Zwischen Sonntagspeitsche und BDSM - das Peitschenmuseum in Killer
33 Minuten
Podcast
Podcaster
Beschreibung
vor 3 Jahren
BITTE NICHT ANFASSEN! #4 – Das Peitschenmuseum
Show Notes
Killer – ja richtig gelesen – heißt der Ort, in dem das
Peitschenmuseum
steht. Seit Jahrhunderten kommen aus diesem schwäbischen Dorf
Peitschen
in allerfeinster Qualität. Und damit diese Tradition nicht
in
Vergessenheit gerät, betreibt der Heimatverein das Museum.
Eine
Folge darüber, was Rohrpflanzen aus Manila, das Durchbrechen
der
Schallmauer und schwäbischer Pragmatismus gemeinsam haben und
natürlich
geht es auch um BDSM.
Fotos:
Das Peitschenmuseum von außen:
https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Peitschenmuseum_Gebaeude-scaled.jpg
Museumsbetreiber Oliver Simmendinger:
https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Peitschenmuseum_Oliver-Simmendinger.jpg
Die zugehörige Werkstatt:
https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Peitschenmuseum_Werkstatt.jpg
Hilfreiche Links:
Die Indiana-Jones-Bullwhip-Compilation:
https://www.youtube.com/watch?v=ceU4oPRCwX8
Eine Reportage über die ungarische
Peitschentradition
https://www.youtube.com/watch?v=CiYsphB1XWA
Infos zum Museum:
Deutsches Peitschenmuseum des Heimatvereins Killer e.V.
Am Peitschenmuseum 1
72393 Burladingen
http://www.peitschenmuseum.de/
über BITTE NICHT ANFASSEN!:
Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte
Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an
Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das
Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das
Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir –
das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim
Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an
Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge.
Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so
viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser.
Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir
uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen
und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich
noch nie gehört hast.
Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein
besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen
darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und
-betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar
gemacht.
Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem
Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und
Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories
mögen.
BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur
für's Ohr.
Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/
Wenn ihr als Museum darüber nachdenkt, ob Podcasting
etwas für euch ist – hier sind 10 gute Gründe dafür:
https://www.escucha.de/gruende-fuer-museumspodcasts/
~~~~~
Kontakt
Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/
E-Mail: info[at]escucha.de
Podcast-Credits:
Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger
Produktion: Escucha GbR
Podcast-Grafik: Tobias
Trauth https://www.instagram.com/don_t_obey/
Intro/Outro: Patrizia Nath
(Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas
Fleischmann (Musik)
Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und
empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt
vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge!
Transkript:
Lukas:
Es gibt eine Wochentagspeitsche und eine Sonntagspeitsche. Und
das ist natürlich schon irgendwie aus unserer heutigen Sicht ein
bisschen skurril,
dass ich meine Sonntagspeitsche mit in die Kirche nehm.
Ralph:
Ja, und wenn du Besuch kriegst, dann gibt es für dich die
Gäste-Peitsche.
Lukas:
Ich glaube, das führt zu weit.
Intro mit Musik:
Bitte nicht anfassen. Museum mal anders. Ein Podcast von
Escucha.
Ralph:
Ja, schön, dass wir uns wieder treffen, Lukas, du warst ja
diesmal in einem Museum. Worum geht es denn heute?
Lukas:
Heute geht es um das Durchbrechen der Schallmauer. Es geht um
schwäbischen Pragmatismus. Und es geht darum, wie eine Pflanze
aus Manila
die technische Revolution für all das war. Und jetzt ist meine
Frage: Kannst du dir ungefähr vorstellen, um welches Objekt es
sich heute handelt?
Ralph:
Na ja, also Durchbrechen der Schallmauer… Das könnte irgendwas
mit Flugzeugen zu tun haben.
Und diese Pflanze, ja, keine Ahnung. Die wird dann wahrscheinlich
als Material für irgendetwas verwendet und da du gemeint hast,
also du hast das Schwaben auch noch genannt.
Deswegen schätze ich mal, du warst in irgendeinem Museum in
Schwaben.
Lukas:
Ja, also von deinen drei Dingen, die du gerade gesagt hast,
trifft eines zu und du wirst auch gleich sehen,
welches.
Und dazu hören wir uns noch mal kurz in einen Ton rein.
Oliver Simmendinger (vom Peitschenmuseum):
Da bin ich total aus der Übung. Da müssen Sie aber Abstand
halten, aber das hört man. [Es folgt Peitschenknallen]
Ralph:
Aua, aua. Das klingt für mich, ja, das klingt für mich nach einer
Peitsche.
Lukas:
Richtig, genau. Denn heute geht's ins Peitschenmuseum nach –
Aufgepasst – Killer. Also der Ort heißt wirklich
Killer.
Und ich finde, das passt einfach perfekt zu dem Namen und dieser
Ort Killer liegt 20 Kilometer südlich von Tübingen,
also mit Baden-Württemberg warst du da ganz richtig. Tja, und
derjenige, der gerade eine ungarische Ochsen Peitsche für mich
geschwungen hat,
ist Oliver Simmendinger.
Und den habe ich im Dezember besucht. Und es war ein bisschen
skurril, die Situation, weil wie du gehört hast, waren wir
draußen außerhalb des Museums,
weil diese Peitsche so lang war, dass wir die unmöglich im
Inneren des Museums hätten schwingen können.
Und Oliver hat gesagt, dass man diese Technik wirklich lernen
muss, diese Peitsche zu schwingen.
