondern auch zu vernieten.
Ralph:
Aber das heißt, es gab schon vorher Hosen aus diesem Stoff, aber
ohne diese Nietentaschen oder wie?
Lukas:
Richtig. Und die waren halt nicht besonders stabil und nicht
besonders reißfest.
Was Levi gemacht hat ist, dass er einfach damit mit diesen
einfachen Konstruktionen die Hose viel praktikabler und viel
ausdauernder gemacht hat.
Lukas:
Und jetzt wird es ein bisschen kompliziert, weil jetzt geht es
nämlich darum, woher die ganzen Namen kommen. Und da muss jetzt
gut aufpassen, denn da bringen wir viele, viele
Sprachen durcheinander. Das ist aber auch, finde ich, total
spannend.
Lukas:
Also der Name Jeans ist eine amerikanisierte Form, wie die
Franzosen das italienische Genua aussprechen, also Genua, die
Stadt in Norditalien. Und die wird im Französischen
genauso ausgesprochen. Und weil jene in den USA keiner
aussprechen kann, wird Jeans ausgesprochen.
Lukas:
Wenn du es Englisch aussprechen würdest, das hat die Bewandtnis,
dass von da viele Stoffe gekommen sind. Das wurde im Englischen
einfach zu Jeans. Also das war sozusagen
so eine Bezeichnung, das Webmuster, das der Hose, die Festigkeit
und die Strapazierfähigkeit gibt,
Lukas:
Dieses Muster wurde ursprünglich im französischen Nîmes erfunden.
Es ist eine Stadt in Frankreich, Nîmes heißt die. Auf Französisch
heißt von Nîmes de Nîmes und aus Denim wurde
dann das amerikanisierte Denim. Das heißt, so wurde die Denim
Jeans zur Denim Jeans.
Lukas:
Daher kommt diese Bezeichnung.
Ralph:
Ja cool, schöne Fun Facts, aber ich finde es auch interessant,
wie die Amerikaner das mit der Sprache handhaben aus anderen
Ländern,
weil die machen es einfach so, die schreiben komplett um und
sprechen es anders aus.
Ralph:
Wenn ich überleg, was wir jetzt in Deutschland mit der Sprache
machen oder auch gemacht haben. Wenn wir jetzt Sachen aus
Frankreich hatten, wie zum Beispiel Bureau oder so,
da haben wir es ja genauso ausgesprochen, aber anders
geschrieben.
Lukas:
Ja, so gehen halt Menschen oder generell Kulturen, ganz
unterschiedlich mit Wörtern um oder mit
Lehnwörtern, die halt aus einer anderen
Lukas:
Sprache kommen. Ganz klar. Ein wichtiger Fakt. Es heißt ja blue
Denim Jeans. Und jetzt fragst du dich sicher, woher das Blue
kommt. Und das ist ein sogenanntes Indigo Blau.
Und das erklärt uns auch noch mal Tanja Roppelt.
Tanja Roppelt:
Zur Zeit von Levi Strauss, was es ein strapazierfähiger
Baumwollstoff, der aus einem weißen und einen blauen Faden
verwoben worden ist
Tanja Roppelt:
und der auch beim ersten Waschen erst noch mal kräftig
eingegangen ist. Das heißt, die Cowboys haben ihre Hosen immer
zwei Größen größer gekauft und sich in die Tröge ihrer
Pferde gesetzt, um sie auf die richtige Größe zu
schrumpfen.
Tanja Roppelt:
Die Kids haben sich später dann mit in die Badewanne gelegt.
Mittlerweile kommen die Jeans alle vorgewaschen auf den Markt und
man kann sie in der Größe kaufen, die man auch
wirklich hat. Der Denim ist mit Indigo gefärbt worden.
Tanja Roppelt:
Der eine Faden, der Blaue. Und Indigo hat die Eigenschaft, dass
er sich außen anlegt und diese Faser nicht komplett durchdringt.
