Der römische Ziegel mit Penisgraffiti und irakische Abenteuer - das Ziegelmuseum Mainz

Der römische Ziegel mit Penisgraffiti und irakische Abenteuer - das Ziegelmuseum Mainz

33 Minuten

Beschreibung

vor 3 Jahren

BITTE NICHT ANFASSEN! #9 – Das Ziegelmuseum Mainz 


Show Notes 


Der Mediziner Kaus Ewe ist in seiner Freizeit gerne in Baugruben
gesprungen und hat antikes Zeugs ausgebuddelt. Irgendwann hatte
er so viele antike Ziegelsteine, dass er der Hobbyarchäologe ein
Museum in seiner Heimatstadt Mainz gründete. Das betreibt der
91-Jährige immer noch. Somit ist er wohl einer der ältesten
Museumsdirektoren der Welt. Eine Folge über römische Penisse, die
verrückten 70er und wie Fragmente einer viertausend alten
Keilschrift nach Mainz gekommen sind.  


Hilfreiche Links: 


So sieht der Hoffmansche Brennofen im Schema aus:  


https://de.wikipedia.org/wiki/Hoffmannscher_Ringofen


Das ist ein Artikel zum Jetavanaramaya, das aus 19 Millionen
Zigelsteinen besteht:  


https://en.wikipedia.org/wiki/Jetavanaramaya


Das ist die Homepage des Zielgesteinmuseums:  


https://www.ziegelmuseum-mainz.de/


Infos zum Museum:  


Verein der Freunde der Ziegelei e.V. 


Abteilung Ziegelmuseum 


Alte Ziegelei 


55128 Mainz  


+41 061 261 00 11 


über BITTE NICHT
ANFASSEN!:  


Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte
Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an
Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das
Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das
Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir –
das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim
Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an
Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge.
Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so
viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 


Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an
kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und
alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich
noch nie gehört hast. 


Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein
besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen
darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und
-betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar
gemacht. 


Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem
Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und
Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories
mögen. 


BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur
für's Ohr. 


Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 


 Wenn ihr als Museum darüber nachdenkt, ob
Podcasting etwas für euch ist – hier sind 10 gute Gründe
dafür:
https://www.escucha.de/gruende-fuer-museumspodcasts/


~~~~~
 
Kontakt  
Instagram:
https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/
E-Mail: info[at]escucha.de  


Podcast-Credits:  
  


Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger  
Produktion: Escucha GbR  
Podcast-Grafik: Tobias Trauth
https://www.instagram.com/don_t_obey/  
Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin)
https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann
(Musik)  


Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und
empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt
vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 


00:00:01:06 – 00:00:22:01 


Klaus Ewe 


Unser Pfarrer wollte eine archäologische Predigt halten und hat
gefragt, ob ich ein paar Sachen hätte. Ja, ich sah ein Stück vom
Turm zu Babel. Dann habe ich, dann habe ich einen Denar vom
Kaiser Augustus, von dem das Gebot ausgeht. Und dann kam nachher
ein Ehepaar. Sagen Sie, was haben wir auch? 


00:00:22:16 – 00:00:31:12 


Bitte nicht anfassen! Museum mal anders. Ein Podcast von ist
gucke. 


00:00:36:10 – 00:00:42:08 


Lukas 


Hallo und herzlich willkommen an alle da draußen. Wir sind wieder
hier bei einer neuen Folge von Bitte nicht anfassen! 


00:00:42:21 – 00:00:58:02 


Ralph 


Ja, Lukas, es ist ja so, dass du wieder für ein Museum unterwegs
warst. Und zwar hast du in der vergangenen Folge ja wirklich hohe
Erwartungen in mir geweckt, als du gesagt hast. Aha, das ist
bestimmt der älteste Museums Betreiber der Welt. 


00:00:58:20 – 00:01:07:05 


Lukas 


Du weißt ja, dass ich Superlative mag. Und in dem Fall ist es so,
also, ob es der Welt ist, weiß ich nicht. Ich muss mich so ein
bisschen relativieren. Aber ja, tatsächlich. 


00:01:07:05 – 00:01:07:23 


Ralph 


Europas. 


00:01:08:13 – 00:01:35:20 


Lukas 


Ja, vielleicht. Tatsächlich. Wir besuchen heute das Museum von
Klaus, Ewe und Klaus. Ewe ist 91 Jahre alt. Ich gebe jetzt mal
ein paar biographische Fakten von Klaus und du sagst mir dann,
was für ein Museum er betreibt. Klaus Ewe ist Mediziner und war
Professor für Innere Medizin an der Universität Mainz und lehrte
da Innere Medizin, war aber auch praktizierender Arzt. 


So, und mit diesen Infos sagst du mir jetzt über was könnte Klaus
Ewe ein Museum gegründet haben? 


00:01:43:04 – 00:01:59:13 


Ralph 


Ja, das ist so eine Fangfrage. Das ist ja vollkommen klar. Wenn
ich jetzt sage, dass doch bestimmt ein Museum über Innere
Medizin, dann ist das wahrscheinlich nicht richtig. Aber ich weiß
es. Ich kenne den Mann ja nicht. Deswegen ein Museum, das
irgendwie am Rande mit Medizin zu tun hat.  


00:01:59:14 – 00:02:03:22 


Lukas 


Genau.. Es geht um Ziegelsteine. Klaus hat einen Ziegelstein
Museum gegründet. 


Aber so, wenn du die Geschichte hörst, wie es dazu gekommen ist,
ist es gar nicht so weit weg davon. Denn in den 1970 er Jahren
ist in Mainz ein neues Klinikum gebaut worden, ein neues
Universitätsklinikum. Und Klaus Ewe ist schon eigentlich seit
seiner Kindheit Hobby Archäologe. Und deswegen ist er immer in
die Baugrube rein gesprungen. Natürlich alles abgeklärt und hat
quasi gefragt, ob er denn so ein bisschen rum graben
dürfte. 


Und tatsächlich hat er dann auch immer wieder ein paar Sachen
gefunden. Und damit du mal merkst, was da für eine Begeisterung
inklusive auftritt, wenn er davon seinen Ausgrabungen berichtet,
dachte ich Lassen wir ihn mal selbst zu Wort kommen. 


00:02:47:22 – 00:03:08:15 


Klaus Ewe 


Das ist ein faszinierendes Hobby, wenn man da in so einer Grube
sitzt. Normalerweise ist der Lehm ja so gelblich und dann kommt
ein Areal, da ist er schwarz. Das war mal irgendwas, ist auch
angekommen und dann da und da kommt dann eine Scherbe raus und
dann noch eine Scherbe. Na ja. 


00:03:09:06 – 00:03:14:11 


Ralph 


Ich merk schon in seiner Stimme die Begeisterung. Und tatsächlich
kann ich das auch nachvollziehen. 


00:03:14:20 – 00:03:16:12 


Lukas 


Du bist ja studierter Archäologe. 


00:03:17:07 – 00:03:33:05 


Ralph 


Ja, ja, ich bin studierter Archäologe. So ist es. Ab und zu gehe
ich tatsächlich auch über einen Acker drüber, einfach um zu
gucken, ob da nicht irgendwas rumliegt. Und manchmal liegt da
tatsächlich was. Roma. Keine Schätze. Aber ein paar
Scherben. 


00:03:33:19 – 00:03:36:15 


Lukas 


Also du würdest quasi die Begeisterung von ihm teilen
können. 


00:03:37:02 – 00:03:37:21 


Ralph 


Ja, total. 


00:03:38:04 – 00:04:06:06 


Lukas 


Genau wie du dir vielleicht vorstellen kannst, wenn man so was
eine ganze Zeitlang mal macht, dann sammeln sich natürlich über
die Jahre und Jahrzehnte einige Funde an und Klaus war besonders
fasziniert von den Ziegelsteinen, weil Ziegelsteine sehr, sehr
viel Aussagen über wie die Menschen gelebt haben, wie diese
Ziegelsteine hergestellt wurden. Und weil man aus Ziegelsteinen
wahnsinnig viel über die Geschichte lernen kann, zu diesen ganzen
Details und ein paar Beispielen, die wirklich verrückt
sind. 


Also die sind wirklich verrückt, die haben nämlich, und das ist
kein Witz mit dem Turm zu Babel zu tun, zum Beispiel, oder mit
sehr, sehr alten Keilschrift, die auf Ziegelstein gefunden hat.