Und dann hat er sich auf so eine nicht befahrene Straße für mich
gestellt und diese mächtige Peitsche für mich geschwungen.
Tja, und wenn dieser Peitschen Ton, dieses typische
Peitschengeräusch entsteht, das ist eben dann, wenn die Peitsche
die Schallmauer durchbricht
und deswegen gibt es eben diesen Ton. Und heute dreht sich quasi
alles um die Geschichte der Peitsche.
Ralph:
Wie lang war denn diese Peitsche? Weil du gesagt hast, die war so
lang, ihr musstet da rausgehen.
Lukas:
Also genau kann ich das nicht sagen, aber ich würde mal sagen,
dass der Schaft und der Riemen zusammengerechnet schon so vier
Meter waren.
Vier, fünf Meter. So in der Richtung dann auch. Aber was es genau
für eine Peitsche ist und was es da auch für Unterscheidungen
gibt, dazu kommen wir später.
Ralph:
Okay, ja, cool. Dann bin ich mal gespannt, was du mir über die
Geschichte der Peitsche erzählst, weil die muss ja sehr weit
zurückreichen,
würde ich jetzt mal vermuten. Also wenn du sagst Ochsen Peitsche,
dann geht es ja irgendwie in Richtung Landwirtschaft und das
machen wir ja schon sehr, sehr lange.
Lukas:
Ja und nein. Also es geht ja vor allem um die regionale
Geschichte der Peitschenherstellung in Killer. Denn Killer ist
ein Dorf, was quasi dafür bekannt war, dass es sich auf die
Peitschen Herstellung konzentriert. Hat. Und vielleicht erinnert
dich das an eine andere Folge. Da waren wir nämlich schon mal in
einem Dorf, was sich auf die Herstellung eines bestimmten
Gegenstandes konzentriert hat.
Weißt du was das war?
Ralph
Ja, das war die Mausefalle in einem Dorf in der Eifel, nämlich in
Neroth.
Lukas
Genau richtig. Und in Killer ist es ein bisschen ähnlich. Also da
ist es auch so, dass das halt recht bergig liegt in der
Schwäbischen Alb und dass man da wenig Landwirtschaft betreiben
kann. Und es gibt da sehr karge Böden und es ist alles halt sehr
hügelig. Und auch da war es eben so, dass die Bewohner natürlich
gucken mussten, wie sie ihr Auskommen verdienen.
Und ähnlich wie in Neroth hat diese Not halt einen gewissen
Erfindergeist gefördert. Und in Killer ist es eben auch so.
Oliver Simmendinger erklärt mal ganz kurz, wann man zum 1. Mal
diese Peitschen Herstellung in Killer nachweisen kann.
Oliver Simmendinger:
Wir haben da eine urkundliche Erwähnung gefunden im Staatsarchiv
in Sigmaringen. Ein Gericht Protokoll, wo jemand, der heimlich
Stämme in den Wäldern geklaut hat und die verkaufen wollte. Das
Holzschlagen stand damals unter Strafe. Da wurde er erwischt und
der wollte das Holz, den Killermann Goiselmachern, den
Peitschenmachern verkaufen und das war schon 1730. Aber da hatten
die schon ihren Ruf weg.
Also das war damals schon die Killermer Goiselmacher. Also hat es
vermutlich noch viel weiter vorne angefangen.
Lukas:
Also Goisel ist der schwäbische Ausdruck für Peitsche?
Oliver Simmendinger:
Genau so kann man sagen.
Lukas:
Seit dem 18. Jahrhundert und wahrscheinlich schon viel früher hat
das Dorf eben diese Tradition, die sehr einmalig ist. Und Killer
hat als Ortschaft eigentlich mehrere Jahrhunderte nur von der
Peitschenherstellung gelebt. Die Hochzeit dieser
Peitschenherstellung, die war um das Jahr 1930. Danach waren
Peitschen einfach nicht mehr so sehr gefordert und das sind aus
Killer 5.000 Peitschen pro Tag verkauft worden.
Und jetzt schätz mal, wenn die 5.000 Peitschen pro Tag verkauft
haben, wie viele Menschen haben in Killer von der Peitschen
Herstellung ungefähr gelebt?
Ralph:
5.000 pro Tag? Naja, wie lange wird man dann für so eine Peitsche
brauchen? So müsste ich ja anfangen. Sagen wir mal, wir brauchen
für eine Peitsche pro Person vielleicht, wenn das Material schon
da ist, eine Stunde, vielleicht auch zwei, weil es ist schwierig
einzuschätzen, aber selbst dann braucht man… Das müssen ja
hunderte von Leuten sein.
Lukas:
Also es waren rund 1.200 Peitschenmacher. Doppelt so viele
Menschen wie Killer Einwohner hatte waren um das Jahr 1930, da
war eben der Peak an Peitschenmachern und mit deinen 1 bis 2
Stunden pro Peitschen liegst du sehr weit daneben, denn es dauert
nämlich sehr viel länger aber dazu kommen wir auch später noch.
Na ja, weil eben diese Peitschengeschichte so ganz speziell für
diesen Ort ist und weil man überhaupt mal zeigen wollte, wie
komplex Peitschen sein können, hat Oliver Simmendingers Vater
1993 im alten Bahnhofs Haus dieses Museum eröffnet.
Und das kannst du dir so vorstellen: Da gibt es einen großen
Ausstellungsraum, in dem befinden sich mehrere 100 Peitschen
unterschiedlichster Bauart, auch Peitschen aus der ganzen Welt.