Ralph:
Okay, Indigo durchdringt nicht die Fasern,
sondern legt sich außenrum an, was hat das denn dann zur Folge?
Das verstehe ich nicht ganz.
Lukas:
Das hat zur Folge, dass wenn du die Jeans trägst, dann scheuert
sich dieses Blau mit der Zeit ab und damit wird jede Hose zu
einem Unikat. Und deswegen sind die verschiedenen
Waschungen der Jeans auch so entscheidend, wie die Jeans dann am
Ende ausschaut.
Lukas:
Wenn ich sie zum Beispiel stoned wasche, also mit Steinen
drinnen, dann sorgen die Steine dafür, dass diese Indigofasern
sich halt anders ablösen oder anders einfach
mit dem anderen Faden verbinden. Und dadurch entstehen diese
unterschiedlichen Färbungen bei Jeanshosen.
Ralph:
Also eigentlich sind die Färbungen ja Auswaschung.
Lukas:
Richtig. Genau, ja. Natürlich, was auch Tanja Roppelt schon
gesagt hat, die jetzigen Jeans werden schon vorher gewaschen,
weil jetzt kaufst du dir keine Jeans mehr, zwei Größen größer und
setzt dich dann in die Badewanne rein.
Lukas:
Wobei ich das Bild von so einem Cowboy, der im Schweinetrog drin
sitzt, Pferdetrog drin sitzt, um sich seine Jeans eingehen zu
lassen, schon irgendwie witzig find ich.
Ralph:
Musste da jetzt auch einen Otto Film denken, da macht das nämlich
Otto auch.
Ralph:
Der hat eine zu große Jeans. Dann legt er sich in die Badewanne
und dann, ich glaube der schläft dann aber ein in der Badewanne
und dann wird die viel zu eng.
Lukas:
Dann hat er sich keine Vorgewaschene gekauft. Jedenfalls ist es
dann so, dass die Jeanshose, also der Erfolg, kam dann wirklich
schnell.
Lukas:
Die ersten Hosen sind tatsächlich noch zu Hause in San Francisco
gemacht worden. Da gab es dann verschiedene Stoff, Schneiderinnen
und Näherinnen und halt diese Vernietungen.
Und dann kam aber recht schnell eine erste Fabrik. Das Patent,
das er 1873 angemeldet hat, was als die Geburtsstunde der Jeans
gilt, ist in den 1990er Jahren ausgelaufen.
Lukas:
Und dann durfte jeder Jeanshosen produzieren, was dann auch
wirklich jeder gemacht hat. Dann kamen die ganzen anderen Marken
Modelle auf den Markt, damit quasi die
Jeanshosen von Levis, wie es denn damals schon hieß, sich von
anderen unterscheidet und damit quasi die Leute wissen, dass sie
die ursprüngliche Jeanshose kaufen,
ist dieser Lederaufnäher hinten drauf gemacht worden, der heute
noch gleich ist.
Lukas:
Der ist seit 1890 der Gleiche und der zeigt eine Jeanshose, wo
zwei Pferde versuchen die Jeanshose auseinander zu reißen. Und
die schaffen es nicht.
Falls du eine Levis Jeans hast, guck mal drauf, da ist er hinten
drauf.
Lukas:
Der Grund ist ganz einfach, man hat versucht eine visuelle
Botschaft auf diesen Lederaufnäher drauf zu machen. Viele
Menschen konnten zu dem Zeitpunkt noch nicht lesen oder
konnten kein Englisch lesen. Es gab ein Sammelsurium an Sprachen
und damit jeder sofort wusste das für eine Jeans ist, hat man
diese Pferde drauf gemacht.
Lukas:
Die versuchen vergeblich eine Jeans auseinanderzureißen. Jetzt
weiß ich nicht, inwieweit du in der Modellreihe bewandert bist,
aber sagt dir das Modell 501 was?