Also es wird wirklich sehr, sehr Indiana Jones lastig. Heute.
Aber bevor wir soweit gehen, wollte ich dich fragen Weißt du denn
überhaupt, wie Ziegelsteine hergestellt werden? Damit wir das mal
geklärt haben. 


00:04:29:14 – 00:04:57:02 


Ralph 


Ja, ich habe so eine grobe Ahnung davon. Da bin ich jetzt kein
Experte drin. Aber die bestehen ja, so gut ich weiß, aus Lehm und
Lehm findet sich ja im Boden und der Lehm hat so eine Konsistenz,
die so ein bisschen Knete artig ist. Ja, ich glaube dann, dass
dieser Lehm halt in so eine Form reinkommt, dass ihn seine Kasten
formen, wahrscheinlich ein Ziegelstein. 


Und dann wird das in einem Ofen erhitzt bzw gebrannt und man hat
ein Ziegelstein. Und das ist dann quasi so ähnlich wie wie bei
Keramik auch, glaube ich. 


00:05:06:22 – 00:05:35:19 


Lukas 


Genau. Also im Prinzip ist es alles richtig, was du gesagt, denn
es geht darum, dass du eben diesen Lehm hast, den tust du in die
Form. Das ist dann der sogenannte Rohling. Dann wartest du, dass
es dir ein bisschen trocknet, aber nicht zu sehr trocknen, weil
sonst würde der porös werden, auseinanderbrechen und dann tust du
den in den Ofen und dann wird der so bei 1.200 Grad gebrannt und
so hat man Ziegel hergestellt ab dem Jahr 3000 vor Christus bis
in die Neuzeit. 


Warum ich sage bis in die frühe Neuzeit: Das hat für die Sammlung
und auch für das Ziegelstein Museum eine sehr große Auswirkung,
denn das Ziegelstein Museum in Mainz befindet sich in der alten
Ziegelei und die Alte Ziegelei ist eine Ziegel Fabrik, die 1904
gegründet wurde und bis 1972 betrieben wurde und als 1972 diese
Ziegelei eben dichtgemacht wurde, weil es halt woanders günstiger
zu produzieren war, hat Klaus EwE in den ersten Stock dieser
alten Ziegelei sein Museum eingerichtet und dort erstens viele
seiner persönlichen Ausgrabungen Gegenstände reingestellt, aber
auch Ausgrabungen, Gegenstände, die ihm geschenkt wurden. 


Und jetzt fragst du dich vielleicht Warum nur der erste
Stock?  


Ralph:  


Haha ja genau: Was ist im Erdgeschoss?  


Das hat damit zu tun, dass diese alte Ziegelei nach dem Prinzip
eines Hofmann Ring Ofens aus dem Jahr 1864 zurückgeht. Das
brauchst du dir nicht merken.  


Aber ich finde das Prinzip dahinter super faszinierend. Deswegen
würde ich das gerne als kleinen Exkurs erklären. Und ich glaube,
dann verstehst du auch und kannst dir besser vorstellen, wie
dieses Museum dann im ersten Stock aussieht, denn es ist
sozusagen einem total authentischen Ort. Diese alte Ziegelei
kannst du dir vorstellen, wie eine Ellipse, die ungefähr 50 bis
70 Meter lang ist und so 30 bis 40 Meter breit ist? 


So, und diese Ellipse besteht aus zwei Teilen. In der Mitte ist
der Ofen und der große Schornstein, der aus dieser aus diesem
Gebäude rausgeht. Das Gebäude selbst ist übrigens auch aus
Ziegelsteinen gemacht, also ist irgendwie witzig. Genau. Also in
der Mitte geht quasi ein riesiger Ziegel Schornstein raus und um
diesen Ofen herum befindet sich ein innerer Mauer Ring. 


Und dann gibt es noch den äußeren Ring. Das ist sozusagen die
Außenmauer dieser Ellipse. Kannst du dir das ungefähr
vorstellen? 


00:07:37:18 – 00:07:40:02 


Ralph 


Ja, so ungefähr. Aber das Ganze ist auch überdacht, oder? 


00:07:40:05 – 00:08:03:12 


Lukas 


Genau das ist komplett überdacht, denn dieser Ring. Deswegen
heißt das Ganze auch Ringofen. Der besteht aus verschiedenen
Kammern, die sich aneinander reihen. Das heißt, da sind einmal
diese Kammern, die eben auch gemauert sind und auch mit Mauern
dazwischen sind. Die reihen sich aneinander und bilden sozusagen
diesen Ring. Und in der Mitte von diesem Ring, da ist der Ofen
und der, also wo halt der Brennstoff reinkommt und der
Kamin. 


Ja, und jetzt ist es so Das sind alle diese Kammern werden Ziegel
rein gefüllt und die werden da bis oben hin gestapelt und die
sind riesig. Diese Kammern, also da passen, da passen, in eine
Kammer passen so schätzungsweise 25.000 Ziegel rein, da werden
diese Rohlinge rein geschlichtet und dann wird dieser Ofen
angemacht und über eine ganz raffinierte Konstruktion aus
Belüftung, Schächten und Zugluft schächten wird dafür gesorgt,
dass die Hitze, die in einer Kammer ist, in die nächste
weitergegeben wird. 


Und so sorgt es quasi dafür, dass eine Kammer so viel Hitze
erzeugt, dass das in die nächste weiter geht. Und alle diese
Kammern, die da einmal so außen gehen, sind alle mit
Ziegelsteinen gefüllt, die aber schon zu einem unterschiedlichen
Grad gebrannt sind, je nachdem, wo sich gerade der heißeste Punkt
befindet, wo gerade am meisten rein gefeiert wird. 


00:09:00:21 – 00:09:16:07 


Ralph 


Heißt das, dass die Hitze erst in einer Kammer entsteht und dann
in die nächste weitergetragen wird und dann in die
nächste?  


Lukas 


Also nicht gleichzeitig genau an mehreren Orten, sondern wirklich
eine Kammer nach der anderen. Genau so geht es dann im Kreis
herum. 


Genau, weil das hat nämlich den riesengroßen Vorteil. Und
deswegen hat sich das auch durchgesetzt, dass ich kontinuierlich
Ziegelsteine rein füllen kann und wieder rausnehmen kann, ohne
den kompletten Ofen aus zu machen. Und ich kann quasi letztlich
eine Fließband Produktion von Ziegeln erstellen, weil ich immer
wenn eine Kammer fertig gebrannt ist, kann ich da die Ziegeln
rausnehmen und dann in diese Kammer wieder die Ziegel reintun,