Und im Nebenraum ist sogar noch eine voll vorhandene Werkstatt
zur Peitschen Herstellung. Und die funktioniert bis heute. Also
bis heute werden da auch teilweise Peitschen gebaut, obwohl die
Maschinen alle steinalt sind. Also ich würde mal behaupten, dass
die Maschinen locker 80 bis 100 Jahre alt sind. Und das Schöne an
dieser Museumsgeschichte, wenn es in Bezug auf die Familie
Simmendinger geht, ist dass die Simmendinger selber noch bis vor
drei Generationen professionelle Peitschenmacher waren. Die haben
noch bis vor drei Generationen wirklich davon gelebt. Und Oliver
Simmendinger kann auch heute noch Peitschen bauen.
Natürlich nicht mehr so gut wie damals, weil er sagt es einfach,
da ganz viel verlorengegangen ist an Wissen. Aber er kann heute
noch Peitschen bauen. So, und jetzt erst mal eine Frage an dich,
Ralph, was weißt du eigentlich über Peitschen?
Ralph:
Ich weiß, dass meine Jugendheld Indiana Jones immer eine Peitsche
bei sich hatte. Und die ja benutzt hat, um sich daran
entlangzuschwingen. Und ich weiß nicht, ob das möglich ist.
Lukas:
Also vielleicht sollten wir erst mal kurz klären, was gibt es
eigentlich für verschiedene Peitschen-Arten? Und das erklärt uns
Oliver Simmendinger.
Oliver Simmendinger:
Viele wissen gar nicht mehr, was eine Peitsche überhaupt ist.
Also man unterscheidet halt zunächst mal die Stockpeitschen und
die Karbatschen. Die ist das, was viele eher noch kennen von
Indiana Jones oder Zorro. Es ist ein kurzer Stil mit einem langen
Lederseil oder mit einem geflochtenen Seil. Was für große Herden
gedacht war, um große Herden zu treiben, war im Unterschied dazu
eben die Stockpeitsche, die einen sehr langen Stock hat und nicht
nur einen kurzen Lederriemen, wie man es eben von der Kutsche her
oder vielleicht auch von der Dressur aus dem Zirkus noch
kennt.
Ralph:
Als Indiana Jones Fan weiß ich ja zum Beispiel auch, dass Indiana
Jones diese Peitsche ja quasi als Jugendlicher zufällig gefunden
hat, weil da gibt es so eine Szene im Film, wo er sich auf einem
Zug befindet, auf einem Fahrenden. Und dann stürzt er durch das
Dach ins Zugabteil rein und es handelt sich um Zirkuswaggons und
da ist eben ein Löwe drin und dann sieht er dort diese
Peitsche.
Also schon in Indiana Jones wird da diese Verbindung zum Zirkus
hergestellt.
Lukas:
Ich glaube, das führt zu weit.
Ralph:
Egal! Für alle Hardcore Fans da draußen.
Lukas:
Die Peitsche, die du am Anfang gehört, das war diese Peitsche aus
Ungarn, das ist dann eine Karbatsche und die Karbatsche ist
sozusagen auch das, was Indiana Jones hat. Also ein kurzer Schaft
und ein sehr langer Riemen dran. Genau. Und die klassische
Kutscher Peitsche, da ist eben der der Schaft wesentlich länger
und der Riemen dafür kürzer. Und die hört sich natürlich auch
ganz anders an und die habe ich für dich natürlich auch einmal
aufgenommen.
[Peitschenknallen Kutscherpeitsche]
Lukas:
Und was ist das für eine Peitsche?
Oliver Simmendinger:
Das ist eine klassische Kutscher Peitsche, kann man sagen. Genau
mit der kann man eben maximal das Geräusch was man jetzt gehört
haben machen. Ansonsten ist die ja fast 2 Meter lang. Man kommt
also vor zum Pferd, kann das berühren, kann auch nur so ganz
leise zischen. Das kann man auch noch einmal sich jetzt
vorstellen, dass ich jetzt direkt neben dem Kopf vom Pferd, dann
reicht das schon so, weil der Kutscher will auch nicht viel Kraft
aufwenden.
Ralph:
Bei der Kutscherpeitsche, das hört sich so an, als wäre da dieser
Riemen auch viel dünner. Also der ganze Sound ist dünner als bei
dieser Peitsche am Anfang. Ist das richtig?
Lukas:
Das ist absolut richtig. Der ist wirklich nur so dick und bei der
Backe bei der ungarischen Karbatsche am Anfang war der Riemen,
ich würde mal sagen 1,5 bis 2 Zentimeter breit. Also das war ein
richtiges Trum und bei der Kutsche Peitsche eben viel, viel
kürzer. Oliver hat jetzt gesagt, dass die Kutscher Peitsche die
Tiere auch berührt hat. Das stimmt, aber wirklich nur, um die
Tiere quasi zu berühren, aber nicht um Schmerz zuzufügen. Also
die Haupt Navigations Funktion einer Peitsche besteht wirklich
darin, akustische Signale auszusenden, auf die das Tier reagiert
und wo das dann quasi in eine andere Richtung geht, als wenn ich
jetzt die Peitsche am rechten Ohr des Pferdes knallen lasse, dann
würde das Pferd nach links gehen, sozusagen.
Und je nachdem, wie ich die Peitsche halte, ist es natürlich auch
so, dass es die Hupe derzeit ist, in der es noch keine Autos gab.