Ralph:
Nein, keine Ahnung.
Lukas:
Also das Modell 501 ist sozusagen DIE Jeanshose, also vom
Schnittmuster und von allen. Bis heute noch.
Lukas:
Und die gibt es auch heute noch eins zu eins zu kaufen. Und die
501. Das kommt von der Katalognummer im Warenspektrum des
Handels. Und warum das 501 ist und nicht 104
oder keine Ahnung was, das weiß kein Mensch mehr.
Lukas:
Aber das berühmteste Schnittmodell ist 501 und heißt heute noch
so und war einfach die Nummer 501 in diesem Katalog.
Ralph:
Also dieser Katalog da hatte dann ganz verschiedene Waren drin.
Jetzt nicht nur Jeans und dann war einfach an der Position 501
die Jeans?
Lukas:
Genau, aber das hätte gar nicht notwendigerweise 501 sein müssen.
Es hat auch eine andere Nummer sein können. Warum das genau 501
ist, lässt sich nicht mehr rekonstruieren.
Das ist so der der Hintergrund.
Ralph:
Ich habe nur eine kurze Rückfrage.
Lukas:
Bitte.
Ralph:
Und zwar wenn ich an Jeans denke, dann denke ich tatsächlich ja
auch an Cowboys. Das ist ja dann auch oft in der Werbung so
rübergebracht worden. Aber ich denke
zum Beispiel auch an dieses ikonische Plattencover von Bruce
Springsteen, wo man diese Jeans sieht.
Ralph:
Und das wurde ja immer so als die Arbeiterhose verkauft. Also wer
und zu welchen Situationen wurde denn die Hose getragen?
Lukas:
Da müssen wir noch mal weiter in die Geschichte zurück.
Tatsächlich noch mal zu der Geburtsstunde der Jeans.
Lukas:
Denn da ist es ja so, dass diese Jeanshose die Arbeiterhose im
Goldrausch-Zeitalter ist. Also Goldgräber haben die Jeans,
Holzfäller haben die Jeans, Bauern haben die Jeans.
Jeder der harte körperliche Arbeit verrichtet und auf eine Hose
angewiesen ist, die lange durchhält.
Lukas:
Und das war im Prinzip nach wie vor so bis zur
Weltwirtschaftskrise 1929. Bis 1929 hat man die Jeans tatsächlich
auch nur an der Westküste Amerikas getragen,
Das ist nicht in die Ostküste rüber gekommen, sondern es war
wirklich lokal auf diese Goldgräber-Staaten fixiert.
Lukas:
Und dann passiert aber in der Weltwirtschaftskrise was, was mit
den Urlaubsvorstellungen reicher Amerikaner zu tun hat. Und das
erklärt uns auch Tanja Roppelt nochmal.
Tanja Roppelt:
Und dann in der Weltwirtschaftskrise konnten sich die reichen
Ostküste der Amerikaner ihre bis dahin gewohnten Europareise
nicht mehr leisten.
Tanja Roppelt:
Man hat nach neuen Zielen gesucht und hat mehr oder weniger
Urlaub auf dem Bauernhof gemacht. Man ist in den Westen gefahren,
auf sogenannte Dude-Ranch ist das Vieh. Ranch ist für
Urlauber, wo man so romantisierte Ranch-Erlebnisse inszeniert hat
mit Reiten-Lernen und Würstelgrillen am Lagerfeuer, mit einem
echten Cowboy durch die Prärie und so weiter.
Tanja Roppelt:
Und die Touristen haben dann als Souvenir zusammen mit dem
Cowboyhut auch die Jeans an die Ostküste gebracht.
Lukas:
Also du siehst aufgrund dieser Tatsache dieses
romantisierten Cowboys kommt es an die Ostküste. Wirklich Mode
wurde die Jeans spätestens 1935, denn da ist sie zum Ersten Mal
auf dem Cover der Vogue erschienen.