ohne den Vorgang in den anderen Kammern zu unterbrechen, weil ich
das über diese Lüftungsschlitze regeln kann. 


00:09:45:09 – 00:09:54:05 


Lukas 


Und das ist sozusagen das Geniale. Das hat dazu geführt, dass in
den Hochzeiten der alten Ziegelei in Mainz an einem Tag 25.000
Ziegelsteine produziert werden konnten. 


00:09:56:15 – 00:09:57:15 


Ralph 


Was? 20.000. 


00:09:57:21 – 00:10:01:17 


Lukas 


25.000 Ziegelsteine. Damit kannste ein Einfamilienhaus
bauen. 


00:10:02:06 – 00:10:04:05 


Ralph 


Na ja, wollte ich grad fragen, wie viel es denn braucht. 


00:10:04:13 – 00:10:06:05 


Lukas 


Da kannst du ein Einfamilienhaus bauen. Genau. 


00:10:06:18 – 00:10:27:20 


Ralph 


Ja, und eine ganz kurze Rückfrage noch: Die Kammern werden
nacheinander erhitzt und das heißt, am Anfang sind ja alle kalt,
die Kammern und dann ist Kammer eins warm und dann wird Kammer
zwei warm. Und so weiter. Genau. Und irgendwann sind ja dann doch
alle gleichzeitig warm. Man öffnet eine Kammer, nimmt Ziegelstein
raus, macht einen neuen Rohling rein, macht die Kammer wieder zu
und es geht weiter und. 


00:10:27:24 – 00:10:50:09 


Lukas 


Und es dauert 14 Tage. Das dauert 14 Tage, bis die Hitze einmal
komplett durch ist und deswegen Ring, Ofen, weil die Hitze
ringförmig zirkuliert und es immer unterschiedliche Stadien des
Brennen in den jeweiligen Kammern gibt. Und das ist insofern
interessant für das Ziegelstein Museum, wenn du in das
Ziegelstein Museum gehst, was natürlich auch eine riesengroße
Fläche hat, weil es ist der komplette erste Stock dieses
Brennofen. 


Jetzt ist es so, dass du in dem Ziegelstein Museum so kleine
Dinger siehst, das sieht aus wie Gullydeckel sie da angeordnet
sind, denn du kannst in jede Kammer, die kannst du mit so einem
Gullideckel aufmachen von oben. Und da konnten die Mitarbeitenden
in der Ziegelei noch zum Beispiel Kohle nachfüllen. Wenn die
gemerkt haben, dass die Hitze nicht ganz ausreicht, dann konnten
die von jeder Kammer quasi oben noch mal so ein Loch aufmachen
und da rein füllen. 


Und deswegen ist es ganz wichtig, dass du von oben an jede Kammer
hinkommst. Und jetzt, da die Ziegelei ja nicht mehr genutzt wird,
ist es quasi einfach nur eine riesengroße Fläche. Wo du aber noch
siehst, für was diese Öffnung genutzt worden sind. 


00:11:27:10 – 00:11:43:11 


Ralph 


Jetzt würde ich aber trotzdem ne Frage stellen, weil du sagst Ja,
man kann von oben auf jede Kammer zugreifen. Das heißt, haben wir
jetzt quasi nur eine Etage voller Kammern oder gibt es da schon
mehrere?  


Lukas  


Genau. Aber es gibt quasi einen kleinen Abstand dazwischen,
sodass man immer von oben aus rein schauen kann. Genau. Und das
ist wahnsinnig kompliziert zu erklären. Und deswegen gibt es in
den Shownotes einen ausführlichen Plan, dass es eine schematische
Darstellung dieses Hoffmann Ring Ofens, das heißt alle, die sich
dafür interessieren, einfach in die Shownotes gucken. Da gibt es
eine Grafik, wo detailliert erklärt wird, was in jedem Ding
passiert, damit er euch das besser vorstellen könnt. Wenn du dir
mal diese Fläche anguckst, dieser riesengroß. 


Und das sind Tausende von Ziegelsteinen. Ich habe keine genaue
Nummer, aber diesen, die sind groß, also von Dachziegeln, sogar
über über Rohre, die wie ein Ziegel gebrannt worden sind und als
Wasserleitungen fungiert haben in römischer Zeit. Also der hat da
alles Mögliche. 


00:12:19:17 – 00:12:25:21 


Ralph 


Wie darf ich mir das vorstellen? Also waren da diese Ziegel in
Vitrinen drin oder auf Regalen. Wie war das so? 


00:12:26:06 – 00:12:55:12 


Lukas 


Also ganz unterschiedlich. Die waren teilweise in Vitrinen
drinne. Wenn es natürlich sehr, sehr wertvolle Exponate waren,
teilweise, wenn es sehr große Steine waren, wie zum Beispiel auch
Steine für diese römische Fußbodenheizung, dann waren die auf dem
Boden drapiert oder in Regalen. Also, aber du wirst, wenn du da
mal hoch gehst wirst, einfach sehen, das ist ein riesengroßes
Areal und das sind so viele Steine drinnen, dass es wahnsinnig
schwer dafür alles Glasvitrinen zu finden. 


00:12:56:00 – 00:13:02:23 


Ralph 


Und wenn ich dann da reingehen, dieses Museum, dann finde ich da
eine Infotafel zu diesem Objekt, oder wie ist das genau? 


00:13:02:23 – 00:13:30:21 


Lukas 


Und da steht dann noch eingeschrieben, von welcher Zeit das ist,
woher man das weiß. Eben zum Beispiel, indem man es mit
Datenbanken von Eigenschaften, von Königen vergleicht oder indem
man sagen kann Ja, diese Signatur ist von der mazedonischen
Legion. Und so weiter und so fort. Genau. Nein, jetzt fragt du
dich natürlich, wie ist er da rangekommen? Und das sind meistens
tatsächlich Spenden oder halt Menschen, die gesagt haben Hey, du
kümmerst dich doch darum, wir haben da bei uns was im Garten
gefunden oder wir haben da was ausgegraben. 


Wenn es was Sensationelles ist, wird es natürlich meistens den
offiziellen Museen oder den Lehrstuhl für Archäologie angeboten.
Aber bei kleineren Geschichten oder bei so fragmentarischen
Geschichten, die nimmt Klaus Ewe dann gerne an, da gibt es aber
Geschichten sind sehr abenteuerlich. Also ein Bekannter Mag den
Namen nicht nennen, der war in den 70er Jahren zu Besuch im
historischen Babylon, also nachdem auch der Turm zu Babel benannt
ist. 


Diese Ausgrabungsstätte befindet sich im heutigen Irak. 