Denn du musst jetzt mal Städte vorstellen, in denen
Pferdefuhrwerk rumfahren. Da ist es natürlich so, dass es wie in
allen alten Städten ganz enge Gassen gab. Und damit sich diese
Pferdefuhrwerke nicht gegenseitig über den Haufen fahren, hat man
quasi jedes Mal, bevor man in die Kurve rein gegangen ist, also
vorher mit der Reiter Peitsche ins Signal gegeben, was sozusagen
die Hupe war.
Und dadurch hat man eben auch versucht, Unfälle zu vermeiden.
Also deswegen muss diese Peitsche, also diese Kutscher Peitsche,
halt relativ agil sein und relativ leicht sein, weil du musst sie
aus dem Sitzen mit wenig Kraft so schnell auslösen können, damit
dieser Signalton eben ganz easy ertönt.
Ralph:
Du hat vorhin Reiter Peitsche gesagt. Ist damit die Kutsche
Peitsche gemeint? Ist das ein und dasselbe?
Lukas:
Genau, was du vielleicht noch im Kopf hast, das ist die
Reitgerte. Aber bei der Gerte ist es so, eine Gerte hat ja keinen
langen Riemen, sondern ja nur so einen kleinen Zusatz. Ich weiß
gar nicht, wie der richtig heißt. Und mit dieser Gerte, da würde
man Pferde auch tatsächlich berühren, also auch wirklich
sozusagen kinetische Energie auf das Pferd übertragen.
Aber das ist keine Peitsche, das ist eine Gerte. Und in unserem
Fall geht es wirklich nur um Peitschen.
Ralph:
Okay.
Lukas:
Wenn wir uns jetzt mal mit der Herstellung dieser Peitsche
beschäftigen, ist es natürlich so, dass wir immer zwischen dem
Peitschenschaft und dem Riemen unterscheiden müssen. Was wir
jetzt beschreiben werden ist der Peitschenschaft, also das ist
quasi das, wofür ich die konische Form brauch. Und an diesem
Peitschenschaft wird vorne der Riemen befestigt, der Riemen, da
gibt es auch ganz verschiedene Herstellungsweisen, aber für uns
interessant, weil es sozusagen ein komplexere Teil ist.
Normalerweise war es so, dass Peitschen immer aus Eichenholz
gefertigt sind, denn Peitschen müssen ja stabil und biegsam sein.
So, und jetzt ist natürlich die Frage, Oliver, hat ja gesagt,
dass man möglichst wenig Kraft für diese Peitsche braucht,
sondern dass das alles Technik ist. Es liegt natürlich auch
daran, wie die Physik einer Peitsche funktioniert.
Denn damit die Peitsche überhaupt knallt und damit überhaupt so
viel Energie von dem Schaft auf den Riemen übertragen wird, ist
die Peitsche in einer konischen Form gebaut. Weißt du, was eine
konische Form ist?
Ralph:
Ja, das ist doch eine Kegelform also etwas, was spitz zuläuft,
richtig?
Lukas:
Genau. Je konischer die Peitsche ist, desto mehr Energie wird
übertragen. Aber auch das erklärt Oliver Simmendinger noch mal
ein bisschen genauer.
Oliver Simmendinger:
Wir haben einfach eine Masse, die durch die Armbewegung in
Schwung gebracht wird und der eine oder andere kennt vielleicht
noch aus dem Physikunterricht den Energieerhaltungssatz. Wenn ich
einmal eine Energie reinsteckt, dann wird die ja nicht weniger,
sondern bleibt erhalten. Aber dadurch, dass die Masse sich nach
vorne hin verjüngt, die Peitsche wird ja immer dünner, erhöht
sich die Geschwindigkeit.
Und dadurch, dass die Geschwindigkeit sich erhöht, bricht dann
sozusagen am Ende die Schnur, durchbricht die Schallmauer und
dadurch entsteht dann auch dieser laute Knall, wie man das
kennt.
Ralph:
Und alle Peitschen sind konisch gestaltet, was dann nicht
irgendwie vorne dran noch so ein Tropfen oder so.
Lukas:
Alle konisch.
Ralph:
Also das ist bei dieser Ochsen Peitsche so und ist das bei dieser
Kutscher Peitsche auch so?
Lukas:
Ist bei allen Peitschen so. Also eine Peitsche, die nicht konisch
zuläuft, würde gar nicht richtig funktionieren, weil die
Übertragung vom Schaft auf den Riemen gar nichts hätte. Und das
ist nämlich auch der springende Punkt, wo die Herstellung von
Peitschen mit der Meisterhaftigkeit des Handwerks verbunden wird.
Denn je besser eine Peitsche, desto konischer läuft sie zu und
desto stabiler und biegsamer ist sie gleichzeitig.
Denn je dünner ich vorne bin, desto weniger Energie brauche ich,
weil desto mehr Energie wird ja konzentriert. Und je dünner das
Material vorne ist, desto brüchiger wirds. Und gleichzeitig
brauche ich ja auch noch ein relativ biegsamen Material. Also das
sind verschiedene Faktoren, die diese Herstellung gar nicht so
ohne machen. Und ganz am Anfang hat man das mit Ebenholz
gemacht.
Das ist sozusagen das, was diesen Ansprüchen an das Material, an
die natürlichen Ressourcen die wir hier im deutschsprachigen Raum
haben, am besten entspricht. Bei den Peitschen ist es so, die
sind von Killer aus in ganz Deutschland vertrieben worden und
irgendwann ist mal ein Peitschen Macher an einen Hochseehafen in
Deutschland gekommen und da ist er mit einem Material
konfrontiert worden, was die Peitschen Herstellung in Killer
revolutioniert hat.