Ralph:
Das ist dieses Modemagazin, das es bis heute gibt.
Lukas:
Genau was ja, quasi wenn was auf der Vogue ist, das ist ja heute
noch so, dann kann man davon ausgehen, dass es sich
durchgesetzt hat.
Ralph:
Und von da an hat sich das dann international verbreitet oder
wann kam das?
Lukas:
Das hat dann noch ein bisschen gedauert. Das hat hauptsächlich
mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun und den amerikanischen Soldaten,
die nach dem
Zweiten Weltkrieg vor allem dann viele amerikanische Einflüsse
nach Europa bringen, wie zum Beispiel die Jeanshose, weil einfach
dieses amerikanische Rebellen – weißte- Rock n Roll.
Lukas:
Das kam dann einfach da rüber. Und übrigens: Was die Amerikaner
auch nach Europa gebracht haben, was sich auch erst seitdem
wirklich durchgesetzt hat, ist das T-Shirt.
Das kam auch von der US-Army.
Ralph:
Was haben die Leute denn vorher getragen? Nur Hemden?
Lukas:
Offensichtlich ja. Das T-Shirt so in der Form ist ein Produkt der
US amerikanischen Armee. Und dann hat es halt eben auch dieses
Rebellen Image bekommen.
Darauf hast du mich ja schon angesprochen mit Bruce Springsteen,
mit diesem legendären Plattencover.
Lukas:
Das war aber schon vorher der Fall, als James Dean mit Jeansjacke
und Jeanshose oder auch Marlon Brando. Die haben ja demonstrativ
Jeanshosen getragen, um gegen dieses
verstaubte, prüde Amerika quasi sich als Rebellen zu gerieren.
Ralph:
Und dieses Rebellische, das hat sich ja dann später auch auf die
Frauen schätze ich mal übertragen,
weil ich denke, am Anfang haben
Ralph:
dann eher Männer das getragen und dann eben irgendwann Frauen
gesagt, wir tragen das. Und dann kam es vielleicht am Anfang noch
rebellisch rüber und heutzutage
ist es ja ganz normal.
Lukas:
Absolut. Im Prinzip kann man das genauso sagen.
Lukas:
Also ich komme auch später noch mal drauf zu sprechen, was es
alles für verschiedene Produkte gibt, die man jetzt im
Levi-Strauss Museum angucken kann. Das sind total
interessante Sachen dabei. Also der Jeansstoff an und für sich
kann man wirklich sagen geht mit der Zeit.
Lukas:
Der entwickelt sich mit der Zeit weiter. Aber dazu später mehr.
Weil wir wollen noch mal kurz zurück zu Levi-Strauss, der hat das
Ganze natürlich nicht mehr mitbekommen.
Und wie Levi gestorben ist, das erklärt uns Tanja Roppelt noch
mal.
Ranja Roppelt:
Den ganz großen Erfolg seines Produkts hat er nimmer
erlebt.
Tanja Roppelt:
Er ist 1902 gestorben im Alter von 73 Jahren, war nie
verheiratet, hatte keine Kinder, hat das Unternehmen seinen vier
Neffen vererbt. Das waren die Söhne seiner
älteren Schwester Fanny. Und bis heute sind Nachkommen von
Levi-Strauss in der Firma tätig. Und 1906 kam dann das große
Erdbeben von San Francisco, was auch das Unternehmen
in Schutt und Asche gelegt hat.
Tanja Roppelt:
Sowohl die Wohnhäuser der Familie als auch Warenhäuser und
Verwaltung. Und das ist auch der Grund, warum er über den
Levi-Strauss so wenig wissen, weil im Erdbeben
eben alle Originaldokumente verbrannt sind. Es gibt noch eine
Handvoll Bilder und das wars eigentlich.
Ralph:
Ja, das ist ja unglaublich schade, dass dann in diesem Erdbeben
diese ganzen Dokumente verloren gegangen sind. Da hätte man ja
was weiß ich was alles rekonstruieren können.