00:14:00:09 – 00:14:29:10 


Klaus Ewe 


Und dann lag da so ein kleines Stück auf der Erde. Aber was
drauf, also die Tasche gesteckt. Und dann hat er gesagt, das
liegt jetzt seit 40 Jahren auf einem anderen verstaubten Regal.
Mast es haben? Und ich bin dann in die Uni zu Pressesprecherin,
die kann Keilschrift lesen und hatte schon eine Hoffnung. Und sie
hat sich bewahrheitet. Die erste Zeile ist Nebukadnezar, der
zweite der Erbauer, Restaurator des biblischen Turmbau zu
Babel. 


00:14:29:10 – 00:14:31:00 


Lukas 


Das heißt, wie alt ist dieser Ziegel jetzt? 


00:14:31:05 – 00:14:38:01 


Klaus Ewe 


Nebukadnezar ist also im sechsten Jahrhundert vor Christus. 


00:14:38:18 – 00:14:42:24 


Lukas 


Also quasi ein 2600 Jahre alter Ziegel, der da ist mit
Keilschrift. 


00:14:43:09 – 00:15:02:09 


Klaus Ewe 


Unser Pfarrer wollte eine archäologische Predigt halten und hat
gefragt, ob man so Sachen hätte. Ja, ich sage ein Stückchen vom
Turm zu Babel, dann habe ich, dann habe ich einen Denar vom
Kaiser Augustus, von dem das Gebot ausgeht. Und dann kam nachher
ein Ehepaar sagen So was haben wir auch. 


00:15:04:11 – 00:15:12:03 


Ralph 


In diesem Ton, da ist ja einiges drin, das auch mit dieser
archäologischen Predigt. Der Pfarrer, der würde mich aber auch
mal interessieren. 


00:15:12:24 – 00:15:18:02 


Lukas 


Der ist doch witzig, oder? Der Pfarrer sagt Ja, hast du was
Archäologisches? Ja, ein Stück vom Turm zu Babel, als…. 


00:15:18:02 – 00:15:21:21 


Ralph 


… Wäre das ganz normal. Ja, gleich. Guck mal, hinten im
Schupfen. 


00:15:22:12 – 00:15:46:08 


Lukas 


Ja, aber wenn du musst nur überlegen. Dieser Bekannte, der lässt
halt diesen Ziegelstein 40 Jahre bei sich im Schrank stehen und
er verstaubt einfach nur. Und dann kommt raus, dass es halt 2100
Jahre alte Keilschrift ist. Also ich will damit sagen, davon kann
man halten, was man will, aber das ist keine Ausnahme. Und zwar
hat ja Klaus Ewe gerade gesagt, dass dann während dieses
Gottesdienstes ein Paar auf ihn zugekommen ist, ein Ehepaar auf
ihn zugekommen, wissen gesagt, der so was haben wir auch. 


00:15:46:17 – 00:16:16:13 


Lukas 


Das hat Klaus Ewe in den letzten paar Sekunden, ist uns gerade
gesagt. Ja, und da kam raus, dass der Mann dieses Ehepaars in den
70er Jahren auch im Irak gearbeitet hat und da als Straßenbauer
Ingenieur tätig war. Und da ist er natürlich auch, weil die alles
Mögliche umgegraben haben, auf Ziegel mit Inschriften gestoßen.
Und die hat er, und das ist natürlich aus heutiger Sicht schon
extrem schwierig, einfach mitgenommen, aber waren halt die 70er
Straßenbahnen im Irak keine an ich möchte das jetzt nicht
werten. 


00:16:16:13 – 00:16:17:08 


Lukas 


Das ist nicht so, wie. 


00:16:18:01 – 00:16:18:20 


Ralph 


Dass das passiert. 


Ja, ja und sicher auch das hat er dann analysieren lassen. Also
der, der, der, der Freund von ihm. Und da kam raus. Die Dinger
sind sogar 4000 Jahre alt. Und diese Ziegelsteine sind eine der
frühesten Zeugnisse von menschlicher Keilschrift. Und das hat
Klaus Ewe auch noch mal kurz erklären. 


00:16:41:16 – 00:17:12:00 


Klaus Ewe 


Der hat zwei kompletten Ziegel, aber die bringen auf dem
Kunstmarkt fünf fünfstellige Beträge. Und dann hat er aber vier
Fragmente, und die hat er mir gegeben. Das ist eine weiße
Handschrift, und da ist der Name Amor Sin. Und dann gibt es eine
Liste der Könige und Amor Sin sind, aber sind 2046 bis 2038. Ich
kann also fast genau sagen, wie alt die Ziegel sind. 


00:17:12:11 – 00:17:14:06 


Lukas 


Ja, das ist so eine verrückte Geschichte. 


00:17:14:07 – 00:17:40:11 


Ralph 


Na ja, aber das ist halt wirklich schwierig, dass die Leute da
halt einfach diese Sachen mitgehen lassen. Natürlich ist es jetzt
eine schöne Geschichte, aber aus archäologischer Sicht ja halt
bedenklich, weil wir halt jetzt dadurch halt den Fund Kontext ja
auch gar nicht kennen und nicht wissen. Was kann uns das noch für
Aufschluss über die Vergangenheit geben? Wir haben jetzt quasi
nur dieses Objekt, aber wissen nicht wie. 


War das eingebettet und gab's da vielleicht noch mehr und
so? 


00:17:43:19 – 00:18:11:06 


Lukas 


Da gebe ich dir absolut recht. Deswegen darüber, wie es da
hingekommen ist, möchte ich nicht urteilen. Aber und das kann man
ja Klaus Ewe schon zugutehalten er kümmert sich darum, dass diese
Ziegelsteine erstens erhalten werden, zweitens auch ausgestellt
werden. Und er hat ja auch wirklich Kontakt mit der Archäologie
der Universität Mainz. Das heißt, er stellt ja nicht einfach so
aus, sondern ist auch in Kontakt mit denen und die sagen, dass
das für diese Fragmente in Ordnung ist, weil sonst dürfte die da
auch gar nicht ausstellen. 


00:18:11:06 – 00:18:37:03 


Lukas 


Aber es ist auf jeden Fall so: Wenn man in einen Ziegelstein
reingeht, kann man da 4000 Jahre alte Inschriften betrachten, und
das erwartet man ja von Mainz nicht. Denn was man von Mainz ja
erwartet aus archäologischer Sicht, ist ja ganz viel römisches
von Mainz Wie viele andere Städte in Deutschland war Mainz eine
Gründung der Römer und die Römer waren richtige Cracks im Ziegel
bauen. 


Die haben wahnsinnig viel Gebäude aus Ziegel gemacht und deswegen
konnten die auch überall relativ schnell ihre Kastelle, Anlagen,
Bäder und Tempel hinbauen, weil die sehr gut im Produzieren von