Und das ist das sogenannte Manila Rohr. Und auch das erklärt uns
Oliver Simmendinger kurz.
Oliver Simmendinger:
Ja, die Schiffe damals, ja noch so Holz Schalen, sag ich mal, die
waren ja nicht so schöne Containerschiffe und so schön
ausbalanciert wie heute, sondern die musste man je nach Ladung.
Das waren Säcke oder lose Ware oder Kisten musste man die
entsprechend dem Seegang auch noch ausbalancieren, damit die
einigermaßen gerade im Wasser liegen. Und für das Ausbalancieren
da haben die in Asien, sind die hergegangen und haben dieses
Manila vorgeschlagen.
Das ist durchzogen mit so vielen feinen Fasern und deswegen im
frisch geschlagenen Zustand quasi voll mit Wasser, was sich die
Pflanze versorgt und deswegen sehr schwer. Und diese Bündel haben
aber nicht viel Platz weggenommen, konnten sich gut in die Ecken
und überall rein stapeln lassen. Und so hat man das mit diesen
schweren Manilastangen das Schiff ausbalanciert. Nach der
Überfahrt und Ankunft in den deutschen Seehäfen war das Material
aber vertrocknet und deshalb für die Seefahrer wertlos.
Ralph:
Hmmm, also quasi aus einem Abfallprodukt haben die dann Peitschen
hergestellt?
Lukas:
Genau. Und es wurden mit Abstand die besten Peitschen und das
liegt daran, wie man das Manila Rohr eben bearbeiten kann.
Vielleicht noch mal ganz kurz für dich die Information, wenn man
an eine Pflanze denkt oder an Rohr generell, dann denkt man ja an
etwas, was innen hohl ist, wie zum Beispiel Bambus, der ja auch
für seine Stabilität bekannt ist.
Beim Manila Rohr ist es so, das ist nicht innen hohl, also das
ist wirklich einfach ein Stecken, kann man sagen, der halt
relativ groß ist. Ich habe da auch einen gesehen im
Peitschenmuseum, das sind natürlich auch ein paar Manila Rohr
Stöcke ausgestellt, in verschiedenem Bearbeitungszustand, also
vom Rohzustand bis hin dann zu, wenn sie zu einer Peitsche
verarbeitet werden.
Und das sieht erst mal komplett unscheinbar aus, wenn es
getrocknet ist. Das sieht aus wie ein helles Holz. Man hat am
Anfang versucht, einfach nur aus diesem Manila Rohr, das in eine
konische Form zu drechseln. Also man hat es in so eine Drechsel
Bank rein gemacht, hat dann ein Messer genommen, hat quasi
versucht, dieses Manila Rohr nach vorne hin immer dünner zu
drechseln.
Kannst du dir das vorstellen, wie ich das meine?
Ralph:
Also ich verstehe das total.
Lukas:
So und jetzt ist es natürlich so, es gab auch diese Herstellung,
dass man quasi das Manila Rohr nur verjüngt, dass man es quasi so
entlang drechselt. Aber um so eine richtig ultimative Killerer
Peitsche zu bauen….
Ralph:
Eine Killer Peitsche.
Lukas:
Um die ultimative Killer Peitsche zu basteln, hat man das Manila
Rohr noch mal ganz anders bearbeitet. Auch das erklärt uns noch
mal Oliver Simmendinger:
Oliver Simmendinger:
Wenn man jetzt hergeht und das einfach abkoppelt, sodass die
Peitsche nach vorne hin dünner wird, dann ist eigentlich die gute
Außenhaut von diesem Manila Rohr, war dann weg und dadurch auch
die Spannkraft und die Haltbarkeit. Deswegen haben dann die
Peitschenmacher, hier schwäbischer Erfindergeist sage ich mal,
versucht quasi die Peitsche von innen auszuhöhlen. Und das hat
man so gemacht, dass man das Rohr komplett aufgeschnitten hat in
Einzelteile in Viertel, so dass man ins Innere reinkommt, hat
dann mit Hobel Messern das Innere quasi raus gearbeitet und dann
am Ende diese 4/4 Stücke wieder zusammen geleimt und dann war
quasi nur das Beste vom Äußeren erhalten und die Peitsche nach
vorne hin trotzdem dünner.
Und bei dieser Gelegenheit ist man dann hergegangen und hat noch
zusätzlich mit Stahl Einlagen gearbeitet. Mit Stahl
Einlagen.
Ralph:
Die Stahl-Einlagen, hast du das dann auch gesehen?
Lukas:
Dieses Manila Rohr ist ja dann sozusagen hohl und es ist wieder
zusammengeleimt und das ist so fein gearbeitet, dass man wirklich
sehr genau hingucken muss, um überhaupt zu sehen, wo diese
Viertel waren. Also Oliver Simmendinger musste mir das wirklich
zeigen, sonst hätte ich das gar nicht gesehen. Und innendrin
kommt quasi noch ein Federstahl rein, der sozusagen zusätzlich
dieses ganze Konstrukt noch mal stabilisiert.
Lukas:
Und bei der Manila Peitsche, wo die so hergestellt ist, die
kannst du fast, also kannst du den Peitschenschaft fast um 180
Grad drehen, ohne dass sie auseinanderbricht. Also der hat es für
mich in dem Museum gemacht und hat diese Dinger, hat die gedreht
und ich dachte, okay, jetzt krachts hier, jetzt ist gut, aber die
sind komplett flexibel.