Lukas:
Absolut. Das ist unglaublich schade. Vielleicht hat auch dieses
Erdbeben damit zu tun, dass diese Verbindung zwischen
Levi-Strauss und Buttenheim solange gar nicht klar war.
Lukas:
Weil bis 1983 wusste man gar nicht, dass Levi-Strauss aus
Buttenheim kommt. Weil eine Dame aus Milwaukee hat sich 1983 an
den Buttenheimer Bürgermeister gewandt,
weil sie Infos über Levi-Strauss wollte. Der war damals
verwundert, weil er nicht wusste, warum die sich jetzt an ihn
wendet.
Lukas:
Und damals hat man vermutet, dass Levi aus Bad Windsheim kommt.
Das ist zwar auch in Franken, aber in Unterfranken, also die
nächstgrößere Stadt bei Bad Windsheim ist
dann Würzburg und dann haben die rausgefunden, dass das
Geburtshaus noch steht und dass das außerdem eines der ältesten
Häuser ist, die in ganz Buttenheim noch stehen.
Lukas:
Es ist aus dem 17. Jahrhundert und dann hat man da eben das
Museum eingerichtet. Von der Inneneinrichtung war natürlich von
Levi nichts mehr da, ganz klar.
Deswegen sieht man da auch relativ wenig. Aber man sieht noch
genau die Grundrisse, weil an denen hat sich einfach nichts
verändert.
Ralph:
Und hat dann jemand in diesem Haus gewohnt oder wie wurde das
benutzt?
Lukas:
Das kann ich dir gar nicht so genau sagen, also bevor da das
Museum war, war das, glaube ich, eine ziemliche Bauruine. Also
ich glaube, da ist nicht mehr viel passiert.
Lukas:
Also wahrscheinlich war es sogar ein Glücksfall, dass man das
rausgefunden hat, weil sonst wär das irgendein Haus gewesen, was
man dann halt abgerissen hätte und dann wäre
diese schöne Geschichte quasi gar nicht mehr zutage getreten. Der
Levi war persönlich nie wieder ein Buttenheim.
Lukas:
Er ist in die USA ausgewandert und dann ist er nie wieder
zurückgekommen. Er hatte aber Briefwechsel mit Buttenheim und
Tanja Roppelt hofft, dass es vielleicht
noch den einen oder anderen Buttenheimer oder die eine oder
andere Buttenheimerin gibt, die auf dem Dachboden noch irgendwie
Briefe finden aus dem Nachlass.
Lukas:
Weil Levi Strauss tatsächlich Zeit seines Lebens daran
interessiert war, zum Beispiel auch den Juden in Buttenheim
finanziell unter die Arme zu greifen.
Er war generell auch wohl sehr philanthropisch unterwegs und hat
sich auch sehr für Schulbildung eingesetzt und und auch das muss
wohl spannend sein.
Lukas:
Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ihn tatsächlich nur
Levi genannt. Also nicht irgendwie Mister Strauss, sondern
wirklich nur Levi.
Er muss wohl ein sehr umgänglicher Typ gewesen sein, was man so
hört.
Ralph:
Aber interessant das eigentlich, dass das erstens so spät
rausgefunden worden ist,
überhaupt, dass er daherkommt aus Buttenheim.
Ralph:
Und das es ja eigentlich auch nur sehr wenig Verbindungspunkte zu
Buttenheim gibt. Also klar, er ist dort aufgewachsen und ist dann
ja erst mit 19 Jahren
emigriert in die USA. Aber von der ganzen Jeans-Tätigkeit und
so,
Ralph:
da ist ja gar nichts in Deutschland passiert. Das war ja alles
was in Amerika.
Lukas:
Ja richtig. Und was auch total interessant ist, das Levi
ursprünglich überhaupt
gar nicht Händler werden wollte. Auch da gibt es einen schönen
Ton von Tanja Roppelt.