Ziegelsteinen waren. Und das hat natürlich auch dafür, dass
gerade aus römischer Zeit sehr, sehr viel übrig ist. Wusstest du,
wer bei den Römern dafür verantwortlich war, dass Ziegelsteine
hergestellt wurden? 


00:19:00:12 – 00:19:00:23 


Ralph 


Nein. 


00:19:01:13 – 00:19:24:01 


Lukas 


Die Soldaten, die Legionäre haben nämlich nicht nur gekämpft,
sondern die waren auch Handwerker. Die mussten quasi, wenn es
gerade keine Kriegszeit gab, so ziemlich alles andere, was uns so
eingefallen ist, machen. Und die waren tatsächlich auch
spezialisiert. Also es gab wirklich innerhalb der Legionen
einzelne Leute, die auch verschiedene handwerkliche Tätigkeiten
spezialisiert waren und da war eben auch der Ziegelstein Brand
mit dabei. 


Und diese Tatsache ist heute ein riesengroßer Schatz, denn diese
Legionen haben quasi nicht nur unterschiedliche Ziegelsteine
hergestellt, sondern haben in die Ziegelsteine auch verschiedene
Symbole rein gebrannt, damit alle wussten, von welcher Legion
dieser Ziegelstein kommt. Dadurch kann man, wenn man jetzt einen
Ziegelstein findet und diese Signatur, der eben ausfindig macht,
sogar bis ins Jahr hinein sagen, von wann dieser Ziegelstein
ist. 


00:19:51:18 – 00:20:01:08 


Klaus Ewe 


Die müssen gebrannt sein in der Zeit zwischen 43 und 70, weil die
mazedonische Legion zu dieser Zeit hier in Mainz gelegen hat. Das
weiß man. 


00:20:03:10 – 00:20:05:18 


Ralph 


Ja der Herr Ewe, da weiß einiges über seine Ziegel. 


00:20:06:05 – 00:20:36:01 


Lukas 


Ja, und wir standen da gerade in diesem Raum. Also er hat einen
Raum komplett abgetrennt, wo es speziell nur um römische Ziegel
geht. Das hätte ich vielleicht vorhin noch erwähnen sollen und da
stand neben davor und dann hat er mir eben diese Ziegel gezeigt
und hat eben gesagt, worauf man da achten muss. Und Funfact
Übrigens diese Beschreibungen in den Ziegeln, die nennt man
Graffiti, also das heutige Markieren von Stein kommt quasi daher,
dass man Ziegelsteine damals mit den jeweiligen Signaturen
versehen hat. 


Und deswegen daher kommt das Wort Graffiti, denn da gibt es zum
Beispiel S förmige Stempel, da gibt es Hufeisen, Stempel, da gibt
es ganz, ganz unterschiedliche Sachen. Und natürlich, natürlich
haben die römischen Soldaten nicht nur ernsthaftes Zeugs da rein
gemacht, sondern die haben sich auch Witze erlaubt. Und zwar, das
fand ich ziemlich witzig, gibt es einen Ziegelstein, wo man
rekonstruieren konnte, dass die Seite mit der Signatur nach innen
gezeigt hat? 


Und da hatten römische Soldaten Penis rein geritzt mit so einem
Ding, so komplett random mäßig hat er sie erfunden, sondern Penis
da eingeritzt. Und der ist bis heute da. 


00:21:14:02 – 00:21:15:04 


Ralph 


Sicher, dass das ein Penis ist. 


00:21:15:11 – 00:21:16:04 


Lukas 


Ja, das ist. 


00:21:16:04 – 00:21:17:07 


Ralph 


So eindeutig, das. 


00:21:17:07 – 00:21:28:04 


Lukas 


Ist unzweifelhaft ein Penis. Da siehst du die Hoden. Das ist ein
Penis. Das ist die Eichel. Das ist unzweifelhaft Penis. Also, das
ist klar, wie 12-jährige einen Penis malen, aber es ist ein
Penis. 


00:21:28:12 – 00:21:33:06 


Ralph 


Ja, ich meine, die Soldaten waren ja auch oft mit ihren Familien
da. Also vielleicht war es wirklich ein 12-jähriger. 


00:21:33:24 – 00:21:38:16 


Lukas 


Kann sein. Und was es zum Beispiel auch gibt, und das finde ich
auch super spannend, sind Fußabdrücke. 


00:21:39:04 – 00:21:59:03 


Klaus Ewe 


Wir haben hier zu sehen, ein römischen Ziegel, der zum Trocknen
aussah und da ist ein römischer Legionär dahergekommen und hat da
aufgetreten und seine Schuhe waren genagelt. Und diesen
genagelten Schuhen habe ich auch selbst ausgebuddelt. 1986 war
das. 


00:21:59:04 – 00:22:13:08 


Lukas 


Dieser römische Legionär ist dann versehentlich auf den noch
nicht ganz getrockneten Ziegel gestiegen. Und diesen Abdruck
sieht man heute noch richtig. Und es hat sich tatsächlich
herausgestellt, dass Klaus Ewe den Schuh aus gegraben hat, der zu
diesem Fußabdruck passt. 


00:22:13:14 – 00:22:14:22 


Ralph 


Ach, gibts es ja gar nicht. 


00:22:15:04 – 00:22:15:11 


Lukas 


Ja. 


00:22:15:24 – 00:22:18:13 


Ralph 


Aber der war doch am selben Ort, oder? Hey, wie kam es
dazu? 


00:22:18:22 – 00:22:39:09 


Lukas 


Vielleicht kann es auch sein, dass es andere Schuhe. Aber halt,
in derselben Schuhgröße habe ich jedenfalls Zeit und Abdruck
passen zusammen. Das heißt nicht, dass quasi Abdruck und exakt
der Schuh sich dann 2000 Jahre später wieder treffen. Aber auf
jeden Fall ein baugleicher Schuh oder ungleicher Schuh. Das
Römische Reich ist ja im Verlauf des fünften und sechsten
Jahrhunderts nach Christus untergegangen, also des Weströmischen
Reiches. 


Da gab es ja die Teilung des Oströmische Reich hat ja letztlich
bis ins 15. Jahrhundert existiert, aber das weströmischen Reich,
also wo er auch Mainz gelegen ist, ist er dann untergegangen und
damit mit dem Untergang des römischen Reiches ist auch die Ziegel
Produktion ziemlich zum Erliegen gekommen und deswegen ist es
wahnsinnig schwer aus dem Mittelalter Ziegeln zu finden. 


Also aus dem frühen Mittelalter. Ziegel zu finden ist fast
unmöglich. So sieben acht Jahrhundert, da findet man gar nichts.
Und wenn man da was krasses findet, das ist eine wirkliche
Sensation. Und man sieht auch, dass mit dem Untergang des