Das ist jetzt auch nur eine von vielen Herstellungsarten, wie man
mit diesem Manila Rohr umgehen kann. Es gibt noch ganz andere
Herstellungsweisen und natürlich wie alles was irgendwie
hergestellt wird, von den Menschen wurden auch Peitschen
irgendwann mal dafür benutzt um den Status von Menschen bzw auch
den Reichtum von Menschen zu demonstrieren. Denn letztlich ist es
so, dass die Sonntags Peitsche das war, was heute Markenklamotten
waren.
Damals waren quasi Peitschen richtige Statussymbol und je nachdem
wie die hergestellt waren und ob die Verzierungen drin hatten und
ob da noch irgendwie wertvoller Stoff um den Schaft gewickelt
wurde. Und so weiter und so fort war das ein Statussymbol.
Denn ist es tatsächlich auch wieder so? Also da gibt es sehr
viele Parallelen zum Auto, das werden Sie feststellen. Man hat
damals schon hat sich dann eine Sonntags Peitsche etabliert, das
heißt, die Leute, die am Sonntag dann mit dem Pferdewagen in die
Kirche gefahren sind, der wollte dann der Bauer am Sonntag eine
besondere Peitsche in der Hand haben.
Nicht die, die die ganze Woche über vielleicht bei der Arbeit im
Einsatz war und dementsprechend sind die Peitschen Betriebe dann
drauf eingestiegen. Haben eben unterschiedliche Möglichkeiten
gesucht, wie man die Peitsche verzieren und noch schöner machen
kann.
Ralph:
Ja, genau wie beim Auto. Da fahre ich auch Sonntag mit meinem
besonderen Auto zum Gottesdienst und sonst habe ich meinen
Dienstwagen.
Lukas:
Ja gut, vielleicht nicht ganz so, aber du weißt, worauf ich
hinauswill. Also es gibt halt eine Wochentags Peitsche und eine
Sonntags Peitsche. Und das ist natürlich schon irgendwie aus
unserer heutigen Sicht ein bisschen skurril, dass ich meine
Sonntags Peitsche mit in die Kirche nehm.
Ralph:
Wenn du Besuch kriegst, dann gibt es für dich die Peitsche.
Lukas:
Und bei den es ist übrigens auch so, dass die Killerner
Goiselmacher sich auch ihre, also die krasseste Peitsche, die
wertvollste Peitsche haben die sich auch über ihre Stuben Tür
gehangen, damit jeder der gleich reinkam wusste okay, das ist
jetzt ein richtig krasser Peitschenmacher, weil der das und das
Material verwendet und weil er das und das gemacht hat.
Und so weiter und so fort. Also es ist auf jeden Fall ein
Statussymbol was glaubst du, wie lang eine Peitsche hält, wenn
sie richtig gut hergestellt ist und wenn man sie täglich braucht.
Also nicht die Sonntags Peitsche, sondern so eine Wochentags
peitsche. Was glaubst du wie lange hält die ungefähr?
Ralph:
Also meinst du jetzt so eine Kutscherpeitsche?
Lukas:
Ja egal, die halten ungefähr gleich lang.
Ralph:
Ich glaube, dass sie mehrere Jahre halten. Ich würde mal sagen
vielleicht wie so ein Computer. So zwei Jahre.
Lukas:
Ja, also wenn man die wirklich täglich benutzt und intensiv
benutzt, hält die ein bisschen über ein Jahr, weil es ist
trotzdem eine krasse Kraft, der Energie Transfer. Also die muss
man schon regelmäßig austauschen. Und natürlich, wenn man sich
überlegt, wie viele Fuhrwerke und Ochsen Gespanne und Kutschen
und alles mögliche es noch 1930 in Deutschland gegeben hat, kann
man sich vorstellen, was da für eine Peitschen Produktion
notwendig war, um das natürlich alles am Laufen zu halten.
Und wenn dann noch diese Luxuspeitschen und diese
Sonntagspeitschen hinzukommen, hat man natürlich eine wahnsinnige
Nachfrage nach Peitschen.
Ralph:
Hmmm gehst du eigentlich noch auf den Riemen ein?
Lukas:
Nicht wirklich, weil der Riemen ist halt nicht zu spannend, weil
das ist halt meistens geflochtene Leder.
Ralph:
Ahja, okay.
Lukas:
Jetzt hast du diese unglaubliche Nachfrage und wie kommen jetzt
die Menschen zum Angebot? Hast du da eine Idee wie es damals
geklappt hat?
Ralph:
Hmm Na ja, vielleicht über Märkte, dass die Peitschen Hersteller
vielleicht irgendwie auf Märkte gefahren sind oder halt irgendwo
in die Städte, wo die Peitsche noch oft gebraucht worden sind von
Kutschen oder vielleicht Anzeigen in der Zeitung? Ich weiß es
nicht.
Lukas:
Ja und nein. Es war auch so, dass das ein bisschen war wie bei
den Mausefallen in Neroth. Es gab tatsächlich fahrende
Peitschenhändler, die im Sommer von Stadt zu Stadt gereist sind
und die haben da ihre Aufträge angenommen, haben die im Winter
dann gebaut und im Sommer ausgeliefert. Das heißt, man hat jedes
Mal eine Peitsche für das nächste Jahr bestellt.
Lukas
Und es gab natürlich nicht nur eine Peitsche, sondern es gab ganz
verschiedene. Es gab sogar einen richtigen, richtigen Katalog von
Peitschen, und zwar in Form von Peitschen-Miniaturen. Das heißt,
die Peitschen Macher haben in der Zeit gebaut, und haben die dann
mitgenommen.