Tanja Roppelt:
Was wir wissen, witzigerweise,
Tanja Roppelt:
Es gibt Unterlagen im Nachlass vom Vater, wo die Mutter eben
begründet, warum sie nach Amerika will. Und sie sagt eben, sie
hat eben keinen Ernährer
mehr hier in Buttenheim. Und ihr Sohn Löw hat die Handelsschule
nicht erlernt und auch keine Lust dazu.
Ralph:
Ja, was ich auch so interessant finde, es ist ja klar, dass Levis
Jeans sehr bekannt ist weltweit. Aber ich dachte tatsächlich,
dass dann diese Levi auch
Schneider wäre. Also nicht ein Händler, der dann quasi einen
Schneider beauftragt und dann mit der Idee kommt: Hey, machen wir
mal Nieten und jetzt sind es die Jeans.
Lukas:
Genauer gesagt hat er nicht mal den Schneider beauftragt, sondern
der Schneider hat ihn ja kontaktiert mit der Idee, was er gemacht
hat. Er hat
das Ganze wirtschaftlich gemacht, er hat das Patent angemeldet
und er hat quasi dafür gesorgt, dass es eine Erfolgsgeschichte
wird bis heute.
Ralph:
Also er ist eher so der Vermarkter gewesen.
Lukas:
Ja.
Ralph:
Du hast ja gerade vorhin noch gesagt, dass es im Museum ganz
viele Dinge gibt, die zur Jeans gehören,
also die mit dem Stoff hergestellt worden sind und die mit der
Zeit gehen.
Ralph:
Was sind das denn so für Dinge?
Lukas:
Also das ist ganz unterschiedlich. Wenn du in dem Museum bist, in
Buttenheim, siehst du auf verschiedenen Stockwerken,
was für Dinge mit Jeans dann irgendwann gemacht worden sind, wie
quasi dann die Jeansjacke erfunden wurde, die Jeans Hemden
erfunden wurden und wie das Ganze dann auch mit der Popkultur
sich weiterentwickelt hat.
Lukas:
Wir haben ein paar Leute schon angesprochen: James Dean, Bruce
Springsteen, dann dass es Jeans für Frauen gab und so weiter und
so fort. Das sieht man da wirklich sehr eindrucksvoll.
Das kann ich jedem empfehlen. Es ist total spannend und dann
sieht man auch ein paar Sachen, die die Jeans sozusagen ins 21.
Jahrhundert bringen.
Lukas:
Es gibt da nämlich eine Jacke, die es ausgestellt, die Levis in
Kooperation mit Google erstellt hat. Da haben die nämlich eine
Bluetoothfähige Jeansjacke erstellt,
die man anziehen kann. Und dann, wenn man zum Beispiel Fahrrad
fährt, kann man mit Handgesten an den Ärmeln, Songs, die man über
das Handy hört, weiter schalten.
Lukas:
Oder man kann Anrufe annehmen, indem er auf die Jeansjacke eine
bestimmte Bewegung durchführt, indem er da drückt. Also es ist
wohl so, dass dieses Muster,
dieses Jeans generell das ist einfach unglaubliches Potenzial
hat. Ob wir in 20 Jahren alle mit einer Bluetoothfähigen
Jeansjacke in der Gegend rumlaufen,
weiß ich nicht, aber das kann man auf jeden Fall alles
angucken.
Ralph:
Es zeigt halt auch, dass Jeans einfach in die Kultur eingegangen
ist. Das ist nicht nur eine Marke, sondern das gehört einfach zur
Kultur dazu.
Lukas:
Absolut.
Und deswegen hab ich ja gesagt, es ist ein Objekt, was einfach
jeder von uns, egal woher er kommt, egal wie alt er ist, egal was
da für einen Background ist.