Römischen Reiches ganz viel Wissen um die Ziegel Produktion
verloren gegangen ist. Also zum Beispiel hat Klaus natürlich auch
Ziegelstein aus dem Mittelalter ausgestellt, aber man erkennt da,
dass die nicht immer an die römische Qualität herangekommen
sind. 


00:23:30:12 – 00:23:41:19 


Klaus Ewe 


Aus dem schätzungsweise 14 15 Jahrhundert habe ich ein paar
Backsteine gesehen, auch abenteuerlich aus ganz krumm und schief.
Aber das ist auch selten. 


00:23:43:03 – 00:23:54:11 


Ralph 


Der Klaus Ewe, der hat ja dann Ziegelsteine wirklich aus ganz
unterschiedlichen Jahrhunderten. Gibt es dann aber was. Also hat
er irgendwie so ein Lieblings Objekt oder ein bestimmtes
Jahrhundert? 


00:23:55:00 – 00:24:23:06 


Lukas 


Was er wahnsinnig gern hat ist, er hat barocke Dachziegel, das
sind sehr Ziegeln, die sind früher benutzt worden, da hat man in
diese Ziegel Muster rein geschnitzt. Also es hat so ein bisschen
wie ein Mandala, die hat man da rein geschnitzt und dann hat man
das gebrannt und die hat man sozusagen als Kunstwerke
ausgestellt. Und Klaus hat zu seinem 75 Geburtstag von seiner
Frau so eine barocke vier Ziegel bekommen und das ist so sein
Lieblings Ziegel. 


00:24:23:07 – 00:24:30:01 


Lukas 


Aber der hängt halt bei ihm zu Hause an der Wand und nicht im
Museum. Aber denke sogar über dem Bett genau. 


00:24:31:06 – 00:24:38:07 


Ralph 


Aha. Ja, und jetzt ist Klaus Ewe ja auch nicht mehr der Jüngste.
Wie geht es da mit dem Museum weiter? Sind da gefragt. 


00:24:38:14 – 00:25:01:08 


Lukas 


Ja, er hatte einen Nachfolger. Da war es aber tragischerweise so,
dass dieser Nachfolger verstorben ist. Dann war er lange Zeit auf
der Suche nach jemanden, weil das ist viel Arbeit. Also da muss
man sich erstens gut auskennen, zweitens ist das ein riesen
Areal. Drittens sitzt Klaus Ewe jeden Sonntag da und macht
Führungen in diesem Museum. Also das ist auch wirklich ein sehr
hohes persönliches Engagement, was er damit kann. 


Jetzt hat er aber wieder jemanden gefunden, einen Jungspund, wie
er es sagt von 72 Jahren, der das selbst dann übernehmen wird.
Aber natürlich auch noch mal der Ruf an alle Zuhörenden Wenn ihr
aus der Mainzer Region seid und ihr Lust habt, euch bei einem
tollen Projekt zu engagieren, mit jemanden, der sich wirklich gut
auskennt, dann wendet euch gerne an Klaus. 


00:25:21:18 – 00:25:31:04 


Lukas 


Der freut sich da wahnsinnig, wenn auch mehr junge Leute und
jüngere Leute, sagen wir mal, na so, Jungspunde unter 70, die
sich dafür interessieren. Genau. 


00:25:31:20 – 00:25:35:16 


Ralph 


Das heißt, das Ziegelstein Museum hat nur sonntags
geöffnet. 


00:25:35:23 – 00:25:54:18 


Lukas 


Genau. Das hat nur sonntags geöffnet und nach Absprache. Also,
ich war ja auch nicht an dem Sonntag da. Ich habe da angerufen.
Es gibt auch eine Homepage vom Ziegelstein Museum und eine
Homepage von der alten Ziegelei. Das ist auch alles in den
Shownotes und da sind die Kontaktdaten und da kann man einfach
anrufen und gegen eine Spende bekommt man da eine Führung und das
ist es wirklich wert. 


Also erstens ist es total imposant, wenn man sieht, wie jemand,
der sich da der 70 Jahre ausgräbt, sich da auch auskennt. Und es
ist einfach total schön zu sehen, mit was für einer Leidenschaft
er dann diese Ziegelsteine rangeht. Das ist schon sehr cool. Na
ja, gut, und jetzt kommen wir noch mal ganz kurz zurück zu den
Ziegeln. Das ist jetzt sozusagen mein Abschluss dieser Folge war
ein Exkurs, ja, ein mini Exkurs. 


Es geht mir so Du weißt ich magSuperlative und deswegen geht es
jetzt um die Superlative des Ziegelsteinbaus. 


00:26:22:00 – 00:26:24:20 


Ralph 


Und zwar der kleinste Ziegelstein, der größte Ziegelstein. 


00:26:25:04 – 00:26:41:09 


Lukas 


Na ja, nicht so ganz. Es geht eben die Menge an Ziegelsteine,
weil es total faszinierend find. Also tatsächlich ist in unserer
wunderschönen Heimat Bayern ein Superlativ des Ziegelstein Baus.
Weißt du zufällig, welcher vor ist? 


00:26:41:09 – 00:26:47:04 


Ralph 


So eine schwierige Frage. Was könnte das denn sein? Das höchste
Gebäude, das höchste. Der höchste Ziegelstein. 


00:26:47:04 – 00:26:58:20 


Lukas 


Bau fast. Also der höchste Kirchturm aus Ziegelstein. Der steht
in Bayern. Das ist nämlich der Kirchturm der Martinskirche, und
der ist 130 Meter hoch. 


00:26:58:20 – 00:27:00:16 


Ralph 


Wo steht der? 


Lukas  


In Landshut. 


Und der ist aus rund 2 Millionen Ziegelsteinen gebaut worden.
Also nur der Turm, die ganze Kirche aus Ziegelstein, das ist die
sogenannte Backstein Gotik, die man ja eigentlich eher aus
Norddeutschland kennt. Du hast du schon gesagt. Was ist das
höchste Ziegelstein? Gebäude der Welt. Das ist der Anaconda Smoke
Steg in Montana von 1918. Das ist ein Schornstein einer
ehemaligen Industrieanlage. 


Der ist 178 Meter hoch, also fast 180 Meter, und dafür hat man
2,5 Millionen Ziegelsteine gebraucht. Aber ist halt nun
Schornstein, ne.. 


00:27:35:14 – 00:27:37:17 


Ralph 


180 Meter. 


00:27:37:17 – 00:27:59:07 


Lukas 


Aber das ist alles gar nichts gegen den Rekordhalter im
historischen Ziegelstein Bau. Und das ist was, von dem ich noch
nie gehört habe. Und da merkt man einfach mal, was man für einen
eurozentristischen Blick hat, weil man immer denkt, dass alles
Krasse irgendwie der westlichen Welt passiert ist. Und das ist