Oliver Simmendinger:
Und drum gingen die Peitschen Macher her und haben ihre
verschiedenen Typen, die es gab im Modell, quasi nachgebaut. Und
mit solchen Modellen dann hat man eine Kollektion
zusammengestellt und ist dann mit diesen Kollektionen auf Reisen
gegangen, um so ihre Peitschen an den Mann zu
bringen.
Ralph:
Und das war ja dann noch im 20 Jahrhundert so?
Lukas:
Genau. Das ist natürlich weniger geworden und ich kann mir gut
vorstellen, dass es dann 1930, dass es dann nicht mehr so viele
fahrende Händler gab. Also ich glaube, dass sich diese Produktion
tatsächlich eher auf Ende des 19. Jahrhunderts fokussiert. Ich
glaube, dass es da einfach 1930 schon andere Möglichkeiten gab,
aber sicherlich wird man das damals auch noch so gemacht
haben.
Ralph:
Ja, ich meine, es wurden ja irgendwann in 20 Jahrhundert kam ja
das Auto auf und wurde dann ja auch die die Kutsche als
Transportmittel verdrängt. Und wahrscheinlich ging ja dann die
Nachfrage nach Peitschen auch ein bisschen runter.
Lukas:
Absolut. Also ab dem Zeitpunkt, wo das Auto den Straßenverkehr
revolutioniert hat und ab dem Zeitpunkt, wo die Landwirtschaft
primär von Maschinen durchgeführt wurde, ist es natürlich so,
dass die Peitschen in den Bedeutungsverlust gegangen sind. So,
und jetzt noch eine Information zum Schluss: Wenn es um die
Kategorisierung von Peitschen geht; es gibt ja noch abseits von
Kutschen und von Reit Veranstaltung eine andere Domäne, in der
Peitschen verwendet werden. Das ist ja zum Beispiel die BDSM
Szene und das ist ziemlich witzig, weil wenn es darum geht, sich
im Schlafzimmer auszupeitschen, benutzen die meisten Leute
eigentlich eine Peitsche, die gar keine Peitsche ist, sondern ein
Reinigungsgerät.
Ralph:
Wie ein Wischmopp, oder was?
Lukas:
Ja, so in der Richtung. Und zwar handelt es sich bei einer
klassischen Peitsche, die für BDSM verwendet wird, zum Beispiel
um eine französische Klopf Peitsche und da gibt es auch einen Ton
dazu.
Oliver Simmendinger:
Wobei ursprünglich die Peitsche die Peitsche wie man sie hier
sieht. Also das sind mehrere Lederriemen an einem kurzen Griff
dran. Das tut sicherlich arg weh, wenn man da, wenn man da feste
zuschlägt, Ursprünglich kommt die tatsächlich aus Frankreich und
wurde dort verwendet, um die damals noch sehr aufwendig
hergestellten Uniformen der Soldaten von Staub und Schmutz zu
befreien. Die haben dann quasi an der Uniform sich so runter
geklopft, deswegen Klopfpeitsche.
Ralph:
Du musst mir jetzt diese Klopf Peitsche erklären, weil ich bin da
nicht so bewandert drin. Also wenn ich jetzt an BDSM denke, dann
denke ich, glaube ich, eher an so eine Gerte oder an so ein
Paddel. Ich glaube, es gibt noch irgendwie so was Paddelartiges,
aber ich weiß jetzt nicht, was diese Klopfpeitsche ist.
Lukas:
Genau. Aber dieses Paddelartige sind ja letztlich auch Gerten,
nur mit einem breiteren Blatt oben dran. Diese Klopfpeitschen
sind diese Teile, die man auch immer aus so ganz martialischen
Filmen sieht, wenn jemand ausgepeitscht wird. Das ist ein relativ
kurzer Schaft und an diesem Schaft gibt es mehrere Lederriemen,
also nicht einen Riemen, sondern mehrere. Und das ist eigentlich
ein Reinigungsgerät und gar nicht dafür gedacht, um Leute
auszupeitschen, also um Schmerz zu verursachen. Und ich finde es
eigentlich witzig, wie quasi eigentlich ein Reinigungsgerät dann
als Peitsche benutzt wird und die eigentlichen Peitschen ja so
kaum mehr benutzt werden.
Ralph:
Aber es passt ja total. Ich bin so dreckig, reinige mich also ich
glaube, ich weiß jetzt auch was du meinst. Also mit so mehreren
Riemen dran. Ist es nicht auch diese neunschwänzige Katze oder
ist das wieder was anderes?
Lukas:
Weiß ich nicht.
Ralph:
Okay, ist aber nicht aus dem BDSM Bereich. Also das ist glaube
ich aus dem Mittelalter, dachte ich. Ich habe noch eine Frage und
zwar zur Benutzung dieser Peitschen. Du hast jetzt diese Kutscher
Peitsche erklärt. Wie verwendet man denn diese Ochsen
Peitsche?
Lukas:
Die Ochsen Peitsche ist letztlich dafür da, dass man ganze
Ochsen-Herden mit akustischen Signalen lenken kann und deswegen
hat man da auch so viel Platz gebraucht, weil die sind extrem
laut. Also das hat man dann in ganz Killer gehört als Oliver
Simmendinger diese ungarische Ochsen Peitsche da für mich
geschwungen hat. Die ist wirklich laut, also einfach deswegen, um
halt große Herden lenken zu können.