Lukas:
Also zumindest hier in unseren mitteleuropäisch westeuropäischen
Kulturkreisen, das hat jeder schon getragen. Es gibt also ich,
ich wüsste jetzt keinen Menschen,
der noch nie eine Jeans getragen hätte. Um vielleicht das Ganze
abzuschließen. Noch eine kurze persönliche Erkenntnis zu mir: Ich
hatte schon länger die Vermutung,
dass ich eventuell jüdische Vorfahren habe aufgrund meines
Nachnamens und Tanja Roppeltt war
Lukas:
dann so nett und ist dann mit mir in ihr Büro gegangen und hat
gesagt, sie hätte die ganzen Matrikelnummern aus Oberfranken und
Mittelfranken, wo verschiedene
jüdische Familien bis ins 17. Jahrhundert hinein. Das wurde in so
Listen eingetragen, so Matrikellisten,
Lukas:
die hätte sie digitalisiert da. Und dann haben wir mal geguckt
und ich weiß von meinem Vater, dass meine Familie ursprünglich
aus einem Dorf kommt, was
tatsächlich ganz in der Nähe von Buttenheim ist. Es ist echt nur
ein Kaff weiter.
Lukas:
Da gab es wirklich in dieser ganzen Umgebung zehn jüdische
Familien mit dem Nachnamen Fleischmann. Also die
Wahrscheinlichkeit, dass ich von einer von
dieser Familien abstammen oder dass ich zumindest Einflüsse habe
und damit ja quasi auch, dass meine Vorfahren eigentlich genau
dasselbe erlebt haben wie
Levi Strauss, ist, finde ich irgendwie ein schöner persönlicher
Bezug zu dem Museum.
Ralph:
Dann könnte es ja theoretisch auch sein, dass Vorfahren von dir
auch emigriert sind, oder ?
Lukas:
Bestimmt. Das müsste man mal ausfindig machen.
Ralph:
Genau. Müsste mal nachforschen.
Lukas:
Absolut. Aber das sprengt den Rahmen dieser Episode jetzt. Aber
da bleib ich dran, da bleibe ich dran.
Lukas:
Tanja Roppelt hat mir da noch ein paar Adressen gegeben, wo man
dann nachgucken kann und bin gespannt, was sich daraus ergibt.
Ralph:
Ja, wunderbar.
Vielen lieben Dank, dass du mir heute die Jeans vorgestellt hast
und Levi Strauss. War viel dabei, was ich nicht kannte.
Ralph:
Tatsächlich, was mir neu war. Und was mir jetzt auch so als
Funfact hängenbleibt. Tatsächlich kann ich mal bei der nächsten
kleinen Party oder was weiß ich was
beim nächsten Smalltalk von mir geben. Mit den Nieten zum
Beispiel.
Lukas:
Ich finde am spannendsten, woher die Namen kommen, also das
französische Gênes, dann Jeans und woher des Denim kommt und so,
das ist auf jeden Fall ein cooler
Fun Fact für eine Party.
Ralph:
Ja, auf jeden Fall.
Lukas:
Ja gut, dann danke dir Ralph und danke euch allen fürs
Zuhören.
Lukas:
Wir sind natürlich an Feedback interessiert. Wir sind auch daran
interessiert, dass ihr die Vorlage teilt und uns damit ein
kleines bisschen
berühmter und beliebter macht. Und wir freuen uns schon auf die
nächste Folge.
Ralph:
Absolut. Dann bis zum nächsten Mal.
Lukas:
Tschüss
Ralph:
Ciao ciao.
Outro:
Bitte nicht anfassen. Museum mal anders. ein Podcast von
Escucha.
über BITTE NICHT ANFASSEN!:
Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte
Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an
Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das
Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das
Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir –
das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim
Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an
Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge.
Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so
viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser.
Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir
uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen
und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich
noch nie gehört hast.
Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein
besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen
darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und
-betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar
gemacht.
Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem
Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und
Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories
mögen.
BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur
für's Ohr.
Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/
Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und
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