Bullshit, denn das wohl imposant ist und wahrscheinlich
historisch. 


Eines der bedeutendsten Ziegelstein Bauten ist der Jetavanarayama
in Sri Lanka. Das ist eine Tempelanlage aus dem dritten
Jahrhundert, das dritte, sondern nach Christus, ein riesiges
buddhistisches Kloster, und das besteht schätzungsweise aus 90
Millionen Ziegelsteinen. Also wenn du dir mal so eine riesige
Backstein Kirche in Bayern vorstellst mit 2 Millionen
Ziegelsteinen und das Jetavanarayama in Sri Lanka mit 90
Millionen Ziegel aus dem dritten Jahrhundert nach Christus. 


00:28:30:19 – 00:28:33:11 


Ralph 


Da hatten die wahrscheinlich noch nicht diesen Ring Ofen. 


00:28:34:08 – 00:29:02:00 


Lukas 


Du bringst mich zu meiner Nächsten. Ich habe das natürlich
nachgerechnet, und zwar mit diesem Hoffmann Ring Ofen von 1864.
Den hätte man zehn Jahre lang ohne Pause in maximal Auslastung
Ziegelsteine produzieren lassen müssen. Nur für dieses Gebäude.
Zehn Jahre lang, jeden Tag ohne Pause, mit 25.000 Ziegeln pro
Tag, um das Jetavanarayama zu bauen. Dadurch, dass man weiß, dass
man Sri Lanka diesen Ring of noch nicht gegeben hat. 


Kannst du dir mal vorstellen, wie viele Menschen über Dekaden
hinweg nur dafür Ziegelsteine gebaut haben, dass diese
Tempelanlage gebaut wird? Faszinierend. 


00:29:14:02 – 00:29:19:20 


Ralph 


Ja, schon. Aber du hast nicht rausgefunden, wie lang der Bau
gedauert hat, oder? Man weiß es vielleicht auch gar nicht,
oder? 


00:29:19:22 – 00:29:37:05 


Lukas 


Ich glaube nicht so ganz genau. Also, ich. Ich weiß nicht. Ich
muss auch ehrlicherweise gestehen, bei der Recherche, ich bin
jetzt nicht zu tief gegangen. Also da gibt es sicherlich
Literatur drüber. Ich habe aber eben nur diese Infos rausgegeben,
nur diese Infos gefunden, wie genau, wie gesagt, dass es drittes
Jahrhundert nach Christus ja, also. 


00:29:37:20 – 00:29:43:14 


Ralph 


Na ja, also, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, falls ihr wisst, wie
lange es gedauert hat, lasst es uns wissen. 


00:29:44:09 – 00:29:50:22 


Lukas 


Und mit diesem Superlativ, glaube ich, können wir diese Folge
über das Ziegelstein Museum beenden oder so? Noch Fragen? 


00:29:51:11 – 00:30:01:05 


Ralph 


Ich habe noch Fragen. Und zwar, wenn ich an so einen klassischen
Ziegelstein Bau denke, dann sind die Ziegelsteine da immer rot.
Aber es gibt doch auch Ziegelsteine in anderen Farben,
oder? 


00:30:02:01 – 00:30:07:09 


Lukas 


Es kommt einfach auf die Konsistenz des Lehms an und wie hoch der
gebrannt wird. Da gibt es alles Mögliche. 


00:30:07:23 – 00:30:29:01 


Ralph 


Wenn jetzt zum Ersten Mal Ziegelstein hört oder jetzt auch, wie
ich das jetzt so gehört hatte, denkste. Ja, okay, klingt jetzt
nicht so spannend. Du hast das Gegenteil bewiesen. Es war recht
spannend, aber dieses Museum ist es dann auch für für Kinder
interessant, oder? Wir gehen so in dieses Ziegelstein Museum
rein. Ich kann es überhaupt nicht einschätzen. Es ist das volle
Geheimtipp. 


00:30:29:19 – 00:30:52:02 


Lukas 


Ja, also, ich glaube, es ist wirklich ein Geheimtipp, weil man
muss. Man muss schon wissen, wie man da hinkommt. Und ich glaube
aber, das ist für Familien genauso interessant wie für
Alleinstehende, die da hingehen und auch von der Altersspanne her
mit 9-jährigen würde ich da nicht reingehen. Und vielleicht haben
Pubertierende jetzt auch nicht so wirklich Bock, sich mit
Ziegelsteinen auseinanderzusetzen. 


00:30:52:12 – 00:31:01:01 


Lukas 


Aber so Alle Leute, die so ein bisschen historisches Interesse
haben und vielleicht auch sich für römische Geschichte
interessieren, die sind das sehr gut aufgehoben. 


00:31:02:01 – 00:31:02:10 


Ralph 


Okay. 


00:31:03:03 – 00:31:14:06 


Lukas 


Also gut. Und damit sind wir am Ende angelangt. Dieser Folge
bitte nicht anfassen. Diesmal über das Ziegelstein Museum. Und
vielleicht kannst du mir schon mal einen kleinen Vorgeschmack
geben, wohin es das nächste Mal gehen wird. 


00:31:14:16 – 00:31:36:02 


Ralph 


Ja, es wird tatsächlich wieder nach Bayern gehen, aber das sehr
kurz angesprochen hatten mit Landshut ist in Niederbayern, da
geht es nicht hin, sondern es geht in die Oberpfalz. Mal wieder
muss man sagen, wir hatten das ja schon mal, es geht um ein sehr
kleines Objekt, das da im Mittelpunkt steht und das auch jeder
kennt. 


00:31:37:11 – 00:31:38:05 


Lukas 


Ich bin gespannt. 


00:31:39:06 – 00:31:39:20 


Ralph 


Darfste sein? 


00:31:40:14 – 00:32:04:05 


Lukas 


Ja, und wenn ich jetzt diese Folge und bitte nicht anfassen
gefällt, dann abonniert uns gerne oder hinterlasst uns auf
Spotify zum Beispiel ein fünf Sterne Rating. Wir freuen uns
natürlich auch über Kommentare und Feedback, die Möglichkeiten
dazu findet ihr auch in der Podcast Beschreibung. Und wenn ihr
uns unterstützen wollt, wir betreiben bitte nicht anfassen ohne
eine Form von Profit. 


00:32:04:14 – 00:32:07:05 


Lukas 


Dann gibt es die Möglichkeit uns bei Steady zu
unterstützen. 


00:32:07:20 – 00:32:25:08 


Ralph 


Richtig, wir würden uns sehr darüber freuen. Wir freuen uns aber
auch einfach über Feedback und wenn ihr die Folge mit Leuten
teilt, die sich unter anderem für Ziegelsteine
interessieren. 


Der Beitrag Das Ziegelmuseum Mainz erschien zuerst auf Escucha.


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