Und das muss man auch wirklich trainieren. Also da gibt es
verschiedene Techniken, wie man das machen kann. Ich glaube
nicht, dass wir beide jetzt aus dieser Peitsche einen Ton
rausbekommen würden.
Ralph:
Und was kostet so eine Peitsche?
Lukas:
Das weiß ich nicht.
Ralph:
Okay, also man kann jetzt dort vor Ort nicht einfach so eine
Peitsche kaufen.
Lukas:
Nein, das geht nicht. Jetzt ist natürlich so, das
Peitschen-Museum in Killer ist ein sehr, sehr kleines Museum, das
hat nur ein paar 100 Besucher pro Jahr und während der Pandemie
musste das Museum komplett dichtmachen. Und das Museum wird auch
vom Heimatverein getragen. Das heißt, sie haben jetzt nicht
wahnsinnig viele Ressourcen, aber, und das hat man gemerkt, das
macht Oliver Simmendinger natürlich auch, weil es ein Stück
Familiengeschichte ist, aber auch mit sehr viel Herzblut.
Lukas:
Und alleine schon die Tatsache, dass die das wiederherstellen,
dass sie auch wieder angefangen haben, Peitschen zu produzieren,
ist natürlich super. Die sind auch regelmäßig zum Beispiel auf
Heimattagen unterwegs, wo die dann diese Killerer
Peitschenmacherei zeigen. Und es ist schon echt ein schönes
kleines Projekt. Also wenn man sich dafür interessiert, sich das
mal anzugucken. Es gibt die Homepage des Peitschen Museums in
Killer, das kann man einfach mal Googlen oder wir stecken es in
die Show Notes und da kann man auch Führungen ausmachen. Und das
ist auf jeden Fall denke ich eine tolle Gelegenheit. Also eine
blöde Nachricht da noch irgendwie zum Schluss. Es gab leider
einen Brandanschlag vor kurzem auf dieses Museum. Kein Mensch
weiß wieso, weil das ist wirklich ein tolles kleines Heimatmuseum
und das Peitschen Museum wäre natürlich auch sehr dankbar, wenn
es vielleicht die einen oder anderen geben würde, die ein
bisschen was spenden an den Heimatverein in Killer, damit da die
Schäden möglichst schnell beseitigt werden.
Am Museum selbst sieht man das gar nicht, dass ist nur in einem
dieser Räume. Genau. Also wem jetzt diese Geschichte gefallen
hat, oder wer das Museum in Killer unbedingt mal besuchen möchte,
der kann ja vielleicht den einen oder anderen Euro an den
Heimatverein überweisen, damit die diese schöne Lokalgeschichte
die auch darüber hinausgeht. Denn auch diese Peitschen sind in
ganz Deutschland und darüber hinaus verkauft worden.
Ralph:
Da finde ich eine gute und wichtige Sache, weil uns ist ja daran
gelegen, dass wir kleine Museen vorstellen und natürlich, dass
die auch erhalten bleiben, weil die ja so spezielle Themen haben,
die, wenn die Museen schließen, dann vielleicht auch in
Deutschland aussterben.
Lukas:
Absolut. Tja, Ralph, das war mein Besuch mit dir im Peitschen
Museum in Killer.
Ralph
Der hat mir jetzt sehr gefallen. Ich bin da wirklich total
neugierig drauf, das selber mal zu besuchen, weil ich mir da
vorher ehrlich gesagt gar keine Gedanken darüber gemacht habe.
Peitschen Das ist soweit weg von mir. Ich nutze die weder privat
jetzt für BDSM noch für Zirkus Auftritt, sonst irgendwas. Aber
wie viel Handwerk da drinsteckt, wusste ich nicht. Und ich wusste
auch nicht, wie das so funktioniert mit dem Peitschen. Also finde
ich sehr cool. Finde ich sehr interessant und es hat auf jeden
Fall mir persönlich jetzt Lust auf mehr gemacht, weil ich glaube,
dass da noch ganz viel zu erfahren ist, wenn man da
hingeht.
Lukas:
Ja, das glaube ich auch. Und außerdem, man kann es auch super
kombinieren. Mit einer Wanderung in der Schwäbischen Alb. Die
Natur da außen rum ist natürlich super. Killer hat ja direkt
einen Bahnhof, das heißt, das Museum ist ja direkt am Bahnhof und
da ist es auch relativ gut angeschlossen, wenn man da nicht mit
dem Auto hinmöchte. Also es ist einen Besuch wert, auf jeden
Fall.
Ralph:
Ja, dann danke fürs Vorstellen, Lukas, danke auch für alle, die
jetzt zugehört haben. Wir freuen uns natürlich immer über
Feedback. Wir freuen uns auch, wenn ihr den Podcast an Freunde
und Familie weiterleitet, damit einfach mehr Leute in den Genuss
von diesen besonderen Themen kommen. Und wenn ihr Vorschläge
habt, wo wir mal hinfahren sollten, in welches Museum, dann könnt
ihr uns auch gerne eine Mail schreiben, die Infos dazu findet ihr
alle in der Beschreibung unseres Podcasts.
Lukas:
Ich würde jetzt gar nicht mehr groß Tschüss sagen. Punkt.
Podcast.
Ralph:
Punkt Podcast, so!
Der Beitrag Das Peitschenmuseum erschien zuerst auf Escucha.
Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Weitere Episoden
36 Minuten
vor 2 Wochen
50 Minuten
vor 1 Monat
38 Minuten
vor 1 Monat
34 Minuten
vor 2 Monaten
41 Minuten
vor 2 Monaten
In Podcasts werben
Kommentare (0)